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30.08.1985

Fremdprogrammierer blockieren den softwaretechnischen Fortschritt

MÜNCHEN (CW) - "...Money makes the world go round ..." - auf diese kurze Formel läßt sich anscheinend die Mentalität von Fremdprogrammierern reduzieren. Mit der quicken Lösung, Fremdkapazität einzukaufen, um Engpässe auszugleichen, geht der Autor hart ins Gericht. Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten druckt die COMPUTERWOCHE diese Kritik aus verständlichen Gründen anonym ab. Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt - seine Integrität und fachliche Kompetenz stehen für uns außer Zweifel. Der Beitrag soll als Diskussionsgrundlage verstanden werden. Leserbriefe sind herzlich willkommen. Eines der größten Hindernisse bei der Einführung neuer Software-Tehnologien in den bundesdeutschen Betrieben ist der massive Einsatz von betriebsfremden Programmieren, um anstehende Anwendungen im Stil der "mongolischen Hoarden" kurzfristig zu bewältigen. Daß ein Anwender Anspruch auf eine qualifizierte Beratung oder Hilfe bei der Erledigung spezieller Aufgaben benötigt, ist selbstverständlich. Es sollte aber vermieden werden, daß zu viele externe Programmierer eingesetzt werden, um gewerbliche Anwendungen zu realisieren. Denn abgesehen davon, daß dies die teuerste Lösung ist und das die Ergebnisse auch äußerst zweifelhaft sind, gibt es eine Reihe von Gründen, die gegen den Einsatz fremder Programmierkapazität sprechen.

Fremdprogrammierer bringen oft Erfahrungen und Kenntnisse mit, die nicht mit denen der eigenen Mitarbeiter übereinstimmen. Dies führt zu Abstimmungsproblemen.

Fremdprogrammierer haben nicht selten die Neigung, Projekte möglichst lange hinzuziehen, damit sie an dem Projekt möglichst viel verdienen.

Fremdprogrammierer sind häufig an der Qualität des Produktes weniger interessiert, weil sie wissen, daß sie es nachher nicht mehr warten müssen.

Fremdprogrammierer sind vielfach gegen alle neuen Software-Tehnologien, weil diese ihre lukrative Tätigkeit bedrohen und sie entbehrlich machen.

Fremdprogrammieren sind oft Einzelgänger, die sich nicht gerne an Gruppennormen anpassen.

Fremdprogrammieren sind von ihrer Mentalität her hauptsächlich am Geldverdienen interessiert und weniger an der Arbeit. Wenn sie wirklich an Software-Technologien interessiert wären, dann gäbe es für sie genügend interessante Aufgaben in Software-Laboren. Sie ziehen es aber vor, bei ahnungslosen Anwendern primitive und schlechte Cobol-Programme für teures Geld zu schreiben.

Es lohnt sich nicht für die Unternehmen, betriebsfremde Programmierer in neuen Technologien auszubilden, da sie bald wieder weggehen. Andererseits lohnt es sich nicht für Fremdprogrammierer, betriebsspezifische Technologien zu erlernen, weil sie die Kenntnisse im nächsten Betrieb nicht verwenden können.

Schließlich bekommt man daß, wofür man bezahlt. Wer für Zeit und Anwesenheit, bekommt Zeit und Anwesenheit. Wer für Qualität bezahlt, bekommt Qualität. Wer für Quantität bezahlt, bekommt Quantität.

Deshalb sind alle Anwender gut beraten, die sich aus der Abhängigkeit der externen Entwickler befreien. Wenn ein Softwahrehaus diesen Namen verdient, muß es bereit sein, eine festdefinierte Leistung für einen festen Preis zu erbringen. Ist dies nicht den Fall, dann ist dies ein Zeichen, daß das sogenannte Softwarehaus auch nicht mehr weiß als der Anwender selbst.

Das Ziel der Anwender müßte es sein, durch neue Technologien auf den eigenen Beinen zu stehen. Dadurch würden viele der heutige Probleme verschwinden. Und wenn man ein Softwareprojekt vergeben muß, dann bitte nur zu einem festen Preis, nachdem es von den eigenen Mitarbeitern ausreichend spezifiziert ist.

Das Unwesen der Fremden Programmierkapazität bringt nur kurzfristig Vorteile. Die langfristigen Nachteile überwiegen bei weitem, auch personalpolitisch gesehen. Je eher es abgebaut wird, desto besser, auch wenn es einigen sogenannten Softwarehausern weh tut.