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Fünfjahresplan setzt "komplexe Mechanisierung" mit an die erste Stelle UdSSR: Schaffung automatischer Manipulatoren

20.08.1982

Auch in der UdSSR hat die Mikroelektronik inzwischen zu wesentlichen Veränderungen geführt. Zu den stärksten Bereichen zählen naturgemäß die elektronische Rechentechnik sowie die Meß-, Steuer- und Regelungstechnik. Im Vergleich zu dem in führenden westlichen Industrieländern inzwischen erreichten Technologieniveau scheinen die Russen noch nicht alle derzeit realisierbaren Anwendungsmöglichkeiten der Mikroelektronik ausgeschöpft zu haben.

Einer der Gründe hierfür ist in der Tatsache zu sehen, daß die UdSSR ihre Spitzentechnologien so gut wie ausschließlich für den militärischen Sektor und in der Weltraumforschung einsetzt und den kommerziellen Sektor vernachlässigt. In dem bis 1985 reichenden Fünfjahresplan will man jedoch den Einsatz effektiver Technologien in der Volkswirtschaft stärker als bisher forcieren und entsprechend steht die "komplexe Mechanisierung und Automatisierung der Produktion" und der Einsatz von leistungsfähigen Datenverarbeitungsanlagen mit an erster Stelle der Planungsziele bis 1985.

Entscheidende Impulse bei der Realisierung solcher Zielstellungen verspricht man sich sowohl in der UdSSR als auch in den übrigen Comecon-Ländern vor allem von einer intensiveren wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit. Entsprechend wurde auf der Ratstagung der Comecon-Länder in Bukarest im Juni dieses Jahres ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Mikroprozessortechnik und der Bauelementeproduktion sowie der Industrierobotertechnik zur Sicherung von Wirtschaftsentwicklung und wissenschaftlich-technischem Fortschritt geschlossen. Die Intensivierung und Forcierung derartiger Aktivitäten ist jedoch auch als eine Reaktion auf die von der Reagan-Regierung beschlossenen Exportbeschränkungen zu verstehen.

Die meisten Roboter blieben Institutsentwicklungen

Im September 1975 sorgte erstmals der Leningrader Wissenschaftler M. Ignatyev im Westen für eine Überraschung, als er im sowjetischen Fernsehen seine sechsbeinigen Roboter, den "automatischen Krebs", vorführte. Dieser Roboter war mit einem 85 PS-Motor ausgerüstet, konnte eine Last bis zu 500 Kilo heben; seine Optoelektronik war lasergesteuert. Nach übereinstimmenden Aussagen westlicher Experten hat die Sowjetunion mit dem Gerät ihren inzwischen auf diesem Sektor erreichten, relativ weit fortgeschrittenen Entwicklungsstand demonstrieren können. Dem Westen waren die verschiedenen sowjetischen Versuche mit Robotern kein Geheimnis geblieben. So war man unter anderem auch über die Fähigkeiten des Mondfahrzeuges "Lunachod" gut informiert. Trotz der sowjetischen Erfolge zeigte es sich aber auch hier wieder, daß man nicht fähig war, aus den gewonnenen Erkenntnissen auch wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen, das heißt, für die neue Technologie breite Nutzungsmöglichkeiten zur Rationalisierung industrieller Prozesse zu erschließen.

Kennzeichnend für die Entwicklung der sowjetischen Industrierobotertechnik ist vor allem auch die Tatsache, daß sich Forschung, Entwicklung und Produktion von Robotern zunächst recht planlos vollzogen. Eine vom Luftfahrtforschungsinstitut in Moskau eingeleitete Untersuchung über die Roboterentwicklung in der UdSSR zum Ende der siebziger Jahre hatten ergeben, daß von verschiedenen Forschungsinstituten rund hundert unterschiedliche Robotertypen entwickelt wurden. Dabei vollzogen sich die Arbeiten völlig unkoordiniert. Parallelentwicklungen waren so nicht zu vermeiden, und es stellte sich heraus, daß zunächst überhaupt nur 30 Robotertypen für eine Massenproduktion geeignet waren. So blieben die meisten dieser Roboter Institutsentwicklungen, von denen manchmal kaum mehr als zwei oder drei "Erprobungsmuster" gebaut worden sind. Ähnliche Entwicklungstatbestände waren auch für den Bereich der elektronischen Datenverarbeitung typisch.

Als unzweckmäßig erwies sich schließlich ebenfalls, daß die Leitung der Forschung, Entwicklung und Produktion von Robotern in der ersten Entwicklungsphase zwei Organen übertragen worden war: dem Ministerium für Maschinenwerkzeuge und dem Ministerium für die Geräteindustrie.

Aufgrund intensiver staatlicher Förderungsmaßnahmen ist der Bau von Rationalisierungsmitteln (Handhabungstechnik, Industrieroboter) bis Ende der siebziger Jahre wesentlich erweitert worden. Dabei handelt es sich jedoch weitgehend um einfache Handhabungstechnik.

Mit der Serienproduktion von Mikroprozessoren für Industrieroboter in den Leningrader elektromechanischen Werken ist es seit Beginn der achtziger Jahre auch möglich geworden, neue, mit "Rechnern ausgerüstete Industrieroboter der zweiten Generation", sogenannte "adaptive Roboter", herzustellen und einzusetzen. Erstes Beispiel hierfür: die Traktorenmontage des Leningrader Kirow-Werkes. Nach Angaben der Prawda vom 26. und 27.4.1981 sind adaptive Roboter "mit technischen Sinnesorganen zum Fühlen, Sehen und Hören und mit einem perfekteren Elektronengehirn ausgestattet...". Diese mit Sensoren und optoelektronischen Bauteilen ausgerüsteten Roboter sollen nach dem "komplexen Zielprogramm zur Schaffung und weitgehenden Anwendung automatischer Manipulatoren in der Volkswirtschaft", das vom Staatlichen Komitee der UdSSR für Wissenschaft und Technik, vom Staatlichen Plankomitee und von der Akademie der Wissenschafter der UdSSR ausgearbeitet wurde, zukünftig verstärkt zum Einsatz kommen.

Insgesamt 7000 Industrieroboter will die UdSSR bis Ende 1985, dem letzen Jahr des laufenden Fünfjahrplans, jährlich, das sind insgesamt 45 000 Stück, produzieren. Um die für die achtziger Jahre festgelegten Planungen realisieren zu können, wurde Mitte 1981 ein Werk für Manipulatoren und Roboter in der ukrainischen Stadt Tschernowzy neben den bereits in Leningrad ansässigen Produktionsstätten in Betrieb genommen.

Aufgrund der bisher über Entwicklung und Einsatz von Industrierobotern in der UdSSR erschienen Veröffentlichungen kann man davon ausgehen, daß auch die UdSSR - sowie die DDR oder Japan - zu einer relativ weitgefaßten Definition des Begriffs "Industrieroboter" neigt. Er umfaßt die einfachsten Handhabungsautomaten bis hin zum Roboter mit mehreren Freiheitsgraden.

*Klaus Krakat ist Mitarbeiter bei der Forschungstelle für gesamtdeutsche, wirtschaftliche und soziale Fragen, Berlin.