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23.05.1980 - 

Die Sprachenvielfalt in Europa wirkt sich aus:

Fremdsprachen wird man können

MÜNCHEN (gr) - Elektronische Wörterbücher sind in der Bundesrepublik im Gegensatz zu den USA im Kommen. Neben Nixdorf, das sein kundenspezifisches Modell des LK 3000 seit Hannover anbietet, bringt die Sharp Electronics (Europe) GmbH, Hamburg, im Juni einen Rechner auf den deutschen Markt. Die Langenscheid KG, München, beabsichtigt ebenfalls mit einem Übersetzungscomputerchen herauszukommen.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal " erfreuen sich die elektronischen Übersetzer in den USA keiner besonderen Nachfrage. Die Absatzerwartungen der Nixdorf Computer Corp. sollen auf diesem Gebiet enttäuscht worden sein, was jedoch Nixdorf, Paderborn, bestreitet.

In der Bundesrepublik sieht die Nachfragesituation anders aus.

Die Nixdorf Computer AG kann über Absatzschwierigkeiten für ihren LK 3000 nicht klagen. Nach Angaben des Pressesprechers kommt das Unternehmen kaum mit der Produktion nach. Übersetzungen in 16 Sprachen bilden nur einen kleinen Teil der Fähigkeiten, mit denen der 460 Mark-Rechner ausgestattet ist. Neben einem Wortschatz von 2500 Vokabeln oder 1000 Informationen kann das pocketkameragroße Gerät für verschiedene Abfragen wie Preislisten, Wartungsanleitungen und Formelsammlungen frei programmiert werden. Es ist außerdem mit einer V.24-Schnittstelle ausgestattet. Der Vertrieb erfolgt über Kauf- und Warenhäuser wie Kaufhof, Horten und Karstadt.

Im Kaufhof ein Saisongeschäft

Nach Kaufhof-Angaben nehmen sich die Umsätze allerdings bescheiden aus. Im Augenblick könne man nicht von einem Absatzboom sprechen. Vielmehr handle es sich um ein Saisongeschäft, das sich im Herbst belebt. Mit mehr Möglichkeiten des Rechnerchens, die zudem auf die Bedürfnisse der deutschen Benutzer, die ein paar Brocken der Sprache beherrschten, zugeschnitten seien, ließe sich das Gerät wohl auch besser verkaufen. Doch Nixdorf-Aussagen zufolge stellt das Übersetzungsmodul nur eine der Möglichkeiten dar, den Rechner zu nutzen. Die Sprache nehme in der Prioritätenliste den 14. Platz ein. In der zweiten Hälfte dieses Jahres könne der Rechner nur 2500 Informationen geliefert werden. Ein Sprachmodul, das in seinem Umfang über den Basiswortschatz hinausgehe, solle dann um die 300 Mark kosten.

Zum Weihnachtsgeschäft, wenn die Herstellung nicht auf der Halbleiterebbe strandet, beabsichtigt die Langenscheid KG, München, mit ihrem Übersetzer auf den Markt zu kommen. Der Preis soll der Konkurrenzprodukte in etwa entsprechen. Als Vertriebsweg denkt der Schulbuchverlag an sehen traditionellen Buchhandel, erwägt aber auch, in die Kaufhäuser zu gehen. Das Vokabular soll um die 4000 Worte liegen.

Vokabelaufsager in vier Sprachen

Seit Hannover gibt es den Language Translator von Texas Instruments, mit der Langenscheid nach Angaben von Pressesprecher Adolf Werner gewöhnlich zusammenarbeitet. Aufgebaut wie die übrigen Übersetzungscomputer in der Modultechnik, ist er für 800 bis 900 Mark in Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch lieferbar. Rund 3000 Wörter, Sätze und Redewendungen erscheinen auf dem zehnstelligen Display, sprachsynthetisch werden außerdem etwa 400 Worte akustisch vernehmbar gemacht. Der Wortschatz ist in 16 Lebensbereiche unterteilt. Das 900 Gramm schwere Gerät wird über Kauf- und Warenhäuser vertrieben.

Während die Unternehmen auf dem US-Markt dem Wall Street Journal zufolge wegen rückläufiger Touristenzahlen mit einem Umsatzrückgang rechnen, hat man in der Bundesrepublik - wie sich schon an den Ankündigungen und Neueinführungen zeigt - recht hohe Erwartungen in den Absatz. Urlauber und beruflich Reisende werden nach Ansicht von Dirk Helbig (Sharp) mit ihrem Übersetzer ins Ausland ziehen. "In den USA ist das Interesse an Sprachen nicht so groß", meint ein Sprecher des Schulbuchverlages. "Die Amerikaner kommen von Mexico bis Alaska mit einer Sprache aus." Bei den doch recht nahe liegenden Sprachgrenzen in Europa erwartet er jedoch in der Bundesrepublik eine rege Nachfrage nach den Übersetzungs- und Verständigungshilfen.