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22.09.1995

Fuer Digital ein Partner unter vielen Ditec stellt sich mit Service und Software der Bewaehrungsprobe

MUENCHEN (sc) - Im Oktober dieses Jahres uebergeben die Treuhaender die von der Digital Equipment GmbH gegruendete Mitarbeitergesellschaft (MAG) Ditec Informationstechnologie GmbH & Co. KG den Beschaeftigten. Mit Software und Services will sich das zwoelf Monate alte Unternehmen am Markt behaupten. Die Existenz der 1200 Mann-starken Firma ist damit allerdings noch nicht gesichert.

Sie wurden "geMAGt", hiess es bei der Digital Equipment GmbH ueber die Mitarbeiter, die im Herbst letzten Jahres der Neugruendung Ditec Informationstechnologie GmbH & Co. KG zugeschlagen wurden. Zum Grossteil zaehlte zu den Betroffenen die verbliebene Kienzle- Belegschaft, aber auch direkt bei Digital beschaeftigte Arbeitnehmer mussten wechseln. Eine Entscheidung gegen die Ditec bedeutete drohende Kuendigung und maximal 50000 Mark Abfindung. So entstand eine Zweckgemeinschaft zweier voellig unterschiedlicher Unternehmenskulturen.

Digital gab dem Unternehmen unter anderem eine Anschubfinanzierung in Hoehe von 148 Millionen Mark, die Kienzle-Kundenbasis, Subkontrakte im Wert von 60 Millionen Mark sowie ein Jahr Mietfreiheit mit auf den Weg in die Selbstaendigkeit.

"Fuer uns ist Ditec ein Partner unter vielen", bringt Joerg Holzmueller, Direktor Unternehmenskommunikation bei der deutschen Digital-Tochter, die Position des Herstellers auf den Punkt.

Einen Auftrag von Digital hat Ditec bereits verloren

Dass dem so ist, mussten die Ex-Kollegen erfahren, als sie bei der Neuvergabe des Gebaeude-Managements, das nach der Ausgruendung an Ditec uebertragen worden war, gegen Mitbewerber ABB den kuerzeren zogen. Einer gewissen Fuersorge scheint sich Digital dennoch verpflichtet zu fuehlen: "Wir haben uns darum bemueht, dass ABB die betroffen Mitarbeiter, das sind etwa 50, von Ditec uebernimmt", erklaert Holzmueller.

Seit ihrer Gruendung probt die Mitarbeitergesellschaft aus Sicht von Branchenkennern den Spagat zwischen historischer Bindung an Digital und ueberlebenswichtiger Unabhaengigkeit. Die Mitgift selbst haette naemlich zum Existenzerhalt nicht ausgereicht. Es sei ein Sammelsurium aus Produkten und Bereichen gewesen, beschreibt Ditec-Marketing-Direktor Martin Daut die Ausgangslage.

Bekanntlich handelte es sich bei den ausgegliederten und zur Firma geformten Digital-Bereichen nicht gerade um die profittraechtigsten Unternehmenszweige. Das Ditec zugeschobene Bildungszentrum etwa trug im letzten Jahr unter Digital-Fittichen laut Unternehmenssprecher Holzmueller ueber externe Kunden 29 Millionen Mark sowie ueber intern verbuchte Leistungen acht Millionen Mark zum Umsatz bei. Hohe Personalkosten sowie eine als Folge der Konjunkturschwaeche gesunkene Nachfrage brachte Insidern zufolge ein Missverhaeltnis zwischen Aufwand und Einnahmen. "Das Schulungszentrum wirkte zuletzt wie eine Geisterstadt", gibt ein Ex-Digitaler seine Eindruecke wieder.

Auch die Softwarebeigaben fuer die Kienzle-Klientel - das von Kienzle stammende proprietaere "Carat", sein Unix-basierter Nachfolger "Carat 4000" sowie "Varial" - haetten nicht ausgereicht, um Ditec ueber Wasser zu halten. "Vor allem, nachdem Digital die vertikalen, branchenspezifischen Anwendungen fuer diesen Kundenkreis bereits ueber Management-Buy-outs an Vertriebspartner uebergeben hatte", erklaert Daut.

