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26.05.1978

Für die MDT reicht kein normaler Führerschein

Mit Peter Lange-Hellwig, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rechenzentren, sprachen Dieter Eckbauer und Elmar Elmauer

- Nur etwa zehn Prozent der bundesdeutschen Rechenzentren haben ihre Anlagen dialogfrei. Verschlafen neun von zehn Rechenzentren auf ihrer Batch-Organisation die Zukunft?

Diese neun von zehn Rechenzentren sind bemüht, sich durch ein Gemeinschaftsprojekt an die Dialogfähigkeit der eigenen Programme und der eigenen Installation heranzutasten. Das ist eine Frage des Kapitaleinsatzes.

- ...wobei wir uns darüber einig sind, daß die Dialogfähigkeit ein wichtiger RZ-Dienst für die Zukunft ist.

Wenn die Service-Rechenzentren ihren Marktanteil ausweiten wollen, dann müssen sie in Bereiche gehen, die ihnen bisher verschlossen waren. Das heißt, zeitkritische Arbeiten, die der Unternehmer möglichst kurzfristig erledigt haben möchte, müssen auch von Service-Rechenzentren bewältigt werden können. Man muß also dem Unternehmer kleinere Anlagen hinstellen, mit denen er zeitkritische Auswertungen im Hause erledigt, während die restlichen achtzig bis neunzig Prozent im Service-Rechenzentrum verarbeitet werden. Generell wird der Batchanteil von achtzig bis neunzig Prozent wohl auch in Zukunft erhalten bleiben.

- Haben die Rechenzentren in der Vergangenheit überhaupt genügend verdient, um die Dialoginvestitionen durchführen zu können. Oder ist damit zu rechnen, daß einige Servicebetriebe über diese Finanzierungswelle stolpern?

Wir haben bei den Servicerechenzentren wie in anderen Branchen einen natürlichen Abgang und einen natürlichen Zugang. Wir werden wohl in Kürze eine neue Schwelle haben. Möglicherweise werden nicht alle Servicerechenzentren in die Lage versetzt, diese Investitionsschwelle ohne weiteres zu bewältigen.

- Herr Lange-Hellwig, Sie haben sehr elegant formuliert, die gewerblichen Service-Rechenzentren müßten, um ihren Marktanteil zu erweitern, Dialog-Möglichkeiten anbieten. Ist es aber nicht vielmehr so, daß die Servicebranche unter dem Konkurrenzdruck der MDT-Hersteller geradezu gezwungen ist, diese Dienste anzubieten, um ihren Marktanteil überhaupt halten zu können?

Die Service-Rechenzentren haben in den letzten Jahren kontinuierlich Umsatzzuwächse verzeichnen können, und zwar etwa immer in der Größenordnung von acht bis fünfzehn Prozent. Wenn wir von dieser Entwicklung ausgehen, ist also nicht unbedingt gesagt, daß wir um die Erhaltung dieser Marktanteile bangen müßten. Aber wir müssen ja weitergehen. Und deswegen müssen wir uns umorientieren und uns dieser Konfrontation in der neuen Technologie stellen - aber unter dem Gesichtspunkt der Marktausweitung. Ich kann übrigens nicht sehen, daß wir unter Druck stehen. Zudem ist es ja wohl so, daß der Preisverfall ausschließlich auf die Großserienproduktion der Komponenten zurückzuführen ist. Die mittlere Datentechnik, die uns im Angebot am Markt gegenübersteht, ist davon genauso wie wir betroffen. Nur ging die MDT dazu über, der Kopflastigkeit von Folgekosten durch Unbundling zu entsprechen. Im Endeffekt wird das Angebot der MDT genauso teuer werden müssen wie das Angebot von den Service-Rechenzentren.

- Sie sagen, im Endeffekt: Ist daraus anzulesen, daß im Augenblick die

MDT als Gesamtpaket eben doch billiger als der Dienst eines Rechenzentrums ist?

