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30.06.1978

Frauen-Karrieren in der DV-lndustrie: Wer weiblich wirkt, bleibt unten

ANAHEIM (CW) - Frauen werden nur durch Männer was: Wenn sie in der DV-Branche Kariere machen wollen, dann brauchen sie verläßliche Freunde - und das sollten lieber doch Männer sein. Überdies tun Frauen auf dem Weg nach oben gut daran, ihr Äußeres dem Stil des Hauses anzupassen. Mode schadet. Grundsätzlich meinten Diskussionsteilnehmer beim Thema "Frauenkarrieren in der EDV" - ausgetragen während der NCC in Anaheim: Frauen, die in der DV-Branche eine Position auf Management-Ebene anstreben, müßten zunächst Karrierehindernisse aus dem Weg räumen, bevor sie den großen Jump aus dem Fußvolk in die Topetage der Leitenden machen können.

Hinderlich ist für Frauen mit Manager-Ambitionen jegliche Überspezialisierung. Karrieredienlich wäre hingegen die unweibliche Eigenschaft: Risikobereitschaft.

Diskussionsleiterin Thelma Estrin von der Universität Kalifornien in Los Angeles warnte ihre Geschlechtsgenossinnen, darauf zu hoffen, aufgrund irgendwelcher glücklicher Umstände oder Gegebenheiten schon irgendwie nach oben zu kommen.

Frauen, so Karrieristin Thelma Estrin, müssen sich vielmehr für ihren Aufstieg ganz bewußt einen genauen strategischen "Schlachtplan" zurechtlegen.

Ein besonderes Problem hätten ambitiöse Frauen in allen industriellen Bereichen, deshalb, weil so gut wie keine spezifischen und damit beispielgebenden Rollenmodelle existieren. Es gibt kaum Frauen, deren Karriere innerhalb des Unternehmens als Muster und Vorbild für den eigenen Aufstieg dienen könnte.

Konsequenz: Frauen müssen sich einen Freund und Gönner suchen. Dies sollte bereits zu Beginn einer angestrebten Karriere geschehen. Originalton Thelma Estrin: "Der Freund und Gönner sollte ein Mann, zweckmäßigerweise aber nicht unbedingt der eigene Vorgesetzte sein."

Carolyn Morris, jetzt Sales Manager für Universalrechner bei Hewlett-Packard, ist ein Musterbeispiel, wie man es mit einem Steigbügelhalter schneller zu etwas bringt.

Sie erkor sich ihren "Entwicklungshelfer" bereits wenige Wochen, nachdem sie bei HP angefangen hatte. Die weiblichen Diskussionsteilnehmer lauschten aufmerksam, als die Sales Managerin die Strategie ihrer Karriere- verriet. Carolyn marschierte eines Tages einfach zu einem Vizepräsidenten des Unternehmens, den sie bewunderte, stellte sich vor, und sagte: "Ich möchte gerne umfangreicher über das Unternehmen informiert sein." Klar, daß der Vizepräsident positiv auf so viel Wißbegier reagierte. Der Weg nach oben war damit eingeschlagen.

Wenn Frauen den Einstieg ins Management der DV-Industrie schaffen wollen, genügt es jedoch nicht, sich nur einen wohlwollenden "Beschützer" zuzulegen. Sie müssen sich auch umfangreiches technisches Wissen aneignen. Denn die DV-Industrie ist - nach übereinstimmender Meinung der Diskussionsteilnehmer - einer der wenigen industriellen Bereiche, der ein profundes technisches Wissen auf einigen besonderen Gebieten erfordert. Eine möglichst ununterbrochene branchenbezogene Tätigkeit ist zudem unerläßlich. Denn, so Thelma Estrin, jede längere Beschäftigung außerhalb der Datenverarbeitung ist der Karriere abträglich. Es gilt, hart am Ball zu bleiben.

Eindringlich warnte Thelma Estrin das weibliche Forum vor der Gefahr der Überspezialisierung. "Frauen meinen häufig, sie müßten sich zu Supertechnikern entwickeln", dozierte Estrin, und würden deshalb ihren Aufstieg erst wagen, wenn sie eine technische Kapazität auf einem bestimmten Gebiet seien. "Sie müssen lernen, sich nicht zu sehr um technische Dinge zu kümmern, wenn sie ins Management kommen und dort Erfolg haben wollen", rät die smarte Thelma.

Nomi Guillen Williams, Manager für Systems Design bei Control Data, hieb in die gleiche Kerbe, durch zu starke Spezialisierung abgekapselt zu werden. Listig weist die

CDC-Frau den Weg, sich durch Übernahme eines Projektmanagements innerhalb des Unternehmens ein möglichst umfangreiches Allgemeinwissen anzueignen. Ausgehend von ihrem eigenen Spezialgebiet, der Software, gab Guillen-Williams den Rat, Gelegenheiten zur Mitarbeit bei verschiedenen Software-Projekten wahrzunehmen. Sie ist überzeugt, daß für Frauen, die nach dem Managerstuhl schielen, der Bereich Software eine wesentlich günstigere Ausgangsbasis bietet als das Hardware-Geschäft.

Als ersten wichtigen Aspekt der Karriereplanung würde Guillen Williams indes rechtzeitig die Frage klären, ob das Top-Management des Unternehmens überhaupt Aufstiegsmöglichkeiten für weibliche Mitarbeiter abgesegnet hat. Sollte sich herausstellen, daß die Personalpolitik keine Frauenkarrieren zuläßt, bleibt nach Meinung von Guillen Williams nur ein Ausweg: den Brötchengeber wechseln.

Hewlett-Packards Carolyn Morris empfiehlt Frauen, sich ein Managerimage zuzulegen: Die Frau muß ihre Umgebung vergessen machen, ein Nur-Techniker zu sein. Sie muß sich als Mitarbeiterin "verkaufen", die in der Lage ist Führungsaufgaben zu übernehmen - zu schade, um nur zur Abwicklung rein technischer Projekte eingesetzt zu werden.

Carolyn Morris ging bei Hewlett Packard in den Vertrieb, als für sie feststand, "daß man alle Betriebssysteme kennt, wenn man einmal eines richtig kennengelernt hat".

Das Image, ein Experte zu sein, ist im Bereich der Hardware besonders wichtig, meinte Dr. Donnamarie E. White, Ausbildungsleiterin bei Advanced Micro Devices. "Im Bereich der Hardware", so stellte sie kurz und bündig fest, "werden die Frauen von den Männern grundsätzlich nicht für voll genommen." Bei Dr. White lernen angehende Aufsteigerinnen, das modische Äußere der Karriere zu opfern. Donnamarie rät, Kleider in unauffälligen Farben zu tragen, Rocklänge bis knapp unter das Knie. Überdies sollten die Damen beobachten, wie sich die oberen Führungskräfte im Unternehmen kleiden - denn deren Stil müßte nachempfunden werden. Gift für Karrierefrauen: Grelles Make-up und Schmuck. Eine Schmuckausnahme läßt die AMD-Lehrerin zu: "Tragen Sie immer einen Ehering- auch wenn sie alleinstehend sind." Trennen müßten sich Frauen von der Gewohnheit, ständig eine Handtasche mitzutragen.

Kernsatz von Dr. Donnamarie White: "Vermeiden Sie, weiblich zu erscheinen."