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13.07.1979 - 

E. C. Baumann KG, Kulmbach, realisiert in Verlag und Druckerei "totale EDV":

Fünf Eclipsen im weiß-blauen Verbund

KULMBACH (CW) - "Kulminator" aus Kulmbach soll das stärkste Bier der Welt sein. Eher berauschend für Computer-Fans und Verlagsfachleute dürfte die außergewöhnliche EDV-lnstallation sein, die sich das Verlags- und Druckhaus E. C Baumann KG für nahezu vier Millionen Mark leistet: Gleich fünf Eclipsen (1 X C/350, 4 x C/150) für kommerzielle und satztechnische Aufgaben rechnen im Verbund, sozusagen "im Rudel". Hardwarelieferant Data General und die Softwarehäuser D.O.M., Nürnberg, und deltaconsult, Frankfurt, realisierten gemeinsam mit EDV-Chef Norbert Oberender und seinem Team ein in dieser Form in der Bundesrepublik einmaliges Konzept: "Totale EDV".

Dem finanziellen und organisatorischen Kraftakt, der das Verlagshaus mit seinen 400 Mitarbeitern und derzeit 40 Millionen Mark Jahresumsatz, so Verleger Horst Uhlemann, "sicher über die achtziger Jahre bringen" soll, sind dornenreiche Erfahrungen vorausgegangen. Bisher war im kommerziellen Bereich eine ICL 1900 eingesetzt, die Datenerfassung erfolgte über drei MDS-Bandgeräte. Im satztechnischen Bereich werkelte seit einigen Jahren ein ausgesprochener Exote, eine englische ICS. EDV-Chef Oberender: "Meines Wissens das einzige Exemplar, das jemals in der Branche installiert wurde." Beide - übrigens gekaufte - Anlagen, vor allem aber der Satzrechner, erwiesen sich als "Lehrgelddrucker". Verleger Uhlemann: "Manchmal hatte ich den Eindruck, wir wären der Mafia in die Hände gefallen. Wir haben Millionen in den Sand gesetzt."

Die E. C. Baumann KG verlegt die Heimatblätter "Bayerische Rundschau" und "Coburger Tageblatt" sowie mehr als ein Dutzend Periodika vorwiegend aus dem medizinischen Bereich, vom Apotheker-Journal bis zur Monatspostille "Sexualmedizin". Für weitere Kunden im ganzen Bundesgebiet wird im Lohn gedruckt.

Um die Arbeitsplätze für 400 Mitarbeiter zu sichern und die Standortnachteile im abgelegenen, der DDR-Grenze nahen Kulmbach auszugleichen, hat Horst Uhlemann schon in den vergangenen Jahren - gemessen am Branchendurchschnitt - überproportional investiert. Sein Kommentar: "Rationalisierung, Schnelligkeit, Qualität und Termintreue sind unsere einzige Überlebenschance."

So kam denn im letzten Jahr zwangsläufig der Termin, den ICS und ICL nicht überleben sollten. Auf der Suche nach der besseren Lösung (Norbert Oberender: "Da mußten wir erleben, daß auch die Anbieter mit drei und mehr Buchstaben im Firmennamen nicht das zu bieten hatten, was uns so vorschwebte") empfahl ein Berater Data General. Uhlemann erinnert sich: "Die habe ich gar nicht gekannt." Aber man kam sich näher, weil am Ende Data General offenbar am ehesten der Checkliste entsprach, die sich EDV-Chef Oberender für die Auswahlkriterien angelegt hatte:

þOrganisatorische Gesamtlösung ;

þSicherheit der Hardware;

þklarer Aufbau der Produktpalette ;

þzuverlässige Betriebssysteme;

þPreis;

þAnwendungssoftware und deren Kosten;

þSolidität des Herstellers

þService-Garantie.

