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01.06.1990 - 

Transportkapazität der Verbindungswege muß steigen

Für die PC-Host-Kopplung neue Möglichkeiten via ISDN

*Eckhart Oberfrank, mbp Software & Systems GmbH

Mit der zunehmenden Menge der zu verarbeitenden und zu übertragenden Daten steigen die Anforderungen an die Transportkapazität der Verbindungswege. PCs sind an jedem Arbeitsplatz, auch im häuslichen Bereich, zu finden, so daß der Wunsch nach Anbindung dieser PCs an den Rechnerverbund des Unternehmens entsteht.

Die Vernetzung von Arbeitsplätzen schafft in der Regel die Voraussetzung für eine Bearbeitung gemeinsamer Datenbestände, den Austausch von Mitteilungen und Zugriff auf Datenbanken. In der Praxis haben sich heute folgende Szenarien entwickelt:

- Viele Bildschirmterminals ohne eigene Intelligenz sind an einen zentralen Mainframe mit hoher Rechenleistung und gigantischer Speicherkapazität angeschlossen.

-- Verteilte PCs können durch den Einbau von speziellen Adapterkarten zusätzlich auch als IvIainframe-Terminals fungieren.

- Verteilte PCs werden über schnelle lokale Netze miteinander verbunden und greifen so auf gemeinsame Ressourcen (File- und Printservice) zu.

- Abteilungsrechner sind vernetzt, so daß die Benutzer sich je nach Anwendung in den gewünschten Rechner einloggen.

- Für räumlich weit entfernte Arbteitsplätze findet der Datenaustausch über Modemstrecken statt.

- In der unternehmensübergreifenden Kommunikation haben sich die Dienste der Netzbetreiber (Telex und Teletex, Btx, Telefax) bewährt.

Wenn diese Formen der Vernetzung und des Datenaustausches heute bereits - auch wirtschaftlich vertretbar - möglich sind, drängt sich die Frage auf: Wozu überhaupt noch ISDN? Nur des Fortschritts wegen oder weil es dem Netzbetreiber langfristig Kostenvorteile bringt? Deshalb sicherlich nicht.

Das ISDN bietet mit seinem Leistungsangebot die Lösung für gestiegene Anforderungen. Nie war Kommunikation preiswerter, schneller und sicherer. An jedem Teilnehmeranschluß stehen zwei voneinander unabhängige Hochgeschwindigkeits-Übertragungskanäle mit je 64 Kbit/s zur Verfügung, und dies zu einem Bruchteil der Bereitstellungskosten für vergleichbare beziehungsweise wesentlich langsamere Datennetze. Aufgrund des einheitlichen S0-Anschlusses können Anschalteinrichtungen wesentlich preiswerter angeboten werden als beispielsweise Hochgeschwindigkeitsmodems für "nur" 19,2 Kbit/s. Die Digitalisierung ermöglicht eine Übertragung, die kaum störungsanfällig ist. Unterlagertes Rauschen oder ein schwaches Signal, das schon bei Telefonaten sehr störend wirken kann und eine Datenübertragung durch endloses Recovery fast unmöglich macht, kennt das ISDN nicht. Die Vieldiskutierte Anruferidentifizierung bringt gerade im Bereich der Datenkommunikation ein bislang nicht dagewesenes Maß an Sicherheit. Es reich nicht mehr, ein Paßwort zufällig erspäht zu haben, um sich Zugang zu gesicherten Daten zu verschaffen. Der angewählte Rechner hat via ISDN die Möglichkeit, bestimmte Benutzer nur an ihrem angestammten Arbeitsplatz zuzulassen.

Die Vorteile, die das ISDN gegenüber den herkömmlichen Netzen bietet, sollen am Beispiel der PC-Host-Kopplung dargestellt werden . Beschränken wir uns zunächst darauf, unter Kopplung die Emulation eines Original-Terminals der entsprechenden Rechnerfamilie des jeweiligen Herstellers auf dem PC zu verstehen. Entsprechende Pakete sind hinreichend bekannt und bedürfen nicht der weiteren Erläuterung. Die physikalische Schnittstelle ist dabei entweder identisch mit der des emulierten Terminalmodells oder kompatibel zum Netzanschluß der verwendeten Übertragungsstrecke zwischen Host und Workstation (zum Beispiel Modem-Schnittstelle bei Übertragung im Telefonnetz).

Bei Terminals und Terminalemulationen, die auf einer V.24-oder X.21/X.21bis-Schnittstelle basieren, fällt die Migration ins ISDN sehr leicht, da lediglich die Anschalteinrichtung für das analoge Netz durch einen Terminaladapter ersetzt wird. Die Vorteile sind abhängig vom jeweiligen Netz, das mit der ISDN-Lösung verglichen wird.

Im konkreten Einzelfall kann auf ein Studium der TKO, das mit der Lektüre eines chinesischen Kochbuchs zu vergleichen ist, nicht verzichtet werden. Folgende pauschale Aussagen lassen sich aber dennoch treffen:

- Im Dialogbetrieb, dem typischen Anwendungsfall der Terminalemulation, sind Übertragungsgeschwindigkeiten von 4800 bis 9600 Bit/s üblich und meist auch ausreichend. Die 64 Kbit/s des ISDN können von der Anwendung mitunter nicht genutzt werden.

