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16.02.2001 - 

Vom Senkrechstarter zum Übernahmekandidaten

Freenet erteilt europäischen Expansionsplänen eine Absage

HAMBURG - Auch wenn die Freenet AG im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von über 500 Prozent glänzen konnte - an kritischer Masse bringt der Online-Anbieter immer noch zu wenig auf die Waage. Die Tatsache, dass die Mobilcom-Tochter außerdem von ihren ursprünglichen Expansionsplänen in Europa nichts mehr wissen will, nährt das Gerücht, der Internet-Dienst stehe zum Verkauf. Von Andrea Goder*

"Das Jahr 2000 war sehr turbulent für uns", stellte Eckhard Spoerr am Beginn der Bilanzpressekonferenz in Hamburg fest. Zur Sache ging es aber auch auf der Veranstaltung selbst, die vor allem eines zeigte, dass so manches New-Economy-Unternehmen auch in puncto Öffentlichkeitsrarbeit erst erwachsen werden muss. Der Freenet-Chef missbrauchte die Veranstaltung zunächst zu Marketing-Zwecken; Finanzvorstand Axel Krieger gab die Zahlen für das vierte Quartal selbst auf Nachfrage nur zögerlich heraus, und die anwesende Journalistenschar zog am Ende ohne Geschäftsbericht von dannen.

Gut möglich, dass das Vorstandsduo auf diese Weise von einzelnen Negativposten im Zahlenwerk 2000 ablenken wollte, etwa den hohen Werbekosten, die sich insgesamt auf 45,9 Millionen Mark beliefen. Dank Zinserträgen aus dem Emissionserlös konnte das Ergebnis vor Steuern auf minus 30,7 Millionen (Vorjahr minus 0,9 Millionen Mark), der Jahresfehlbetrag auf 17,5 Millionen Mark reduziert werden (Vorjahr 184000 Mark).

Auffallend in der Bilanz ist außerdem, dass Umsatz und Marketingaufwand bei Freenet nicht gerade in einer gesunden Relation zueinander stehen. Der Börsenneuling konnte zwar im abgelaufenen Geschäftsjahr die Erlöse mit 42,4 Millionen Mark mehr als versechsfachen nach 6,8 Millionen Mark im Vorjahr. Um diesen Umsatzsprung zu schaffen, wurde aber viel Geld verbrannt. Allein im vierten Quartal steckten die Hanseaten 22 Millionen Mark in Werbung - knapp die Hälfte des gesamten Marketing-Budgets. Die Einnahmen lagen dann allerdings mit 14,2 Millionen Mark nur 3,5 Millionen Mark über dem dritten Quartal. Umsatzbringer Nummer eins des 1998 gegründeten Unternehmens ist mit 51 Prozent immer noch das Internet-Zugangsgeschäft. Diesen Bereich will Freenet in den nächsten Jahren aufgrund der nur geringen Profitabilität weiter zurückfahren und im Gegenzug die Erlöse aus Werbung und E-Commerce-Provisionen steigern.

Wie stark das Wachstum im laufenden Geschäftsjahr ausfallen wird, dazu wollte Spoerr, der für 2002 den Break even ankündigte, keine konkreten Zahlen nennen. Analysten des Bankhauses Credit Suisse First Bosten (CSFB), das Freenet im Dezember 1999 federführend an den Neuen Markt begleitete, haben jedoch bereits ihre Umsatzerwartungen für 2001 um mehr als 20 Prozent nach unten korrigiert.

Zurückhaltend gibt sich Spoerr vor allem deshalb, "weil die E-Commerce-Akzeptanz nicht so hoch ist, wie noch vor einem Jahr von Analysten prognostiziert wurde". Absehen lässt sich außerdem bereits jetzt, dass der Online-Werbemarkt gerade für die kleineren Internet-Dienste schwieriger wird. Mit 2,4 Millionen "aktiven registrierten Nutzern" konkurriert Freenet derzeit mit AOL um Platz zwei der Online-Anbieter in Deutschland. Die Mobilcom-Tochter liegt jedoch weit hinter Branchen-Primus T-Online mit 6,5 Millionen Usern (Stand: 31.12.2000).

Nach dem Kursrutsch an den Börsen und der Internet-Flaute wird die Luft vor allem für die kleinen Anbieter von Internet-Zugängen und Content in den kommenden Monaten dünn. Bewegung im Online-Markt dürfte andererseits die bereits losgetretene Konsolidierung bringen - national wie international. Entgegen den noch zum Börsengang im November 1999 gemachten Aussagen hat sich Freenet von seinen europäischen Expansionsplänen distanziert. "Wir wollen ein deutscher Online-Dienst bleiben", betonte Spoerr in Hamburg. Aussagen wie diese verhärten das Gerücht, dass eine Übernahme von Freenet durch die France-Télécom-Tochter Wanadoo bevorstehen könnte. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid dementierte vor kurzem Spekulationen in diese Richtung. Fest steht indes, dass der französische Online-Dienst in Deutschland und Europa expandieren will und France Télécom bereits zu 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligt ist. Das Büdelsdorfer TK-Unternehmen wiederum hält noch 78 Prozent an Freenet.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.