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10.06.2005

Fraport spart 450 000 Euro pro Jahr

Der Frankfurter Flughafen setzt RFID mit Erfolg ein. Trotzdem ist Roland Krieg, Chief Information Officer (CIO) der Fraport AG, kein blauäugiger Verfechter der RFID-Technik. Mit ihm sprach CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer.

CW: Ist RFID ein Hype?

Krieg: Pauschal kann man diese Frage durchaus mit Ja beantworten. Es gibt auch in unserer Branche Tätigkeitsfelder, auf denen RFID zumindest momentan für die Optimierung von Geschäftsabläufen keine wesentlichen Vorteile bringt. Trotzdem versuchen die IT-Anbieter dies ständig zu propagieren. Fluggesellschaften etwa hätten vor allem Kosten zu schultern, würden sie die RFID-Technik in nächster Zeit ohne die mühselige Schaffung aller Voraussetzungen für echte Prozesseinsparungen einsetzen wollen. Zum Beispiel müssen, damit der Einsatz von RFID für Airlines auch Sinn gibt, alle Fluggesellschaften die gleiche Technik benutzen. Nur so lassen sich die Abläufe zwischen Fluggesellschaft einerseits und Flughafenbetrieb andererseits vereinfachen. Von grundsätzlicher Bedeutung für Anwender, die RFID-Techniken nutzen wollen, ist aber das Bewusstsein, dass RFID-Techniken integraler Bestandteil bereits vorhandener Werkzeuge und Geschäftsabläufe sein werden. Das mag banal klingen, aber genau hier beginnt das eigentliche Problem von RFID im Alltagseinsatz: Der RFID-Chip selbst stellt, technisch gesehen, keine Hürde mehr dar. Er ist ausgereift. Problematisch aber ist nach wie vor das Thema Integration der RFID-Technik in die Firmenabläufe, Unternehmensanwendungen etc. Da werden ganz selbstverständliche Dinge plötzlich zum Problem.

CW: Mit anderen Worten: Wer RFID-Techniken beispielsweise in die hauseigenen SAP-Backend-Systeme integrieren will, steht vor größeren Herausforderungen?

Krieg: Das meine ich. Ein Beispiel ist der Aufwand bei einem Release-Wechsel der SAP Software. Für das neue SAP-Modul "Mobile Asset Management" waren die alten RFID-Lesegeräte und deren Betriebssysteme nicht mehr geeignet. Um die Probleme lösen zu können, mussten wir letztlich neue Lesegeräte kaufen. Und das war nicht alles. Wir mussten zwei Monate lang testen, weil die von uns bei 22000 Brandschutzklappen eingesetzte RFID-Technik nach dem Release-Wechsel nicht mehr fehlerfrei funktionierte. Hier setzt meine Kritik an: RFID ist technisch ausgereift. Bezüglich der Stabilität der Lesegeräte und der Integration mit vorhandenen Systemen gibt es unseren Erfahrungen nach aber noch sehr viel zu tun.

CW: Wenn man den Veröffentlichungen der Hersteller glauben kann, harmonieren deren Produkte aber wunderbar mit RFID.

Krieg: Sie werden kein Produkt von der Stange finden, das Sie einfach einsetzen können. Da müssen Sie schon selbst das Labor aufmachen. Nehmen Sie folgendes Szenario: Sie nutzen ein Lesegerät, auf dem WLAN- und RFID-Funktionen aufgebracht sind. Dieses Gerät wird zusätzlich mit einem Betriebssystem ausgerüstet, das mit der WLAN-Software korrespondieren muss und natürlich auch mit der Sicherheitssoftware, die wiederum das WLAN überwacht. Zusätzlich müssen Sie darauf achten, dass beispielsweise die von Ihnen genutzte ERP-Version, die mit Ihrem RFID-System kooperieren muss, von dem entsprechenden Hersteller auch jeweils freigegeben ist für die von Ihnen genutzte RFID-Software. Da drehen Sie sich ganz schnell im Kreis.

CW: Es gibt Leute aus der Logistik- oder der Textilbranche, die glauben trotz der momentan noch vorhandenen Probleme, dass die RFID-Technik die Geschäftsabläufe revolutionieren wird. Sie sind diesbezüglich skeptischer?

