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15.08.1997 - 

Kolumne

"Für eine Handvoll Dollar"

Mit nur einem Wochenumsatz, mit 150 Millionen Dollar, rettet Bill Gates Apple. Daß mit vergleichsweise wenig Geld eine immer noch fast Acht-Milliarden-Dollar-Company zumindest ein Stück weit aus dem Sumpf gezogen werden kann, in den sie selbst hineinfiel (siehe CW Nr. 29 vom 18. Juli 1997, Seite 9), ist erstaunlich, macht Hoffnung und erschreckt zugleich.

Hoffen dürfen die Apple-Kunden, denen die Company nicht nur IT-Werkzeug lieferte, sondern auch das Gefühl, einer Elite anzugehören. Die gesamte Industrie und sämtliche DV-Anwender profitieren ebenfalls von einer weiter existierenden Apfel-Company, deren richtungsweisende Produkte in der Vergangenheit oft dazu beitrugen, daß auch andere Player innovativ wurden.

Erstaunlich ist, wie geschickt der eher wegen seiner Holzhammermethoden bekannte Steve Jobs seine persönlichen Beziehungen eingesetzt hat. Das neue Board of Directors glänzt mit großen Namen, die an der Wallstreet hohe Glaubwürdigkeit genießen: Jerome York zum Beispiel, dem sehr großer Anteil am IBM-Turnaround zugesprochen wird. Nahezu genial ist die Berufung von Oracle-Chef Larry Ellison. Mit dem langjährigen Freund verstärkt Jobs seine Hausmacht und setzt gleichzeitig ein Gegengewicht zu Microsoft. Das ist auch nötig, denn schließlich hat Gates die 150 Millionen Dollar nicht aus Altruismus investiert. Vielmehr erhält er durch ein zeitlich unbegrenztes Cross-Licencing-Abkommen Zugriff auf etliche Apple-Technologien, für die er im Bedarfsfall zwar Gebühren zahlen muß, die Microsoft allerdings besonders im Internet- und Java-Sektor weiterhelfen dürften. Außerdem hat Apple sich verpflichtet, den "Internet-Explorer" als Standard-Browser mit dem Mac-OS zu integrieren - wie tief, bleibt abzuwarten. Damit sichern sich die Redmonder Zugriff auf die einzige neben Windows bedeutsame Client-Plattform. Ein Coup, der Microsoft auf anderem Wege - wenn überhaupt realisierbar - weitaus mehr gekostet hätte.

Und in dem Satz: "Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, daß Apple nur gewinnen kann, wenn Microsoft verliert", liegt das Erschreckende dieses Abkommens. Darin, daß auch die bisher als Gegenpol zu Microsoft agierende Apple-Company nur noch eine Chance in einer engen Zusammenarbeit mit dem Softwaregiganten sieht, der nun, Kartellamt hin oder her, den Desktop endgültig zu 100 Prozent beherrscht.