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12.02.1999 - 

Für 1999 rote Zahlen angekündigt

Für 1999 rote Zahlen angekündigt 1&1 AG will Internet-Engagement und Beteiligungsgeschäft forcieren

FRANKFURT/M. (CW) - Nach einem Plus bei Umsatz und Erträgen im Geschäftsjahr 1998 will sich die 1&1 AG jetzt stärker als Internet-Company positionieren. Das bis dato vor allem als IT- und TK-Marketing-Spezialist bekannte Unternehmen rechnet deshalb für 1999 mit einem Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Zur Finanzierung der Web-Aktivitäten und der Auslandsexpansion ist zudem eine Kapitalerhöhung geplant.

Vorläufigen Angaben zufolge konnte die in Montabaur im Westerwald ansässige Firmengruppe im Geschäftsjahr 1998 ihre Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um 26,6 Prozent auf 171,6 Millionen Mark steigern. Noch nicht im Ergebnis berücksichtigt ist dabei der Umsatz des 1998 mehrheitlich übernommenen Internet- Dienstleisters Schlund+Partner AG, Ludwigshafen, in Höhe von rund zehn Millionen Mark.

In der Bilanz könnte auch 1998 ein Minus stehen

Wie der 1&1-Vorstandsvorsitzende und -Gründer Ralph Dommermuth vor der Presse in Frankfurt mitteilte, erhöhte sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im gleichen Zeitraum um 31,2 Prozent auf 18,5 Millionen Mark - allerdings ohne die Kosten für den Börsengang in Höhe von knapp sechs Millionen Mark sowie Ergebnisse aus Beteiligungen beziehungsweise deren Abschreibungen. Vor allem letzteres dürfte das endgültige Bilanzergebnis doch ein bißchen anders aussehen lassen.

Um die Internet-Ausrichtung des Unternehmens stärker auch nach außen hin zu akzentuieren, hat 1&1 die Geschäftsfelder neu strukturiert. Statt zwei wird es fünf Unternehmenssparten geben. Der bisherige Geschäftsbereich "Marketing-Progamme" ist ab sofort in die Units "IT-/TK-Marketing" und "Customer Care" aufgeteilt. Das Segment Internet-Mehrwertanwendungen teilt sich ab sofort in Internet-Providing, Online-Marketing und Internet-Beteiligungen.

Hauptumsatzträger mit rund 50 Prozent Anteil an den Einnahmen werden auch 1999 die Marketing-Angebote im Bereich IT und TK sein. Aufgrund der strategischen Neuausrichtung werden die Rheinland- Pfälzer jedoch nicht mehr wie bisher Kunden für Dritte akquirieren - also beispielsweise für T-Online, Bank 24 oder diverse Mobilfunkbetreiber. "1&1 will seine Vermarktungskapazitäten verstärkt auf eigene Internet- und TK-Produkte konzentrieren", begründete Dommermuth den Kurswechsel.

Auch im Geschäftsbereich "Customer Care" will das 1988 gegründete Unternehmen weiter international expandieren. Rund 500 der derzeit über 950 Mitarbeiter betreuen, wie es in Frankfurt hieß, technische Hotlines und User Helpdesks für IT- und TK-Anwendungen von mittlerweile über 30 Kunden - darunter Branchenriesen wie Microsoft, Compaq, Deutsche Telekom Online Service und Compuserve. Neben den beiden Call-Centern in Dortmund und Zweibrücken bietet 1&1 seit Oktober 1998 vom belgischen Maastricht aus auch entsprechende Services in den Niederlanden, Belgien und Frankreich an. Durch Akquisitionen und Neugründungen will man hier zudem bis zum Jahresende fünf weitere europäische Märkte erschließen.

