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13.10.1978

Fremde Systemsoftware - auch für die Kleinen?

Wo nur kleine EDV-Teams anzutreffen sind und Spezialisten fehlen, gab es bis vor kurzem keinen Markt für "fremde" Systemsoftware. Die Zeiten haben sich geändert. Das bestätigt auch Peter Steiger, EDV-Chef in München und verantwortlich für eine 370/115: "Wer sich heute noch nicht mit Betriebssystem-Fragen beschäftigt, wird morgen auf einer veralteten Technologie sitzenbleiben." Seine Zukunftsprognose: "Künftig wird nur noch, das Auto ohne Motor, geliefert, und wer den Computer dann nicht zum Laufen bringt, kann sich später nicht auf Personalmangel hinausreden", CW befragte IBM 370/115- und 125-Anwender nach ihrem Interesse an fremder Systemsoftware.

Heinz Drahtmüller

Leiter der EDV, Oldenbourg-Verlag, München

Nachdem gerade in letzter Zeit immer mehr Systemsoftware-Angebote auf meinen Schreibtisch gelangen, wollen wir uns jetzt einmal damit auseinandersetzen, inwieweit durch entsprechende Tuning-Programme die Leistung unserer 370/115 verbessert werden kann. Allzuviel kann man aber - speziell bei unserer Systemgröße - nicht unternehmen, da man letztlich doch wieder vom Hardware-Lieferanten abhängig ist. Bestimmte Anwendüngsprogramme erfordern ein bestimmtes IBM-Betriebssystem. Auch wenn man sich für ein Datenbanksystem oder einen TP-Monitor eines anderen Herstellers entscheidet, kann unter Umständen eine anwendungsbezogene Software nicht mehr laufen.

Die meisten Anbieter von Anwendungssoftware orientieren sich bei der Konzeption ihrer Anwendungsprogramme da an der Systemsoftware, da so die Absatzchancen am größten sind.

Fremde Systemsoftware ist meistens kompatibel zum IBM-Betriebssystem, nicht jedoch zu zahlreichen angebotenen Standard-Anwendungspaketen.

Daß bei den Großcomputer-Anwendern wesentlich mehr fremde Systemsoftware eingesetzt werden kann, liegt meines Erachtens daran, daß die dort verfügbaren Rechner wesentlich mehr Spielraum erlauben und dort auch mit den zur Verfügung stehenden Partitions großzügiger umgegangen werden kann, als es bei einem kleineren EDV-System möglich ist.

Zusätzliches Personal - wie etwa Systemspezialisten - sind heutzutage für die Installation fremder Betriebssystem-Software nicht erforderlich, zumindest nicht bei Anlagen der bei uns eingesetzten Größenklasse. Die Unterstützung der renommierten Software-Häuser ist diesbezüglich einfach und ausreichend.

Meine Meinung ist: Wenn ein qualifizierter Systemspezialist im Hause ist und er von seiner Arbeitsleistung diesen Titel mit Recht führt, braucht man nicht unbedingt spezielle Systemsoftware, um die gesamte Leistung der EDV zu steigern. Denn dieser Mann kann durch seine qualifizierte Arbeit die hauseigenen Programme so verbessern, daß der Rechner wieder "freier" wird. Hat man einen solchen Spezialisten nicht zur Verfügung, wird man eher zu externen Mitteln greifen, um so um eine Aufstockung oder das nächstgrößere Modell herumzukommen.

Bernhard Geldermann

Leiter der EDV, Willi Bogner GmbH, München

Unsere IBM 370/115 ist geleast. Gleichzeitig mit dem Abschluß des Leasing-Vertrages wurde eine Speicher-Erweiterung vorgenommen, damit wir für die gesamte Laufzeit des Vertrages im Bereich der Hardware die nötige Ruhe haben, um uns ganz auf die Realisierung erforderlicher Anwendungen konzentrieren zu können.

