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27.09.1985

Fremdprogrammierung: Mongolenangst ablegen

Einigen Aufruhr in der ansonsten eher "coolen" DV-Branche verursachte offensichtlich der Beitrag "Fremdprogrammierer blockieren den softwaretechnischen Fortschritt" (CW Nr. 35 vom 30. 08.1985, Seite 12). Die Reaktionen auf diesen Stich ins Wespennest reichten von Beschimpfungen am Telefon oder der Drohung, den Namen des Autors durch einen gerichtlichen Beschluß zu erzwingen, über konstruktive Kritik bis hin zu begeisterter Zustimmung. Die Software-Redaktion der COMPUTERWOCHE veröffentlicht aus den eingegangenen Zuschriften einige Leserbriefe, die die weitgefächerte Resonanz auf diesen Artikel widerspiegeln sollen. Um den direkten Bezug zu den nachfolgenden Lesermeinungen zu gewährleisten, drucken wir das "corpus delicti" nebenstehend nochmals ab.

MÜNCHEN (CW) - "...Money makes the world go round..." - auf diese kurze Formel läßt sich anscheinend die Mentalität von Fremdprogrammierern reduzieren. Mit der quicken Lösung, Fremdkapazität einzukaufen, um eigene Engpässe auszugleichen, geht der Autor hart ins Gericht. Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten druckt die COMPUTERWOCHE diese Kritik aus verständlichen Gründen anonym ab. Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt - seine Integrität und fachliche Kompetenz stehen für uns außer Zweifel. Der Beitrag soll als Diskussionsgrundlage verstanden werden. Leserbriefe sind herzlich willkommen.

Eines der größten Hindernisse bei der Einführung neuer Software-Technologien in den bundesdeutschen Betrieben ist der massive Einsatz von betriebsfremden Programmierern, um anstehende Anwendungen im Stil der "mongolischen Horden" kurzfristig zu bewältigen. Daß ein Anwender Anspruch auf eine qualifizierte Beratung oder Hilfe bei der Erledigung spezieller Aufgaben benötigt, ist selbstverständlich. Es sollte aber vermieden werden, daß zu viele externe Programmierer eingesetzt werden, um gewerbliche Anwendungen zu realisieren. Denn abgesehen davon, daß die teuerste Lösung ist und daß die Ergebnisse auch äußerst zweifelhaft sind, gibt es eine Reihe von Gründen, die gegen den Einsatz fremder Programmierkapazität sprechen.

- Fremdprogrammierer bringen oft Erfahrungen und Kenntnisse mit, die nicht mit denen der eigenen Mitarbeiter übereinstimmen. Dies führt zu Abstimmungsproblemen.

- Fremdprogrammierer haben nicht selten die Neigung, Projekte möglichst lange hinzuziehen, damit sie an dem Projekt möglichst viel verdienen.

- Fremdprogrammierer sind häufig an der Qualität des Produktes weniger interessiert, weil sie wissen, daß sie es nachher nicht mehr warten müssen.

- Fremdprogrammierer sind vielfach gegen alle neuen Software-Technologien, weil diese ihre lukrative Tätigkeit bedrohen und sie entbehrlich machen.

- Fremdprogrammierer sind oft Einzelgänger, die sich nicht gerne an Gruppennormen anpassen.

- Fremdprogrammierer sind von ihrer Mentalität her hauptsächlich am Geldverdienen interessiert und weniger an der Arbeit. Wenn sie wirklich an Software-Technologien interessiert wären, dann gäbe es für sie genügend interessante Aufgaben in Software-Laboren. Sie ziehen es aber vor, bei ahnungslosen Anwendern primitive und schlechte Cobol-Programme für teures Geld zu schreiben.

- Es lohnt sich nicht für die Unternehmen, betriebsfremde Programmierer in neuen Technologien auszubilden, da sie bald wieder weggehen. Andererseits lohnt es sich nicht für die Fremdprogrammierer, betriebsspezifische Technologien zu erlernen, weil sie die Kenntnisse im nächsten Betrieb nicht verwenden können.

