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24.01.1992

Französische Regierung noch uneins über den potentiellen PartnerBull bestätigt Gesprache mit IBM und HP über RISC-Allianz

PARIS (CW) - Bull-Chairman Francis Lorentz ist optimistisch, denletztjährigen Betriebsverlust im Jahr 1991 deutlich reduziert zu haben. Darüber hinaus bestätigte er nun endlich, sowohl mit der IBM als auch mit Hewlett-Pakkard Verhandlungen über einen RISC-Pakt zu führen, die zudem eine Beteiligung des neuen Partners an der Groupe Bull zum Inhalt hätten.

Aufgeschreckt durch die seit Wochen grassierenden Gerüchteund Spekulationen über die Zukunft des französischen Computermultis blieb Francis Lorentz jetzt keine andere Wahl, als der heimischenPresse reinen Wein einzuschenken. Das Ergebnis seiner Erklärung war jedoch keine Überraschung: Die Groupe Bull sucht einen Partner, um den Einstieg in die RISC-Technologie zu schaffen, und bei denGesprächspartnern handelt es sich um die IBM und den Workstation-Spezialisten Hewlett-Packard.

Entscheidung fällt auf politischer Ebene

Daß es bei der Groupe Bull nach Abschluß der Verhandlungengleichwohl zu einer Verschiebung der Aktionärsstruktur kommen werde, da der neue Partner - sei es die IBM oder HP - einen Minderheitsanteilan dem Staatskonzern erhalte, der vergleichbar mit dem derjapanischen NEC (4, 7 Prozent) ist, hatten Insider ebenfalls bereits vorhergesagt.

Wer von den beiden US-Computerriesen indes die besserenKarten hat, darüber wagen selbst Marktforscher noch keine Prognosenabzugeben, zumal die Entscheidung nicht allein von Bull abhängig ist, sondern auf höchster politischer Ebene, sprich: durchMinisterpräsident Francois Mitterand, fallen wird. Die französischeRegierung aber scheint sich zum jetzigen Zeitpunkt noch uneins überden potentiellen Partner von Bull zu sein. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge, sollen Premierministerin Edith Cresson und der Industrieminister Dominique Strauss-Kahn zu Hewlett-Packardtendieren, während das Finanzministerium die IBM bevorzuge.

Ginge es rein um den technischen Aspekt, so würde wohl derkalifornische Workstation-Spezialist das Rennen machen. Hewlett-Packard gehört zu den fahrenden Anbietern vonRISC-Rechnern. Dem Armonker Computerriesen IBM wiederum wirdnachgesagt, daß man eine wesentlich breitere Allianz mit demfranzösischen Computermulti anstrebe, als Bull dies ursprünglichgeplant habe. Die IBM tendiere möglicherweise dazu, so schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf industrienahe Kreise, künftig ihre PCs durch Bull verkaufen zu lassen. Im vergangenen Jahr hatten die Armonker mit Wang im Midrange-Bereich ein ähnliches Abkommengeschlossen.

Ablehnend geäußert über einen Bull-IBM-Pakt hat sich lautBranchendienst "vwd" Olivetti-Manager Elserino Piol in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "La Tribune". Der Leiter deroperativen Zentraldirektion des Computerbauers aus Ivrea erklärte, eine Allianz zwischen diesen beiden Unternehmen würde amComputermarkt zu einer Konfusion führen. Bull versuche, dieRISC-Technologie von US-Gesellschaften zu einem guten Preis zuerwerben, IBM suche Hersteller, die ihre Technologie annehmenkönnen.

Die IBM sei auch an Olivetti herangetreten, doch stehe man auf dem Standpunkt, daß die RISC-Technologie frei sein undverschiedenen Herstellern zur Verfügung stehen müsse, um einen gemeinsamen Standard zu schaffen. In dieser Hinsicht würde eineAllianz zwischen IBM und Bull einige Verwirrung stifen.

Erste Erfolge scheint währenddessen dem französischen computerhersteller das vor gut einem Jahr eingeleitete Transformationsprogramm zu bescheren. Francis Lorentz jedenfalls stelltejetzt in Aussicht, den Betriebsverlust von 1990 im geradeabgelaufenen Jahr 1991 um die. Hälfte abbauen zu können. 1990 hatte die Groupe Bull einen operativen Fehlbetrag in Höhe von2, 35 Milliarden Franc (umgerechnet rund 665 Millionen Mark) eingefahren. An Gesamtverlust waren im Vorjahr 6, 79 Milliarden Franc angefallen.

Auch die Banken zeigen Vertrauen. Bull erhielt vergangeneWoche Kreditzusagen in Höhe von 1, 1 Milliarden Dollar für dienächsten drei Jahre. Davon werden 850 Millionen Dollar von einem französischen Bankenkonsortium zur Verfügung gestellt, dem - angeführt unter anderem von der Banque Nationale de Paris und der Societe Generale - rund 26 Banken angeschlossen sind. Dierestlichen 250 Millionen Dollar stammen laut Bull von ausländischenBanken.