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25.04.1997 - 

Interdrive Server

FTP Software macht NT zum NFS-Server

Bekanntermaßen läßt die Netzwerkfunktionalität von Windows NT gerade im Unix-Umfeld zu wünschen übrig. Entsprechend entsteht in diesem Bereich ein gewinnträchtiger Markt für Anbieter von Zusatzprodukten.

Ein Hauptmanko ist die fehlende Möglichkeit, NT-Servern mittels NFS zu Datei- und Druckerdiensten zu verhelfen. FTP will hier mit Interdrive Server die Lücke schließen. Das Produkt erlaubt es, die Ressourcen einer NT-Maschine transparent in TCP/IP-Netzen verfügbar zu machen. Vor allem in Unix-basierten Netzen ist es sehr sinnvoll und praktisch, wenn Unix-Clients sowie Unix-Server via NFS auf NT-Server zugreifen können, beispielsweise für zentrales Backup. Auch da, wo noch überwiegend Windows 3.1 im Einsatz ist, kann sich eine Anbindung von NT per NFS anbieten. Überwiegen allerdings auf den Arbeitsplätzen Windows 95 und NT, dann könnten alternativ Unix-Server mit dem unter NT verwendeten Server Message Block (SMB) nachgerüstet werden.

Interdrive Server von FTP kann alle unter Windows NT verfügbaren Dateisysteme - FAT, NTFS, HPFS sowie CDFS - einheitlich an NFS-Clients freigeben. Beim Export von NTFS-Laufwerken stehen die erweiterten Möglichkeiten der Rechtevergabe sowie Access Control Lists (ACL) auch auf NFS-Laufwerken zur Verfügung.

Der Hersteller hat sich bekannten Schwächen von NFS, nämlich der Performance sowie eingeschränkter Sicherheitsmechanismen, angenommen. Um Geschwindigkeitsvorteile zu erzielen, ist der NFS-Server direkt im Kernelspace implementiert. Außerdem verspricht die Multithreading-Architektur eine schnellere Abarbeitung bei parallelen Zugriffen. Ein Cache hält offene Daten im Speicher vor und sorgt bei erneutem Zugriff für kürzere Antwortzeiten. Zusätzlich kann der Administrator die CPU-Priorisierung der NFS-Serverdienste individuell einstellen.

In puncto Sicherheit glänzt das Produkt durch flexiblere Mechanismen. Zum einen wurde dabei auf Erhöhung der Sicherheit im Vergleich zu Standard-NFS und auf einfache Administrierbarkeit Wert gelegt. Neben einer zentralen Paßwortdatei, wie unter NFS sonst üblich, lassen sich optional die Sicherheitsfeatures von NT direkt nutzen. NFS-User können dabei auf NT-User abgebildet werden ("mapping"). Im zweiten Fall müssen Nutzer und Gruppen lediglich im NFS-Server angemeldet werden, anschließend muß der Systemverwalter eine Beziehung zu existierenden NT-Benutzern und -Gruppen herstellen. Dies kann auch bequem über den Import einer bestehenden Unix-Paßwortdatei geschehen, da die Konfigurationsdateien Unix-kompatibel sind. Die Verwaltung der Nutzer geschieht in weiterer Folge über die eingebauten NT-Mechanismen, die native NT-Autorisierung läßt sich optional zuschalten. In diesem Fall wird die NFS-Paßwortdatei umgangen, und die Überprüfung der Nutzer übernimmt direkt der NT-Server.

Sind die Nutzer eingerichtet, können auf einfache Weise beliebige NT-Verzeichnisse in das Netzwerk exportiert werden. Zugriff haben dann entweder alle Hosts lesend oder lesend und schreibend oder nur speziell zugelassene Hosts. Exportierte NTFS-Laufwerke lassen sich wahlweise mittels der NT-ACLs schützen.

Der Betrieb eines NFS-Servers unter NT erhöht den Administrationsaufwand, weil jeder zugreifende Nutzer manuell eingerichtet werden muß. Natürlich kann auch gänzlich auf Nutzerverwaltung verzichtet werden, in diesem Fall ist der NFS-Server für alle offen.

Mit dem zusätzlich im Produkt integrierten LPD-Druck-Server können NT-Maschinen ihre Drucker im Netzwerk anbieten. Der LPD (Line Printer Daemon aus Berkeley Unix) bietet unter anderem paßwortgeschützten Zugriff auf Drucker, Verwaltung von Druckjobs, Definition von Druckerwarteschlangen sowie Monitoring.

Interdrive Server verfügt über eine Reihe nützlicher Protokollierungsfunktionen, außerdem finden bei Bedarf Debugging-Meldungen Eingang in das Ereignisprotokoll. Dies ist bei der Fehlersuche sehr nützlich. Ungenaue Fehlermeldungen bei einem Problem mit der DNS-Konfiguration führten uns jedoch bei der Testinstallation auf die falsche Fährte.

Während die Installation des Produktes als NT-Dienst sehr einfach und schnell vonstatten geht, gestalten sich Bedienung und Konfiguration aufgrund der Vielzahl verschiedener Fenster und Ansichtsmodi unnötig umständlich. Angesichts des gebotenen Funktionsumfangs erscheint dieser Nachteil jedoch, nach entsprechender Einarbeitungszeit, vernachlässigbar.

FTP sparte bei den Client-Funktionen

Ein Nachteil, der schwerer wiegt, ist die Preispolitik von FTP. Bei einem Preis von 675 Mark wäre es wünschenswert, mit der Server-Software zumindest eine Client-Lizenz geliefert zu bekommen. So ist Interdrive Server nur in der Lage, NT-Ressourcen via NFS zu exportieren, kann aber umgekehrt keine Volumes auf Unix-Rechnern mounten. Für diesen Zweck muß extra ein NFS-Client erworben werden, was bei größeren Installationen finanziell kräftig zu Buche schlägt. Hier könnte sich für Preisbewußte ein Vergleich mit dem ebenfalls neuen Konkurrenzprodukt "Chameleon NFS-Server" von Netmanage lohnen: Dieses wird inklusive Client-Funktionen ausgeliefert.

*Andrej Radonic (ar64textware.de)ist bei der Kölner Textware GmbH für Anwendungs- und Intranet-Entwicklung zuständig.