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25.11.1988 - 

Business Basic in Unix konvertiert:

Fünfzehn Kliniken retten ihre Software

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat für die von ihm betreuten Westfälischen Kliniken auf Unix gesetzt. Darin sieht der Verband eine Option auf die Zukunft. Die Software von gestern, geschrieben in Business Basic, mußte in die neue Systemwelt gerettet werden. Dieter Bülow* berichtet über die Aspekte, die zu dieser Entscheidung geführt haben.

Wenn die vorhandenen DV-Anlagen abgeschrieben, und die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht sind, stellen sich zwei Fragen: "Wie rette ich meine vorhandenen Software-Investitionen", und "kann ich es so einrichten, daß sich diese Frage beim nächsten Wechsel gar nicht mehr stellt?". Als Antwort auf die zweite Frage bietet sich Unix an. Für den großen Sektor zwischen PC und Host, also die einst sinnvoller Weise so genannte "Mittlere Datentechnik", ist die Antwort sogar die einzige aktuelle.

Für Unix spricht seine Portabilität

Beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe ging es um die Nachfolgesysteme für 15 Westfälische Kliniken. Der Landschaftsverband ist eine Körperschaft der kommunalen Selbstverwaltung und nimmt vorwiegend überregionale Aufgaben für die 18 Kreise und 9 kreisfreien Städte wahr. Es sind dies soziale Aufgaben (in anderen Bundesländern zum Beispiel von den Landeswohlfahrtsverbänden wahrgenommen), Straßenwesen, Landschaftliche Kulturpflege und bestimmte kommunalwirtschaftliche Tätigkeitsfelder. Er gehört seiner Definition nach nicht zu den staatlichen Behörden, so daß zum Beispiel der Erlaß des Innenministers von Nordrhein-Westfalen, Unix für künftige Neueinführungen zu wählen, nicht bindend ist.

Nichtsdestoweniger setzt die Datenzentrale des Landschaftsverbandes, die unter anderem mit einer IBM 3090 arbeitet, unterhalb der Host-Ebene auf Unix. Der Grund ist in erster Linie die erwartete Portabilität der in der neuen System- Ära erarbeiteten Software auf eine Vielzahl der Systeme führender Anbieter. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß Standardsoftware auf den Gebieten Datenbank, Text, Kalkulation und Grafik, wie man sie aus dem MS-DOS-Bereich kennt, offenbar mit wachsender Vollständigkeit auch für die mehrplatzorientierte Unix-Welt verfügbar ist.

Der Anwender entschied sich als Ergebnis einer umfangreichen Ausschreibung, die nach den Worten des Leiters der Datenzentrale, Wolfgang Rüffer, in einer "intensiven Marktforschung" mündete, für CLAN-Systeme der ICL. Angepaßt an die Größe der jeweiligen Klinik (zwischen 130 und tausend Betten) werden derzeit Modelle für sieben bis 30 Datenendgeräte eingesetzt. Gründe für die Entscheidung waren unter anderem Benchmark-Tests, das Hochrüsten der CLAN-Rechner im Feld von 16 bis 128 (gekoppelt 600) Peripherieanschlüssen und von drei bis acht MIPS, Preisvorteile auf den Gebieten Software- und Hardware-Kauf oder Miete/Lizenzen und Wartung. Ferner spielte der Umstand eine Rolle, daß alle vorhandene Peripherie weiterverwendet werden kann. Die Kliniken betrieben zum Zeitpunkt der Entscheidung rund 150 Datensichtgeräte und diverse Drucker.

Ein überragendes Argument aber lag in der Software-Integration, die den bisherigen Software-Fundus nicht nur zu retten, sondern in den Unix-Rahmen und den eines umfangreichen Bürokommunikationssystems einzubinden versprach. In diesem Zusammenhang wies das Konvertierungszentrum des Anbieters nach, daß die Umsetzung der über tausend in Business Basic geschriebenen Programme mit nur geringen Schwierigkeiten abzuwickeln war.

Die Datenzentrale hatte selbstverständlich auch die entsprechende IBM-Angebote geprüft. Hier bestand jedoch keine Möglichkeit zur Konvertierung. Das Neuschreiben der Programme veranschlagten die angesprochenen Software-Häuser mit zwölf Mannjahren, was weder von den Kosten - noch vom Zeitaufwand her vertretbar gewesen wäre.

Wolfgang Rüffer antwortet auf skeptisches Nachfragen: "Die Konvertierung und die Installation haben in der Tat gut funktioniert. Wir haben inzwischen alle 16 Rechner installiert - 15 in den Kliniken und einen in der Zentrale. Wir brauchten in den Kliniken eine Woche, wobei zwei Arbeitstage lang Sendepause an den Terminals war, und die involvierten DV-Leute über das Wochenende arbeiteten. Der Terminplan wurde in jedem einzelnen Fall eingehalten. Allerdings hatten wir Probleme mit den Streamern."

