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30.01.1998 - 

Thema der Woche/Digital Equipment Corporation: Der Ausverkauf ist beendet

Für die Übernahme gesundgeschrumpft

Von ursprünglich 127000 Mitarbeitern ist heute nicht einmal mehr die Hälfte an Bord. Digitals CEO Robert Palmer, der am 1.Oktober 1992 das Erbe von Olson antrat, hat kräftig aufgeräumt und auch vor Verkäufen ganzer Produktlinien und Abteilungen nicht Halt gemacht. Mit dem Verkauf von Digital an Compaq beendet er nun den Ausverkauf.

Noch Anfang Dezember letzten Jahres hatte Palmer verlauten lassen, daß die Phase der Konsolidierung bei Digital nun endlich abgeschlossen sei. Hintergrund war der Verkauf von Digitals Netzabteilung Network Product Business Unit (NPBU) an den Netzspezialisten Cabletron als bisher letzte Veräußerung von DEC-Produkten (siehe Kasten "Ausverkauf"). Für 430 Millionen Dollar wechselte das gesamte Produktportfolio inklusive 250 Patenten und 900 DEC-Mitarbeitern die Seiten.

Pünktlich zum Beginn des Winterschlußverkaufs hat nun Compaqs alerter CEO Eckhard Pfeiffer seinen größten Coup gelandet und Digital für 9,6 Milliarden Dollar gekauft. Damit ist er seinem Ziel, mit Vollendung des Jahrs 2000 das weltweit drittgrößte Computerunternehmen mit 50 Milliarden Dollar Umsatz zu leiten, ziemlich nah, lediglich beim Umsatz fehlen noch rund 13 Milliarden Dollar.

Doch so überraschend kam die Übernahme nicht. Schon 1995 und 1996 trafen sich Palmer und Pfeiffer einige Male, um über eine mögliche Fusion zu diskutieren. Jedoch scheiterten diese Gespräche zunächst wohl an der damals schlechten finanziellen Situation von Digital. Im vergangenen Mai schien der Deal dann perfekt zu sein. Palmer hatte Digital in ruhigere Fahrwasser manövrieren können: Die Umsätze blieben trotz des Verkaufs von Unternehmensteilen nahezu stabil, und auf der Kostenseite konnte er durch massenhafte Entlassungen für Entspannung sorgen. Der Kurs der Aktie dankte es ihm und stieg steil an, von unter 30 Dollar Anfang 1997 auf über 50 Dollar im Sommer des gleichen Jahres. Einzig und allein in Management- und Strukturfragen konnten Pfeiffer und Palmer keine Einigung erzielen.

Palmer hatte von DEC-Gründer Olson ein schweres Erbe zu übernehmen. Der damals 66jährige Olson, der seit 1957 die Geschicke des Unternehmens lenkte, hatte es versäumt, Mitte der achtziger Jahre auf neue Technologien zu setzen. Zu sehr überzeugt von dem DEC-Flaggschiff VAX (Virtual Address eXtension) und dem Betriebssystem VMS, verschlief man in Maynard den wachsenden Trend zu offenen Systemen. Unix galt in "The Mill", dem DEC-Hauptquartier, lange Zeit als Spielerei für Freaks und Studenten.

Dabei hatte Olson selber als Bastler und Tüftler begonnen. Mit 70000 Dollar Startkapital, der Idee von einem "kleinen Computer" und etwas Management-Wissen, erworben an einer Sonntagsschule, gründete er gemeinsam mit Harlan Anders im August 1957 das Unternehmen Digital Equiment Corp. Olson stellte 1959 den Ingenieur Ben Gurley ein, der auf Basis der unternehmenseigenen Module den ersten DEC-Rechner entwickelte. Innerhalb von dreieinhalb Monaten war der Prototyp des "Program Data Processor 1" (PDP-1), ein 18-Bit-Rechner, fertig. Damit erregte die kleine Firma weltweit Aufmerksamkeit, denn der Rechner war kleiner und preiswerter als alle bisherigen Computer, doch dabei enorm leistungsfähig.

Der PDP-1 war die Basis für alles, was später entwickelt werden sollte. Bereits 1964 präsentierte DEC dann mit dem PDP-6 den ersten 32-Bit-Rechner. Mit der PDP-11/20 wurde 1970 der erste Minicomputer der Welt ausgeliefert. Im Oktober 1977 erblickte dann die VAX-Rechnerfamilie das Licht der Welt. Mit der VAX-11/780 avancierte Digital endgültig zum Marktführer bei Mini- und Midi-Rechnern. Anfang der achtziger Jahre sorgte dann DECs "Rainbow-PC" für Furore. 1983 brachte DEC mit dem VAX-Cluster sein erstes Rechnerverbund-System auf den Markt. Und im April 1988 stellten die Ingenieure aus Massachusetts mit VMS 5.0 eine Version ihres Betriebssystems für symmetrisches Multiprocessing vor.

