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01.02.1980

Fremdgehen kommt teuer zu stehen

Ernst Füller Leiter Datenverarbeitung Magirus-Deutz AG, Ulm

Als in der Fachpresse zu lesen war, daß die Magirus-Deutz AG von einer IBM-Anlage auf einen Großrechner der Marke Honeywell Bull umstellt, hat sich mancher sicherlich nach den Gründen dieses Entschlusses gefragt Nun, die Entscheidungen der Konzernzentrale kann der Organisations- und DV-Chef einer zugehörigen nationalen Tochtergesellschaft nicht beeinflussen. Er muß sie einfach akzeptieren.

Nach meiner persönlichen Beurteilung müssen vor einem Wechsel auf ein Computersystem, das zum installierten Rechner nicht kompatibel ist, alle anderen Alternativen ausgeschöpft sein. Schließlich läßt sich eine große DV-Abteilung genausowenig wie eine Fachabteilung alle fünf Jahre umorganisieren.

Besteht das Problem lediglich darin, daß die Kapazität des Computers nicht ausreicht, gibt es sicherlich anderweitige Abhilfen. So kann eine Nachprüfung in den Fachabteilungen Anwendungen zutage fördern, die aufgegeben werden können und Platz für andere Dinge schaffen. Weiterhin ist die Leistungsfähigkeit der DV-Abteilung zu überprüfen. Dabei kontrolliert man nicht nur die Notwendigkeit der ausgeführten Arbeiten, sondern man optimiert auch die Abläufe. Bei einer solchen Revision der DV-Abteilung sollten auch Fragen wie verbesserte Ausbildung, Methoden der Kostenbelastung seitens der Fachabteilungen, Rentabilität der DV-Anwendungen, Auslastungsprofil der Zentraleinheit im Verhältnis zu den Kanälen und Randeinheiten Programmierungsnormen berücksichtigt werden.

Wird die Anschaffung neuer Maschinen wirklich notwendig, muß der Kunde den Überredungskünsten der Computerverkäufer gegenüber äußerst vorsichtig sein. Sie könnten nämlich ein völlig neues System der neuesten Modellreihe vorschlagen. Eine sehr einfache, aber teure Lösung, sofern die neuen Hardware- und Softwarekomponenten nicht voll verträglich zum installierten System sind.

Braucht man aufgrund einer mittelfristigen Aufgabenplanung mehr Computerleistung für zentrale Informationssysteme, sollte man die Anschaffung eines gebrauchten Computers gleichen Typs in Erwägung ziehen. Handelt es sich andererseits bei den zu übernehmenden Aufgaben um relativ unabhängige Verfahren mit geringen Verknüpfungen zu zentralen Anwendungen, so können dezentrale Rechnersysteme eingesetzt werden.

Welche Punkte sprechen für eine Dezentralisierung, was spricht für einen Systemwechsel oder für zwei Systeme? Aus der Sicht der Gesamtkosten kommt es sehr stark auf den Einzelfall an. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung auf der Basis einer Kosten-/Nutzenanalyse ist zur Entscheidungsfindung unbedingt notwendig. Mitunter kann es billiger sein, das alte gekaufte System auszurangieren oder in einem Zweigwerk einzusetzen, weil die Betriebs- und Personalkosten für zwei Systeme im zentralen Rechenzentrum zu teuer sind.

Wer derzeit einen Wechsel bei Großsystemen plant, sollte unbedingt auf die Kompatibilität zwischen der neuen Anlage und den gängigsten Computertypen achten. Die Umstellung auf einen weniger eingesetzten Typ ist mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden und es ist vorhersehbar, daß bis in fünf Jahren wieder umgestellt werden muß. Bis dahin werden nämlich viele Hersteller ihre Produkte dem Standard des Marktführers angepaßt haben und die gegenwärtigen Systeme sind dann unmodern. Schon heute bieten mehrere Hersteller IBM-kompatible Großsysteme an. Der Kunde kann also das Gerät mit dem günstigsten Preis-/Leistungsverhältnis und dem besten Service aussuchen. Ebenso kann er bei Mixed Hardware und Softwarepaketen auf eine größere Angebotspalette zugreifen, da die entsprechenden Hersteller ihre Produkte verstärkt nach dem größten Marktsegment ausgerichtet haben. Außerdem gibt es am Personalmarkt keine Mitarbeiter, die für unübliche Systeme ausgebildet sind.

