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Aktuelle Channel-News // 4. Dezember 2016

09.11.2015 - 

Vermittlung von Freiberuflern

Für den Einkauf zählt nur der Preis

Regina Böckle durchforstet den Markt nach Themen, die für Systemhäuser und Service Provider relevant sind - oder es werden könnten - und entwickelt dazu passende Event-Formate.
Personaldienstleister, die selbständige IT-Experten an Unternehmen vermitteln, haben es mit zwei anspruchsvollen Zielgruppen zu tun: Mit dem Freelancer, der um seinen Wert weiß und auch flexibler arbeiten will, sowie dem Kundenunternehmen, der die bestmögliche Leistung zum günstigsten Preis haben möchte und zu wenig Abstrichen bereit ist.

Der Fachkräftemangel in der IT-Branche hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschärft - und damit die Honorare für IT-Spezialisten und IT-Freiberufler weiter steigen lassen. Die Gulp-Stundensatz-Umfrage 2015 zeigt: Im Schnitt berechnen IT- und Engineering-Freiberufler aktuell 80,50 Euro die Stunde, das sind 50 Cent mehr als im Vorjahr. Nur 30 Prozent der Befragten arbeitet zu Honoraren von unter 70 Euro, 2014 waren es noch 33 Prozent. Mit mehr als 100 Euro die Stunde rechnen im laufenden Jahr 18,7 Prozent der Freelancer ab. Das sind 1,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Personaldienstleistern macht diese Entwicklung zu schaffen, wie ein Roundtable der COMPUTERWOCHE über den Projektmarkt zeigte: "Wir haben es mit zwei herausfordernden Zielgruppen zu tun. Auf der einen Seite steht der selbstbewusste Freiberufler, der weiß, was er kann und was er wert ist. Auf der anderen Seite sind die Endkunden nicht mehr bereit, jeden Preis zu zahlen.", bringt Daniela Kluge, Bereichsleitung Portal & Projekte bei Gulp Information Services, das Dilemma auf den Punkt.

Daniela Kluge, Gulp: "Der selbstbewusste Freiberufler weiß, was er kann und was er wert ist. Auf der anderen Seite sind die Endkunden nicht mehr bereit, jeden Preis zu zahlen."
Daniela Kluge, Gulp: "Der selbstbewusste Freiberufler weiß, was er kann und was er wert ist. Auf der anderen Seite sind die Endkunden nicht mehr bereit, jeden Preis zu zahlen."
Foto: Gulp

Mittelstand setzt noch zu wenige Freiberufler ein

Obendrein gehen häufig auch bei den Unternehmen selbst die Vorstellungen über Kosten der Freiberufler einerseits und Qualitätsanspruch andererseits weit auseinander: Projektleiter wünschen sich einen Freelancer mit bestmöglichem Know-how, Einkäufer wiederum suchen nach dem günstigsten Preis.

"In großen Unternehmen entscheidet der Einkauf, welche Freiberufler beauftragt werden. Und sie arbeiten in der Regeln nur noch mit vier bis fünf Personaldienstleister zusammen", erklärt René Troche, Geschäftsführer der Westhouse Consulting GmbH. "Mehr Offenheit und Breite findet man in kleinen und mittelständischen Betrieben."

Gerade im Mittelstand erkennen die Personaldienstleister noch viel Potenzial, da hier Möglichkeiten, Freelancer zu beschäftigen, kaum bekannt seien. Arbeitnehmerüberlassungen prägten hier das Bild. Die Erwartungen des Mittelstands an externe IT-Experten unterschieden sich allerdings: Sie legen im Unterschied zu Großkonzernen Wert auf sofort einsetzbare Spezialisten mit übergreifendem IT-Know-how.

