Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.06.2003 - 

Server-Konsolidierung/Datenbankkonsolidierung birgt hohe Einsparpotenziale

Frühjahrsputz für Daten und Anwendungen

Kosten senken, und dann kommt lange nichts mehr. So lässt sich zurzeit die Situation in vielen Unternehmen beschreiben. Die Umsätze stagnieren oder gehen zurück, eine Besserung ist nicht in Sicht. Um IT-Ausgaben zu drücken, hat sich neben der physischen Konsolidierung eine Vereinheitlichung der Daten- und Anwendungslandschaft bewährt.Von Thomas Spott und Rober Froeber*

Die Kosten für Software, Hardware, Infrastruktur und Implementierung sind in den vergangenen Jahren explodiert. Stiegen sie im Zeitraum von 1990 bis 1995 noch um durchschnittlich "nur" 56 Prozent, schnellten sie zwischen 1996 und 2001 um weitere 220 Prozent nach oben, wie Analysten der Investment Technology Group (ITG) ermittelt haben. Die Diversifizierung von Systemen, heterogene Anwendungslandschaften und das Ziel, am liebsten jedem User "seinen" Server zur Verfügung zu stellen, haben mit zu diesem dramatischen Anstieg geführt. Doch die Umsätze rechtfertigen diese Kostenexplosion nicht.

Flexibler, einfacher, billiger

Wie lassen sich die Ausgaben für IT-Infrastruktur, -Wartung und -Pflege verringern? lautet daher die Frage vieler IT-Verantwortlicher - eine Antwort darauf heißt Konsolidierung. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Systeme, Daten, Applikationen und den Zugriff auf Anwendungen zu vereinheitlichen sowie Standards wie Internet-Protokolle, XML, SQL und ODBC einzuführen und dadurch Kosten zu drücken. Gleichzeitig lässt sich die Flexibilität der IT-Architektur erhöhen, um etwa auf neue Marktverhältnisse reagieren und Anwendungen an künftige Geschäftsprozesse anpassen zu können. Aus der heutigen IT, die auf Veränderungen eher reagiert, wird also eine aktive DV, die sich rasch an Geschäfts- und Rahmenbedingungen adaptieren lässt. Muss der Anwender heute in der Regel noch an "sein" Terminal gehen, um von dort auf die notwendigen Applikationen zugreifen zu können, hat er in Zukunft die Möglichkeit, von mobilen Endgeräten wie Handys und PDAs auf Daten und alle verfügbaren Applikationen zuzugreifen. Gleichzeitig soll sich durch Konsolidierung die Komplexität von Applikationen verringern.

Wie sich in der Praxis zeigt, birgt eine Konsolidierung neben massiven Kostenersparnissen sowohl für das Geschäft als auch technisch enorme Potenziale. Es lässt sich damit die Spirale aufhalten, die bis dato die IT-Kosten in die Höhe geschraubt hat: Anwender hatten neue Anforderungen, diese wurden dann durch neue Systeme abgedeckt, die zum Teil sehr unterschiedlich waren, und das wiederum hatte steigende IT-Wartungs- und -Pflegekosten zur Folge. So ist es mit einer einheitlichen IT-Landschaft, die Standardtechniken etwa für die Kommunikation unterstützt, sehr rasch möglich, Firmenzusammenschlüsse zu bewerkstelligen oder neue Standorte zu integrieren. Ebenso erleichtert eine reduzierte IT-Komplexität das Outsourcing oder neuerdings auch wieder ein Insourcing einzelner Komponenten oder auch des gesamten Systems. Zudem wird die Gestaltung von Service-Level-Agreements (SLAs) dank übersichtlicher Strukturen erleichtert. Die Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit, Performance und Verfügbarkeit der gesamten IT verbessert sich.

Ein weiterer Effekt der Konsolidierung ist, dass sich die Wünsche nach mehr Datenqualität und höherem Informationswert erfüllen lassen, und zwar dadurch, dass Daten aus verschiedenen Informationssystemen zusammengeführt und Redundanzen und Unstimmigkeiten gleichzeitig behoben werden. In der Folge entsteht beispielsweise im Reporting mehr Flexibilität: Daten, die eine Entscheidungsgrundlage bilden, lassen sich binnen weniger Minuten oder Stunden zusammenführen und analysieren - bei heterogenen Legacy- und Mainframe-Landschaften dauerte dies in der Vergangenheit oft immer noch Tage.

Integrationsprobleme

Die Vereinfachung der IT-Infrastruktur räumt zudem Integrationsprobleme aus dem Weg, die aufgrund verschiedener Plattformen, Schnittstellen- und Gateway-Techniken entstanden sind. Für die IT-Abteilung selbst hat die Zusammenführung von unterschiedlichen Systemen drastische Folgen: Support-Tools lassen sich harmonisieren, das System-Management wird einfacher und verschlingt weniger Ressourcen, die hohen Anforderungen und Aufwendungen an Schulungen - vorher bedingt durch eine Vielzahl von Plattformen - sinken, und der Betrieb des Rechenzentrums lässt sich permanent verbessern. All das entlastet die IT-Abteilung von Wartungsarbeiten und setzt Kapazitäten frei, um Projekte anzugehen, die für eine bessere Unterstützung der Geschäftsprozesse sorgen.