Für die noch verbleibenden zweieinhalb Jahre haben wir uns vorgenommen, Datenbanken zu installieren und den TP-Teil zu verbessern sowie die gesamte EDV effektiver zu gestalten. Aus diesem Grund untersuchen wir derzeit den Markt nach geeigneter Systemsoftware. Wir sind immer mehr zu der Überzeugung gelangt, daß die Systemsoftware von IBM hauptsächlich auf die Umgebung von Großrechnern angelegt ist und unsere installierte Anlage zu sehr belastet. Ein Dump-Restore-Paket von einem Fremdanbieter läuft bereits mit gutem Erfolg seit längerem, geplant ist jetzt der Einsatz eines Datenbanksystems sowie die Erweiterung unserer TP-Anwendung.

Wichtig beim Einsatz von fremder Systemsoftware ist, daß man mit einem renommierten Unternehmen als Partner zusammenarbeitet, das bereits ähnliche Lösungen realisiert hat. Systemsoftware von solchen Firmen weisen dann auch ein besseres Preis-/Leistungsverhältnis als die Hersteller-Pakete auf, da sie sonst keine Chance auf dem Markt hätten.

Meiner Meinung nach müssen sich heute alle Anwender mit Systemsoftware auseinandersetzen können, egal ob vom Hersteller oder von anderen Anbietern. Denn nur, wer genau prüft, kann wirtschaftlich arbeiten. Vor allem dann, wenn man sich zu den "mündigen" Anwendern zählen will - und das tun wir.

Anton Koch

Leiter der EDV, Franz Schneider Verlag, München

Auf unserem EDV-System IBM 370/115 läuft bis heute nur ein "Fremd"-Paket, das man als "Systemsoftware" bezeichnen könnte und das nicht von der IBM stammt: Ein Programm, mit dem wir Dateien kopieren können. Der Hardware-Hersteller bietet zwar eine Reihe ähnlicher Software an, die jedoch alle unsere Anforderungen nicht erfüllen konnten, da wir unsere Datenbanken nicht auf Band, sondern von Platte auf Platte sichern müssen.

Ich bin der Ansicht, daß sich heutzutage gerade Anwender kleinerer IBM-Rechner auf dem Markt umsehen müssen, um den Durchsatz zu erhöhen oder den Speicherbedarf zu reduzieren. Wir haben für TP-Anwendungen sieben Bildschirme installiert, wobei vor allem die Sorts das System belasten. Gerade für diesen Bereich erscheint es mir sinnvoll, fremde Systemsoftware einzusetzen.

Die Angst davor, daß die IBM verärgert auf den Einsatz von fremder Systemsoftware reagiert, ist unbegründet. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß wir ohne Probleme das derzeit verwendete Power durch eine andere Systemsoftware ersetzen würden.

Die Schwierigkeit beim Einsatz von fremder Systemsoftware ist meiner Meinung nach darin zu sehen, daß gerade die kleinen IBM-Anwender nicht über genügend qualifiziertes Personal verfügen, um den großen Markt an Systemsoftware eingehend zu prüfen. Wenn ein fremdes Paket angemietet oder gekauft wird, hat dies in den meisten Fällen ein Anwender-Kollege bereits getestet und für gut befunden.

Die Zeit, die ein kleines EDV-Team zur Verfügung hat, wird zu etwa 60 Prozent für die Wartung bestehender Anwenderprogramme benötigt.

Ich sehe für uns künftig kaum die Möglichkeit, fremde Systemsoftware auf den Rechner zu nehmen, da die Maschine heute bereits durch interne Verwaltungsarbeiten - wie etwas das Paging, das sehr viel Deaktivierungszeit benötigt - so ausgelastet ist, daß hier auch solche Pakete keine Verbesserungen mehr erzielen können.

Alfred Milz

Leiter der EDV, Bankhaus Aufhäuser, München

Wir haben ein IBM System 370/115 installiert. Gerade weil eine kleine EDV-Anlage nur ein kleines EDV-Team rechtfertigt, können wir uns grundsätzlich keinerlei "Fremdanbieter" erlauben weder auf der Hard- noch auf der Software-Seite.

