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24.04.1987 - 

Noch kocht jeder Anbieter sei eigenes Süppchen:

Für Desktop-Publishing fehlt Systemumgebung

FRANKFURT (CW) - In der jetzigen Frühphase seiner Entwicklung bleibt Desktop-Publishing zunächst eine isolierte Anwendung. Diese Meinung zu einem Schlagwort, das sich derzeit in fast aller Munde befindet, vertritt der Diebold Managament Report in seiner jüngsten Ausgabe.

Die Begründung für diese einige Anbieter sicher enttäuschende These: Ein Dokument könne ausschließlich innerhalb des Systems bearbeitet werden, in dem es erstellt wurde, und falls ein Dokument elektronisch übertragen werden soll, so müsse der Empfänger heute noch über das gleiche System verfügen. Vorerst spricht wenig dafür, meinen die Frankfurter Unternehmensberater, daß sich dieser Zustand in absehbarer Zeit ändern werde.

Zwar gäbe es weitgehende Vereinbarungen über die Art der Beschreibung eines zu druckenden Dokuments, doch könnten die Softwareprodukte der diversen Hersteller nicht miteinander kommunizieren. Diebold hält es allerdings für möglich, daß beispielsweise das Unternehmen Aldus (Entwickler der Pagemaker-Software) als Anbieter einer mittlerweile systemunabhängigen Software Standards setzen könne, um einen Dokumentenaustausch über Systemgrenzen hinweg zu erreichen.

Für Anwender steigt die Unsicherheit

Trotz aller Hemmnisse ist Desktop-Publishing aber mittlerweile zu einem Marktfaktor geworden. Noch hält Apple in diesem Sektor den Platz eins, meint der Diebold-Report, doch die Softwarehäuser, die Apple einst halfen, auf diesem Markt diese Position einzunehmen, seien inzwischen dabei, ihre Pakete der IBM-Welt zugänglich zu machen. Ein typisches Paket sei das bereits erwähnte Pagemaker, das in einer IBM-PC-AT-Variante auf den Markt kommen soll.

Dieser Markt wächst schnell. Amerikanische Marktforscher wie Dataquest schätzen ihn für dieses Jahr auf ein Volumen von rund 800 Millionen Dollar. Bis 1990 soll er sich fast auf 5,4 Milliarden Dollar versiebenfacht haben. Allerdings geht diese Prognose davon aus, daß die gesamte PC-Welt mit dem Betriebssystem MS-DOS in diesen Desktop-Publishing-Markt einsteigt. Mittlerweile schicken sich jedoch Hersteller von Mehrplatz-Mikrocomputern wie Apollo, Sun oder DEC an, verbesserte Formen des Desktop-Publishing auf den Markt zu bringen.

Die Diebold-Berater glauben, daß sich die gesamte Unix-Rechner-Familie auf diesen Markt stürzen wird. Und die Experten haben auch bereits einen neuen Begriff dafür entdeckt: Workstation-Publishing. Damit wächst zwar die Auswahl an Systemen, aber für den Anwender steigt auch die Unsicherheit, wieviel in ein vernünftiges System investiert werden muß. Denn mit den Preisen variiert der Komfort. Komplette Ausrüstungen einschließlich Scanner, Laserdrucker, PC und Software gibt es ab 30 000 Mark; nach oben sind den Kosten kaum Grenzen gesetzt.

In der Bundesrepublik Deutschland werden Desktop-Publishing-Systeme und -Software derzeit von etwa 25 Unternehmen vertrieben. Von einer ausgereiften Technik, wie sie manche Hersteller in ihren Werbebroschüren versprechen, könne jedoch noch lange nicht die Rede sein, schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in einer ihrer jüngsten Ausgaben. Nach Ansicht von Fachleuten erfülle die "Hausdruckerei auf dem Schreibtisch" bei weitem noch nicht die in sie gesetzten Erwartungen.

Doch der Markt kommt. Mehr als 250 000 potentielle Nutzer, so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", vermutet David Henry Goodstein, Präsident der Bostoner Beratungsfirma Interconsult, allein in den Vereinigten Staaten. Goodstein rief 1985 die CEP-Konferenz (Corporate Electronic Publishing) ins Leben, eine Messe, die vom 10. bis 12. Juni erstmals auch in Frankfurt stattfinden wird.

Im Gegensatz zur Dataquest-Prognose stehen konservative Schätzungen, die ein Marktvolumen für DTP-Produkte bis 1990 von etwa einer Milliarde Dollar für möglich halten. Goodstein hingegen nimmt Weltumsätze von rund vier Milliarden Dollar zu diesem Zeitpunkt an. Für die Bundesrepublik allein existiert derzeit noch keine Prognose.

Das verwundert nicht: Schließlich gab es am Eröffnungstag der Hannover-Messe CeBIT im Messe-Informationscomputer das Stichwort "Desktop-Publishing" noch nicht, beobachtete die "Frankfurter Allgemeine". Dies änderte sich jedoch, als die Aussteller das Interesse der Besucher an der neuen Technik bemerkten. Eingeweihte vermuteten sogar, daß mancher Hersteller erst "um den 4. März herum" sein DTP-Produkt entdeckt habe.

Inzwischen hat DTP-Pionier Apple ein neues Schlagwort entdeckt: Mit "Desktop-Communications" versucht das Unternehmen zu alten Glanzzeiten zurückzufinden. Nicht Daten, so Apple-Chairman John Sculley, sondern Dokumente sind die bestverständlichen Einheiten der Datenverarbeitung. Laut Sculley sei nicht die Verbindung von Rechnern, nicht die technische Tüftelei in DV-Modellen das Ziel der nächsten Generation der PCs, sondern: "Wir verbinden Menschen."