Alternativ zu einem Wechsel des Großsystems sollte der Aufbau eines Computer-Verbundsystems untersucht werden, da die achtziger Jahre ganz im Zeichen des Distributed Processing stehen werden. Die Lösung dazu wäre ein Kommunikationsrechner, der mit den verschiedenen Computern verbunden ist und die Protokolle (Verständigungsweisen) der herstellerspezifischen Netze in beiden Richtungen umsetzt. Dadurch könnten Mitarbeiter über Terminals im Datendialog oder im Stapelbetrieb auf Datenbestände oder Programme aller Rechenzentren zugreifen. Eine solche Programmkommunikation würde einen herkömmlichen Rechnerwechsel durch Umprogrammierung sowie eine Rechneranpassung durch Simulation oder Emulation ausschließen.

Meine Erfahrungen mit der laufenden Umstellung auf den neuen Großrechner hätten in der Tat besser sein können. Nicht nur deshalb halte ich die Entscheidung, daß die Rechenzentren eines Konzerns auf Computer eines einzigen Herstellers umzustellen sind, für unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß

Ludwig Oberle EDV-Leiter, Pfizer GmbH, Karlsruhe

Welcher EDV-Leiter würde nicht hin und wieder gerne, sei es ernsthaft oder angetäuscht, die Karte eines möglichen Herstellerwechsels ausspielen? Etwa dann, wenn die Konkurrenz des eigenen Herstellers mit Neuankündigungen oder Preissenkungen wieder einmal die Nase vorne hat oder wenn der Hersteller-VB durch das Eingeständnis extremer Lieferfristen den Frustrationslevel ins Unermeßliche steigert?

Konkurrenz belebt das Geschäft, und was könnte uns im EDV-Bereich lieber sein als ein Höchstmaß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Markt- und Produktgegebenheiten? Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, daß die Vorstellung, einen Systemwechsel durchführen zu müssen, einem EDV-Leiter durchaus nicht den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hätte. Was man tun mußte, war doch kaum mehr als ein paar Sourceänderungen, vielleicht einige Korrekturen im Job Control, ein komplettes Recompiling und vier Wochen Parallelfahren.

Auch heute wird es sicher Fälle geben, bei denen entweder totale Kompatibilität gewährleistet ist oder aber Computertyp und Anwendungen ein so geringes Maß an Komplexität und damit Abhängigkeit aufweisen, daß die Schwierigkeiten im Rahmen bleiben. Bei der Mehrzahl aller mittleren und größeren Installationen ist jedoch heutzutage nach meiner Überzeugung der Spielraum für einen eventuellen Systemwechsel extrem gering.

Naturgemäß basiert dieses Urteil überwiegend auf den individuellen Gegebenheiten im eigenen Haus, wo seit rund 15 Jahren Datenverarbeitung betrieben wird und gegenwärtig eine IBM 370/125 installiert ist. Bei anderen EDV-Abteilungen ab ähnlicher Größenordnung dürften aber die Verhältnisse vergleichbar sein.

Eine EDV-Organisation ist im Zuge des rasanten Fortschritts von EDV-Techniken einer stetigen Weiterentwicklung ausgesetzt, die in aller Regel in kleinen Schritten abläuft, deren Ausmaß aber dann offenkundig wird, wenn man sich an den Stand früherer Jahre zurückerinnert.

Zwangsläufig wird diese organisatorische Entwicklung von der Art des installierten Gerätes, besonders vom vorhandenen Betriebssystem, maßgebend beeinflußt.

Im Laufe der Jahre wächst um ein System und seine kompatiblen Nachfolger eine interne Organisation, bei der sich die verschiedenen EDV-Funktionen in zunehmend komplexer Weise mit den unterschiedlichen Systemkomponenten verzahnen:

Im Rechenzentrum entstehen Ablaufunterlagen, die stark systembezogen sein müssen. Die Konsol-Kommunikation besteht aus einer Mischung von System-Messages und Anwendungs-Nachrichten.

Das Hauptwerkzeug der Arbeitsvorbereitung, die Job-Control-Anweisungen, sind Teil des Betriebssystems.

Die Betriebs-Software entwickelt sich zu einem Komplex, bei dem sich die verschiedenen Subsysteme des Betriebssystems eng verbinden mit eigenen Routinen oder Makros und mit vielfältig aufgepfropften Fremdpaketen wie Sortprogrammen, Online-Programmierungssystemen oder Verwaltungssystemen für Sourceprogramme, Job Control, Platten- oder Banddateien.

