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08.08.1980 - 

Gemeinschaftsproduktion mit BASF:

Friseurcomputer unterstützt Wella-Vertrieb

DARMSTADT - Die Wella AG, Umsatzmilliardär und Marktführer bei Haarkosmetika, hat sich Gedanken darüber gemacht, wie mit friseurspezifischen DV-Programmen die Arbeit der Friseure rationalisiert und vereinfacht werden kann. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist ein in Kooperation mit der BASF geschaffenes Friseur-Computer-System. Die computerunterstützte Friseurin ist also keine Zukunftsmusik mehr. Das Wickelschema für die Dauerwelle liefert künftig ein DV-System.

Für das Darmstädter Weltunternehmen, das in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag feiert, ist der Friseur-Computer essentieller Bestandteil des umfassenden Friseur-Services, der unter anderem eine breitgefächerte fachliche und betriebswirtschaftliche Beratung einschließt.

Marktlücke Friseursystem

Norbert Golzer, Produkt-Manager bei Wella, zu der Neuentwicklung: "Die Impulse für unsere DV-Aktivitäten kamen vom Markt, die Friseure ab einer gewissen Umsatzgröße verlangen nach einem Friseur-Computer." Für das Unternehmen galt es zunächst, den passenden Hardwarepartner zu finden. Man suchte ein System mit leistungsfähiger Hardware, das unkompliziert zu bedienen und in seinem Preis-/Leistungsverhältnis in das betriebswirtschaftlich vertretbare Investitionslimit von Friseuren paßt. Außerdem legte man Wert auf einen leistungsfähigen technischen Kundendienst, der überall innerhalb von wenigen Stunden verfügbar sein sollte.

Die Wahl fiel schließlich auf das Tischcomputersystem 7100 von BASF. Wella-Mann Golzer: "Das ist genau die Hardware, die wir für unsere vorgesehenen Anwendungen brauchen. Auch der Preis stimmt und BASF garantiert schriftlich, in kürzester Zeit nach Meldung einer Störung einen Kundendiensttechniker zu schicken." Bei BASF-System 7100 handelt es sich um einen als autarkes arbeitsplatzbezogenes System entwickelten Bildschirmcomputer.

Alle Komponenten, mit Ausnahme des Druckers, sind in einem kompakten Gehäuse zusammengefaßt. So nimmt das Gerät gerade in einem Friseur-Salon wenig Platz weg.

Die 7100 arbeitet mit zwei Mikroprozessoren und dem Betriebssystem BOS (BASF Operating System). Dieses weist folgende Einrichtungen auf: Multitask-Operating-System, indexsequenzielle Zugriffsmethode, erweitertes Basic (speziell für kommerzielle Anwendungen), Sort/Merge, Remote-Job-Entry, TTY- und IBM 2780/3275-Kommunikation. Das 7100-Basic bietet folgende Möglichkeiten: formatierte Ein-/Ausgabe, Zeichen- und String-Bearbeitung, Aufruf von in Assembler geschriebenen Unterprogrammen, komplette Datei-Management-Funktionen, Kommunikationskontrolle, Programmverkettungen. Der Anwender kann das System über die Tastatur und den Bildschirm anhand einfacher und leicht erlernbarer Befehle bedienen. Wie Praxistests bewiesen, kommen Friseure, die in der Regel ja keine EDV-Vorkenntnisse haben, mit der 7100 schon nach kurzer Einweisung zurecht.

Für die bereits entwickelten Friseur-Programme wird folgende Konfiguration benötigt:

- Zentraleinheit BASF System 7100.

- Externer Massenspeicher (Diskette oder Platte).

- Integrierter Bildschirm (Anzeigekapazität 24 Zeilen á 80 Zeichen = 1920 Zeichen).

- Tastatur, bestehend aus alphanumerischen und numerischen sowie Funktionstasten .

- Matrixdrucker (Leistung 150 Zeichen in der Sekunde).

