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26.09.2006

Frischer Anstrich für die DMS Expo

Achim Born
Erstmals trafen sich die Anbieter und Nutzer von Dokumenten- und Content-Management-Systemen (DMS und ECM) auf dem neuen Kölner Messegelände - ein Ortswechsel, der allen Beteiligten gut tat.

Die DMS Expo hat mit dem neuen Messestandort Köln deutlich an Attraktivität gewonnen", bilanzierte Oliver Kuhrt, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH, die drei Veranstaltungstage. Keine Frage: Der Ortswechsel von den etwas angestaubten Essener Messehallen in die neuen Messeräume der Domstadt kam bei den Ausstellern und den 19 450 Fachbesuchern (plus elf Prozent) gut an. Positiv aufgenommen wurde auch die Integration des fachlichen Vortragsprogramms in die Messehalle. Insbesondere das Forum des Verbands Organisations- und Informationssysteme (VOI) fand großes Interesse, teilweise waren nur noch Stehplätze zu bekommen.

Rückbesinnung auf die Basis

Nachdem Veranstalter und Aussteller im vergangenen Jahr ausgiebig auf dem Thema Compliance-Management herumgeritten waren, war diesmal eher eine Rückbesinnung auf die Basics von DMS und ECM angesagt. "Es gibt einfach zu viele Schlagworte", mahnte Ulrich Kampffmeyer in seiner Eröffnungsrede. Der Geschäftsführer der Hamburger Project Consult ließ in einem Schnelldurchlauf noch einmal gekonnt die jüngste Geschichte des ECM in all ihren Ausprägungen und Schattierungen Revue passieren.

Lässt man einmal die schmückende Marketing-Beilage außen vor, sind es für den Berater drei wesentliche Ideen, die ECM prägen: eine integrative Infrastruktur beziehungsweise Middleware, unabhängige Dienste für unterschiedliche Anwendungen und ein einheitliches Repository als Hort für alle Typen von Informationen.

"ECM ist nicht ein einziges Produkt", betonte Kampffmeyer. Für ihn gibt es keinen Anbieter, der heute sämtliche ECM-Techniken mit einer Lösung abdecken kann. Bestenfalls ließen sich die einzelnen Disziplinen aus dem umfangreichen Produktportfolio einiger weniger Hersteller bedienen. Auch deshalb rechnet der Berater ("Wir haben zu viele Produkte") fest mit einer weiteren Konsolidierung im Markt.

Mit dem Kauf von Filenet durch IBM und der Übernahme von Hummingbird durch Open Text sieht er diese Entwicklung keineswegs abgeschlossen. Gerade kleinere Hersteller seien zunehmend bedroht, da zum einen die großen Softwarepakete von Microsoft, SAP & Co. vermehrt DMS-Funktionen in ihrem Standard enthielten und zum anderen die Open-Source-Offerten in jüngster Zeit deutlich an Funktionsumfang zugelegt hätten.

Vor der Annahme, dass die häufig zitierte Anbieterkonsolidierung automatisch zu weniger Anbietern führen müsse, warnte indes VOI-Vorstand Bernhard Zöllner. Für den Chef der gleichnamigen Unternehmensberatung sorgen die wachsenden Anforderungen durch Gesetze und Vorschriften, aber auch das Interesse an verschlankten dokumentenzentrischen Prozessen für ein breites Betätigungsfeld, das eher von einer wachsenden Zahl an Anbietern bedient werde. So listet beispielsweise allein die aktuelle DMS-Marktübersicht des VOI 55 Unternehmen auf, die sich als DMS-Anbieter im dicht besetzten deutschsprachigen Raum positionieren. Hinzu kommt eine Vielzahl von Firmen, die sich auf Teilfunktionen spezialisiert haben.

Für die Thesen beider DMS-Spezialisten fanden sich auf der Messe Belege. Allein die Zahl von 345 Ausstellern dokumentiert die Zersplitterung der Branche, auch wenn die Gruppe der Großanbieter überschaubarer wird. Auffällig war außerdem, dass die Aussteller sich mühten, ihren ECM-Angeboten einen lösungsorientierten Anstrich zu geben.

