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22.02.1991 - 

Chance für liquiditätshungrige Betriebe

Für die neuen Bundesländer ist Leasing maßgeschneidert

Computerleasing hat in den fünf neuen Bundesländern eine große Zukunft. Angesichts des immensen Erneuerungsbedarfs der Unternehmen kann man ein beträchtliches Anwachsen des dortigen Leasingvolumens prognostizieren.

Zwar hatte der frühere SED-Staat gewaltige Mittel in die Branche Elektrotechnik, Elektronik und Gerätebau investiert - in den 80er Jahren verdreifachten sich die Investitionen auf über sechs Milliarden Mark Doch erreichte die DDR nie das Produktionsniveau und den technischen Standard des Westens. Im Osten Deutschlands sind folglich überwiegend veraltete oder technisch primitive Rechner im Einsatz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung des Kronberger Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC Deutschland GmbH.

Die sich langsam erholende Wirtschaft im Osten Deutschlands dürfte das Leasinggeschäft langfristig kräftig ankurbeln. So stellt das Münchner Ifo-Institut in seinem zweiten Konjunkturbericht einen "vorsichtigen Optimismus" fest. Anlaß zur Zuversicht gäben vor allem Bau und Handelsunternehmen, die Tourismus- und Verkehrsbranche, das Gastronomie und Hotelgewerbe sowie Banken und Versicherungen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einer "Neuorientierung und gewissen

Konsolidierung, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erkennt angesichts von 200 000 Gewerbeanmeldungen seit der Währungsunion "unübersehbare Fortschritte" und Detlev Rohwedder, Chef der Berliner Treuhandanstalt sagte, "viele Betriebe schaffen es, sich festzukrallen". Das große Firmensterben im Osten sei ausgeblieben. Allerdings hat die Treuhand die größte Aufgabe noch vor sich. Von den rund 8000 ehemaligen volkseigenen Betrieben sind erst einige hundert privatisiert. Etliche Firmen, so kündigte Rohwedder unlängst an, sollen schließen oder Tausende von Arbeitern entlassen.

Bei allem Optimismus darf auch nicht übersehen werden daß vielfach die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch nicht stimmen. Viele Investoren zögern, obgleich laut Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT) etwa die Hälfte der westdeutschen Unternehmen in den neuen Bundesländern investieren möchten. Die Gründe: die Rechtsunsicherheit in Eigentumsfragen, der Mangel an qualifiziertem Personal, die Höhe der Sanierungskosten und eine mangelhafte Infrastruktur.

Das erklärt denn auch, daß die verbilligten Kredite aus dem ERP-Programm nur langsam abfließen: Von den insgesamt 7,5 Milliarden Mark warteten bis Ende November noch 1,4 Milliarden auf einen Antragsteller.

Computerleasing in der alten Bundesrepublik hat mit einem Anteil von 40 Prozent gemieteten oder geleasten Anlagen die höchste Leasingquote überhaupt. Vergegenwärtigt man sich ferner, daß etwa 2000 Computerhandelsfirmen und Systemhäuser sowie 500 Vertriebsorganisationen von Herstellern rund 30 Milliarden Mark Umsatz erwirtschaften, wird klar, wie bedeutend das Geschäft mit Computerleasing ist. Denn westdeutsche Unternehmen leasen zunehmend hochwertige EDV-Anlagen - ein Trend, dem sich über kurz oder lang auch die Bundesländer Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg anschließen dürften.

Für die liquiditätshungrigen Betriebe in den fünf neuen Bundesländern scheint Leasing geradezu maßgeschneidert zu sein. Denn die Möglichkeit, ein Computersystem zu leasen statt zu kaufen, hat einiges für sich: Die Leasingraten für Gerät und Software lassen sich als Betriebsausgaben in vollem Umfang steuerlich absetzen. Während beim Kauf der ganze Kaufpreis auf einmal fällig wird, schont Leasing die Liquidität der Firma und belastet nicht den Kreditrahmen. Die Ursprungsidee des Leasing - pay-as-you-earn - gilt auch beim Computerleasing: Der Leasingnehmer hat monatlich feste Zahlungen - und nutzt gleichzeitig das Gerät. Außerdem sind die Leasingkosten fest vereinbart, Erhöhungen während des laufenden Vertrages mithin ausgeschlossen. Die monatlichen Zahlungen sind zudem eine klare Kostengrundlage, die die Kalkulation erleichtert.

