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28.07.2000 - 

KM-Erfahrungen bei Pricewaterhouse-Coopers

Für aktives Wissens-Management reicht ein Browser nicht aus

Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer sammeln im Kontakt mit ihren Kunden eine Fülle von Wissen, das für Folgeprojekte wertvoll ist. So auch bei Pricewaterhouse-Coopers, wo Dr. Gerold Riempp Gesamtprojektleiter für Knowledge-Management (KM) in Deutschland ist und dafür auf eine Notes-Infrastruktur setzt. Mit ihm sprach Volker Weber*.

CW: Ist Knowledge-Management eine technische oder eine organisatorische Herausforderung?

Riempp: KM ist sicher eine technologische Herausforderung, aber die kritischen Probleme liegen in den organisatorischen Themen: Prozesse, Aufbauorganisation, Anreizsystem, Schulung. Die Technik muss funktionieren, der Erfolg von KM entscheidet sich aber weit weg davon.

CW: Welche Inhalte sollte man dem Benutzer bereitstellen?

Riempp: Eine ganz wichtige Regel ist: Nicht alles, sondern nur den wertvollen Content erschließen. Man sollte besser Mühe und Zeit in Qualitätssicherung investieren und sozusagen die Nuggets finden, statt in einem großen Unternehmen hundertausende von Dokumenten bereitzustellen. Das ist sinnlos.

CW: Wie erschließen Sie Ihren Mitarbeitern das Unternehmenswissen?

Riempp: Wir fahren eine Doppelstrategie. Zum einen können sich die Anwender wichtige Wissensdatenbanken mit Hilfe des Notes-Clients auf ihr Notebook replizieren. So haben sie die jeweils wichtigsten Informationen offline zur Verfügung. Zum anderen erschließen wir die gleichen Inhalte und mehr über unser Intranet inklusive Suchmaschine. Unsere Anwender können sich auch von außen in das Intranet einwählen.

CW: Sie verwenden also Notes-Clients und Web-Browser?

Riempp: Man muss zwischen zwei Rollen unterscheiden: Es gibt die Rolle des Wissenskonsumenten, für den der Browser recht gut geeignet ist. Für die Rolle des Wissensbeitragenden oder Wissensspenders ist der Browser zur Zeit noch völlig ungeeignet. Wir brauchen aus diesem Grund weiterhin zwei Frontends - auch wegen der Replikation. Der Browser ist für das Editieren von Dokumenten etc. meiner Ansicht nach einfach noch zu schwach.

CW: Wie zufrieden sind Sie mit den Lotus-Techniken?

Riempp: Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden. Der "Domino-Server" bietet uns die Möglichkeit, Inhalte für den Offline-Betrieb bereitzustellen und zugleich online Browser zu bedienen. "Domino-Workflow" ist eine wichtige Sache, wenn man die Prozesse im Griff haben will, und auch "Sametime" als Echtzeitkommunikation passt sich gut in diese Infrastruktur ein. Eine passende Suchmaschine kann Lotus uns derzeit allerdings noch nicht anbieten. PwC nutzt hier einen Server von Verity.

CW: Was halten Sie von "Raven"? (Codename für den angekündigten KM Server von Lotus, Anm. d. Red.)

Riempp: Raven hat für uns terminlich nicht gepasst. Wir konnten nicht warten, bis Lotus das Produkt fertig gestellt hat. Dahinter steckt aber ein fundamental guter Ansatz. Solche integrierten Lösungen haben den Charme, dass man innerhalb dieser Systemwelt die Kreuzverbindungen nutzen kann. Es fällt aber schwer, in einem Schichten- oder modularen Ansatz andere Bausteine einzufügen. Konkret denke ich zum Beispiel daran, wie schwierig die Integration des Verity-Servers in diese Welt wäre.

CW: Wenn Sie ein Fazit ziehen müssten, was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Riempp: Erstens: Wir brauchen keine Suchmaschinen, sondern Findemaschinen. Es lässt sich gar nicht alles fragen, was man wissen möchte. Man kann oft nicht einmal die Frage formulieren. Eine Suchmaschine ist wichtig, aber das ist nur der halbe Weg. Zweitens: Die kritischen Erfolgsfaktoren liegen außerhalb der Technik. Sie müssen die Organisation auf die Reihe bringen, die Menschen dazu anhalten, ihr Wissen beizutragen und einen Prozess zu unterhal-ten, der dieses Wissen allen Mitarbeitern zur Verfügung stellt. Drittens: Man muss in den Content investieren. KM kann nicht funktionieren, wenn sich nie-mand darüber Gedanken macht, was die "Field People" wissen müssen.

CW: Was können Sie zum KM-Einstieg empfehlen?

Riempp: Anwender erkennen den Nutzen von KM erst, wenn sie die Ergebnisse sehen. Um das Potenzial von KM zu vermitteln, sollte ein Pilotbereich aufgebaut werden, der eine überzeugende Welt darstellt. Das lässt sich dann multiplizieren, wenn erst einmal die Erkenntnis reift.

*Volker Weber (vowe@vowe.de) ist freier Journalist in Darmstadt.