- Schließlich bekommt man das, wofür man bezahlt. Wer für Zeit und Anwesenheit bezahlt, bekommt Zeit und Anwesenheit. Wer für Qualität bezahlt, bekommt Qualität. Wer für Quantität bezahlt, bekommt Quantität.

Deshalb sind alle Anwender gut beraten, die sich aus der Abhängigkeit der externen Entwickler befreien. Wenn ein Softwarehaus diesen Namen verdient, muß es bereit sein, eine festdefinierte Leistung für einen festen Preis zu erbringen. Ist dies nicht der Fall, dann ist dies ein Zeichen, daß das sogenannte Softwarehaus auch nicht mehr weiß als der Anwender selbst.

Das Ziel des Anwender müßte es sein, durch neue Technologien auf den eigenen Beinen zu stehen. Dadurch würden viele der heutigen Probleme verschwinden. Und wenn man ein Softwareprojekt vergeben muß, dann bitte nur zu einem festen Preis, nachdem es von den eigenen Mitarbeitern ausreichend spezifiziert ist.

Das Unwesen der fremden Programmierkapazität bringt nur kurzfristig Vorteile. Die langfristigen Nachteile überwiegen bei weitem, auch personalpolitisch gesehen. Je eher es abgebaut wird, desto besser auch wenn es einigen sogenannten Softwarehäusern weh tut.

*

Ich möchte mich nicht zum Sprachrohr der externen Entwickler krönen, da es auch schwarze Schafe unter ihnen gibt, doch der Artikel ist überzogen und bildet daher keine konstruktive Diskussionsgrundlage.

Sachlich ist die Berichterstattung einseitig und subjektiv und entspricht keineswegs meinen Erfahrungen und Beobachtungen.

Es obliegt den Verantwortlichen der Beratungsunternehmen und des Auftraggebers, den optimalen Einsatz des Fachpersonals zu planen beziehungsweise zu koordinieren. An sonsten werden Berater mit der von Ihnen geschilderten Mentalität sehr schnell von eigenen Mitarbeitern des Auftraggebers entlarvt.

Wenn also die fachliche Kompetenz des Autors Ihrer Ansicht nach nicht bezweifelt wird, so kann ich mir hier ersparen, eine Reihe von Gründen aufzuzählen, warum der Einsatz von qualifizierten Fachprogrammierern sinnvoll ist.

Thomas Lipinski,

Mitarbeiter der Interprogram Nord, 2000 Hamburg.

*

Meine Bewunderung für diesen ungenannten Experten, der es wie kein anderer versteht, soviel Sachverstand und Kompetenz in einem derart kleinen Beitrag unterzubringen oder ist der Artikel etwa getür... eine Provokation Ihrerseits? Pfui.

Egal, ich möchte dennoch Stellung nehmen. Die Behauptung, alle Externen seien nur aufs schnelle Geld aus und weniger an der Qualität ihrer Arbeit interessiert, ist vollkommen richtig; nur der dumme Externe hält sich an den Rahmen Preis/ Leistungs-Verhältnis, der Clevere dagegen ist unterqualifiziert, hat kein Interesse an eigener Fortbildung, denkt nicht an Folge-Aufträge und schert sich den Teufel um sein Image, sprich: guten Ruf.

Auch sind ihm existierende (Werks-) Verträge und die darin enthaltenen Anforderungen (an Qualität, Nachbesserung und so weiter) egal, denn: Die zahlreichen DV-Manager, für den Einsatz externer Kräfte verantwortlich, verstehen nichts von ihrem Geschäft und werden tagtäglich von ihm an der DV-Nase herumgeführt.

Entweder hat sich Ihr Anonymus ein Riesenei auf die Schienen genagelt, oder ich habe die Ironie des Beitrags nicht verstanden.

Sicherlich tummeln sich zur Zeit auf dem Programmierungs- und Beratungsmarkt auch eine Reihe von Programmierern und Beratungsunternehmern, welche ihr Geld nicht wert sind. Abgesehen davon, daß sie eine Minderheit der gesamten Branche darstellen, dürften sie durch ihr unseriöses Auftreten auch recht bald wieder vom Markt verschwinden.