Die Laufzeit der Verträge orientiert sich gewöhnlich an den steuerlichen Afa-Zeiten; Kredite hingegen müssen in der Regel schneller zurückgezahlt werden, als der gekaufte Computer oder die Maschine genutzt werden können. Ferner ist Leasing absolut bilanzneutral, es erweitert den Spielraum unternehmerischen Handelns und ist schließlich nicht teurer als kaufen, wie ein exakter Kostenvergleich zeigt. Als Faustregel beim Computerleasing gilt: Bei einer Kaufsumme von mehr als 20 000 Mark stellt Leasing gegenüber Kauf und Finanzierung zumeist die günstigere Lösung dar. Bei Beträgen unter 20 000 Mark ist der Kauf dann zu empfehlen, wenn ausschließlich Zahlen gegenübergestellt werden; andere Kriterien können auch in diesen Größenordnungen für Leasing sprechen.

Für Betreiber von EDV-Anlagen ist Leasing auch unter einem anderen Gesichtspunkt interessant: Computer altern ungeheuer schnell, das Innovationstempo ist rasant. Bei den Personal Computern kam in den vergangenen neun Jahren etwa alle zwei, drei Jahre eine neue Gerätegeneration auf den Markt. Leasingnehmer jedoch können bei entsprechend gestalteten Verträgen problemlos das alte gegen das neue Modell tauschen - und entgehen damit dem Risiko, nach zwei oder drei Jahren mit einer völlig veralteten Anlage arbeiten zu müssen. Leasing ist mithin eine günstige Chance ohne größere Kreditaufnahme in den Besitz und Nutzen modernster Technik zu gelangen. Wer leasen will, sollte auf jeden Fall Preise vergleichen und sich vor allem die Vertragspartner genau ansehen: In Zeiten einer "brummenden" Konjunktur mischt sich manch schwarzes Schaf unter die angesehenen Firmen. Insgesamt offerieren 1348 Leasinganbieter ihre Dienstleistungen auf dem Markt in der Bundesrepublik.

Investitionszulage für Leassingnehmer

Unternehmer in den fünf neuen Bundesländern, die jetzt Computeranlagen leasen, verbinden die aufgeführten Vorzüge des Leasings mit einem weiteren: Sie erhalten eine Investitionszulage, wenn sie mit dem richtigen Leasinggeber zusammenarbeiten. Nach der "Verordnung über die Gewährung und Beantragung von Investitionszulagen für Anlageninvestitionen - Investitionszulagenverordnung" vom 4. Juli 1990 - wird vom 1. Juli 1990 bis 30. Juni 1991 eine Zulage von zwölf Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten für Wirtschaftsgüter gewährt. Vom 1. Juli 1991 bis 30. Juni 1992 (Auslieferung bis 31. Dezember 1994 möglich) beträgt die Zulage acht Prozent des Kaufpreises. Im übrigen gelten im wesentlichen die bundesrepublikanischen Bestimmungen.

Gesellschaften wie die Deutsche Leasing (DL) AG in Bad Homburg, die durch eine Zweigniederlassung in Ost-Berlin und Geschäftsstellen in Berlin, Magdeburg, Dresden und Leipzig im Gebiet der ehemaligen DDR steuerpflichtig sind, können die Zulage beanspruchen. Die Investitionszulage kann preismindernd auf die Leasingrate angerechnet werden.

Schon jetzt erleichtern Computersysteme, Drucker und Rechner vieler westdeutscher Hersteller die Arbeit in den fünf neuen Bundesländern. Nach Auffassung des Kronberger Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC Deutschland GmbH werden diese Unternehmen mit großer Sicherheit beauftragt, die vorhandenen Datenverarbeitungsgeräte nachzurüsten.

Aufgrund dieser Marktsituation werden unter dem Begriff "Vertriebsleasing" passende Dienstleistungsprogramme angeboten, die für Kunden und Hersteller von Computern gleichermaßen interessant sein dürften: Vertriebsleasing ist zunächst ein Instrument, das den Absatz von Computerherstellern und -handelsfirmen fördert.