Die Anwendungssoftware ist meist ein Gemisch aus Programmen verschiedener Sprachen und unterschiedlicher Computer-, Betriebssystem- und Programmierergenerationen, bei Releasewechseln oft mühsam und trickreich unter Zeitdruck angepaßt an neue Bedingungen, auf mannigfache Weise beeinflußt von den Hilfsprogrammen des Herstellers. Bei den an Gewicht stark zunehmenden Online-Transaktionen ist der Einfluß des jeweiligen TP-Monitors besonders offensichtlich. Herstellereigene Datenbanken fördern zusätzlich die Systemabhängigkeit.

Die EDV-Leitung übt unter anderem ihre Kontrollfunktion unter Verwendung von Job-Accounting-Daten und Performance-Analysen aus, die Leitung und Auslastung des installierten Systems widerspiegeln sollen. Selbst die Systemanalyse, an sich am unabhängigsten vom Gerätetyp, kommt beim Detaildesign ohne Systembezug nicht aus.

Außer bei voller Verträglichkeit, die aber in der Regel nicht vorhanden ist, würde unter den angeführten Voraussetzungen ein Systemwechsel zu einem anderen Hersteller einen tiefen Bruch in der gewachsenen Organisationsstruktur eines EDV-Bereichs erzeugen. Die negativen Auswirkungen auf den laufenden RZ-Betrieb und den EDV-Servicegrad des Unternehmens lassen sich in allen Konsequenzen gar nicht voll übersehen.

Nuenwicklungen würden mit Sicherheit auf Jahre hinaus lahmgelegt.

Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, daß sich bei den meisten EDV-Mitarbeitern im Laufe der Jahre ein Fundus an Know-how gebildet hat, der in vielfältiger Weise vom Hersteller und seinen Systemen beeinflußt wurde. Ein Systemwechsel bedeutet Brachliegen dieser häufig schwer erworbenen Erfahrungen und Kenntnisse, erfordert erheblichen Schulungsaufwand und wird in vielen Fällen zu Motivationsverlust, Frustration und Fluktuation führen.

Es ist unter diesen Voraussetzungen nur schwer vorstellbar, daß etwaige Vorteile eines Systemwechsels, die in einer Kostenreduzierung und/oder- einer Systemverbesserung liegen können, die offenkundigen Nachteile quantifizierbarer und nicht quantifizierbarer Art wettmachen könnten.

Im Falle meines Unternehmens, das einem multinationalen Konzern mit weltweit über 50 Computerinstallationen angehört, würde im übrigen schon die Konzernpolitik, die langfristig eine Standardisierung von Hard- und Software anstrebt, einen lokalen Systemwechsel nicht zulassen.

Erwin Schmitz EDV-Leiter, Allgemeine Ortskrankenkasse Dortmund, Dortmund

Die AOK Dortmund betreut als einer der größten Krankenversicherungsträger Nordrhein-Westfalens 160 000 Personen.

Wir hatten zuvor zwei DV-Systeme der Nixdorf Computer AG (System 900 M1/System 8870/6) installiert. Aus Kapazitätsgründen (monatliche Betriebsstunden und Plattenkapazitäten) war ein Systemwechsel dringend erforderlich. Von seiten Nixdorfs wurde ein DV-System ins Gespräch gebracht, das aber nicht Software-kompatibel war und auch nicht zum vorgesehenen Installationstermin (1. 10. 1979) zur Verfügung stand.

Nachdem also der bisherige Partner Nixdorf als Hardware-Anbieter ausfiel, haben wir uns für das Softwarepaket IDVS II entschieden, das vom Bundesverband der Ortskrankenkassen entwickelt wurde. Dieses Softwarepaket kann bei allen "Allgemeinen Ortskrankenkassen" eingesetzt werden. Das Programmpaket IDVS II ist anwendbar auf IBM- und Siemens-Anlagen. Wir haben uns für ein System 7,755 der Siemens AG entschieden. Als Betriebssystem wird BS2000 eingesetzt.

Ein Systemwechsel ist bei einem integrierten Datenverarbeitungs-Verfahren natürlich nur schwer durchführbar und immer mit entsprechenden Problemen behaftet. Zunächst mußte der Altbestand sowie der laufende Bestand durch entsprechende Programme in das neue Datenverarbeitungs-Verfahren eingebracht werden. Darüber hinaus sind für die Zeit der Parallel-Verarbeitung (in unserem Fall fünf Monate) beide DV-Verfahren mit Eingabedaten zu versorgen.