Die Basis-Programme decken weite Bereiche ab

Business Basic von MAI (unter verschiedenen Releases) unter deren Betriebssystem BOSS, war in den 70er für viele kommunale Institutionen fast ein Standard. Entsprechend groß und wertvoll ist der Software-Fundus.

Die in Business Basic erstellten Programme umfassen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe:

- Patientenverwaltung und Leistungsabrechnung

- Finanzbuchhaltung

- Anlagenbuchhaltung

- Lagerbuchhaltung

- Kostenstellenabrechnung

- Kameralistik

- Ermittlung und Auswertung von Verbrauchsdaten im technischen Bereich

- Laborabrechnung

- Abrechnung der Sozialversicherung für Behinderte

Die Vorgänger-Systeme - zweifellos Schrittmacher der Direktverarbeitung im Dialog - waren um Größenordnungen langsamer, als die im Wettbewerb befindlichen Systeme. Die Grundforderung, nämlich Unix und damit ein offenes Betriebssystem, war jedoch nicht erfüllbar.

Die Kliniken brauchen ständig neue Anwendungen

Im Unix-System läuft der BBX-Interpreter (eine Mischform aus Interpreter und Compiler, in dem zum Beispiel bestimmte Routinen compiliert werden). Entwicklung einer amerikanischen Firma zur Konvertierung von Business Basic-Programmen in Unix, unterhalb der Anwendungen in der gleichen "Shell" wie Cobol, Datenbanken, Bürokommunikation und Tools.

Zusätzliche Automationsanforderungen, für die die neuen Systeme Kapazität bereitzustellen haben, sind nach derzeitiger Planung Personalwirtschaft, Befunddokumentation, Büroautomation und -kommunikation, darunter insbesondere Textverarbeitung. Zudem wächst der Kommunikationsbedarf der Kliniken untereinander. Das Wachstum der Anwendungen liegt derzeit bei 20 bis 30 Prozent im Jahr.

ICL stellt ein Büroautomations- und -kommunikationssystem unter Unix zur Verfügung, das von MS-DOS bekannte Typen von Standardprogrammen bereithält: Text, Tabellenkalkulation und arbeitsplatzbezogene Datenbank. Da das ganze System mehrplatzfähig angelegt ist, kann dieses Paket auch zur Verfügung stellen, was PCs nur über einen übergeordneten Rechner oder, in eingeschränkten Maße, über einen File-Server anbieten: E-Mail, Termin/Konferenzplanung und als Klammer um das Ganze ein Datenbanksystem wie Oracle oder Ingres.

Bürokommunikation soll einheitlich funktionieren

Alle Systeme sind satzorientiert, Voraussetzung für echte Mehrbenutzeranwendung (record locking). Der sonst begangene Ausweg besteht darin, Gateways auf Basis Datei-Transfer zwischen MS-DOS und Unix zu öffnen, gelegentlich mit Tricks auf eine tiefere Ebene befördert. Beispielsweise durch Übernahme des Tastatur-Speicherinhalts als Datei im Satzformat (Nixdorf). Vom Unternehmensstandpunkt ist natürlich ganz klar eine Einheitlichkeit des Systems gegenüber dem potentiell immer drohenden Wildwuchs der PC-Lösungen der Vorzug zu geben. Noch wichtiger ist, daß sich eine Integration der Aufgaben verschiedener Arbeitsplätze nur in eingeschränktem Maße auf Dateitransfer-Basis verwirklichen läßt, nämlich nur in Fällen, wo Satzzugriff und -sperrung nicht benötigt werden.

Das unter Unix laufende Büro ist "Office Power". Unter "Power Link" stellt es zusätzlich einen Informationsaustausch mit MS-DOS-Software auf PCs her. Diese Lösung will der Landschaftsverband beispielsweise benutzen, um vorhandene PCs einzubinden, die im übrigen natürlich, das ist heute Routine, als Terminals zu praktisch jedem anderen Rechner, IBM-Host inklusive, fungieren.

Wichtig sind auch die Verbindungen außer Haus

Als Beispiele für Integrationsbedarf führt Rüffer an: Die Abrechnung mit den Krankenkassen basiert auf der übergreifenden Datenbank, deren Ergebnisdaten in die Textverarbeitung für Anschreiben an die Krankenkassen, Formulare etc. eingebettet werden sollen. Die Erfassung für die involvierten Basistabellen findet an verschiedenen Arbeitsplätzen statt. Ähnliche Aufgaben sind beispielsweise Statistiken und Trends, für die unter Auswertung der genannten Basisdaten Grafik mit Textverarbeitung zu verbinden sind.

Was die Skepsis gegenüber der Portabilität der unter Unix in einer der Standard-Sprachen geschriebenen Programme auf Unix-Rechner anderer Fabrikate betrifft, stellt Rüffer Pragmatismus heraus: "Mit Sicherheit gibt es nur geringe Probleme bei einem Systemwechsel, denn jeder Anbieter wird für die Übernahme selbst sorgen. Es kann sich nur um Details handeln - gegenüber der Konvertierung von Business Basic wahrscheinlich ein Kinderspiel."