Freiberuflermarkt wird weiter wachsen

Insgesamt rechnen Personaldienstleister mit einem wachsenden Markt für IT-Freiberufler mit Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent. Als Wachstumsbremse könnte sich allerdings die fehlende Rechtssicherheit im Hinblick auf die Reglementierung der Arbeitnehmerüberlassung und der Freiberufler entpuppen, befürchten die Dienstleister. Diese Unsicherheit könne Unternehmen in das "Modell Festanstellung" treiben. "So lange der Gesetzgeber das Problem der Scheinselbständigkeit des Freelancers nicht löst, werden immer mehr Kunden dieses Modell aus Angst vor möglichen juristischen Konsequenzen meiden", schätzt Andreas Nader, Geschäftsführer der Questax GmbH. Troche warnt vor den Folgen: " Wenn Arbeitnehmerüberlassung und Freiberufler reglementiert werden, wird die Flexibilität hinsichtlich temporärer Unterstützung in Unternehmen abnehmen." Die Politik habe viele Möglichkeiten noch gar nicht erkannt, so der Vorwurf. "Es wäre doch möglich, beispielsweise eine "IT-Kasse" nach Art der "Künstlersozialkasse" zu schaffen", skizziert Sven Herzberg, Vorstandssprecher der zur Allgeier-Gruppe gehörenden Goetzfried AG, einen Ausweg aus dem Dilemma.

René Troche, Westhouse Consulting: Wenn Arbeitnehmerüberlassung und Freiberufler reglementiert werden, wird die Flexibilität hinsichtlich temporärer Unterstützung in Unternehmen abnehmen."
René Troche, Westhouse Consulting: Wenn Arbeitnehmerüberlassung und Freiberufler reglementiert werden, wird die Flexibilität hinsichtlich temporärer Unterstützung in Unternehmen abnehmen."
Foto: Westhouse Consulting

Dennoch sei Freelancing die Arbeitsform der Zukunft, kontert Kluge: "Der Markt wird nicht nur vom Unternehmenskunden diktiert. Es gibt einen ganz starken Druck zugunsten neuer Modelle aufgrund des globalen Wettbewerbs. Für diese Zukunft müssen wir uns schon jetzt positionieren - ohne unser aktuelles, noch sehr konservativ geprägtes Kerngeschäft zu vernachlässigen. Das ist die größte Herausforderung für uns. "

Unternehmen müssen flexibler werden

Unternehmen, die dringend nach raren IT-Fachkräften suchen, müssen künftig flexibler werden, um für IT-Spezialisten attraktiv zu bleiben, das machte der Roundtable deutlich. Ursache dafür ist der Generationswandel. Aktuell liegt das Durchschnittsalter der IT-Freiberufler der Gulp-Studie zufolge bei Mitte 40. Das wird sich ändern.

Die nachfolgende Generation an Fachkräften aber weiß nicht nur um ihren Wert, und hat nicht nur finanzielle Ansprüche, sondern "erwartet von ihrem Auftraggeber Flexibilität, etwa in Hinblick auf eine Vier-Tage-Woche oder eine Home-Office-Regelung", schildert Andreas Dittes, Geschäftsführer von Talentwunder, die Lage. Auf eine Folge dieses Wertewandels macht Herzberg aufmerksam: "Die Einsatzzeit pro Freelancer ist verglichen mit früheren Jahren gesunken: Pro Kopf und Monat im Schnitt um zwei bis drei Stunden."

Andreas Nader, Questax: "Unternehmen erwarten, dass IT-Freiberufler vor Ort sind, weil diese ihr Wissen an die Mitarbeiter weitergeben sollen."
Andreas Nader, Questax: "Unternehmen erwarten, dass IT-Freiberufler vor Ort sind, weil diese ihr Wissen an die Mitarbeiter weitergeben sollen."
Foto: Questax

Auf diese Erwartungen der Generation Y wie Teilzeiteinsatz, Home Office sind Unternehmen jedoch kaum vorbereitet. Sie erwarten, dass ein IT-Freiberufler in der Regel vor Ort ist, so die Erfahrung der Personaldienstleister. "Zum einen weil die freiberuflichen Experten ihr Wissen an die Mitarbeiter weitergeben sollen. Zum anderen erfordern etwa agile Methoden wie Scrum, dass alle Entwickler präsent sind und sie sich mitunter täglich austauschen und untereinander abstimmen", führt Nader aus. Auch an anderer Stelle werden keine Kompromisse gemacht, wie Herzberg berichtet: "So gilt Deutsch nach wie vor als Projektsprache. Ohne Deutschkenntnisse wird es für Freiberufler schwierig, ein Projekt zu finden."