Mit der VAX 9000 wollte DEC 1989 in das IBM-Mainframe-Lager vordringen, jedoch spielten die Kunden nicht mit. Die VAX 9000 entpuppte sich als Rohrkrepierer.

Während auf der VMS-Seite das Geschäft stagnierte, hatte man für die Unix-Welt noch kein schlagkräftiges Angebot vorzuweisen. Seit 1988 experimentierte man zwar mit RISC-Prozessoren, doch das schwächelnde VAX-Geschäft konnte damit nicht aufgefangen werden. Die Hoffnungen des Multis lagen auf einer neuen 64-Bit-Architektur dem Alpha-Chip, der im Februar 1992 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

In der Übergangsphase von VAX-VMS zu Alpha-Rechnern, die sowohl unter VMS als auch Unix lauffähig sein sollten, warf Olson überraschend das Handtuch und übergab Bob Palmer das Ruder. Dieser trat zunächst kräftig auf die Kostenbremse. Nach einer ersten Entlassungswelle, bei der Vorgänger Olson die 127000 Mitarbeiter starke Company um 10000 Köpfe geschrumpft hatte, folgten unter Palmer regelrechte Entlassungsschübe. Heute stehen bei Digital rund 54000 Mitarbeiter auf den Gehaltslisten (in Deutschland etwa 2000). Jeder neuen Schlankheitskur folgte auch eine neue Organisation, mal in Business Units nach Produkten, dann mit Branchenfokus anhand von vertikalen Märkten, und zuletzt hat man eine Mischform konstituiert: In Deutschland konzentriert man sich innerhalb der von der US-Mutter definierten Zielmärkte auf die vier zentralen Geschäftsfelder Internet, SAP, Data-Warehousing und IT-Services. Der Anteil des reinen Servicegeschäfts am Umsatz von derzeit 47 Prozent hierzulande soll dabei nach Möglichkeit noch ausgeweitet werden.

Die Alpha-Plattform hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten für Digital mittlerweile als Cash-cow etabliert. Wichtigste Standbeine für DEC heute sind neben der Alpha-Familie die Dienstleistungen sowie Internet-Produkte rund um das "Altavista Web".

Durch eine enge Zusammenarbeit mit Microsoft konnte man sich insbesondere als Service- und Supportanbieter für Microsoft-Produkte einen Namen machen. Mit den Alpha-Rechnern und Windows NT konnte Digital in den letzten Jahren verlorenen Boden gutmachen. Um NT-basierten Systemen den Einzug ins Enterprise Computing zu ermöglichen, sind Spezialisten aus Maynard maßgeblich an der Entwicklung von Microsofts "Cluster Server" (ehemals "Wolfpack") beteiligt. Digital bringt dabei sein 15jähriges Know-how aus der Cluster-Technologie mit ein.

In puncto Betriebssysteme hat Digital das Affintiy-Programm ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe VMS und NT stärker integrierbar sein sollen. Angaben des Unternehmens zufolge sind allein in Deutschland noch etwa 25000 VMS-Systeme im Einsatz. Weitere lukrative Bereiche für Digital sind Outsourcing und Systemintegration.

Ausverkauf

1994 - Die relationale Datenbank "rdb" wird an Oracle verkauft. Die RDB-Lizenz war vorher in der VMS-Betriebssystem-Lizenz enthalten, nun muß sie bei Oracle gekauft werden.

Der Bereich "Öffnetliche Verwaltung" wird hierzulande ausgemustert und an die Alldata verkauft.

Digital trennt sich von seiner 8,5prozentigen Beteiligung an Olivetti.

Im Zuge der Entlassung von 2000 Mitarbeitern wird am 1. Oktober die Mitarbeitergesellschaft (MAG) gegründet. Später firmiert die Gesellschaft in Ditec um.

1995 - Zu Beginn des Jahres verkauft DEC seine DSM-Produkte (Mumps) an Intersystems.

Im Frühjahr stößt die Company ihre Entwicklungen auf dem Gebiet der Computer Integraated Telephony (CIT) an die Dialogoc Corp. ab.

Ende 1996 - veräußert Digital die System-Management-Produkte der "Polycenter"-Reihe an Computer Associates.

Anfang 1997 - Middleware-Newcomer Bea kauft das asynchron arbeitende Transaktionsprodukt "Message Q", den Corba-konformen "Object Broker"sowie die Gateway-Produkte "Object Broker Desktop Connection" und das "R/3 Interface", das eine Verbindung von Message Q zu SAPs Software herstellt. Bea übernimmt 70 Mitarbeiter und die Betreuung von etwa 1600 Großkunden von DEC.