An das Hauptsystem können bei Bedarf zwei weitere Bildschirme mit separater Tastatur und je einem Drucker (auch Hardcopy-Drucker) angeschlossen werden. Wella empfiehlt die Zentraleinheit gegebenenfalls mit Drucker im Empfangsbereich und einen zweiten Bildschirm im Salon in der Diagnoseecke aufzustellen, wo über einen weiteren Drucker Rezepturen und anwendungstechnische Anweisungen ausgebbar sind. An das Hauptsystem ist eine elektronische Einzelkasse anschließbar.

Der systeminteressierte Friseur hat es nur mit einem Partner zu tun, mit Wella. Dieses Unternehmen liefert eine sogenannte Turnkey-Lösung bestehend aus dem Computer und den Anwenderprogrammen. Den technischen Kundendienst betreut allerdings BASF. Wella sieht die Kosten-/ Nutzenschwelle für die hier skizzierte Lösung bei einem Jahresumsatz von etwa 300 000 Mark oder bei mindestens fünf Mitarbeitern. Gearbeitet wird gegenwärtig an Programmen die auf einer kleineren Konfiguration laufen und damit wirtschaftlich auch von Friseuren unter der genannten Umsatzmarke eingesetzt werden können. Auch Applikationen für neue Anwendungen, die größeren Speicherbedarf benötigen, sind in der "Mache".

Schlüsselfertige Lösung

Die Fachprogramme für den Friseur-Computer sind auf die haarkosmetischen Präparate von Wella abgestimmt. Das bedeute in der Praxis für den Friseur keine Einengung, erklären die Anbieter, da sich dieser in der Regel aus praktikablen Gründen sowieso auf die Haarkosmetik eines bestimmten Herstellers festlege. Das computerunterstützte Frisieren ist in drei Programmkomplexe unterteilt: Coloration, Dauerwellen und System-Kurbehandlung. Am Anfang wird jeweils die Diagnose gestellt. Bei der Coloration werden hierfür folgende Variablen eingegeben: die Wunschfarbe des Haares (Auswahl unter etwa 80 Standardmöglichkeiten), die Naturfarbe des Haares, die Haarstärke (unterteilt in fein/normal, stark und schwerdeckend) und der prozentuale Anteil an weißen Haaren (Fachjargon Weißanteil) am Vorder- und Hinterkopf. Auf dem Bildschirm wird jetzt die Rezeptur und danach die vorgeschlagene Anwendungstechnik angezeigt. Beides kann ausgedruckt werden.

Elektronisch gefärbtes Haar

Die Rezeptur enthält das aufgrund der eingegebenen Variablen als geeignet ausgewählte Farbpräparat beziehungsweise das Mischungsverhältnis zwischen mehreren Farben. Die anwendungstechnischen Hinweise stellen einen genauen Leitfaden für die Friseure dar, vom ersten Handgriff der Vorbehandlung bis zur Nachbehandlung inklusive der hierfür empfohlenen Präparate. Außerdem werden Empfehlungen für die Zu-Hause-Behandlung erteilt.

Die Diagnose einer Dauerwelle

stützt sich auf die Kriterien Haarqualität, Haarlänge, Haarstärke und gewünschtes Ergebnis (zum Beispiel großlockig). Im anwendungstechnischen Teil druckt der Computer unter anderem ein detailliertes Wickelschema. Bei der System-Kurbehandlung kommt zu der Haar- noch eine genaue Kopfhautdiagnose. Die Rezepturen werden immer auf das neueste Wella-Produktangebot abgestimmt. Aktualisierungen sollen für den Anwender problemlos sein. Er erhält aus Darmstadt eine neue Diskette mit den neuen Daten.

Im übrigen gehört zum Leistungsumfang von Wella die komplette Programmpflege. Programmerweiterungen werden automatisch allen Benutzern zugänglich gemacht.

Organisatorischbetriebswirtschaftliche Programme

Die Fachprogramme werden durch eine Reihe die täglichen Arbeitsabläufe im Salon rationalisierender Applikationen ergänzt. Die Kundenkartei enthält pro Kunde dessen persönliche Daten einschließlich Adresse, die letzten Behandlungen (Colorierung oder Dauerwellen), das Datum, die Angabe, den bedienenden Friseur und die getätigten Umsätze. Suchkriterium ist der Kundenname, eventuell auch der Vorname und falls erforderlich, eine zusätzliche Numerierung (Maier 1, 2, 3). Auf der Kundenkartei baut organisatorisch der Pflegebeleg auf.