Erfahrungen aus einer Reihe von Kundenprojekten, etwa bei der Deutsche Post World Net AG, der Fraport AG und der Polizei Nordrhein-Westfalen (NRW), belegen die Einsparungseffekte, die sich durch Konsolidierung ergeben können. So hat die Polizei NRW ihre zuvor sieben separaten Datenbanken auf einem einzigen System zusammengeführt und die Server gleichzeitig auf das Open-Source-Betriebssystem Linux umgestellt. Für die ausreichende Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit, Performance und Verfügbarkeit des neu geschaffenen Systems sorgt eine Cluster-Lösung. Mit den Ergebnissen des Projekts zeigen sich die Verantwortlichen "sehr zufrieden". Auch der Datenbankanbieter Oracle selbst hat seine unternehmensweit verteilten Systeme und Anwendungen zusammengeführt.

IT-Konsolidierung stößt allerdings auch an Grenzen. So ist das Maximalziel, eine Infrastruktur und eine homogene Applikationslandschaft zu schaffen, in der Praxis eher unrealistisch. Sogar Unternehmen, die Anwendungen von großen Herstellern einsetzen, die sehr umfangreiche Pakete anbieten, wie SAP, Oracle oder Peoplesoft, kommen in der Regel um zusätzliche Lösungen für spezielle Anwendungsbereiche oder Branchen nicht herum. Bei Großunternehmen hat sich zudem gezeigt, dass die vorhandenen Standardprodukte wie etwa SAP R/3 oft in verschiedenen Release-Ständen zum Einsatz kommen. Hier hat es sich bewährt, die unterschiedlichen Versionen zu vereinheitlichen, um die Wartbarkeit zu verbessern. Aber auch diese Betriebe kommen nicht umhin, eine gewisse Bandbreite in den Versionen zuzulassen, um eine optimale Prozessunterstützung zu ermöglichen. Die Konsolidierung der IT-Landschaft sollte daher zunächst bei den Basistechnologien wie Datenbank, Application-Server und Speichersystemen angesetzt werden.

Vier Ebenen

Grundsätzlich lässt sich die Konsolidierung in vier Bereichen vorantreiben: neben der physischen Konsolidierung (Server, Storage) sind dies die Daten-, Applikations- und Applikationszugriffsebene. Allerdings lassen sich die Bereiche - soll ein Optimum für das gesamte Unternehmen entstehen - nicht isoliert betrachten, da sie aufeinander aufbauen und Seiteneffekte haben. Bei der Server- und Storage-Konsolidierung werden beispielsweise Dienste, Applikationen und Datenbanken auf wenige, dafür hochverfügbare und dynamische Systeme zusammengeführt. Zu den typischen Speicherkonzepten gehören hierbei Storage Area Networks (SAN) und Network Attached Storage (NAS).

Um flexibel auf Anforderungen reagieren und je nach Bedarf weitere Rechnerkapazitäten dazuschalten zu können und nicht von vornherein eine Maximalkonfiguration aufbauen zu müssen, hat sich Clustering bewährt. Die Virtualisierung auf der Ebene der Hardware führt zu Ressourcen-Pools, Schlagworte sind hier Blades, Grid Computing, Utility Computing und Computing on Demand. So lassen sich beispielsweise Kapazitäten von Entwicklungsrechnern, die nur tagsüber für ihre eigentliche Bestimmung genutzt werden, nachts als Verarbeitungsrechner für Batch-Läufe verwenden.

Bestandsaufnahme

Da Konsolidierungsprojekte sehr anspruchsvoll sein können, hat sich in der Praxis eine schrittweise Vorgehensweise bewährt. Begonnen wird in der Regel mit einem Assessment - also einer Bestandsaufnahme der gesamten IT-Landschaft beim Kunden. Bei dieser Inventur werden die Bestandteile einer Infrastruktur wie Server, Speicher, Anwendungen und Datenbanken ermittelt, aber auch Datenvolumina und Standorte sowie die Verflechtungen mit anderen Unternehmen erhoben. Wie sich zeigt, sind gerade in großen Unternehmen oft Heerscharen von Mitarbeitern notwendig, um eine saubere Bestandsaufnahme bewerkstelligen zu können. Doch ist diese Arbeit für die Zukunft sehr lohnend, denn nach der Konsolidierung hat man gute Kenntnisse über die Bestandssysteme, und das Inventar lässt sich auf Knopfdruck überblicken.