Seine Chance sieht das Unternehmen im gehobenen Mittelstand und bei Fertigungsunternehmen. Mit integrierten kommerziellen Loesungen will man hier Neukunden gewinnen. Tragende Saeule des Geschaefts ist die Standardsoftware "Triton" von Baan, die Ditec um Fremdsoftware wie "Factorylink" und "Visuallink" sowie um eigene Programme ergaenzt. Das Unternehmen begibt sich damit nach Ansicht von Marktbeobachtern auf ein hart umkaempftes Terrain, auf dem sich neben der Schar von PPS-Anbietern die IBM-VARs mit ihren AS/400- Loesungen tummeln. Hinzu kommt die SAP AG, die zum Beispiel ueber SNI mit R/3 Live ebenfalls auf die groesseren Mittelstaendler schielt.

"Die Kunden sind sehr an einer Alternative zur SAP interessiert. Wir haben bereits zehn Projekte gewonnen", sieht Daut die Entscheidung, sich gegen die Walldorfer zu positionieren, bestaetigt. Sieben der Auftraege, die jeweils einen Wert zwischen 200 000 und einer Million Mark haben, kommen dem Ditec-Manager zufolge von Neukunden.

Ein weiteres Geschaeftsfeld stellt der Bereich Buerokommunikation dar. Mit "Business Works" hat Ditec ein Konzept zur Gestaltung von Ablauforganisationen kreiert, das aus Beratung, Schulung, Service und kundenspezifischer Implementierung besteht. Die Loesungen sollen mit der Digital-Groupware "Linkworks" sowie mit dem neuen Produkt der oesterreichischen Linkworks-Entwickler Fallmann und Bauernfeind (FABA), das branchenspezifisch aufgebaute "Componentware", realisiert werden. Mit dem Plug-and-play-Ansatz geht Ditec Branchenkennern zufolge den richtigen Weg, der aber angesichts schwergewichtiger Konkurrenz wie Lotus und Microsoft steinig sein duerfte.

Das ueberdimensionierte Bildungszentrum hat Ditec reduziert. Zugleich wurde das Angebot erweitert: Ditec tritt auch als Schulungspartner von Novell und Microsoft auf. Der in den ersten neun Monaten erzielte Umsatz in Hoehe von 27 Millionen Mark drueckt die Trendwende im Schulungsgeschaeft allerdings noch nicht aus. In der Tendenz gehe es laut Daut jedoch aufwaerts.

Im aktuellen Geschaeftsjahr (1. Juli 1995 bis 30. Juni 1996) peilen die Ex-Digitaler ein Umsatzziel von 260 Millionen Mark an. Zu diesen Einnahmen wird der Geschaeftspartner Digital ueber Werkvertraege voraussichtlich wieder mindestens 60 Millionen Mark beitragen.

Die Hardwareverkaeufe sollen prozentual zum Umsatz reduziert werden. Damit will sich die Gesellschaft mit Verwaltungssitz in Villingen-Schwenningen und operativer Niederlassung in Muenchen zunehmend von dem US-Hersteller abnabeln. "Wir sind Value-Added- Reseller von Digital, machen aber auch Projekte, bei denen wir die Software auf anderer Hardware implementieren", erzaehlt Daut.

Ob sich Ditec in der Firmengroesse auf dem Markt behaupten kann, halten Branchenbeobachter jedoch fuer fraglich. Vergleiche mit Software- und Service-Anbietern wie Ploenzke sind schwierig, da Ditec die Kienzle-Vergangenheit mit sich herumschleppt. Aehnlich gelagert ist der Fall aber bei der Control Data GmbH, die eine aehnliche Wandlung zum Software- und Servicehaus durchgemacht hat.

Solche Unternehmen leiden aufgrund ihrer Vorgeschichte in der Regel unter hohen Personalkosten durch lange Betriebszugehoerigkeiten der Mitarbeiter. Legt man in einer Beispielrechnung einen Personalkostenanteil von 50 Prozent der Einnahmen zugrunde, waere Ditec bei 260 Millionen Mark Umsatz nicht in der Lage, den 1200 Mitarbeitern branchenuebliche Gehaelter zu zahlen.

Ditec Informationstechnologie GmbH & Co. KG (Geschaeftsfelder)

- Software und Loesungen, Beratung, Projekt-Management, Implementierung,

- Technischer Service (Partnerschaft mit Digital Equipment),

- Netzwerkinstallation und Integration,

- Systemintegration,

- Assemblierung und Verkauf eigener Ditec-PCs - Ziel: 20000 bis 25000 pro Jahr,

- Bildungszentren,

- Direktverkaufsorganisation "Office Komplett" fuer Produkte rund ums Buero sowie

- Fertigung von BDE- und MDE-Terminals ueber die 100prozentige Tochter PCS.

Quelle: Ditec