Jedoch ist auch der Vorteil für den Kunden offenkundig: Er verhandelt allein mit dem Lieferanten oder Hersteller, erhält mithin das ganze Paket aus einer Hand - bei denkbar einfacher Abwicklung. Das dürfte besonders den Betrieben im Osten Deutschlands gelegen kommen, denen es vielfach an Erfahrung und Know-how fehlt. Die Interessenten verhandeln vor Ort bis zur Unterschriftsreife der Verträge direkt mit dem Händler oder Lieferanten, lassen sich beraten und die beste Systemlösung für den eigenen Betrieb entwickeln.

Bonität läßt sich schwer beurteilen

Dann unterschreibt der Kunde die Leasingverträge getrennt nach Hardware und Software - denn nur auf die Hardware gibt es die Investitionszulage - , die Zusatzvereinbarung und die Selbstauskunft. Ein Problem ist zweifellos die Bonität der Unternehmen, die derzeit schwer zu beurteilen ist. Gleichwohl lösen manche Leasingfirmen, wie zum Beispiel die Deutsche Leasing AG, auch dieses Problem: Sie arbeiten mit einer rechtsverbindlichen Selbstauskunft; ferner haben sie besondere Konditionsmodelle für Leasing in den fünf neuen Bundesländern entwickelt.

Das Antragspaket schickt schließlich der Vertriebspartner, also der Hersteller oder Lieferant, an das Leasingunternehmen, wo die Verträge bearbeitet werden. Wenn die Umwandlungserklärung, der Gründungsbericht, die DM-Eröffnungsbilanz, Planzahlen und Gesellschaftsverträge beigefügt sind, wird das Verfahren beträchtlich beschleunigt.

Manche Unternehmen kümmern sich ferner - soweit erforderlich - um Garantien oder Bürgschaften und besorgen alle übrigen für den Abschluß des Vertrages notwendigen Unterlagen. Ist der Vertrag abschließend bearbeitet, wird die Computeranlage beim Lieferanten bestellt. Und sobald der Leasingnehmer in der Abnahmeerklärung die ordnungsgemäße Übergabe des Geräts bestätigt hat, wird die Rechnung beglichen.

Auch die Vorteile für den Lieferanten sind nicht von der Hand zu weisen: Leasing erhöht die Absatzchancen, denn das Finanzierungsproblem wird zu 100 Prozent gelöst. Der Kunde entschließt sich folglich schneller und leichter, eine EDV-Anlage anzuschaffen, und ermüdende Diskussionen über Rabatte und Skonti entfallen. Außerdem kann der Leasingnehmer eher als Stammkunde gewonnen werden: Er tauscht Anschlußgeräte um oder schafft neue an. Und schließlich muß der Lieferant das Delkredere-Risiko nicht mehr eingehen. Denn das Leasingunternehmen zahlt sofort den vollen Preis des Objektes. Die Folge: Höhere Liquidität des Lieferanten, der zudem Rabatte und Skonti bei seinem Vorlieferanten geltend machen kann.

Attraktives Betätigungsfeld

Wie schnell sich die breite Einführung des Leasings und noch mehr des Computerleasings in den fünf neuen Bundesländern vollziehen wird, läßt sich derzeit nur schwer beurteilen. Denn Umsätze und Erträge gewerblicher Leasingnehmer sind, wie gesagt, in ihrer wirtschaftlichen Substanz schwer einzuschätzen. Folglich muß der ursprüngliche Leasingmaßstab angewandt werden: Ein Leasinggegenstand muß soviel erwirtschaften, daß die Leasingrate aufgebracht werden kann. Mithin liegt die Sicherheit in diesem Markt letztlich im Ertragswert des Objektes.

Eines erscheint schon heute sicher: Wenn der Rechtsstreit um die Eigentumsfrage in den fünf neuen Bundesländern entschieden ist, die Betriebe privatisiert und saniert sind und schließlich auch die Wirtschaft einen festen Wachstumskurs einschlägt, dann dürfte sich den Leasinggesellschaften ein attraktives Betätigungsfeld bieten.