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13.07.1990 - 

Unternehmensweite Umstrukturierung erforderlich

Für CASE-Tool-Einsatz sind neue Organisationsformen nötig

13.07.1990

MÜNCHEN (CW) - Die erfolgreiche Anwendung einer CASE-Umgebung geht nach Einschätzung von Analysten und Großanwendern mit der Neu-Organisation des betreffenden Unternehmens einher. Zwar ist eine sukzessive Umgestaltung unerläßlich, Eile aber nicht geboten: Der Markt bietet bisher kaum Werkzeuge, die ausgereift sind und alle Software-Entwicklungsphasen abdecken.

Von derzeit 10 000 bundesweit installierten CASE-Tools genügen nach einer Bestandsaufnahme, die Diebold Ende letzten Jahres für die Daimler Benz AG durchgeführt hat, nur zehn Prozent den künftigen CASE-Anforderungen. Fast alle Systeme können demnach "Wichtige Voraussetzungen für den gesamten Entwicklungsprozeß und die Verlängerung des Software-Life-Cycles nicht erfüllen".

Eine ähnlich negative Bilanz zieht die Frankfurter Gesellschaft für Management und Organisation. Das Unternehmen bemängelt unter anderem das Fehlen von verläßlichen Schnittstellen-Definitionen und von Standards für eine offene Systemarchitektur. Integration sei bis dato nur in geschlossenen Systemen möglich. Bei den meisten verfügbaren Werkzeugen aber handele es sich um Stand-alone-Lösungen, die sich nur mühsam integrieren ließen.

Unter diesen Umständen sind Investitionsentscheidungen bei den Anwenderunternehmen riskant, zumal nicht selten auf ganze Produktkomponenten verzichtet werden muß. Oft läßt auch die Qualität der vorhandenen Tools zu wünschen übrig. Installationszahlen sind für eine Bestandsaufnahme nur wenig brauchbar, da ein Großteil der abgesetzten Werkzeuge in der DV-Praxis gar nicht oder nur sporadisch eingesetzt werden.

Grund für den zaghaften CASE-Einsatz ist aber nicht allein die mangelhafte Produktqualität, sondern auch der unternehmensweite organisatorische Aufwand. "Die CASE-Einführung ist nicht zuletzt eine Angelegenheit des Managements", schreibt die amerikanische CW-Schwesterpublikation "Computerworld", die sich in einem Artikel auf eine Reihe von Interviews mit Analysten und Großanwendern beruft.

"Wo die organisatorische Struktur nicht stimmt", so CASE-Experte Lionel Brooks von der New York Life Insurance Company, "werden die Anwender große, teuere Tools installieren, ohne zu wissen, wie diese Werkzeuge effektiv einzusetzen sind." Als zentrales Problem sehen Beobachter wie Brooks die bisher nicht ausreichende Fähigkeit und Bereitschaft des Personals, eine komplexe CASE-Umgebung mitzutragen.

"In eine entsprechende formale Methodologie hineinzuwachsen und die Probleme der sozialen Evolution zu überwinden, das kann drei bis fünf Jahre dauern", urteilt zum Beispiel Emmanuel Ackerman, Manager bei der Depository Trust Company. Noch 1988 habe sein Unternehmen weder einen Life-Cycle noch CASE-Tools geschweige denn ein sogenanntes Upper-CASE gekannt.

Training und die Auswahl einer angemessenen Methode - das sind nach Ansicht der Analysten die vordringlichsten Schritte, die einzuleiten sind. "Zum ersten Mal nach 30 Jahren schreiben unsere Programmierer ihren Code nicht mehr selbst", schildert Howard Fosdick, Präsident der Fosdick Consulting Inc. in Villa Park/Illinois, die veränderte Situation. "Eine Reihe anderer Unternehmen hat eine ähnliche Geschichte. Jetzt kommt es darauf an, daß sich die Organisation dieser Unternehmen ändert."

Das Personal müsse geschult werden, damit es besser über Daten-Management und standardisierte Entwicklungsprozeduren Bescheid wisse. Anwender sollten, so Fosdick, einen Datenadministrator und nach Möglichkeit auch einen Repository-Administrator zugewiesen bekommen. Der Datenadministrator sei nicht etwa mit dem Datenbankadministrator zu verwechseln, der in erster Linie technische Funktionen ausübe. "Er muß einen Gesamtüberblick über die Daten haben".