Für den erfolgreichen Abschluß eines solch umfangreichen Projektes (Hardware, Betriebs- und Anwendungssoftware) ist eine detaillierte Projektplanung erforderlich.

Im wesentlichen sind folgende Kriterien ausschlaggebend für den Erfolg dieses Projektes:

1. Mitarbeit und Verantwortung des Hardware- und Software-Herstellers im Projekt.

2. Beteiligung der externen Stellen (Software-Lieferant BdO) an der Terminplanung.

3. Schulung der Fachabteilung im Rahmen des neuen DV-Verfahrens. 4. Ausbildungsstand der Mitarbeiter (zu Beginn des Projekts muß der Ausbildungsstand auf einen entsprechenden Level gebracht werden).

5. Aufgaben und Verantwortung der Mitarbeiter müssen klar geregelt sein.

6. Die Terminplanung muß so gestaltet werden, daß im Rahmen der Parallelverarbeitung Zeitpuffer vorhanden sind.

In etwa zwei Monaten werden wir das Projekt abschließen. Die Konzentration und Mitarbeit im Projekt erfordern dabei von allen EDV - Mitarbeitern eine starke Inanspruchnahme.

Abschließend möchte ich anmerken, daß ein solcher Systemwechsel wegen der starken Belastung des EDV-Personals nicht beliebig wiederholbar ist.

Kurt Geiser EDV-Leiter, Bremer Lagerhaus AG, Bremen

Herstellerwechsel ist ein immer wiederkehrendes Thema innerhalb eines Unternehmens, welches sich bereits in die "Fänge" der Datenverarbeitung begeben hat.

Das Sprichwort. "es ist leichter gesagt als getan" trifft hier meines Erachtens voll zu. Welche Gründe auch immer ein Unternehmen veranlassen, sich mit Wechsel-Gedanken zu beschäftigen - die Auswirkungen sind in fast allen Fällen die gleichen. Ich verstehe unter Hersteller-Wechsel den totalen Austausch einer bereits installierten Datenverarbeitungs-Anlage mit der gesamten dazugehörigen Peripherie gegen das gleichrangige Pendant eines anderen Computer-Herstellers. Konkret bedeutet dies also nicht nur den Austausch einer Zentraleinheit, sondern auch den gleichzeitigen Austausch der Platten-, Band-, Drucker- und TP-Peripherie. Jeder andere Wechsel würde meines Erachtens unter den Begriff der "Mixed-Hardware" fallen. Unter der Voraussetzung dieser Definition sind folgende Elemente in die Überlegungen mit einzubeziehen:

1. Baulichkeiten,

2. auszutauschende Hardware,

3. Betriebssystem-Software,

4. Anwendersoftware sowie

5. die betroffenen Personen des Unternehmens, wie Operatoren, Programmierer und der Anwender selbst (insbesondere der TP-Anwender).

Zu 1:

Normalerweise sind die Räumlichkeiten für das Rechenzentrum so geplant, daß die für das Unternehmen notwendige Hardware vernünftig untergebracht werden kann und daß eventuell noch soviel Platz vorhanden ist, um eventuell die Peripherie um die eine oder andere Einheit aufstocken zu können. Bei einem Austausch der gesamten Hardware - so wäre es wenigstens bei uns der Fall - kämen wir nicht umhin, ein komplett neues Rechenzentrum aufzubauen. Da ich davon ausgehe, daß ein sukzessiver Austausch von Hardware technisch nicht möglich ist, müßte die gesamte Hardware des neuen Herstellers in einem separaten Rechenzentrum sofort richtig installiert werden. Bei uns beispielsweise würde dies zwangsläufig zu einem Neubau führen, weil entweder ganze Fachbereiche aus dem derzeitigen Hochhaus ausgegliedert werden müßten oder das Rechenzentrum neu unterzubringen wäre. Ganz abgesehen von den Kosten, ist es für den Fachmann leicht vorstellbar, welche Probleme und Überlegungen beim Neubau eines Rechenzentrums auftreten können.