Nach dem Aufruf des Kundennamens werden dessen Stammdaten inklusive letzter Behandlung und Rezeptur jedoch ohne Umsatzangaben ausgedruckt. Diesen "Laufzettel" erhält der behandelnde Friseur. Dieser trägt auf der Unterlage handschriftlich die durchgeführten Behandlungen (Angabe einer Nummer genügt) und die verwendeten Präparate ein. Mit dem ausgefüllten Pflegebeleg geht der Kunde anschließend zur Kasse Nach Eingabe der "verbrauchten" Behandlungen und Präparate erhält er eine sekundenschnell vom Computer erstellte Rechnung.

Auch die Terminverwaltung, bei größeren Salons nicht unproblematisch, kann die EDV-Anlage erledigen. Der Ablauf geht folgendermaßen vonstatten: Der Kunde ruft an und möchte einen bestimmten Termin bei einer bestimmten Friseuse/bei einem bestimmten Friseur. Auf dem Bildschirm werden nun pro Behandlungskraft die Termine des gewählten Tages aufgerufen. Ist eine passende Uhrzeit frei, so wird eine Reservierung mit Kundenname und gewünschter Behandlung sowie der hierfür erforderlichen Zeit vorgenommen. Es können die "Stundenkalender" von zwei Mitarbeitern des Friseurs gleichzeitig angezeigt werden. Auf Tastendruck ist auch ein "Blättern" möglich.

Die während des Tages getätigten Umsätze werden im Friseur-Computer detailliert zwischengespeichert. So kann abends der Tagesabschluß mit Kassenbericht abgerufen werden.

Aufgrund der bei den Tagesprogrammen gewonnenen und in Dateien für statistische Zwecke zwischengespeicherten Informationen können folgende betriebswirtschaftliche Auswertungen erfolgen:

- Salonleistung (Kundenzahl, Bedienungsarten, Umsätze).

- Leistung des einzelnen Mitarbeiters (Kundenzahl, Bedienungsarten Umsätze).

- Aufschlüsselung der Kundenkartei (zum Beispiel nach Postleitzahlen oder dem letzten Besuchsdatum für Werbeaktionen) .

Für den Friseur bringt der Einsatz des Friseur-Computers keine grundlegenden Umstellungsarbeiten mit sich, behaupten die Erzeuger. Es müsse lediglich festgelegt werden, welche Artikel zu welchen Preisen in der Artikeldatei gespeichert werden sollen die Behandlungsarten mit Preisen sind zu definieren und die Kunden-Kartei aufzubauen. Die letztgenannte Arbeit sei am wenigsten aufwendig wenn die Kundenstammsätze jeweils beim nächsten Besuch des Kunden angelegt werden. Die Artikeldatei beschränkt sich nicht auf Wella-Produkte, der Friseur kann hier sein gesamtes Sortiment aufnehmen. Die Dateneingabe für die aktuellen Programme umfaßt nur wenige Variablen. Die dazugehörenden Konstanten werden auf dem Bildschirm als sogenannte Maske eingeblendet.

Der Nutzen aus Wella-Sicht

Was bringt der Friseur-Computer dem Anwender? Wie Wella versichert auf jeden Fall keine DV-technischen Probleme. Die Anlage und ihre Programme helfen, die tägliche Arbeit im Salon besser zu organisieren und rationeller abzuwickeln. Mit den Fachprogrammen läßt sich das Fehlerrisiko minimieren, die Beratung der Kunden intensivieren und des Leistungsniveau des Salonpersonals steigern. Demnächst soll es auch eigene Schulungsprogramme für Friseure geben. Als Unternehmer bekommt der Friseur vorn Computer die notwendigen Informationen, um Entscheidungen treffen zu können, die Stärken und Schwachen des Salons zu erkennen und um Leistungsreserven zu lokalisieren und zu mobilisieren.