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25.07.1980 - 

Platz für hundert Studenten im Ferialpraktikanten-Programm:

Früh übt sich. was ein IBMer werden soll

WIEN (bi) - Wer das Glück und das Können hat, schon während seines Informatikstudiums als Ferialpraktikant seinen Fuß ins Haus IBM setzen zu dürfen, hat viele Vorteile: Er kriegt beide Füße auf den Boden der Praxis-Tatsachen; er lernt seine eigenen Wünsche und die eines potentiellen Arbeitgebers, aber auch die von Anwendern kennen; er lernt seinen Marktwert richtig einzuschätzen; er bekommt Hilfestellung für seine Diplomarbeit und nicht zu vergessen - Kontakte. Josef Rössl, Leiter der Abteilung Hochschulbeziehungen bei der IBM Österreich In Wien, zeigt im folgenden, was die IBM von den Studenten und was die Studenten von der IBM haben, wenn sie wollen - und können.

Es soll hier nicht weiter auf die Lehrplangestaltung eingegangen werden; im großen und ganzen scheinen sich die Ausbildungsziele trotz anfänglicher Skepsis (die eher von den Nachbardisziplinen geäußert wurde) auch in der Praxis zu bewähren. Viel mehr sollen hier einige Gedanken geäußert werden, in welcher Weise die Wirtschaft und Verwaltung in Osterreich dazu beitragen kann, dem Studenten der Informatik schon früh ein konkretes Wissen über die Probleme in der Praxis zu vermitteln. Dieses Wissen kann sowohl die Orientierung für die spätere Berufswahl erleichtern als auch theoretische Konzepte vertiefen. Ich stütze mich hier auf eigene Erfahrungen aus meinem Kompetenzbereich im Hause IBM aus den vergangenen zehn Jahren. Konkret handelt es sich dabei um ein sehr stark ausgebautes Ferialpraktikanten-Programm und um die Förderung von Seminar- und Diplomarbeiten.

Fertigkeiten mit Marktwert

Die jährliche Ferialpraxis während der Monate Juli und August für etwa 100 Studenten, davon etwa 60 Informatiker, ist nun fast schon eine Einrichtung. Das Interesse, vor allem der Informatikstudenten, übersteigt bei weitem unsere Möglichkeiten. Der Nutzen für das Unternehmen besteht darin, daß auf diese Weise die Einstellung neuer Mitarbeiter für EDV-spezifische Aufgaben problemlos wird. Dazu kommt noch, daß ein Großteil der Studenten für kundenspezifische Aufgaben eingesetzt wird, so daß ein großes Spektrum von Einsatzmöglichkeiten zur Verfügung steht. Dies stellt natürlich auch einen gewissen Service für unsere Kunden dar.

Der Nutzen für den Studenten liegt neben der Verdienstmöglichkeit in der Aneignung konkreter Fertigkeiten mit einem handfesten Marktwert; das erworbene Wissen ist bei sehr vielen auch eine gute Basis für einen Job während des Studiums. Ein weiterer Nutzen liegt - wie bereits erwähnt - darin, sich schon frühzeitig über Berufsmöglichkeiten und Chancen orientieren zu können.

Erleichtert die Diplomarbeit

Die Effizienz dieses Ferialpraktikanten-Programmes ist gesichert durch eine zweiwöchige spezifische Ausbildung zu Beginn und durch einen Tutor, der den Studenten in die Aufgaben einführt und ihm hilft. Etwa die Hälfte aller Ferialpraktikanten kommt ein zweites oder drittes Mal in den Folgejahren und wird dann bei anspruchsvolleren Aufgaben eingesetzt. Obwohl ein teil des Bedarfes an Ferialpraktikanten durch diese Aktion gedeckt wird, scheint der Markt bei weitem noch nicht voll ausgenutzt zu sein. Das liegt daran, daß die guten Erfahrungen, die wir gemacht haben noch zu wenig publik gemacht wurden. Es wäre vielleicht eine lohnende Aufgabe von Benutzervereinigungen oder EDV-Vereinen, sich dieser Problematik anzunehmen. Die Erfahrung lehrt, daß sich eine zweiwöchige firmenspezifische Ausbildung gut auf die Grundlagen eines viersemestrigen Informatikstudiums stützen kann.

Die Förderung von Seminar- und Diplomarbeiten ist weit weniger leicht befriedigend zu gestalten. Einfach ist es noch bei Seminararbeiten, für die firmenspezifische Literatur oder Praxisberichte, die der Studenten sonst schwer zugänglich sind, benötigt werden. Bei Diplomarbeiten ist Hilfe wesentlich kritischer. Der Grund liegt wohl darin, daß für praxisorientierte Diplomaufgaben unter Umständen profunde Kenntnisse herstellerspezifischer Software vorhanden sein müssen, deren Aneignung aber viel zu viel Zeit erfordern würde. Wesentlich erleichtert wäre das, wenn sich der Student schon im Rahmen der Ferialpraxis mit der Hard-/Software-Umgebung beziehungsweise mit den Anwenderproblemen vertraut gemacht hätte.

Mit diesem Beitrag sollte kein neuer Ansatz zum Thema Praxis versus Studium gemacht werden. Er sollte vielmehr durch konkrete Beispiele zeigen, daß es sehr wohl wirkungsvolle Möglichkeiten gibt, Studenten schon früh mit praktischen Problemen in Berührung zu bringen, was wahrscheinlich eine wertvollere Ergänzung des Studiums darstellt als Praxissimulationen im Rahmen von Vorlesungen. Eine zwei- oder dreimalige einschlägige Ferialpraxis, verteilt über die ganze Studienzeit, ist auch sicher einem nur einmaligen Praxissemester vorzuziehen. Das Interesse an praktischer Erfahrung ist bei den Studenten der Informatik in überzeugender Weise vorhanden und nicht nur finanziell motiviert. Mit einigen Initiativen sollte es auch möglich sein, den derzeit noch bestehenden Mangel ein Praxisstellen zu beheben.