Mehr als einen Gang höher schalten möchte 1&1 vor allem aber im Cyberspace. In den eingangs erwähnten neuen Business Units wittern die Montabaurer lukrative Einnahmequellen: "1&1 wird das Internet- Wachstum bewußt forcieren, da jetzt die Marktanteile verteilt werden", blies der 1&1-Chef zum Angriff auf die digitalen Märkte, wo er für seine Company fürs erste mit dreistelligen Zuwachsraten kalkuliert. Bereits im laufenden Geschäftsjahr 1999 sollen rund 30 Prozent der anvisierten 281 Millionen Mark Umsatz mit Internet- Aktivitäten erzielt werden.

Erst vor wenigen Monaten gelang 1&1 hier mit der mehrheitlichen Übernahme von Schlund+ Partner (die restlichen Anteile sollen in Kürze auch an 1&1 übergehen) ein wichtiger strategischer Schachzug. Jedenfalls verfügen die angehenden Online-Spezialisten im Geschäftsbereich "Internet-Providing" jetzt über ein eigenes Internet-Entwicklungs- und -Rechenzentrum. Auch wenn 1&1 bislang auf eine eigene Netzplattform verzichtete, heißt das nach den Worten Dommermuths nicht, daß entsprechende Überlegungen vom Tisch sind: "Mit dem Einstieg ins Telefonie-Mehrwertgeschäft wollen wir mit einer führenden Telco kooperieren und gegebenenfalls auch eine eigene Plattform für intelligente Dienste entwickeln", gab sich der 1&1-Vorstandschef vielsagend.

1999 soll außerdem die Web-Produktpalette erweitert werden, beispielsweise durch Online-Shops oder All-in-one-Produkte für Internet und Telefonie. In der Pipeline ist außerdem ein Internet- Zugang mit Preselection für Ferngespräche und Mehrwertanwendungen - etwa Messaging-Services, eine Homepage mit Top-Level-Domain, lebenslange E-Mail-Adresse sowie 0700er und 0800er Telefonnummern.

Auch im Bereich "Online Marketing" will sich 1&1 stärker im Ausland positionieren. Mit dem Internet-Werbe-Network "1&1 Adlink" sieht sich das Unternehmen in Deutschland als führender Anbieter. Ziel ist es jetzt, das bestehende Netz, das bereits Partner in England, Frankreich, Österreich, Spanien und Italien integriert, auf europäischer Ebene weiter auszubauen.

Um den Internet-Markt möglichst breit zu erschließen, bedient sich 1&1 auch noch einer zweiten aggressiven Expansionsstrategie. Das Unternehmen steigt als Investor bei Internet-Startups ein und will so an interessanten Nischenmärkten im Cyberspace partizipieren. Acht solcher Investitionen hat 1&1 bislang getätigt, die Anteile liegen jeweils zwischen 30 und 50 Prozent. Zu den - bereits profitablen - "Partnerfirmen" gehört beispielsweise Jobs & Adverts, der nach Angaben von 1&1 momentan führende private Online-Stellenmarkt in Europa mit über 100 Mitarbeitern. Dommermuth zufolge will man schon in den nächsten Monaten einen dieser Newcomer an die Börse "begleiten". Bis Jahresende sind Beteiligungen an fünf weiteren Web-Newcomern in Form von Risikokapital vorgesehen.

Finanziert werden soll die direkte wie indirekte (Web-)Expansion über eine Kapitalerhöhung, deren genauer Termin allerdings noch nicht feststeht. Über 100 Millionen Mark sollen dabei in die "Kriegskasse" fließen. Auf der Jagd nach lukrativen Internet- Marktsegmenten wird sich jedoch die Bilanz im Laufe dieses Geschäftsjahres tiefrot färben. Dommermuth: "Je kreativer wir sind, um so schlimmer sieht es zunächst mit unseren Zahlen aus." Ausgehend von Anlaufkosten in einer Größenordnung von 25 bis 40 Millionen Mark rechnet der 35jährige 1&1-Vorstandschef für 1999 mit bis zu 22 Millionen Mark Verlust.