Voraussetzung beim Kauf eines Softwarepaketes von einem der Anbieter auf dem sehr großen Markt ist die Investition von Zeit: Das Paket muß ausgesucht werden, es muß gewartet werden. Und diesen Aufwand können wir nicht bringen. Wir müssen uns auf eingefahrene und bewährte Hard- und Software verlassen können.

Sicherlich reizt es oft - auch von der Kostenseite her - das eine oder andere Angebot eines Fremdanbieters anzunehmen. Auch sind wir einmal unseren Richtlinien untreu geworden und haben ein fremdes Anwendungspaket gekauft. Allerdings war der Änderungsaufwand hierbei so aufwendig, daß wir in der damals investierten Zeit auch ein eigenes Programm hätten schreiben können. Aus diesem Grund kommt bei uns alles, was wir für unsere EDV benötigen, aus der Hand eines Hardware-Lieferanten. Es sei denn, er hat für bestimmte Bereiche keine Produkte.

Wir können uns einfach nicht mit den Schwierigkeiten auseinandersetzen, die der Einsatz von Fremdsoftware mit sich bringt. Wir haben aktuelle Probleme zu lösen, die sofort bearbeitet werden müssen.

Peter Steiger

Leiter der EDV, A. Kunz GmbH & Co., München

Wir suchen derzeit einen qualifizierten Programmierer, der sich nach und nach in die Position eines Systemspezialisten einarbeitet.

Die Gründe hierfür: In unserem Haus ist eine IBM 370/125 installiert, ein System, das von der IBM nicht mehr angeboten wird. Das Modell läßt sich auch nicht mehr durch Zusatzspeicher erweitern. Zudem sind wir in einer Schicht völlig ausgelastet. Eine zweite Schicht einzufahren, wäre zu teuer, da hierzu neue Mitarbeiter eingestellt werden müßten.

Wir suchen also nach einer Lösung, um das vorhandene System zu einem erträglichen Preis schneller, zu machen und noch einige erforderliche Anwendungen unterzubringen. Die E-Serie steht vor der Tür, also wollen und können wir jetzt keinen neuen Rechner mehr installieren, da wir nicht wissen, was künftig auf uns zukommt.

Die erste Lösung, die sich anbietet, ist, einen "fremden" Sort anzuschaffen, der schneller und vielleicht auch kostengünstiger ist. Allerdings tummeln sich auf dem Gebiet "Betriebssystemsoftware" eine ganze Reihe von Anbietern, deren Angebote man gründlich prüfen muß. Solche Entscheidungen können jedoch - bei einem kleinere. Team, - nicht "nebenbei" getroffen werden. Hier muß sich ein Mitarbeiter ständig zumindest einen halben Arbeitstag damit beschäftigen.

Ich befürchte zudem, daß die IBM künftig den Vertrieb von Hard- und Software völlig voneinander trennen wird. Der Anwender ist also, gezwungen, sich noch stärker mit der Systemsoftware auseinanderzusetzen, um die angebotene IBM-Software mit der der anderen Anbieter vergleichen zu können. Von der IBM - und auch anderen Computerherstellern - wird man künftig lediglich ein "Auto ohne Motor" geliefert bekommen, um den Rest muß man sich selber kümmern.

Bis dahin muß der Anwender genügend Know-how in den eigenen Reihen verfügbar haben, um diese Entscheidungen zu treffen. Er muß dann in der Lage sein, bestimmte Funktionen, die ihm bis jetzt noch ein System-Engineer des Computerlieferanten abnimmt, selbst auszuüben, um von der IBM-Systemsoftware-Abhängigkeit weitestgehend wegzukommen. In absehbarer Zeit werden auch die "kleinen", IBM-Anwender dazu übergehen TP-Anwendungen zu realisieren. Und hierzu muß System-Know-how im Haus sein, zum Beispiel über Zeitverhalten, Plattenorganisation, DFÜ etc.