Zu 2:

Da jede Hardware-Komponente bei einem Hersteller-Wechsel ausgetauscht werden sollte, können ganz erheblich technische Probleme auftreten. Insbesondere wenn bei der derzeitigen Installation schon Mixed-Hardware in der Speicherperipherie eingesetzt ist. Ist Mixed-Hardware in der TP-Peripherie installiert, könnte ein Hersteller-Wechsel zu einer totalen Veränderung des Konzeptes führen. Ganz abgesehen von den dabei auftretenden technischen Problemen, sind hierbei auch vertragsrechtliche Punkte zu berücksichtigen.

Bei Bildschirm-Geräten und Terminal-Druckern (welche in der Regel in den Fachbereichen stehen) sind gegebenenfalls ganz erhebliche Veränderungen durchzufahren, zumal wenn die neuen Geräte nicht mehr auf die vorhandenen Tische oder in die vorgesehenen 'Ecken' passen.

Zu 3:

Eines der größten Probleme dürfte der Wechsel in der Betriebssystem-Software sein. Da er bei ein und demselben Hersteller (etwa bei der IBM von DOS auf OS oder bei Siemens von BS1000 auf BS2000) ohnehin schon mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, dürfte er von der bisherigen Hersteller-Software zur neuen Software noch viel gravierender sein. Dazu käme bei uns beispielsweise, daß wir sehr umfangreiche und für unsere Anwendersysteme äußerst vorteilhafte fremde Betriebssoftware installiert haben und diese im Zweifel nicht mehr einsetzen könnten. Dies bedeutet wiederum die Aufgabe von erheblichen Vorteilen, die solche Betriebssystem-Software-Pakete dem Benutzer bringen.

Bei einem Hersteller-Wechsel bleibt es also nicht aus, daß sich eine Gruppe von Systemspezialisten mit den einzelnen Modulen des alten und des neuen Betriebssystems auseinandersetzen. Ganz abgesehen von dieser Problematik sind die Mitarbeiter in der Regel mit den neuen Betriebssystemen nur theoretisch vertraut (Schulung beim neuen Hersteller) und müssen sich also Schritt für Schritt vorwärtskämpfen.

Zu 4:

Die Anwendersoftware muß bei einem Hersteller-Wechsel in der Regel total überarbeitet werden. Bei allem Wohlwollen gegenüber den gängigsten Programmier-Sprachen der einzelnen Hersteller kann trotzdem nicht von einer 100prozentigen Kompatibilität gesprochen werden. Die wesentlichsten Programme bei uns sind beispielsweise in PL/1, Cobol und Assembler geschrieben. Insbesondere bei den Programmen für TP-Anwendungen sind die Voraussetzungen der Betriebssystem-Software (in unserem Falle CICS) zu berücksichtigen.

Zu diesem Problem kommen noch eventuelle Speicherungsprobleme für die Dateien, welche auf Magnetplatten abgespeichert sind.

Es stellt sich die Frage der Programmerstellung beim neuen Hersteller. Da sich in sehr vielen Fällen die sogenannte "Online-Programmierung" wohl durchgesetzt hat, ist es nicht zwangsläufig, daß die bisherige Methode auch beim neuen Hersteller paßt.

Zu 5:

Die Auswirkungen auf die einzelnen Mitarbeitergruppen können bei einem Hersteller-Wechsel von erheblicher Bedeutung werden. Der Operator beispielsweise muß sich nicht nur mit neuer Hardware, sondern auch mit neuen Steuerungssystemen und dergleichen auseinandersetzen. Der Programmierer muß sich im Zweifelsfall auf die ihm zur Verfügung stehenden Hilfsmittel umstellen. Er hat sich mit Abweichungen der Programmiersprachen auseinanderzusetzen und vieles andere mehr. Der sogenannte "Bildschirm-Anwender" muß sich mit neuen Funktionen vertraut machen. Dabei kann sich das äußere Erscheinungsbild des Bildschirms ändern. Dies bedeutet, daß auch ergonomische Gesichtspunkte, gerade in der heutigen Zeit, nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.

