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Speicherspezialist baut seine Softwaresparte weiter aus


19.12.2003 - 

Für EMC ist VM-Ware ein strategischer Kauf

MÜNCHEN (CW) - EMC hat angekündigt, VM-Ware für 635 Millionen Dollar in bar zu übernehmen. Mit dem Kauf des Spezialisten für Server-Virtualisierung kommt der Speicheranbieter Hewlett-Packard (HP) und IBM in die Quere, die beide eng mit VM-Ware zusammenarbeiten. EMC hat in diesem Jahr bereits die Softwarehäuser Legato und Documentum geschluckt.

"Ich habe mich persönlich bei HP und IBM gemeldet, um ihnen die freudige Neuigkeit mitzuteilen", berichtet Joseph Tucci, Chief Executive Officer (CEO) von EMC. Er habe den Wettbewerbern versichert, VM-Ware werde seine Neutralität im Markt wahren. Eines der beiden Unternehmen habe bereits großes Interesse daran bekundet, weiter mit VM-Ware zu kooperieren. Wer das ist, wollte Tucci nicht verraten.

Die 1998 gegründete und im kalifornischen Palo Alto ansässige Firma VM-Ware ist ein Spezialist für Virtualisierungssoftware im Intel-Rechnerumfeld. Damit lassen sich beispielsweise verschiedene Betriebssystem-Instanzen wie Windows, Linux oder Netware auf einem Server- beziehungsweise Desktop-System einrichten. Ferner können Anwender den einzelnen Betriebssystemen und darauf installierten Applikationen eine bestimmte Prozessorleistung zuordnen sowie einzelne Workloads auf mehrere CPUs verteilen. Das Unternehmen gilt in der IT-Branche als Senkrechtstarter. Es zählt nach eigenen Angaben mehr als 5000 Kunden mit über einer Million registrierten Usern weltweit.

Ursprünglich sollte der Deal erst im Sommer 2004 abgeschlossen werden, erläutert Tucci. Allerdings sei der "Moment der Wahrheit" jetzt früher eingetreten. Ob HP, IBM oder andere Unternehmen sich ebenfalls um VM-Ware bemüht hatten, wollte der EMC-Chef nicht kommentieren.

Nach Einschätzung von Finanzanalysten war das Softwareunternehmen neben Google und Salesforce.com ein heißer Kandidat für einen Börsengang in den nächsten Monaten. Offenbar hat diese Aussicht und ein damit drohender höherer Preis die EMC-Verantwortlichen zu diesem schnellen Schritt veranlasst.

Die Akquisition, die schon Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein soll, werde kaum Auswirkungen auf das laufende Geschäft haben, urteilen die EMC-Verantwortlichen. Für dieses Geschäftsjahr gehen sie von einem VM-Ware-Umsatz in Höhe von knapp unter 100 Millionen Dollar aus. Für 2004 rechnet Tucci mit Einnahmen von 175 bis 200 Millionen Dollar. Dieser Optimismus gründet sich auf die bisherige Geschäftsentwicklung von VM-Ware. So hat die Softwareschmiede bislang jedes Jahr ihren Umsatz etwa verdoppelt.

EMC will VM-Ware als eigene Division operieren lassen

VM-Ware soll wie die beiden anderen Akquisitionen EMCs in diesem Jahr, Legato und Documentum, als eigene Division in die Unternehmensorganisation eingegliedert werden. Leiten wird die neue Sparte die bisherige Chefin Diane Greene. Die rund 370 Mitarbeiter will der in Hopkinton, Massachusetts, beheimate Storage-Spezialist ebenfalls übernehmen. Inwieweit eine Integration auf Produktebene stattfinden wird, ist derzeit nicht bekannt.

"Es ist eine ungewöhnliche Hochzeit", beurteilt IDC-Analyst Vernon Turner die Übernahme. Bei Legato als Anbieter von Storage-Applikationen und Documentum mit seinem Fokus auf Content-Management-Systemen sei noch ein Zusammenhang mit dem ursprünglichen Speichergeschäft zu erkennen gewesen. Der Deal mit VM-Ware deute darauf hin, dass EMC künftig einen größeren Teil der Rechenzentrumsinfrastruktur seiner Kunden abdecken möchte.

Softwaregeschäft soll sinkende Speichermargen kompensieren

Nach Einschätzung des Marktforschers verfolgt der ehemals hauptsächlich auf Speicherhardware fokussierte IT-Anbieter eine konsequente Expansionsstrategie auf dem Softwaresektor. Aufgrund des Preisverfalls und der daraus resultierenden geringeren Margen bei Storage-Systemen habe EMC seine Strategie ändern müssen. Die Richtung weise auf den System-Management-Bereich, glaubt Turner.

Allerdings muss EMC dabei behutsam vorgehen. Sollten sich HP und IBM von der VM-Ware-Lösung abwenden, wären weite Teile des schnell wachsenden Intel-Server-Markts für EMC verloren. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern besteht diese Gefahr jedoch kaum. So haben die Konkurrenten mangels eigener Softwarealternativen keine andere Wahl, als weiter mit einer nun von EMC kontrollierten VM-Ware zu kooperieren.

"Wir werden weiter mit HP und IBM zusammenarbeiten, sofern beide Firmen dies wollen", besänftigt Howard Elias, Ex-HP-Manager und nun zuständig für das Marketing bei EMC, den Markt. Auch VM-Ware-Chefin Greene versucht bereits im Vorfeld, mögliche Konflikte auszuräumen. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Zusammenarbeit mit den zwei Branchengrößen endet. (ba)