Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.02.1982 - 

Schwere Zeiten für IBM-Konkurrenz angebrochen:

Für den Rest der Meute kaum eine Ruhepause

LONDON (CW) - In den Vereinigten Staaten sind sich Wall-Street-Experten und Marktforscher einig, daß die DV-Industrie ihre Erwartungen für 1982 kaum realisieren wird. Angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage werden alle Großcomputerhersteller mit Schwierigkeiten zu rechnen haben. Einzige Ausnahme sei IBM, die rechtzeitig eine neue Strategie entwickelt habe und sich auf den Kunden konzentriere.

Die neuen Maßnahmen der IBM wurden im letzten Jahr ersichtlich. Sie habe ein Signal gesetzt, auch künftig ihre marktbeherrschende Stellung zu verteidigen. "Da wird sich der Rest der Meute kaum eine Ruhepause gönnen können" schmunzelt ein Wall Street-Beobachter.

Von den starken Dollarkurs- und Devisenschwankungen jedoch ist auch Big Blue nicht verschont geblieben. So wurden bei allen großen Computerherstellern Gewinne verzerrt und Absätze gedrückt. Dies wird sich nach Meinung der Financial Times auch 1982 kaum ändern. Im vergangenen Jahr bekam die IBM-Konkurrenz, wie Sperry Univac-Chef Joseph Kroger feststellt, die veränderten Marktbedingungen zu spüren: "Von Woche zu Woche wurde der Wettberwerb härter, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch auf dem internationalen Markt." Der traditionelle DV-Markt entwickele sich zunehmend in Richtung Informationsverarbeitung. Damit verschwänden die Grenzen zwischen Datenverarbeitung und Kommunikation.

Insgesamt erwartet der Sperry-Präsident, daß der Wert der weltweit installierten Computer von 136 Milliarden Dollar im Dezember 1981 auf 217 Milliarden Dollar in 1986 steigen wird.

Im Zuge der veränderten Marktbedingungen haben nun die großen Computerhersteller reorganisiert. Im Grunde, so betont Sanford Garrett von dem Beratungsunternehmen Paine Webber Mitchell Huttchins, vollzieht sich diese Entwicklung nach den gleichen Regeln wie bei IBM. So habe Sperry Univac eine Reihe sich überschneidender Funktionen neu koodiniert sowie die Kommunikationswege in der Organisation gestrafft. Wichtig sei jedoch vor allem, daß eine völlig neue Geschäftsstrategie verfolgt und ein verbesserter Kundendienst angestrebt werde. Dennoch werde das Geschäftsjahr 1982 nicht leicht sein. Sperry Univac befinde sich mitten in einem Produktzyklus, so daß bis 1983 keine neuen Produkte angeboten werden können.

Das gleiche gilt für die Honeywell Inc. Auch hier änderte sich laut Financial Times in den vergangenen 18 Monaten einiges. So wurde beispielsweise Anfang des Jahres die Geschäftsleitung für Informationssysteme reorganisiert. Diese habe den Zweck, Planung, Entwicklung und Herstellung aller Informationsprodukte zu integrieren. Der größte Unsicherheitsfaktor für das US-Unternehmen liege aber in seiner 47 prozentigen Beteiligung an Cii-Honeywell Bull, dem französischen, mit Verlusten arbeitenden Computerhersteller. Honeywell verhandelt derzeit über einen Verkauf.

Die einschneidendsten Veränderungen jedoch zeichnen sich bei Burroughs unter der Führung des ehemaligen US-Finanzministers Michael Blumenthal ab. Seine langfristig geplanten Maßnahmen dienen dazu, das Unternehmen wieder zu stärken. Bis jetzt sei es ihm gelungen unrentabel und mit Verlust arbeitende Abteilungen und die Kreditaufnahme drastisch zu reduzieren. Zudem dezentralisierte der Burroughs-Chef den Vertriebsbereich und die Produktentwicklung und bemühe sich intensiv darum, den Kundendienst zu verbessern. Damit sollen die verminderten Absatzchancen der vergangenen fünf Jahren wieder wettgemacht werden. Von der Übernahme des mit Verlust arbeitenden Speicherherstellers Memorex zeigte sich anfangs der Markt überrascht. Langfristig jedoch ist die Maßnahme Garrett zufolge bestens dazu geeignet, die Position Burroughs auf dem Peripheriegerätemarkt auszubauen.

Von allen Computerunternehmen hat sich aber, wie der Marktanalyst betont, Control Data am besten gehalten. Grund dafür sei die starke Stellung des Unternehmens auf dem Peripheriegeräte-Markt. Dieser Geschäftszweig ist jedoch ebenfalls empfindlich für die derzeitige Wirtschaftslage und kann in der ersten Hälfte des laufenden Jahres Verluste ausweisen. Bis Mitte des Jahres sieht Garrett nur geringe Zuwachsraten, so daß sich bei den meisten DV-Unternehmen erst gegen Ende dieses oder im folgenden Jahr wieder Wachstumsraten einstellen werden.