- Den besonderen Gebührenvorteil nutzen Anwender, die nur gelegentlich (zum Beispiel eine Stunde pro Tag) den Host-Zugang benötigen.

- Emulationen, die die hohe Datenrate des ISDN ausnutzen (zum Beispiel APPC-Applikationen), sind besonders kostengünstig im Fernbereich, wo sie vor allem bei intermittierender Nutzung ihren Kostenvorteil gegenüber den herkömmlichen Netzen ausspielen können. Eine Musterrechnung ist der Tabelle zu entnehmen, in der Kosten für die Datenübertragung im Telefon-, Datex-P-, Direktrufnetz und ISDN aufgelistet sind. Bestimmte Annahmen wurden hier getroffen, die im konkreten Einzelfall zu adaptieren sind.

Die Anbindung von PCs über LAN-Gateways an den Mainframe erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dieses Verfahren ist wesentlich flexibler und kostengünstiger, als jeden PC, der als Terminal auf den Host zugreifen soll, mit einer teuren Adapterkarte (zum Beispiel Coax-Karte für IBM 3270-Emulation) auszurüsten. Eine Adapterkarte wird nur einmal benötigt, nämlich im Gateway-PC, und alle ans Netz angeschlossenen PC laden die Terminalemulation lediglich als Software. Die Hardware, die die Verbindung herstellt (LAN-Adapter), stellt bereits der PC.

Anwender müssen mit der Lupe gesucht werden

mbp verspricht mit der multifunktionalen ISDN-PC-Karte SoIis eine Lösung zu bieten, die diese Architektur übernimmt und aus der räumlich beschränkten LAN-Umgebung in den Wide-Area-Bereich überträgt.

Die ISDN-PC-Karten, die aus PCs multifunktionale Kommunikationsterminals machen, sind zwar in aller Munde, die Anwender, die sie bereits einsetzen, müssen aber zur Zeit noch mit der Lupe gesucht werden.

Ein Grund dafür ist ohne Zweifel die fehlende Flächendeckung von ISDN, ein anderer aber auch der Mangel entsprechender Produkte und Anwendungen (Software). Trotzdem kann sicher davon ausgegangen werden, daß in nicht allzu ferner Zukunft ein Großteil der PCs, die heute aus räumlichen Gründen nicht in ein LAN eingebunden sind, via ISDN den Zugang zum "Enterprise Wide Area Network" des Unternehmens finden werden.

DÜ zum Nullttarif bei gekoppelten TK-Anlagen

Eine mögliche Konfiguration ist in Bild 1 dargestellt. LAN-Gateways werden von verschiedenen Firmen für unterschiedliche Mainframes angeboten. Die Kommunikation mit der entfernten Workstation über ISDN erfolgt auf Basis des Quasi-Industriestandards Netbios.

Die ISDN-PC-Karte verhält sich dabei gegenüber der Software wie eine LAN-Karte. Der besondere Reiz einer solchen Lösung liegt in dem durchgängigen Einsatz einer Terminalemulation, unabhängig vom Standort des PCs.

Es gelten dieselben Kostenvorteile wie für die vorher beschriebene Lösung, zusätzlich kann die Hardware (ISDN-PC-Karte) aber auch für andere Anwendungen (Btx, Teletex, Telefonunterstützung etc.) genutzt werden. Je nach eingesetztem LAN-Gateway und Host-Interface sind Datenraten bis zu 64 Kbit/s vom Host zum entfernten PC möglich.

Die Zahl der gleichzeitig unterstützten Host-Sessions ist zum einen vom LAN-Gateway-Produkt, zum anderen von der Zahl der physikalischen ISDN-Anschlüsse am Gateway abhängig, da das ISDN ein "circuit switched network" ist.

Gilt es, PCs aus unterschiedlichen Unternehmensstandorten an das zentrale Rechenzentrum anzubinden, kann die Datenübertragung zum Nulltarif erfolgen, wenn die Standorte bereits über gekoppelte ISDN-TK-Anlagen verfügen (siehe Bild 2). Das ISDN kann aber auch andere PC-Host-Kopplungen aufwerten. Der Zugriff auf den externen Rechner via Btx, besonders interessant für Kleinanwender mit nur gelegentlichem Kommunikationsbedarf (Datenfernübertragung zum Ortstarif), gewinnt bei einer Übertragungsgeschwindigkeit von 64 Kbit/s neue Dimensionen. Zur Zeit ist allerdings die Verbindung von der Btx-Zentrale zum externen Rechner ein Nadelöhr, da diese über Datex-P mit 9600 Bit/s geführt wird.

Die Kosten lassen sich reduzieren

Zusammenfassend kann jedem Anwender, der seinen PC mit einem oder verschiedenen Hosts über weitere Distanzen koppeln möchte oder bereits gekoppelt hat, dringend geraten werden, sich mit del Gebührenstruktur der unterschiedlichen Netze intensiv zu beschäftigen. Je nach Kommunikationsbedarf und Unternehmensgröße lassen sich erhebliche Kosten einsparen - mehrere hunderttausend Mark sind keine Seltenheit -, wenn Möglichkeiten und Leistungsfähigkeit des ISDN richtig eingesetzt werden.