Mit eingeschaltet als unmittelbarer Hardwarelieferant wurde das Nürnberger Systemhaus D.O.M., das auch für die kommerzielle Software (nach Vorgaben und unter Mithilfe der siebenköpfigen Oberender-EDV-Mannschaft) verantwortlich zeichnet. Neu entwickelt wurde das kommerzielle Softwarepaket "Dialog" für Dialoganwendungen in den Bereichen Lohn- und Gehalt, Finanzbuchhaltung mit Sachkonten, Debitoren und Kreditoren und Vertriebsabrechnung aber auch Vertreter- und Honorarabrechnungen, Lagerwirtschaft, Adreßverwaltung etc. Dialog soll gegen Lizenz auch anderen Anwendern bereitgestellt werden. DOM-Chef Dr. Dietbert Ehresmann kommentiert das Soft-Werk so: "Ein derartiges Softwarepaket für das graphische Gewerbe hat es bisher noch nicht gegeben." Schon länger vorhanden war "Mopas", ein Softwarepaket für die automatisierte Satzerstellung, das ehemals unter Förderung des Bundeswirtschaftsministers entwickelt wurde und in mehreren Zeitungshäusern installiert ist. Vermarktet wird Mopas von deltaconsult, Frankfurt.

Seit Anfang des Jahres begann die Installation der in dieser Konfiguration sehenswerten Hardware, inzwischen "läuft's" Allerdings dürfen derzeit auch noch ICL und ICS ein wenig mitrechnen, doch der Tag der "Sperrmüllabfuhr", so Oberender, ist nah. Meint Verleger Uhlemann: "Hoffentlich kriegen wir noch ein paar Mark dafür."

Wie auch immer, es wäre nur ein geringer Beitrag zur Neuinvestition, die im Endausbau der Konfiguration zwischen 3,5 und vier Millionen Mark liegen dürfte. Bereits installiert sind:

- eine Eclipse C/350 mit 512 KB, 1 x 200 MB Plattenkapazität, zwei Bandeinheiten (9-Spur, 800/1600 bpi, 7-Spur/650 bpi), zwei Zeilendruckern (300 und 600 Zeilen/m) und 14 Bildschirmarbeitsplätzen, davon drei zukünftig mit Hardcopy-Printern für den kommerziellen Bereich. Die C/350 steht im Verbund mit

- einem Doppelsystem Eclipse C/150 mit jeweils 256 B, 2 x 200 MB Platte, zwei Druckerkonsolen und einer Magnetbandeinheit und 16 Bildschirmarbeitsplätzen zur Texterfassung im satztechnischen Bereich im Druckhaus Kulmbach

- einem Doppelsystem Eclipse C/150 mit jeweils 256 B, 2 x 20 MB Plattenkapazität und insgesamt zwölf Bildschirmarbeitsplätzen im Verlagshaus Coburg. Coburg hängt am kurzen Draht: eine Standleitung mit 4800 Baud.

In Coburg wird kommerzielI und satztechnisch "gefahren". Das"Computerrudel" ist sozusagen "gegenseitig deckungsfähig". Um absolute Betriebssicherheit der unter dem Betriebssystem DOS laufenden C/150-Systeme zu gewährleisten, kann jede Anlage die Aufgaben der anderen - zumindest vorübergehend - übernehmen. Die C/350 (Betriebssystem AOS) übernimmt aus den Satzrechner-Tandems nicht nur kommerziell relevante Daten für Satz- und Anzeigenabrechnung, sondern es wird regelrecht eine gemeinsame Datenbank (Datei- und Datenbankverwaltung "Infos" von Data General) betrieben. Bei Totalausfall der Eclipse-Tandems wird die C/350 selbst zum Satzrechner, umgekehrt können auf den Doppelsystemen bedingt kommerzielle Programme gefahren werden.

Noch ist Einfahrphase. Seufzt Verleger Horst Uhlemann: "Ich kann nur hoffen, daß alles funktioniert. Versprochen haben es die DG-Leute ja."