Aus unserer Sicht gibt es eine Reihe von Gründen, die für einen Einsatz fremder Software-Entwicklungskapazität sprechen:

1. Durch Einsatz bei verschiedenartigen Unternehmen in verschiedenen Branchen bringen externe Berater Erfahrungen, Kenntnisse und eine Flexibilität mit, die eingefleischten Mitarbeitern eines Unternehmens nicht zu eigen ist. Dies führt zu weniger "Betriebsblindheit" bei der Erarbeitung von Softwarelösungen.

2. Qualifizierte Fremdprogrammierer sind sehr wohl an der Qualität eines Produktes interessiert, da sie wissen, daß ihre beste Referenz eine gute und saubere Arbeit ist.

3. Gerade Fremdprogrammierer müssen sich mit neuen Softwaretechnologien auseinandersetzen, um am Markt weiterhin existieren zu können. Gute Softwarehäuser halten sehr viel von der Fortbildung ihrer Mitarbeiter.

Daß der Einsatz externer Entwickler nicht immer von Erfolg gekrönt ist, hat Gründe, welche die Anwender zum Teil selbst zu vertreten haben. Mitarbeiter von Beratungsunternehmen werden häufig erst dann gerufen, wenn es zu unübersehbaren Personalengpässen kommt oder der Termindruck übergroß wird. Oft sitzt der Karren dann schon im Dreck. Aus einem verkorksten oder halbherzig erstellten Konzept kann selbst der beste Fremdprogrammierer kein Qualitätsprodukt erstellen. Wie oft wurden schon Projekte nur halbwegs dadurch gerettet, daß die externen Mitarbeiter in unermüdlichem Tages- und Nachteinsatz Programme erstellten.

Externe Berater sind häufig bei den eigenen Mitarbeitern nur deshalb nicht besonders hoch angesehen weil die Führung es versäumt, ihnen den Sinn, Zweck und den Nutzen der "Fremdarbeit" klarzumachen. Kommunikationsschwierigkeiten sowie Neid und Mißgunst sind so vorprogrammiert.

Seriöse Softwarehäuser sind selbstverständlich dazu bereit, festdefinierte Leistungen zu festen Preisen zu erbringen. Viele Anwender haben allerdings Schwierigkeiten, den erwarteten Leistungsumfang genau festzulegen. Aus vagen und bruchstückhaften Anforderungen läßt sich nun einmal beim besten Willen kein Festpreis kalkulieren. Nur detaillierte Spezifikationen können die Grundlage eines Festpreisangebotes bilden.

Fazit: Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Anwendern und Beratungsunternehmen ist durchaus möglich, wenn beide Seiten eine entsprechende Vertrauensbasis schaffen. Wer Qualität verlangt, bekommt auch Qualität. Allerdings hat sie dann auch ihren Preis.

Klaus Herx,

EDP Partners GmbH, 8000 München.

*

Alle angeführten Argumente wider die "räuberischen Rotten" von Fremdprogrammierern haben gewiß ihren realen Hintergrund in schlechten Erfahrungen, die das eine oder andere Unternehmen mit einigen Externen gemacht hat. Die Schlußfolgerung, Fremdprogrammierer blockierten grundsätzlich den softwaretechnischen Fortschritt, ist allerdings schlicht falsch.

Viele Externe bringen nicht unbeträchtliches Know-how in ihre tägliche Arbeit ein. Als Außenstehende sind sie in der Lage, Probleme besser zu erkennen, für die Insider bereits betriebsblind geworden sind. Der Einsatz bei ständig wechselnden Auftraggebern fördert somit die Verbreitung softwaretechnischen Wissens. Daß dabei Vermittlungsprobleme ins Haus stehen, liegt in der Natur der Sache.

Was ist denn häufiger der Fall:

- Daß der Externe ein Projekt verzögert, oder daß er ein verzögertes oder liegengebliebenes Projekt wieder in Gang bringt?