Mit dem neuen "Easy Invoice for Mysap" deckt beispielsweise die Essener Easy Software nun den kompletten Rechnungseingang und die Rechnungsgenehmigung in SAP-Software ab. Dabei stellt die Komponente Icenter ein neu entwickeltes SAP-R/3-Add-on als "Steuerzentrale" bereit, das ähnlich wie das Konkurrenzprodukt von Ebydos durch den Einbezug der SAP-eigenen Schnittstellen- und Formattechniken Bapi und Idoc eng mit der Standardsoftware verwoben ist. Ein Sachbearbeiter kann so mit Icenter einen Genehmigungsprozess verfolgen, ohne die gewohnte SAP-GUI-Umgebung zu verlassen. Etwaige Anpassungen des Workflows lassen sich mit Microsoft Visio vornehmen. Die Dokumente können aber ebenso mit Hilfe des SAP-eigenen R/3-Workflows übergeben werden. Die Daten bezieht die Lösung aus der vorgeschalteten OCR-Lösung Easy Xtract.

Rechtssichere Archivierung

Ceyoniq stellte mit "Nscale" für Microsofts Sharepoint, Novells Groupwise und für SAP Archive diverse Editionen ihrer Software zur rechtssicheren Langzeitarchivierung in den Mittelpunkt. Und Open Text hatte das neue Programm "Customer Information Management" (CIM) dabei, das alle kundenbezogenen Inhalte und Prozesse auf Basis einer Kundenakte konsolidiert und unabhängig von der Ursprungsapplikation, etwa R/3, in einer Microsoft-Office-Umgebung wie Outlook bereitstellt.

Die offenkundige Lösungsorientierung der Anbieter hängt damit zusammen, dass die wenigsten Besucher unspezifisch nach einer DMS- oder ECM-Lösung fragen. Gerade Mittelständler kommen vielmehr mit konkreten Aufgaben zu den Ständen. Die technikversierteren unter ihnen konnten sich beispielsweise bei dmc über das Open Source-ECM-System "Alfresco" informieren oder bei Open-ECM über das bekanntere freie Web-Content-Management-System "Typo3". Letzteres war in einer mit der Archiv- und Dokumenten-Management-Software von d.velop integrierten Version zu sehen.

In den Kontext der Lösungsorientierung darf auch das von den Anbietern herausgestellte Thema Prozessorientierung eingeordnet werden. So zeigte GFT Solutions auf einem Gemeinschaftsstand der BPM-Allianz (BPM = Business Process Management) ihre Software "Inspire Complaint Processing" für das Beschwerde-Management. In Verbindung mit vorhandenen Programmen zum Kundenbeziehungs-Management (CRM) lässt sich die Weiterverarbeitung der Beschwerdedaten durch das Prozess-Regelwerk des "GFT Inspire Process Servers" steuern.

Prozesse im Griff

Mit "Bonapart" von Emprise hatte auch Hummingbird ein BPM-Werkzeug mit nach Köln gebracht. Auf dem Stand des ECM-Herstellers wurde vorgeführt, wie sich mit dem Tool die Unternehmensprozesse grafisch darstellen und in logische Abhängigkeiten überführen lassen. Im Rahmen einer Simulation lässt sich zudem die Stimmigkeit der Prozesse überprüfen, um im Anschluss in die produktive Workflow-Umgebung des ECM-Anbieters überführt zu werden.

Wie die Kooperation zwischen Hummingbird und Emprise, dessen Wurzeln in Deutschland liegen, in der Organisation des ECM-Anbieters weiterleben wird, ließ sich in Köln nicht beantworten. Hier heißt es erst einmal abwarten, was der neue Eigner mit Hummingbird vorhat. Gewiss ist indes: Das Schicksal der Übernahme wird bis zur DMS Expo 2007 noch so manchen anderen Hersteller ereilen. (hv)