In einem nächsten Schritt werden dann eine Soll-Struktur aufgezeigt und durch den Vergleich mit dem Bestehenden die Einsparungspotenziale ermittelt. Dazu ist es notwendig, neben den IT-Kosten wie Hardware, Infrastruktur, Anwendungen und Service auch Aufwendungen für Gebäude, Rechnerräume, Kabelkosten und die Stromversorgung zu berücksichtigen. In einem nächsten Schritt wird dann ein Feinkonzept erarbeitet und die Abhängigkeiten von Anwendungen untereinander sowie die Konsolidierungsmaßnahmen detailliert analysiert. Zu guter Letzt muss entschieden werden, mit welchen Bereichen begonnen werden soll. Ziel dieser Phase ist eine Systemarchitektur für die Zukunft. Technisch helfen dann eine Reihe unterschiedlicher Migrations-Tools, die die Hersteller von Datenbanken und Speichersystemen anbieten, um Daten, Datenbanken, Speichersysteme und Server-Farmen zusammenzulegen.

Klein beginnen

Um in wirtschaftlich angespannten Situationen schnell Ergebnisse einer Konsolidierung vorzeigen zu können, hat es sich als sinnvoll erwiesen, mit einem Teilbereich zu beginnen, etwa einer Filiale oder einer Niederlassung, und dort zunächst das Potenzial zu bewerten und IT-Bereiche zu vereinheitlichen. Auch ist es dabei oft sinnvoll, erst einmal Bestandteile der IT-Landschaft zusammenzuführen, die keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Geschäftsprozesse haben und deren Neugestaltung die Arbeit der User mit dem System nicht beeinträchtigt oder sogar geänderte Prozesse zur Folge hat. Zu den so genannten "Quickwins" gehört es beispielsweise, Backend-Systeme wie unterschiedliche Datenbanken zusammenzufassen. Der Vorteil: Durch die Konsolidierung der Datenspeicher müssen die Anwendungen nicht verändert werden, so dass auch die Geschäftsprozesse nicht davon berührt werden. Die Projektteams lassen sich zudem klein halten.

Um den Return on Investment (RoI) eines Konsolidierungsvorhabens beurteilen zu können, ist allerdings eine betriebswirtschaftliche Gesamtsicht notwendig. Die Ziele setzt der CIO oder IT-Leiter. Dabei gilt es, insbesondere auf die Kriterien Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit, Hochverfügbarkeit der neuen Systeme sowie die Zukunftssicherheit des Anbieters zu achten. (wh)

*Thomas Spott ist Senior Systemberater, Rober Froeber ist Leiter Systemberatung Migration, Oracle Deutschland.

Angeklickt

Der wachsende Kostendruck zwingt Unternehmen zur Konsolidierung der IT-Infrastruktur. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Systeme, Daten, Applikationen und den Zugriff auf Anwendungen zu vereinheitlichen sowie gängige Standards einzuhalten. Die Zusammenlegung von Datenbanken bringt neben Kostenersparnissen häufig auch eine Verbesserung der Datenqualität.

Konsolidierung im Überblick

Physische Konsolidierung

- Zentralisierung von Komponenten,

- Konsolidierung von Netzwerk-, Storage- (SAN, NAS, ...) und Server-Komponenten (Mainframe, Blade, ...).

Datenkonsolidierung

- Konsolidierung von dezentralen heterogenen und homogenen Datenhaltungen in ein zentrales Repository.

Applikationskonsolidierung

- Zentralisierung von Funktionen und Prozessen auf weniger Komponenten,

- Konsolidierung von Funktionen und Prozessen.

Applikationszugriffs-Konsolidierung

- Multichannel-Zugriff auf alle Applikationen.

Speichervirtualisierung

Im Zusammenhang mit Konsolidierungsprojekten ist die Virtualisierung von Speichern eine Schlüsseltechnik: Dabei wird eine zusätzliche softwarebasierende Abstraktionsschicht installiert, die einen hardwareunabhängigen Speicherzugriff erlaubt. Dem Administrator erscheinen die installierten Speichersysteme etwa mittels eines Volume-Managers als einheitlicher Speicher-Pool beziehungsweise als virtuelle Platte. Der Systemverwalter kann die Speicherkapazität von einer zentralen Konsole aus an beliebige Server zuteilen, kopieren und verschieben.

Allein durch diese Konzentration ist es möglich, vorhandene Speicherkapazität zu 80 Prozent auszunutzen statt zu 50 Prozent wie im Fall von direkt angeschlossenen Platten. Zudem erlaubt es diese Virtualisierung, im laufenden Betrieb per Drag and Drop den Speicherbedarf an die Bedürfnisse der Anwender anzupassen. Auch neue Festplatten und zusätzliche Speichersysteme können ohne Betriebsunterbrechung in den SpeicherPool integriert werden.

Abb: Applikationskonsolidierung

Auch die Vereinheitlichung von unterschiedlichen Anwendungssystemen hilft Unternehmen, Kosten zu sparen. Quelle: Oracle