- Daß er neue Softwaretechnologien ablehnt, weil sie angeblich seine Tätigkeit bedrohen, oder sie sich aneignet, weil sie seinen Marktwert verbessern, was für ihn ja irgendwo lebensnotwendig ist? Ich teile die Meinung des Autors, soweit es sich bei dem eingesetzten Fremdpersonal um reine Programmierkapazität, also "Body-Leasing" handelt. Dennoch ist die Quintessenz aus den Thesen, nämlich "Fremdprogrammierer raus = bessere Software-Qualität" natürlich nicht die Lösung aus der Software-Krise. Im Gegenteil: Der Aufbau eines Software-Engineering-Konzepts und einer maschinengestützten Produktions-Umgebung erfordert ein derart hohes Maß an Fach-Know-how und Unterstützungsaufwand, daß man normalerweise ohne qualifizierte Beratung durch Dritte nicht auskommt. Das Fremdpersonal sollte also nicht, oder zumindest nicht nur zum Abbau von Auftragsspitzen eingesetzt werden, sondern zum Technologie-Transfer an die festangestellten Mitarbeiter.

Die Umsetzung eines Vorgehensmodells und neuer Werkzeuge und Methoden in die Praxis der Projektarbeit läßt sich nur unvollkommen durch Schulungsmaßnahmen erreichen. Mitentscheidend für die Akzeptanz bei den Mitarbeitern ist die Betreuung während der Projektarbeit. Und hier können erfahrene Software-Ingenieure, die mit diesen Verfahren vertraut sind, einen wichtigen Beitrag leisten. Die Chance für Software-Häuser und Beratungsunternehmen sehe ich daher auch nicht im Body-Leasing, sondern in qualifizierter Fachberatung, wobei die Beratung durchaus während der Projektarbeit stattfinden kann.

Sind dann das Software-Engineering-Konzept und die Software-Produktions-Umgebung erst einmal installiert und bei den eigenen Mitarbeitern durchgängig umgesetzt, ist es kein Problem, bei größeren Software-Häusern Mitarbeiter zu finden die den eigenen Maßstab erfüllen oder sogar übertreffen. Notwendige Einarbeitungszeiten in firmenspezifische Technologien gehen in der Regel zu Lasten des Software-Hauses. Abgesehen davon, daß sich der Marktwert der Mitarbeiter beträchtlich erhöht, ist es auch für Fremdpersonal eine motivierende Herausforderung, moderne Verfahrenstechniken zu beherrschen. Und wenn neben dem termingerechten Einsatz eines Neuproduktes nach eigenen Richtlinien auch noch die Qualität der festangestellten Mitarbeiter verbessert werden kann, lohnt sich der Einsatz von Fremdpersonal allemal.

Thomas Gebert,

Leiter Anwendungsentwicklung; BDZ Börsen-Daten-Zentrale GmbH, 6000 Frankfurt/Main.

*

Money makes the world go round... auf diese kurze Formel läßt sich auch die Berichterstattung selbst reduzieren. Es ist das Fatale an dieser Art Journalismus, daß eine Branche immer nach den schwarzen Schafen beurteilt wird.

Gerd Edmund Riek,

Ingenieurbüro Riek, 6085 Nauheim.

*

Money makes the world go round... und dies nicht nur für Fremdprogrammierer, nein, auch für die Herren im Software-Einkauf.

Als Softwarehaus stellen wir immer wieder fest, daß wir im Wettbewerb mit den preisgünstigeren "mongolischen Horden" nicht zum Zuge kommen.

Qualität, insbesondere Softwarequalität, hat ihren Preis. Und wenn dann auch noch innovative softwaretechnische Impulse gegeben werden, gibt's dies sicher nicht als Draufgabe.

Wir sind an der Qualität unserer Produkte sehr interessiert: Wir geben Garantie und übernehmen Wartung. Nicht selten sind wir softwaretechnisch auch weiter als unsere Kunden. Dies bedeutet häufig

- für den Fall einer Nachbesserung auch das Qualitätsbewußtsein des Entwicklers zu fördern

- erhebliche Anstrengungen, um den softwaretechnischen Fortschritt dem Kunden einsichtig zu machen und

- sich aus dem Erfahrungshintergrund eines langjährigen Profis heraus auf den Standard des Kunden einzustellen.