Krieg: Ich bin felsenfest überzeugt, dass RFID die Prozesse revolutionieren, sagen wir lieber umwälzen wird. Aber nicht im Jahr 2005. RFID hat das Potenzial, große Neuerungen in den Geschäftsabläufen zu bewirken. Aber angesichts all der Probleme, die es eben im Zusammenspiel der verschiedenen Systeme noch gibt, wird dies nicht in dem immer wieder propagierten Tempo geschehen.

CW: Welche Vorteile bringt RFID denn bei Ihnen am Frankfurter Flughafen? Spart der Flughafen Kosten, seit er jede Brandschutz- klappe, jeden Rauchmelder mit einem RFID-Chip ausgestattet hat?

Krieg: Wir sparen allein bei der Dokumentation der Wartungen, zu denen wir gesetzlich verpflichtet sind, erheblich. Jährlich stapelten sich hier 88000 Auftragsdatenblät-ter. Die müssen Sie wegen der Nachweispflicht archivieren, eine nicht so leichte Aufgabe übrigens. Dank des Einsatzes von RFID sparen wir in der für uns sehr wichtigen Dokumentation rund 450 000 Euro pro Jahr.

CW: Gibt es weitere Vorteile, die Fraport AG aus dem Einsatz der RFID-Technik zieht?

Krieg: RFID hat bei uns Prozessvereinfachungen bewirkt und die Qualität der Überwachung der Wartungsarbeiten deutlich verbessert. Interessant ist aber auch, wie neue Technologien wiederum neue Marktbedingungen und Abhängigkeiten schaffen können. Glücklicherweise haben wir uns mit der bei Fraport eingesetzten RFID-Lösung die Unabhängigkeit von den dienstleistenden Wartungsfirmen erhalten.

CW: Das müssen Sie erklären.

Krieg: Ganz einfach: Stellen Sie sich vor, eine der vielen Haustechnikfirmen hätte uns ein entsprechendes Konzept zur Wartung unserer Brandschutzklappen angeboten. Das wäre zunächst eine verführerische Offerte gewesen, denn wir hätten nicht mehr viel zu tun gehabt mit der Wartungssteuerung. Wir hätten denen lediglich aus unserem SAP-System alle Angaben zu den Brandschutzklappen geben müssen. Die Firma hätte dann eine Datenbank erarbeitet, in der alle für die Wartung und Dokumentation relevanten Informationen vermerkt sind. Wir bekämen jede Woche eine Datei, in der alle Wartungsvorgänge sauber dokumentiert sind. Diese Datei würden wir in unser SAP-System zurückspielen. Natürlich hätten wir für diesen Service viel Geld zahlen müssen. Trotzdem wäre es vordergründig eine einfache und Kosten sparende Geschichte. Aber: Von diesem Partner hätten wir uns nicht mehr so schnell loseisen können. Wir wären ziemlich fest an ihn gebunden gewesen, denn er hätte ja unsere Prozesse massiv verbessert. Bei solch einer Abhängigkeit können Sie nicht mal einfach so den Anbieter wechseln, ohne wieder weit zurückzufallen.

CW: Stattdessen haben Sie selbst durch Ihre eigene Fachabteilung RFID bei der Fraport AG eingeführt?

Krieg: Genau, wir haben alles selbst entwickelt und eingeführt. Die Wartung nimmt zwar in der Tat ein externer Dienstleister vor. Aber dessen Techniker bekommen eine Einweisung in das Gesamtsystem, die nicht länger als ein paar Stunden dauert. Dann kann jeder so ein RFID-Lesegerät bedienen. Diese Aufgabe können wir heute Firma A und morgen Firma B überantworten. Die müssen nur die Klappen zuverlässig warten.

CW: Wie hoch waren die Investitionskosten zu Beginn?

Krieg: Die waren im Vergleich zur Einsparung nicht hoch. Soweit ich mich erinnere, haben die RFID-Chips mit zusätzlichem Barcodeaufdruck als Fallback etwas über zwei Euro pro Stück gekostet. Bei 22000 Brandklappen waren das 50000 Euro. Zusätzlich mussten wir etwa 20 Lesegeräte kaufen. Die Tags auf den Brandschutzklappen haben wir selbst angebracht. Diese Aufgabe erledigten wir im Zuge einer ohnehin anstehenden Inventur. Das war zwar ein zusätzlicher Aufwand, der aber nicht zu zusätzlichen Mittelabflüssen geführt hat. Mit anderen Worten: Der Einsatz von RFID ist bei der Fraport AG mit geringen Investitionen und großen Einsparungen verbunden.