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10.02.1989 - 

Strategisches Informations-Management sichert Unternehmenserfolg, aber:

Führungskräfte von Informatik noch unbeleckt

MÜNCHEN (ih) - Strategisches Informations-Management ist Aufgabe der Unternehmensleitung. Doch scheinen gerade die Topmanager am wenigsten in der Lage zu sein, die Weichen dafür zu stellen. Der Grund: Die Angst des Vorstands vor dem Computer. Dieses Fazit zogen DV-Verantwortliche auf dem Kongreß "Strategisches Informations-Management" der IDG-CSE in München.

"Informations-Management ist ein typisches Kind unserer Zeit," beschreibt Rolf T. Wigand von der Arizona State University in Tempe, Arizona, den Status quo: "Von der Unternehmensleitung noch nicht anerkannt, von den Ausbildungswegen her vernachlässigt - aber für den Unternehmenserfolg entscheidend." Wigand hält es für wichtig, daß der Informations-Manager über ein Know-how-Mix aus den Bereichen Informatik, Ingenieurwesen und Betriebswirtschaft verfügt. Management-Erfahrungen seien ebenfalls unabdingbar. Der amerikanische Professor für Kommunikationsforschung: Diesen idealen Anwärter gibt es derzeit allerdings noch nicht."

Das unbestimmte IM-Qualifikationsprofil macht die Personalauswahl so schwierig. Wilfried Köhler-Frost, Marketing-Direktor bei der Coritel GmbH in Berlin, beschreibt drei Alternativen: "Den DV-Chef zum Informations-Manager qualifizieren, einen neuen Mann ins Haus holen oder zwei Positionen einrichten: eine für den traditionellen DV-Chef, eine für den Informations-Manager." Allerdings sei der Markt für solche Topleute leergefegt.

Für Lutz Martiny, Leiter Systementwicklung der Schering AG, Berlin, ist der Informations-Manager in erster Linie "ein Manager wie jeder andere". Der Berliner Fachmann hält das DV-Know-how des Informations-Managers lediglich für eine notwendige Bedingung. Genauso wichtig für das Qualifikationsprofil seien aber Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude, Integrationsvermögen sowie unternehmerisch geprägtes Denken und Handeln. Martiny: Diese Kriterien sind nicht auf eine bestimmte Fachfunktion ausgelegt, sondern sind die Qualitätskriterien eines Managers schlechthin."

Daß der Informations-Manager von der Unternehmensführung häufig nicht oder zu wenig anerkannt wird, liegt seiner Meinung nach an der Angst der Topmanager vor dem Computer. Bernhard R. Bachmann, Chef für Neue Technologien und stellvertretender Direktor bei der Schweizerischen Bankgesellschaft, Zürich, hält es für erstaunlich und unglaublich, was Firmenchefs sich von ihren Informatik-Verantwortlichen alles bieten lassen (müssen). Er kann es nicht fassen, wie schnell hartgesottene Manager - wenn mit Informatik-Problemen konfrontiert - ihre angeborenen Reflexe unterdrücken, zu zweifeln, nichts für gegeben, das Unmögliche für machbar zu halten und es auch zu verlangen. Bachmann: Es scheint auf den obersten Führungsetagen nicht schick zu sein, sich mit Informatik-Problemen echt auseinanderzusetzen; das wäre ja technisches, Führungs-unwürdiges Detail." Der Schweizer Manager kann es sich nur damit erklären, daß die Informatik insgesamt als Disziplin noch zu jung ist, daß sich in den rund 30 Jahren Informatik-Geschichte noch kein allgemeiner Schatz von Manager-Reflexen für den qualifizierten Umgang mit Informatik-Fragen gebildet hat. Bachmann: Die heutigen Führungsschichten haben ihre ganze Ausbildung und Informatik absolviert und sind nun vor Berührungsangst gelähmt."

Einig sind sich die DV-Anwender der Münchener Tagung indes, daß der unternehmerisch handelnde Informations-Manager in die Vorstandsetage gehört. In einigen wenigen Branchen, wie beispielsweise den Banken und Versicherungen, ist diese Forderung heute bereits Realität geworden. Selbstbewußt beschreibt Eberhard Elsässer, Mitglied des Vorstandes bei der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), welche Aufgabe die Informationsverarbeitung in seinem Haus zu bewältigen hat, nämlich das Geschäftsgeschehen transparent zu machen. "Wir brauchen Visionen und nicht jede Menge Details", postuliert der DV-Altmeister. Der ehemalige Boß und Chef-Berater der SCS GmbH in Hamburg weiß, wovon er spricht. Als Top-Consultant der Frankfurter Bank für Gemeinwirtschaft proklamierte er den Umstieg aus einer Honeywell-Bull-Welt auf IBM. Nun muß er ihn als verantwortlicher Vorstand der BfG auch umsetzen: "Eine peinliche Situation, denn es ist viel einfacher, einen Ratschlag zu geben, als ihn zu überleben."

Elsässer betont, daß Standards und Methoden grundsätzlich Managementsache seien. Andernfalls drohe Wildwuchs: "Diese Primadonnen und Bit-Fummler, die nicht das Gesamtsystem sehen, sondern nur ihre fachliche Autorität, müßten sofort dem freien Markt zur Verfügung stehen." Sein Rat an die Techniker lautet: DVer hätten sich anzugewöhnen, mit dem Vorhandenen endlich mehr zu tun, als immer nur an morgen zu denken und über das Gestrige zu jammern. Schließlich solle der Vorstand in der DV eben nicht das teure Verhinderungsinstrument sehen, sondern die strategische Waffe, die sich im Wettbewerb bewähre.

Bei der Colonia Versicherungen AG in Köln wird das Informations-Management ebenfalls als strategisches Führungsinstrument gesehen. Friedrich K. Rauch, Vorstand für EDV und Betriebsorganisation kann die Aufregung um neue Technologien indes nicht so recht verstehen: "Die Entwicklung war doch seit 20 Jahren abzusehen. Offensichtlich haben viele Führungskräfte gepennt."