Der Wunsch der Unternehmen nach der Vor-Ort-Präsenz eines Freelancers entspringe dabei nur selten einer echten Notwendigkeit, bemängelt Andreas Dittes, Geschäftsführer von Talentwunder. Denn Tools, um weltweit gemeinsam an einem gemeinsamen Projekt arbeiten zu können, gibt es längst. Seines Erachtens ist der Wunsch nach Präsenz "eher durch konservative Firmenstrukturen und -Kulturen bedingt."

Gefragte Skills bei Freiberuflern

Heiß begehrt sind derzeit IT-Experten mit Know-how in den Bereichen Java-Programmierung, Mobile, Linux, ERP, Salesforce, SAP Hana und Scrum, meist in Funktion eines Projektleiters oder Projektmanagers. Branchenübergreifend verstärkt gefragt sind außerdem Security-Spezialisten.

Experten für agile Projektmanagement-Methoden sind vor allem gesucht in den von Maschinen-, Anlagen- und Automobilbau geprägten Regionen Baden-Württemberg und Bayern, ebenso wie in der Bankenhochburg Hessen. "IT und Automotive wachsen zusammen. Die Automobilindustrie hat es gut verstanden, sich hier zu positionieren und will diese Projekte auch gleich mit modernen, agilen Methoden aufsetzen", erklärt Kluge. In der Regel ergänzen IT-Spezialisten ihr fundiertes klassisches IT- und Branchen-Know-how um die Kenntnisse dieser Methoden.

Sven Herzberg, Goetzfried: "Die Frage ist, wie wir diese Transformation lösen: Günstige Freelancer für bestimmte Dinge anzubieten, und teure für anspruchsvollere Aufgaben."
Sven Herzberg, Goetzfried: "Die Frage ist, wie wir diese Transformation lösen: Günstige Freelancer für bestimmte Dinge anzubieten, und teure für anspruchsvollere Aufgaben."
Foto: Goetzfried AG

Von ihren IT-Freelancern erwarten Unternehmen neben der fachlichen zunehmend auch mehr soziale Kompetenz. Den klassischen Entwickler, der mit Pizza und Cola bestückt im Keller sitzend programmiert, gebe es inzwischen nicht mehr, so Dittes. Geschliffenes Auftreten, Teamfähigkeit, Beratungskompetenz und Präsentationssicherheit werden heute auch bei Freiberuflern vorausgesetzt. Allerdings seien Unternehmen momentan noch nicht bereit, ihre höheren Anforderungen auch entsprechend zu bezahlen. "Die Frage ist, wie wir diese Transformation lösen: Günstige Freelancer für bestimmte Dinge anzubieten, und teure für anspruchsvollere Aufgaben", konstatiert Herzberg.

Was Kunden und Freelancer beachten sollten

Personaldienstleister erwarten von IT-Freelancern wie von Unternehmen vor allem Verbindlichkeit bei getroffenen Vereinbarungen, eine realistische Einschätzung von Stundensätzen und seitens der Unternehmen eine frühzeitige Bekanntgabe von anstehenden Projekten. Noch viel zu stiefmütterlich behandelten viele Freelancer außerdem ihre Profilpflege, monieren die Experten.

Allerdings könnte sich der klassische Curriculum Vitae langfristig als Auslaufmodell erweisen, wie Troche zu bedenken gibt: "Das werden künftig eRecruiting Tools übernehmen".

Kluge appelliert an Freiberufler, ihre Position gegenüber dem Kunden und vor allem gegenüber dem Projektleiter selbstbewusster zu vertreten: "Freiberufler haben eine große Macht und die sollten sie stärker nutzen, um auch Lobby-Arbeit das Freelancer-Modell zu leisten."

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Olaf Barheine

In mittelständischen Unternehmen wird mit spitzem Bleistift gerechnet. Daher werden KMU wohl auch in Zukunft auf Vermittler verzichten und uns freie Berater und Entwickler direkt beauftragen.

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