Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.09.1978 - 

Konrad Supper (GMD) vergleicht DB-DC-Systeme:

Für die DB-Auswahl ist mehr Sorgfalt nötig

BERLIN (ee) - "Das, was der Hersteller ein Datenbank-(Management)-System nennt, ist ein Datenbanksystem", stellte Konrad Supper von der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (Bonn) als rhetorische These seinem "Vergleich von DB-DC-Systemen" in einer Workshop-Reihe des IKD in Berlin voran. Mit respektloser Deutlichkeit entblätterte er aber sogleich diese These, denn: "Häufig sind dies nur Dateiverwaltungsprogramme, Abfragesprachen und so weiter. Die

Grenze sind fließend. Es fehlen allgemein anerkannte Entscheidungsmaßstäbe."

Zur Charakterisierung des Begriffs DBS werden, so Supper in seinem Vortrag, den wir hier auszugsweise wiedergeben, folgende Leistungen genannt:

- Erleichterung von Einzelabfragen

- Ausgabe von Berichten

- Speicherung und Änderung von Daten

- Unterstützung von Beziehungen zwischen Daten

- Unterstützung verschiedener (logischen und physischer) Zugriffspfade

- Unabhängigkeit der Anwendungsprogramme von den gespeicherten Daten

- Konkurrierender Zugriff

- Datenschutz unterhalb "Dateiebene"

- Datensicherung je Programm/Transaktion

- Hilfe für Überwachung der Datennutzung

- Hilfe für Messung der Performanz

- Hilfe für Optimierung

- Anpassungsfähigkeit an DV-Umgebung (Sprache, Betriebs- und DC-System, Hardware, ....)

Jede einzelne Leistung aus diesem Spektrum wäre eine eigene Diskussion wert. Es sei nur darauf hingewiesen, daß kaum ein DBS existiert, das alle diese Leistungen anbietet. Bleibt noch die Frage zu klären: "Was ist ein DB/DC-System?" Supper-These: Ist die Mehrheit der DBS-Leistungen on-line verfügbar, nennen wir die Kombination von Programmen, die DBS- und Datenfernverarbeitungsleistungen erbringen, ein DB/DC-System.

Es ist hierbei unerheblich, wieviele Programme und/oder Hersteller diese Leistung anbieten. Es wird wiederum nichts über die Qualität der DBS- oder Datenfernverarbeitungsteile und die Qualität der Abstimmung dieser Teile aufeinander ausgesagt.

Man kann davon ausgehen, daß unter der Typbezeichnung "Datenbanksystem" heute mehr als 300 verschiedene Produkte angeboten werden. Die meisten von ihnen sind kompatibel mit

þmehreren Hardwaretypen

þmehreren Betriebssystemfamilien

þmehreren Datenfernverarbeitungsteilen

þeiner Vielfalt weiterer Zusatzpakete (Reportwriter, Data Dictionaries etc.)

(Einen teilweisen Eindruck hiervon vermitteln die Tabellen 1 - 3.)

Die bekanntesten Systeme sind immer wieder in den Übersichten der Fachpresse aufgeführt. Offen bleibt dabei immer die Frage, ob es nicht ein weniger bekanntes DBS gibt, das die eigenen Anforderungen besser erfüllt. Eine vollständige, aktuelle Übersicht über die DBS-Marktsituation ist jedoch nie zu bekommen.

Die Einschaltung von Spezialisten, die den Markt diesbezüglich ständig beobachten, Kongresse besuchen, Zeitschriften auswerten, ist hier sicher eine - wenn auch begrenzte Hilfe. Sie erspart häufig Zeit und Kosten und bewahrt vielleicht sogar vor Fehlentscheidungen.

Es gibt Organisationen, die von der folgenden These ausgehen: Nur die DBS, die bereits mehrmals eingesetzt werden (entsprechend vermarktet werden), erhalten auch die notwendige Unterstützung für den Systemalltag.

In dieser Vereinfachung ist, so Supper, diese Aussage sicher falsch und doch ist dies Kriterium für die Auswahl eines DBS sicher eine praktikable Hilfe.

Literatur alleine ist jedenfalls keine geeignete Basis für die Auswahl eines DBS. Die Herstellerliteratur ist häufig

þsehr umfangreich,

þschwer verständlich,

þIückenhaft.

