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03.11.1989 - 

Nicht nur die Dollar-Entwicklung führte zum Ertragsrückgang

Für IBM und DEC hängen die Trauben wieder höher

MÜNCHEN (bk) - Wenig Freude kommt derzeit in den USA angesichts der jüngst gemeldeten Quartalsergebnisse von IBM und DEC auf. Zwar hatten beide Computerriesen schon seit Wochen vor rückläufigen Erträgen gewarnt, doch fielen die Quartalsgewinne trotz steigender Umsätze dürftiger aus als erwartet.

Um 30 Prozent auf 877 Millionen Dollar sackten die Erträge der Armonker IBM Corp. im dritten Quartal ab, gemessen am Vorjahresabschnitt mit 1,25 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg zwar, aber nur geringfügig um 4,3 Prozent. Damit richte sich nach Ansicht amerikanischer Analysten vor allem die für Big Blue schon übliche Verzögerungspolitik bei der Auslieferung neuer Produkte - in diesem Fall betraf es die neue Generation von Laufwerken im Mainframe-Bereich. Und noch immer steht nicht fest, wann IBM diese Geräte auf den Markt bringen wird. Design- und Herstellungsprobleme so heißt es in den USA verzögerten die Auslieferung der Laufwerke (Code Name: Soquel) bis auf weiteres.

Verrechnet scheinen sich die Armonker aber auch im Leasinggeschäft zu haben. Bob Djurdjevic, Analyst bei Annex Research, erklärte, das Unternehmen habe eine mehr als aggressive Preispolitik betrieben, um in diesem Bereich voranzukommen. Tatsächlich hätten dadurch die Kunden die Maschinen verstärkt geleast. Dies brachte aber nicht nur weniger Geld pro geleaster Anlage in die Kassen, sondern könnte auch so Djurdjevic, in näherer Zukunft zu Verlusten in diesem Geschäftszweig führen.

Big Blue hingegen macht für den Gewinnrückgang im dritten Quartal unter anderem die starke Dollarentwicklung verantwortlich. Diese habe die Erträge des Auslandsgeschäftes deutlich geschmälert. Doch nach Ansicht von Analysten bringt diese Argumentation nur die Absatzprobleme von IBM im heimischen Markt ans Licht. Wenn nämlich, so der Tenor, die US-Verkäufe stimmten, könnte es Big Blue egal sein, ob der Dollar fällt oder steigt.

Für die kommenden Monate erwarten amerikanische Insider kaum finanzielle Verbesserungen bei IBM. Die derzeitigen Probleme würden auch noch im vierten Quartal zum Tragen kommen. Zudem sei mit einem Absatzeinbruch im AS/400-Geschäft zu rechnen, da sich die erste Kaufeuphorie der Kunden dem Ende zu neige.

8,4 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis

Mit dem schlechten dritten Quartal kommt der Armonker Computerriese für die ersten neun Monate des laufenden Fiskaljahres auf einen Gewinn von insgesamt 3,17 Milliarden Dollar. Damit liegt Big Blue 8,4 Prozent hinter dem Ergebnis des vergleichbaren Vorjahreszeitraums zurück, als 3,46 Milliarden Dollar eingefahren werden konnten. Im Armonker Hauptquartier gibt sich IBM-Chef John Akers indes ungerührt; "Die Nachfrage nach IBM-Produkten ist weltweit weiterhin gut." Deshalb gebe es keinen Grund, die verfolgte Wachstumsstrategie zu ändern.

Optimismus legt derzeit auch Kenneth H. Olsen, President der Digital Equipment Corp., Maynard, an den Tag. Der Gewinnrückgang von 32 Prozent im Zeitraum Juli bis September - DECs erstes Quartal des neuen Geschäftsjahres - gebe keinen Anlaß zur Besorgnis. "Digital", so Olsen, "ist finanziell stark." Zudem sei das erste Quartal eines neuen Fiskaljahres traditionell schwierig, und der stärkere Dollar beeinträchtige die Übersee-Ergebnisse.

Doch auch der Minicomputer-Spezialist aus Massachusetts kann nicht verhehlen, große Probleme mit einem sehr schwachen und zudem schwierigen US-Geschäft zu haben. Neben dem Preisverfall der Hardware wirkt sich vor allem das durch Abwarten geprägte Investitionsverhalten der Benutzer ungünstig auf den Geschäftsverlauf von DEC aus. So erklärte Jörg Rieder, Geschäftsführer der Digital Equipment GmbH in München:" Die US-Kunden haben in den vergangenen Jahren schnell und viel investiert. Jetzt legen sie eine Pause ein. Zudem sei das Benutzerverhalten derzeit im Wandel begriffen. Rieder: "Die US-User fordern mittlerweile ebenfalls Komplettlösungen tendieren zunehmend zu denjenigen Anbietern, die sie ganzheitlich betreuen." Im Gegensatz zu hiesigen DV-Unternehmen aber seien zahlreiche US-Anbieter darauf noch nicht eingestellt.

US Analysten verweisen zudem darauf, daß sich DEC in einer Übergangsphase befinde. Der Spezialist von Midrange-Rechnern sei derzeit bemüht, im Workstation- und Großrechner-Markt Boden gut zu machen. Dies belegte jetzt auch die VAX-9000-Ankündigung von DEC. Der Minimaker aus Maynard stellt damit nach langer Zeit wieder eine eigene Rechnerserie für den Mainframe-Bereich vor.

Mit den DEC-Systemen 10 und 20 hatte sich die Olsen Company Anfang der siebziger Jahre schon einmal bemüht, in die IBM-Domäne der kommerziellen Datenverarbeitung bei Großunternehmen einzudringen - ohne nennenswerten Erfolg, was dann zur Einstellung der Produktfamilie führte. So werden denn auch die Chancen der neuen VAX-Mainframes von DEC-Kennern eher skeptisch beurteilt.

Selbst ein Überraschungserfolg, so der Einwand, würde DEC momentan nicht helfen, da die IBM-Mainframe-Killer kurzfristig nicht lieferbar seien und zudem in diesem Markt mit längeren Akquisitionszeiten gerechnet werden müsse.

Dafür aber wird den Konkurrenten von DEC und von IBM künftig ein schärferer Wind und die Nase wehen. Jay Stevens, Analyst bei Dean Witter Reynolds: "Da weder IBM noch DEC derzeit finanziell im Plan liegen, werden beide jetzt am Markt mit aggressiven Preisen arbeiten. Dies wiederum wird einen ungeheuren Druck auf die Wettbewerber ausüben."