Das kann man so nicht vergleichen, dann müßte man sich den Argumenten der AMT stellen, die ihr Angebot doch in erster Linie unter dem Hardwarekostenaspekt betrachtet. Wir als Service-Rechenzentren legen die Betonung auf Service und weniger auf die zur Verfügungstellung von Kapazität.

- Nun sagen Sie, die Betonung liege auf dem Servicegedanken. Uns scheint aber, nachdem jetzt Rechenzentren darangehen, Hardware anzubieten, daß die Branche selbst dem ursprünglichen Gedanken des reinen Servicedienstes unter dem Druck des Marktes untreu wird.

Das ist sicher richtig. Wir müssen den Kunden heute aber auch Hardware mitanbieten. Wir tun das, um sie nicht dem ausschließlichen Angebot, der Hersteller direkt zu überlassen. Wir können davon ausgehen, daß heute alle Service-Rechenzentren in der Lage sind, Datenendgeräte zur Verfügung zu stellen.

- Wenn jetzt Neukunden von ihrer Umsatzgröße in die EDV hineinwachsen: Sind die dann auch reif für das Dienstleistungsangebot eines Rechenzentrums?

- Ich möchte dazu sagen, daß das Service-Rechenzentrum nicht die EDV der kleinen Leute ist. Wir haben Kunden, die machen fünfzigtausend Mark pro Monat, und wir haben Kunden, die machen einen Umsatz von 100 Mark im Monat.

- Rechenzentren akzeptieren Kleinstkunden aber doch nur als Deckungsbeitragslieferanten und umwerben sie nicht von vorneherein massiv als Kunden?

Das ist nicht ganz richtig. Man muß natürlich sorgfältig abwägen, wieweit man im Rechenzentrum den Vertrieb darauf ansetzt, nun die kleinsten Betriebe für die Datenverarbeitung außer Haus zu erschließen. Das ist ein betriebswirtschaftliches Problem. Aber die Kunden, die beispielsweise über Großgruppenerfasser (wie die steuerberatenden Berufe) auf ein Großrechenzentrum zukommen, die machen die größte Anzahl der DV-Anwender überhaupt aus. Und die Rechenzentren sind für diese Kunden die einzige Alternative, DV zu betreiben. Service-Rechenzentren sind also gut beraten, wenn sie sich gerade um jene Handwerks- und Handelsbetriebe kümmern, die hier noch unbedarft von Datenverarbeitung ihren Weg gehen.

- Aber noch sind RZ-Kunden mehrheitlich erfahrene EDV-Anwender?

Das ist historisch gewachsen. Einmal kamen die Betriebe über Rechenzentren in die EDV rein. Wir haben auch eine Vielzahl von Ablösungen, wo Mittelklassecomputer in der Größenordnung von fünftausend bis zwanzigtausend Mark Monatsmiete durch den Servicebetrieb abgelöst werden, der alles übernimmt.

- Sie haben erst gesagt, ein Sockel von achtzig bis neunzig Prozent batchorientierter Anwendungen werde auch künftig bestehen bleiben. Welche Applikationen sind das?

Das sind, abgesehen von branchenspezifischen Programmen, überwiegend Standardpakete wie die Finanzabrechnung, Lohn und Gehalt, Statistiken ...

- Jetzt sind wir am Punkt: Genau diese Lücke zielen doch die dialogorientierten Plattensysteme, sowohl der Mainframer als auch der Minicomputerhersteller. Und für Klein- und Mittelbetriebe sieht die Rechnung heute eben anders aus als vor fünf Jahren, als man im Rechenzentrum eben Lohn und Gehalt einfach billiger, wirtschaftlicher machen konnte. Hier stehen sie in Konkurrenz, hier stehen sie mit dem Rücken an der Wand. Da wüßten wir doch gerne, wie sie jetzt auf Sicht dieses Problem lösen wollen?