Wir arbeiten nach dem Prinzip des Profiteams. Für das anstehende Projekt werden erforderliche Spezialisten zusammengebracht, die engagiert die Realisierung des Projekts betreiben.

Wer hingegen Leute einkauft, die insbesondere im Body-Leasing-Geschäft, kurz auf der Autobahnraststätte kennengelernt, zu günstigen

Konditionen an den Mann gebracht werden, der sollte sich nicht über mangelnde Qualität der Produkte und Ergebnisse wundern.

Ist schon die fachliche Beurteilung von Mitarbeitern nicht leicht, so ist die Integration der im Bodyleasing angeheuerten Mitarbeiter in das Projekt des Kunden ein Abenteuer.

Kurz, Software-Erstellung folgt den gleichen marktwirtschaftlichen Prinzipien wie alle anderen Produkte, und Qualität hat ihren Preis. Billig kaufen bedeutet Billiges, das heißt Minderwertiges erwerben.

Unseren Kunden empfehlen wir:

- daß nicht jede Entscheidung ausschließlich über die Preislatte gebrochen wird;

- daß vor allem Großkunden weg vom Bodyleasing, hin zum Softwareeinkauf (Projektgeschäft) gehen;

- daß man offener wird für die vielfältigen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit, insbesondere auch, was das vertikale Leistungsangebot der Softwarehäuser anbelangt.

Rainer Fein,

Unternehmensberatung, 8000 München.

*

Sicher ist guter Verdienst ein wesentliches Motiv für Externe. Aber ist dieser wirklich erzielbar, ohne daß normalerweise eine adäquate Arbeitsleistung dahinter steht? Schwer vorstellbar ist, daß ein Auftraggeber für längere Zeit mangelhafte Arbeit von Externen toleriert, ohne diese an die Luft zu setzen. Außerdem spricht sich Pfusch schnell herum und belebt keineswegs die Auftragslage.

Übrigens - wo sind denn die Softwarelabors mit den "genügend interessanten Aufgabenstellungen", die nicht gleichfalls (zumindest zeitweise) ihre Mitarbeiter "anschaffen" schicken? Jeder konkrete Hinweis wird dankend entgegengenommen.

Ein Wort zu Festpreisprojekten. Die Erfahrung lehrt, daß DV-Anwendungen grundsätzlich zu niedrig eingeschätzt werden. Folglich wirken sich Festpreisprojekte, es sei denn auf der Basis einer sehr präzisen Spezifikation, überwiegend zuungunsten der Auftragnehmer aus. Wer als Entwickler die Folgen eines schlecht kalkulierten Festpreisprojektes bereits einmal mit ausbaden mußte, hat verständlicherweise wenig Interesse, dies zu wiederholen. Eine Abrechnung auf Stundenbasis braucht kein Nachteil für den Auftraggeber zu sein, wenn dieser die erzielten Arbeitsergebnisse regelmäßig kontrolliert.

Was soll also die Schwarzweiß-Malerei: Wo Licht ist, da ist eben auch Schatten. Sollte man deshalb das Licht abschaffen?

Manfred Gerisch,

Unterschleißheim, freier Mitarbeiter bei der SES Software Engineering Service GmbH, 8014 Neubiberg.

*

Zu Punkt 1: Der erste Satz ist richtig. Mitarbeiter von guten Softwarehäusern haben meist mehr Erfahrung und projektspezifische Kenntnisse, von denen eigene Mitarbeiter bei Abstimmung problemlos profitieren können.

Zu Punkt 2: Stimmt bei schlechten Softwarehäusern. Gute Softwarehäuser sind auch an Folgeaufträgen interessiert und haben deswegen keine solchen Neigungen.

Zu Punkt 3: Siehe Bemerkung zu Punkt 2.

Zu Punkt 4: Berater von guten Softwarehäusern nutzen selbst neue Softwaretechnologien.

Zu Punkt 5: Siehe Bemerkung zu Punkt 2.

Zu Punkt 6: Der erste Satz ist kein Spezifikum von Fremdprogrammierern. Ansonsten siehe Bemerkung zu Punkt 2.