Die Auslassungen betreffen weniger tatsächlich gebotene Systemleistungen als - verständlicherweise - Beschreibungen der Leistungen

þdie im Vergleich zu anderen DBS fehlen

þdie nur mit hohem, maschinellem personellem oder organisatorischem Aufwand des Anwenders erbracht werden.

Die Nicht-Herstellerliteratur beschreibt die Systeme meist nur auf einem sehr theoretischen Hintergrund. Dabei (...)den

konkrete Anwendungsfälle oder

þFragen der Qualität der Realisierung von DBS-Leistungen kaum erfaßt.

Tabellarische Übersichten, wie etwa der ISIS-Katalog oder vergleichbare Kurzdarstellungen, wie etwa die Reihe "Kurzbeschreibungen von Information Storage and Retrieval Systeme" der GMD sind eine gute Hilfe für die Vorauswahl, jedoch ungenügend für die endgültige Entscheidung. Die Beschaffung aktueller Informationen über eine Vielzahl von Systemen wird zudem weiter erschwert durch die relativ schnelle Entwicklung auf dem Gebiet der DBS. Manche Hersteller geben mehrmals pro Jahr eine neue Version ihres DBS frei.

Praktisch testen

Aber auch praktische Tests sind nicht problemlos, denn: Ergebnisse praktischer Tests lassen sich nur in wenigen Fällen auf andere Organisationen übertragen.

Dies liegt vor allem daran, daß noch keine allgemein anerkannten Kriterien vorliegen, die es erlauben würden, eine Aussage folgender Art zu machen: "Die Anwendung des DBS in unserem Hause entspricht der bei der Organisation X (ist vom selben Typ)". Weil derartige typbildende Kriterien fehlen und die DBS laufend weiterentwickelt werden, gibt es keine anerkannten Testreihen. Der Test müßte also jeweils für den konkreten Fall gefahren werden (Benchmarking). Die dadurch entstehenden Kosten werden vielfach für zu hoch gehalten.

Keine Organisation, die das Auswahlproblem noch zu lösen hat, verfügt über hinreichende eigene Erfahrungen für alle in die engere Wahl genommenen DBS, um den Test sinnvoll alleine durchführen zu können.

Auch bei Beratungsfirmen liegen derartige auf dem laufenden Einsatz verschiedener DBS beruhende Erfahrungen praktisch nicht vor. Deshalb sollte an solchen Tests auf jeden Fall der Hersteller beteiligt werden. Selbst wenn eine Organisation einen derartigen praktischen Test durchführt, bleiben noch einige Probleme ungeklärt.

Erfassung des Systemalltags

Mehr noch als die theoretisch verfügbaren Leistungen sollte das Verhalten des Systems im Alltag als Vergleichskriterium herangezogen werden, weil nur "echte Anwender" über die zur Beschreibung des Systemalltags notwendige Information verfügen.

Anwendererfahrungen sind über DBS-Benutzerarbeitskreise zu erhalten. Diese lassen jedoch nur solche Organisationen zu, die das DBS bereits einsetzen. Als letzte Möglichkeit bleibt dann die direkte Anwenderbefragung. Diese kann auch nach Eingrenzung auf die "letzten" Kandidaten erfolgen. Sie liefert in jedem Fall eine Fülle von Informationen, die vom Hersteller nie zu erhalten wären und ermöglicht so eine viel fundiertere Auswahl. Zu den nur auf diese Art zu gewinnenden Informationen gehören:

þGenerierungsaufwand

þPerformance

þProbleme des Zusammenspiels mit anderen Softwarepaketen (TP-Systemen, Data Dictionaries)

þBenutzerfreundlichkeit

þFehlerhäufigkeit der Systeme

þErfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Hersteller.

"Datenbanksysteme einzusetzen ist Mode", schließt Supper und sagt: "Viele Organisationen beginnen mit dem DBS-Einsatz, ohne die organisatorischen, personellen und kostenmäßigen Folgen auch nur entfernt abschätzen zu können (zu wollen?)."

Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes DBS verdient mehr Sorgfalt als die für irgendeine andere Software. Von ihr hängen Entscheidungen über Hardwareausbau, kompatible Software (Reportgeneratoren, Data Dictionaries, DC-Systeme) ab. Der Vergleich von DB/DC-Systemen darf und muß hohen Aufwand verursachen, da eine einmal gefällte Entscheidung kaum revidierbar ist.