Ich sagte Ihnen ja, wir haben unseren Kundenstamm und versuchen natürlich die Arbeitsgebiete auszudehnen. Das Problem ist nicht die Hardware, um das grundsätzlich noch einmal zu sagen, sondern es ist der Fullservice. Letztendlich kann es dem Unternehmer draußen völlig gleichgültig sein, mit welchen Anlagen die Problemlösung erbracht wird, wenn sie kostengünstig, termingerecht und sachlich richtig angeboten wird.

- Es ist dem Unternehmer aber nicht gleichgültig, ob er diese Dienstleistung beim Rechenzentrum bezieht oder ob er mit einer Kleinanlage im eigenen Haus das Auslangen findet, zumal Sie nicht bestreiten werden, daß die spektakulären Preissenkungen im Hardware-Bereich auch dem hierzulande verbreiteten Besitzstreben nach dem eigenen Computer entgegengekommen sind.

Da kann ich Ihnen zustimmen, was diese Beobachtung anlangt. Wir sind ja seit Jahren bemüht, dem Prestigegedanken des Computerbesitzes durch betriebswirtschaftliche Aufklärung entgegenzuwirken. Daß aber gerade in Zeiten des billigen Geldes die Verbreitung von Stand-alone-Anlagen der mittleren Größenordnung unter besonderen Einflüssen steht, das gebe ich zu.

- Sie argumentieren, daß der Schritt ins Rechenzentrum erleichtert wird, weil die Hardware nicht mehr die entscheidende Rolle spielt. Sie lassen dabei aber Software außer acht, die als "festgeschriebene Organisation" vom Betrieb nicht loszulösen ist. Überdies ist wohl unstrittig, daß das EDV-Know-how vom Management runter bis zum letzten Sachbearbeiter ganz allgemein zugenommen hat.

Spezialisten werden immer teurer, und die Ansprüche an den Ausbildungsstand und an die Qualifikation des Personals werden immer größer. Sie wissen selbst, daß sie auf dem Stellenmarkt heute in unserer Branche kaum gute Leute bekommen. Gerade mittlere und Kleinbetriebe, und das ist der RZ-Markt, rechnen doch mit spitzem Stift: Dennoch wird oft übersehen, daß eben ein Computer, der im eigenen Hause steht, so lange nichts leistet, wie er nicht bedient wird.

- Noch einmal zurück zur Organisation, zur Softwarefrage. Steht nicht in gewissem Widerspruch, daß Sie auf der einen Seite Individualität anbieten wollen und damit tief in die Organisation des einzelnen Kunden hineingehen, auf der anderen Seite aber gucken müssen, wie sie möglichst mit rechenzentrumsinternen Standards und ohne großen Aufwand diesem Auftrag gerecht werden wollen?

Standard und Standard ist ein Unterschied. Standardpaket der MDT-Hersteller sind zwangsläufig schmaler zugeschnitten als Standardpakete von Service-Rechenzentren, die für größere Anlagen ausgelegt sind. Die Komplexität der Standards von Service-Rechenzentren schließt eine hohe Flexibilität ein. Die Standards müssen mandantenfähig sein, das heißt, von einer Vielzahl von Kunden mit unterschiedlichen Änderungswünschen verwendbar, insofern werden die Service-Rechenzentren die Standards der MDT überhaupt nicht zu fürchten haben ...

- ... Nun behauptet die MDT, auch von jedermann programmiert werden zu können?

Das Schlagwort von jedermann programmierbar gibt's sicher.

Anzuerkennen ist, daß eine Vielzahl von kleinen Anlagen heute sehr leicht zu programmieren ist. Dies gilt aber in Besonderheit für Terminals und dialogfähige Datenendgeräte, die ihrerseits wieder ohne den Großcomputer nicht leben können. Für Stand-alone-Anlagen gilt dies nicht. Es ist ein Trugschluß, daß man davon ausgehen kann ein Mittelklassecomputer sei mit dem normalen Führerschein zu fahren. Es hat den Anschein, daß die Argumentation einiger MDT-Verkäufer keine hohen Anforderungen an den intellektuellen Reifegrad der Unternehmer stellt.