Zu Punkt 7: Bei guten Softwarehäusern erfolgt die Ausbildung in neuen Technologien nicht zu Lasten des Kunden.

Die Aussage bezüglich der betriebsspezifischen Technologien ist in dieser Pauschalität falsch. Bei entsprechender geistiger Beweglichkeit mancher Mitarbeiter guter Softwarehäuser, sind diese in der Lage, die erworbenen Kenntnisse - je nach Aufgabenstellung - analog im nächsten Betrieb zu nutzen (siehe auch Bemerkung zu Punkt 1).

Zu Punkt 8: Empfehlung an Kunden: Sie haben bei guten Softwarehäusern die Möglichkeit, für Qualität zu bezahlen.

Alex Brehm,

8523 Baiersdorf.

*

Es sollte auch einmal überlegt werden, welche Umstände das kritisierte Verhalten der Fremdkräfte - und ich behaupte auch das des eigenen Personals - überhaupt erst ermöglichen.

Folgendes Beispiel, sollte dem anonymen Autor zu denken geben:

Zur Rationalisierung der Fertigung benötigt ein Industriebetrieb neue Maschinen. Diese werden bestellt und geliefert, nur ist kein Raum vorhanden. Die Produktion muß möglichst sofort aufgenommen werden. Unter einem Zeltdach in einem entfernten Winkel des Werksgeländes mit provisorischer Stromversorgung wird mit der Produktion begonnen. Die unzumutbaren und unvorschriftsmäßigen Bedingungen werden erkannt. Eine neue Fabrikationshalle muß her. Folglich wird umgehend das Baumaterial bestellt. Bei Lieferung wird untersucht, wo denn überhaupt gebaut und wo das Material gelagert werden soll. Rasch wird ein an das Betriebsgelände angrenzendes Grundstück gekauft und das Baumaterial mit Kran und Bagger dorthin geschafft. Der Wartungstrupp des Unternehmens wird beauftragt, umgehend aus den angelieferten Materialien eine hochmoderne Fabrikationshalle zu erstellen.

Nachdem auch nach Monaten kein Baufortschritt zu erkennen ist, wird der Meister des Wartungstrupps zur Rede gestellt. Dieser behauptet kleinlaut, er habe zu wenig Personal und außerdem habe er gehört, daß zum Bau einer Fabrikationshalle Bauingenieure, Maurer, Installateure, also qualifiziertes Fachpersonal benötigt würde.

Die einsichtige Unternehmensleitung bewilligt das zusätzliche Personal. Der hinzugezogene Bauingenieur fragt zunächst nach dem Bauplan. Hier bekommt er zu hören, daß man sich mit solchen zeitraubenden Planungen nicht beschäftigt habe. Schließlich lägen die Anforderungen, eine Fabrikationshalle zu bauen, auf dem Tisch, das erforderliche Personal und Material seien schon lange vorhanden und der Fertigstellungstermin sei schon mehrfach verschoben worden.

Allen Einwänden zum Trotz (wenn der Bauingenieur jetzt Zivilcourage beweist) wird er schließlich mit einer neuen Terminvorgabe an die Arbeit geschickt. Mehr schlecht als recht wird nun aus dem heillosen Durcheinander das Bauwerk errichtet. Als letztendlich die Mindestanforderungen an den Bau erfüllt sind und die Produktion auf Hochtouren läuft, bricht das Bauwerk zusammen. Das gekaufte Land war leider nur Sand.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt erhebt unser anonymer Kritiker seine bekannten Vorwürfe gegen das Fremdpersonal und behauptet, daß es die Fremdkräfte wären, die den Einsatz von Fertigbauteilen blockieren würden. Ob althergebrachte oder moderne Bauelemente, weder die einen noch die anderen hätten hier zum Erfolg geführt.

Das angeführte Beispiel ist, übertragen auf den Bereich der Softwareentwicklung, sicherlich keine Seltenheit. Diese Bedingungen findet man leider noch heute vor, und solange es diese Mißstände bei der Systementwicklung gibt, wird es die geschmähten Fremdprogrammierer geben.

