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12.04.1991 - 

Computermulti soll nicht zur japanischen Marionette werden

Für die Groupe Bull greift der Staat wieder tief in die Tasche

PARIS (CW) - Einmal mehr kann sich die Groupe Bull auf ihren Hauptaktionär, den Französischen Staat, verlassen. Der finanziell schwer angeschlagene Pariser Computermulti wird in diesem und im nächsten Jahr kräftige Kapitalspritzen von der Regierung erhalten. Auch die französische Thomson-CSF kommt in den Genuß von staatlichen Zuschüssen.

Mit insgesamt rund 8,48 Milliarden Franc (rund 2,54 Milliarden Mark) will die französische Regierung in den kommenden Jahren der Groupe Bull und Thomson-CSF unter die Arme greifen. Dabei wird der Computerkonzern den größten Teil der Staatshilfen absahnen. Für dieses wie für das nächste Jahr sind Finanzspritzen in Höhe von jeweils zwei Milliarden Franc (zirka 600 Millionen Mark) geplant. Hinzu kommen 2,68 Milliarden Franc an Forschungsgeldern für das auf rund 14 Milliarden Franc veranschlagte und fünf Jahre dauernde Forschungsund Entwicklungsprogramm, mit dem Bull zu einem "Major Player" in der offenen Systemwelt werden will.

Gegenüber Kritikern die gegen die erneuten Subventionen für Bull sind, begründete Industrieminister Roger Fauroux laut "Wall Street Journal" die Unterstützung damit, verhindern zu wollen, daß das Unternehmen "zu einer Marionette in der Hand der Japaner werde" - wie die britische ICL bei Fujitsu.. Nach wie vor wünsche er sich einen starken Partner für Bull, wobei dieser aus Europa oder den USA kommen solle. Aber, so Fauroux weiter, das Unternehmen könne keine größeren Allianzen eingehen, solange es seine finanzielle Situation nicht verbessert habe.

Der Elektronikkonzern Thomson-CSF, ebenfalls in Staatsbesitz, darf sich in diesem Jahr auf 1,8 Milliarden Franc frisches Kapital freuen. Damit sollen die Verluste der Konsumelektronik-Sparte abgedeckt werden, die laut Thomson-Offiziellen nicht vor 1995 wieder Gewinn abwerfen wird. Dieser Zuschuß folgt den bereits bewilligten drei Milliarden Franc für das auf fünf Jahre veranschlagte Thomson-Engagement im Bereich des hochauflösenden Fernsehens (High Definition Television - HDTV).

Die Subventionspläne der französischen Regierung bedürfen allerdings noch der Zustimmung der EG-Kommission in Brüssel. Die Regeln der Europäischen Gemeinschaft verbieten nämlich derartige Staatszuschüsse - zumindest theoretisch. Vor allem Martin Bangemann, Kommissar für industrielle Angelegenheiten, ist einem Bericht des "Wall Street Journals" zufolge - ein erklärter Gegner von Staatszuschüssen zur Unterstützung nationaler Champions. Von Sprechern in Paris verlautete indes, man glaube nicht, daß der EG-Kommissar Sir Leon Brittan die beabsichtigten Kapitalspritzen in Frage stellen werde. Zum einen habe Industrieminister Fauroux in einem Gespräch mit Sir Leon bereits geltend gemacht, daß aufgrund der strategischen Bedeutung der Elektronik eine solche Hilfe gerechtfertigt sei. Zum anderen müßten die Zuschüsse als Maßnahme eines Großaktionärs bewertet werden und nicht als Staatsbeihilfe.