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20.02.1987 - 

Falsche PPS-Auswahl verlangt zweimal den tiefen Griff in die Tasche:

Frühe Copics-Kunden wenden sich von IBM-Produkt ab

20.02.1987

MÜNCHEN - Als nicht Integrierbar erwies sich das PPS-System Copics von IBM in zwei Niederlassungen der AEG Aktiengesellschaft. Unausgereifte Software und ein Konzept, das die Anforderungen der Fachabteilungen nicht ausreichend berücksichtigte, kosteten die Verantwortlichen in diesem Fall Lehrgeld in siebenstelliger Höhe.

"Wir kamen aus dem Teufelskreis ,nicht mehr heraus", schildert Norbert Hoffmann, seit einem Jahr Projektleiter für die Einführung eines PPS-Systems in einem der betroffenen Werke, die Situation. "Die Unternehmensstruktur sollte nachträglich an Copics angepaßt werden. Jede Modifikation hatte aber weitere zur Folge. Zum Schluß waren wir nur noch mit Änderungen beschäftigt."

Das "Copics-Abenteuer" der beiden AEG-Werke begann bereits Anfang der 80er Jahre, als sich die Verantwortlichen "mangels Alternativen" für das Produktionsplanungs- und Steuerungssystem von IBM entschieden. Denn die, Würfel für eine Standardsoftware, die eine integrierte Lösung ermöglichen sollte, waren schon im Vorfeld gefallen. Nach Aussagen der Betroffenen hatten sich die Werke hardwaremäßig bereits für den Marktführer entschieden. IBM genoß daher einen Vertrauensbonus, der sich positiv auf die Systementscheidung auswirkte.

Freilich kristallisierte sich nach einiger Zeit heraus, daß die eingekaufte Standardlösung bei weitem nicht ausreichte. Ständig mußte modifiziert werden. Norbert Hoffmann: "Inzwischen ist von der ursprünglichen Fassung des PPS-Systems fast nichts mehr vorhanden." Ab diesem Zeitpunkt steckten die AEG-Niederlassungen in einer Sackgasse, da sie die IBM-Zusatzprogramme e nicht mehr integrieren konnten. Diese paßten nämlich lediglich mit der Standardsoftware zusammen, von der in den AEG-Werken nur noch Varianten existierten.

"Wir kennen diese Fälle erklärt hierzu Rainer Gehrke, Unternehmensberater und IBM-Vertriebspartner für das PPS-System des Marktführers, wir sprechen dabei von schlafenden Copics-Kunden, die in der Vergangenheit Teile dieses Produkts einführten, dann aber ihr eigentliches Ziel, das computerunterstützte PPS-System, nicht konsequent weiterverfolgten." In einer derartig verfahrenen Situation, wie sie bei AEG herrscht, sei Copics 11 die -beste Lösung. Die alten Module habe man nämlich nicht nur überarbeitet, sondern zum Teil neu geschrieben. Ferner gebe es für dieses Produkt neue Module und erweiterte Zusätze. Das Unternehmen könne dann davon profitieren, daß die ihnen, bekannte Copics-Philosophie erhalten bleibe.

Vor rund einem Jahr zogen die Verantwortlichen bei AEG jedoch andere Konsequenzen: Copics wurde ausrangiert. In den betroffenen Werken soll nun das PPS-System von SAP sukzessive die Software des Branchenprimus vollständig ablösen. Klaus Truckenbrodt von der AEG-Zentrale in Frankfurt: Eine solche Entscheidung hängt stets von den individuellen Grundbedingungen in einem Werk ab. Wir sind ja ein heterogenes Unternehmen und setzen je nach Anwendung Comics oder SA ein. Grundsätzlich sind wir aber mit beiden Produkten zufrieden. Von Comics haben wir schließlich auch Neuinstallationen.

Norbert Hoffmann macht allerdings außer der Software noch einen anderen Umstand für das Scheitern von Copics verantwortlich: Das meiste Lehrgeld mußten wir zahlen, weil es zuwenig Leute gab, die überhaupt wußten, was ein PPS-System ist. Nach Insiderauskünften sei auch die Fachabteilung in einer der Niederlassungen nicht genügend miteinbezogen worden.

Doch auch hier steht AEG nicht allein da. Rainer Gehrke dazu: Die Problematik ist uns vertraut, denn wir haben vor/fünf Jahren die gleichen Fehler gemacht. Als erstes hätte natürlich ein Gesamtkonzept nicht durch die DV-Abteilung allein, sondern gemeinsam mit der Fachabteilung und beraten durch ein qualifiziertes Softwarehaus erstellt werden müssen. Es ist ein tödlicher Fehler, die Fachabteilung nicht genügend in die Planung miteinzubinden. Denn bei der Einführung eines PPS-Systems geht es nicht so sehr um die DV-Welt als vielmehr um die Optimierung der betrieblichen Ablauf- und Strukturorganisation."

Trotz aller neuen Erkenntnisse und Erfahrungen, die AEG künftig berücksichtigen möchte, bleibt die Tatsache, daß zwei PPS-Systeme nacheinander angeschafft werden mußten. Die Schätzungen belaufen sich auf eine siebenstellige Summe für Copics, und SAP wird voraussichtlich ähnlich hohe Kosten verursachen.