Ich sehe bei einem Hersteller-Wechsel einen Kostenberg auf das Unternehmen zukommen, der sich einmal aus dem enormen zeitlichen Aufwand für die hard- und softwaremäßige Umstellung ergibt und zu dem noch die Parallelität der installierten Hardware der beiden Hersteller hinzukommt. Da meines Erachtens die gesamte EDV-Mannschaft sehr lange an eine solche Umstellung gebunden ist, wird sich der Backlog gegenüber den Fachbereichen (welcher ohnehin bei keinem Unternehmen gering sein dürfte) weiter vergrößern. Die sich daraus ergebende negative psychologische Auswirkung, im Verhältnis zwischen Fachbereich und EDV, ist monetär kaum zu bewerten. Selbst wenn der neue Hersteller noch soviel Manpower zur Unterstützung anbieten würde, sie wird sich letztlich doch immer im wesentlichen auf die von ihm gelieferte Hard- und Software beziehen. Hinsichtlich der Anwender-Software müßten die Mitarbeiter des neuen Herstellers wie ganz neue Programmierer eingearbeitet werden.

Die Schlußfolgerung aus meinen Überlegungen ist also, daß ich einen Hersteller-Wechsel in der von mir gegebenen Definition nahezu als nicht durchführbar betrachte. Dieses Urteil entsteht sicherlich unter dem Eindruck der bei uns herrschenden umfangreichen integrierten Anwendung, welche sowohl Batch- als auch TP-Anwendungen beinhaltet. Ich persönlich sehe jedoch eher Möglichkeiten, einen anderen Hersteller in die vorhandene EDV mit einzubeziehen, auf dem Felde des Distributed-Processing. Hier sind Möglichkeiten gegeben, für fachbereichsspezielle Lösungen separate Anlagen zu installieren, welche dann mehr oder weniger den Datenaustausch mit dem zentralen Rechenzentrum durchführen. Aber dann kann man nicht mehr von einem Hersteller-Wechsel im genannten Sinne sprechen.

Günter Schumann Hauptabteilungsleiter EDV und EDV-Organisation Justin Hüppe GmbH, Oldenburg

Seit der Einführung der EDV (1960) im Hause Hüppe ist ein Herstellerwechsel nie ernsthaft diskutiert worden. Die Gründe dafür sind wahrscheinlich in vielen anderen Unternehmen ähnlich gelagert. Nach der Umstellung von Tabelliermaschinen auf eine IBM 360/25 im Jahre 1966 war anschließend die dringlichste Aufgabe, die übernommenen Anwendungen zu überarbeiten, um die Möglichkeiten der Hardware voll auszunutzen und neue Anwendungen schnellstens zu realisieren.

Als 1974 die Entscheidung getroffen wurde, Bildschirme zu installieren, war bereits ein erhebliches Spektrum von Batch-Anwendungen vorhanden. Dieses System, das über Jahre hinweg gewachsen war, wäre sehr schwer von einem Hersteller auf den anderen übertragbar gewesen. Trotz der entsprechenden Software-Umstellungs-Tools sind der Zeitbedarf und die damit verbundenen Kosten nicht zu unterschätzen, wenn ein System durch einen anderen Hersteller abgelöst werden soll. Die Praxis hat gezeigt, daß auch die Umstellung auf andere Hardware innerhalb eines Herstellers nicht unbedingt problemlos ist.

An die bei Hüppe installierte IBM 370/125 sind momentan 27 Terminals im Local- und Remote-Betrieb angeschlossen. Unsere umfangreichen und, wie wir meinen, recht anspruchsvollen TP-Anwendungen zeigen dabei eine sehr gute Performance. Wir konnten dieses nur durch den konsequenten Einsatz von Mixed-Hard- und -Software erreichen. Dadurch sind wir für einen Hestellerwechsel sicherlich nicht flexibler geworden. Außerdem ist die Abhängigkeit der Benutzer von der (gewollten!) Systemarchitektur bestimmter Hersteller eher größer geworden.

Ich bin der Meinung, daß bei der Ablösung eines Herstellers nicht nur das Preis- und Leistungsverhältnis der Hardware ausschlaggebend sein sollte. Ohne diese und andere Kriterien (zum Beispiel technischer Service) zu vernachlässigen, gewinnt die Software dabei grundlegend an Bedeutung. Einerseits ist es die Qualität und Flexibilität der Systemsoftware und zum anderen der ständig steigende Anteil der gekauften und eigengefertigen Software. Die Software-Amortisation ist besonders kritisch zu betrachten, falls eine Übernahme auf andere Hardware nur mit erheblichem Aufwand möglich ist.

Je komplexer die Anwendungen - das gilt besonders für TP - desto mehr ist ein Hardwarewechsel für Anwender und Hersteller mit erheblichen Kosten und Risiken verbunden. Man erkennt hier deutlich, in welchem Umfang die Entscheidungsfindung von Aspekten der Software bestimmt wird.