Eine konsequente Systementwicklung mit ihren Phasen der ausgiebigen Voranalyse, der Auswahl und Entwicklung zweckmäßiger Methoden und Verfahren, der anschließenden Systemspezifikation, der daraufhin durchzuführenden Programmierung und der abschließenden Implementierung (wobei während jeder der Phasen die Systemumwelt berücksichtigt werden muß), ist die Garantie dafür, daß die vorliegende Kritik gar nicht erst aufkommen kann. Wenn gewährleistet ist, daß ein Projekt so abgewickelt und überwacht wird, sollte vielleicht sogar häufiger dazu übergegangen werden, die Aufgaben von der Voranalyse bis zur Implementierung in die Hände externer Projektgruppen zu legen, denn welcher Bauherr beschäftigt schon Architekten, Statiker, Bauingenieure, Handwerksmeister, Bauhandwerker und Installateure nach schlüsselfertiger Übergabe des Gebäudes und dessen Abnahme.

Zusammenfassend sei darauf hingewiesen, daß die Kritik sicherlich berechtigt ist, nur empfiehlt der anonyme Autor, die Symptome zu beseitigen, wobei es besser wäre, die Ursachen zu beheben.

Dieter Schöneweis,

Systemanalytiker bei ISD Informationssysteme GmbH, 5204 Lohmar.

*

Zu dem "Artikel" möchte ich diese wissenschaftliche Bemerkung ergänzen: Die Verdichtung des Pamphlets lautet: Sperrt Türen und Fenster zu, Zigeuner und Externe kommen.

Nobert Holder,

7000 Stuttgart.

*

Ein Praktiker, der viel von den Leiden eines Informatikmanagers versteht, hat diesen Artikel geschrieben. Ich begrüße die krasse, aber deutliche Meinungsäußerung, und es gibt für mich keinen Grund, weshalb der Verfasser seinen Artikel nicht unterzeichnet.

Unwidersprochen bleibt, daß zu viele, aber wenig ausgebildete Fremdprogrammierer die DV-Szene bevölkern, ohne das Organisations- und Personalumfeld eines Unternehmens, in dem sie eine Leistung erbringen wollen, zu beherrschen. Die Unternehmensberatungen, die solche Mitarbeiter haben und vermitteln, sehen ausschließlich auf den Manpower-Ertrag.

Das ist so und das wissen alle, die sich seit mehr als 15 Jahren im DV-Bereich um diese Probleme kümmern.

Die Schuld liegt bei den Fachbereichen der Unternehmen, die zu hohe Forderungen und Erwartungen an einen nicht funktionsfähigen Arbeitsbereich unserer Datenverarbeitung stellen. Die geforderten Leistungen werden nicht erbracht, und deshalb sucht jeder sein Heil im Einsatz von Fremdprogrammierern.

Aber wer schlechte Leistungen aus der Fremdproduktion erhält und sie dann auch noch akzeptiert, ist selber schuld.

Führt der Manager seine eigenen Programmierer schlecht, so wird er die Fremdprogrammierer gar nicht führen können. Denn bei der Vergabe von Leistungen an Fremdprogrammierer gelten die gleichen Regeln, wie sie als Forderungen an die interne Programmierung gestellt werden müssen: sorgfältige Personalauswahl, sauber gegliederte Pflichtenhefte, die an die Unternehmensziele angepaßt sind, Programmierregeln und -hilfen sowie begleitende Dokumentation, Test und Fachbereichsschulung.

Oder meint man, daß ein schludrig aufgebautes Organisationskonzept für das Unternehmen von einem Fremdprogrammierer in ein zukunftsorientiertes, arbeitsunterstützendes Programm umgewandelt werden kann?

Bis zu 70 Prozent aller Programmierarbeit könnten entfallen (Feststellung ist nicht von mir, sondern in der Fachliteratur nachzulesen!), wenn:

Richtig und einfach zu realisierende Projektvorgaben unter geeigneteren Tools erstellt werden würden, die das Programmnachbessern verhindern.

Daran muß der berufene Informatikmanager arbeiten und darf seine Zeit nicht damit vertun, über die Schlechtleistungen der Fremdprogrammierung wehzuklagen.

Wolfgang Koppmeyer,

Ltg. Org. + DV, Großversandhaus Schöpflin GmbH, 7850 Lörrach.

*

Engpässe haben Ursachen. Feuerwehreinsätze in Form von Fremdprogrammierern führen nicht zu dauerhaften Lösungen.

In einer geschäftlichen Partnerschaft sollte der Dienstleister die Gelegenheit haben, die Bewältigung der DV-Probleme des Kunden langfristig und strategisch zu planen. Dieser Weg führt zu dauerhaften Lösungen und steht im Gegensatz zu kurzfristigen und taktisch angelegten Lösungsversuchen, die lediglich Symptome, nicht jedoch Ursachen bekämpfen.

Genaue Kenntnis der Arbeitsweise und umfassendes Verständnis der Besonderheiten der jeweiligen Branche sind Grundvoraussetzungen, um Dienstleistungen zu entwickeln, die den Anforderungen des Kunden exakt entsprechen.

Dabei muß der Kunde die vollständige Kontrolle über die drei wichtigsten Variablen in der Datenverarbeitung behalten: Ergebnisse, Zeitpläne und Kosten. Dazu gehört eine Vereinbarung mit dem Kunden für Projektumfang, Durchführungsplan, Schulungsmaßnahmen und Festpreis für die mit dem Projekt verbundenen Dienstleistungen. Fertigstellungsdaten müssen garantiert werden. Die Kontrollmöglichkeiten werden durch Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung und durch Anreize für frühzeitige Fertigstellung weiter gesteigert.

Nur ein auf diese Weise festgelegtes Servicekonzept gewährleistet die gewünschten Ergebnisse.

H. Beck,

Marketing EDS Electronic Data Systems (Deutschland) GmbH, 6090 Rüsselsheim.

*

Externe Programmierer werden in den meisten Betrieben - sicher zu Recht - mit mehr oder weniger sanfter Gewalt dazu gezwungen sich den betrieblichen Gegebenheiten und den Kollegen entsprechend anzupassen.

Das "lange Hinziehen" der Projekte hat den Nachteil, keine Fol...aufträge mehr zu bekommen. ...ständige sind jedoch darauf angewiesen. Außerdem wird vom externen Programmierer erwartet, daß er einen schnelleren Output hat als die eigene Manpower.

Zur Wartung wird man sehr wohl herbeizitiert. Das kann man sich nicht aussuchen!

Auch der Fremdprogrammierer muß die neuen Technologien kennen. Denn gerade für diese braucht der Anwender doch die fremde Hilfe.

Die Programme von Fremdprogrammierern sind auch nicht schlechter als andere. Bei der finanziellen Seite muß man bedenken, daß dem Selbständigen keine Krankenversicherung, Sozialabgaben etc. von einem Arbeitgeber bezahlt werden.

Alleingänge sind manchmal sehr produktiv und nicht zwangsläufig... den Kunden von Nachteil.

Wer häufig in verschiedenen Betrieben programmiert, ist auch bereit, für kurze Zeit betriebsspezifische Kenntnisse zu erwerben und sie umzusetzen; sonst würde er nicht freiberuflich tätig sein, sondern auch den beschützenden Angestelltenvertrag vorziehen. Der betriebseigene Programmierer interessiert sich nach längerer Betriebszugehörigkeit in der Regel doch mehr für seine eigenen Belange als für die "seines" Betriebs!

Richtig: Es wird nur für Anwesenheit bezahlt (leider!), nicht für Kaffeekochen, Frühstücken, Krankfeiern, Urlaub - alles das, was andere sehr wohl in Anspruch nehmen. Wenn es die von Ihnen beschriebenen Fremdprogrammierer gibt, sind sie im allgemeinen nicht lange selbständig. Man begegnet ihnen darin wieder im schützenden Vertrag eines Angestelltenverhältnisses - wegen ihrer umfangreichen Kenntnisse natürlich in gehobener Position. Denn als Selbständiger lebt man in dieser Branche von Empfehlungen - und diese gibt es - komischerweise(?) reichlich.

Christa Hunold,

selbständige Programmiererin, 6411 Künzell.