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27.08.1976 - 

Anwender- Erfahrungsbericht: Interaktives Programmieren

Für jeden Programmierer eine virtuelle Maschine

Interaktives Programmieren bringt zwar höhere Kosten, beispielsweise für zusätzliche Bildschirme, mit sich - aber verglichen mit der Leistungssteigerung tut die Bilanz beim Sparkassen- und Giroverband Saar eindeutig positiv. Viele Faktoren, wie etwa die frühere Fertigstellung eines Projektes, entziehen sich zwar der Bemessung - aber bei Änderungsvorgängen ist das Ergebnis eindeutig: "Wo bisher Fleiß der Maßstab war, übernehmen nun neue Systemfunktionen die Arbeit. Eine Leistungssteigerung von 50 Prozent darf all sicher anzusehen werden."

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SAARBRÜCKEN - Für das Rechenzentrum des Sparkassen- und Giroverbandes Saar (SRZ) war der Übergang von einem Closed-Shop-Betrieb zur Interaktiven Programmierung durch den Wunsch geprägt, zu einem frühen Zeitpunkt optimal ausgetestete Programme fertigzustellen. Bei gleichbleibendem Personalbestand mußte eine deutliche Produktivitätssteigerung erreicht werden; die Qualität der Programme sollte mitwachsen.

CMS-Edit-Funktionen für Programmpflege

Funktionell muß Interaktives Programmieren in drei Abschnitte unterteilt werden:

a) Pflege und Update des Quellenprogrammes,

b) Betriebssystem-Funktionen und

c) Testhilfen.

CMS als Teil von VM/370 bietet eine gute Unterstützung im Bereich der Programmpflege. In der Testphase ist das Quellenprogramm bis zur Freigabe auf einer Mini-Disk des Programmierers als CMS-File gespeichert. Von dort ruft er sich das Programm auf den Bildschirm und kann es unter Ausnutzung aller Unterstützungsfunktionen des EDITORS pflegen. Bereits hier werden die Vorteile der Interaktiven Programmierung deutlich. Das Aufsuchen von Symbolen und das Ändern von Werten quer durch das gesamte Programm erfolgen in Sekundenschnelle (vorausgesetzt, man weiß, was man will).

Zur Speicherung aller Quellenprogramme (Produktion und Test) sind CMS-Dateien jedoch nicht genügend gesichert und zu speicheraufwendig. Deshalb wird für die permanente Speicherung und Verwaltung das Programmpaket PANVALET eingesetzt. Die Programmierer haben die Möglichkeit, über CMS-EXEC-Prozeduren auf diese zentrale Datei zurückzugreifen, Quellenprogramme zu lesen und mit dem Status "Test" zurückzuschreiben. Programme im Status "Produktion" sind systemtechnisch so abgesichert, daß eine Änderung nicht mehr erfolgen kann.

Vorteile. Alle zugelassenen Programme stehen jederzeit zum Abruf auf den Bildschirm bereit; Änderung der Programme in kürzester Zeit.

Übersetzungen in Multiprogramming

Nach Erstellung seines Quellenprogrammes ruft der Programmierer den Assemblierer, oder Kompilierer auf. Bei der Einführung der Interaktiven Programmierung durfte jeder diese Programme direkt in seiner virtuellen Maschine fahren. Die Ergebnisse waren unbefriedigend. Als Abhilfe wurde eine BATCH-Maschine definiert. Ihr können mit einer einfachen Anweisung die Programme zur Übersetzung übergeben werden. Der abgebende Systembenutzer kann nun anderweitig seine virtuelle Maschine benutzen. Nach Durchführung der Übersetzung stehen ihm das Objektdeck und die Umwandlungsliste als CMS-Files zur Verfügung, die auf Wunsch auch ausgedruckt werden.

Vorteil: Programmübersetzungen ohne Anstehen in der CLOSED-SHOP-Warte-schlange.

Bildschirm ersetzt UR-Peripherie

VM/370 Rel. 2 bietet unter CMS keine Möglichkeit, DOS/VS-Programme zu verarbeiten. Auch mit Rel. 3 sind die DOS/ VS-Funktionen recht stark eingeschränkt. Für das SRZ wird diese Lücke durch das Programmprodukt IDOS (von Computer Associates) geschlossen.

Statt eines DOS/VS-Supervisors in einem Stapel-System übernimmt hier der IDOS/VS-Supervisor - der speziell für den Dialogverkehr ausgerüstet ist - alle Betriebssystem-Funktionen. Wesentlich ist dabei, daß:

-alle Anwendungsprogramme unverändert ausgeführt werden können;

die DOS/VS-Job-Control-Sprache unverändert und vollständig verwendet werden kann;

-alle normalen DOS/VS-Bibliotheken als System- oder Privat-Librarys von dem DOS/VS-Stapel-System und allen interaktiven IDOS-Benutzern als "Shared SYSRES" verwendet werden können (das bedeutet, daß alle Compiler, Utilities, Job-Control-, Sort-, Hilfs- und Anwendungsprogramme nur einmal gespeichert sind);

-die Programme in der Testphase auch als Module oder Phasemods von der Mini-Disk des Programmierers in den Hauptspeicher geladen werden können;

-alle Zugriffsmethoden des DOS/VS einschließlich DA, ISAM und BTAM unterstützt sind.

Von der realen Hardware unabhängig

So wird eine weitgehende Unabhängigkeit von der realen Hardware erreicht. Der Bildschirm mit Tastatur ist für den interaktiv arbeitenden Programmierer nicht nur die Konsole; er ersetzt ihm auch vollständig die UR-Peripherie.

Lochkarten-Dateien (DTFCD) können über die Tastatur des Bildschirmes während der Programmausführung einzeln eingegeben oder in Form einer CMSDatei zur Verfügung gestellt werden.

Die Druckausgabe kann auf den Bildschirm als CMS-Datei auf eine Mini-Disk des Benutzers oder über VM-Spooling auf einen realen Drucker erfolgen.

Reale Magnetbänder sind oftmals ein Engpaß bei Testarbeiten. Sie können sowohl für Eingabe- als auch für Ausgabe-Dateien jeder RECFORM und RECSIZE mit CMS-Dateien simuliert werden (Eingabe-Bänder werden zuvor mit DITTO Tape to Tape als CMS-Datei angelegt). Programmiert wird in jedem Falle so, wie es für den, normalen Einsatz des Programmes (also mit DTFCD, DTFPR, DTFM) notwendig ist.

Da IDOS unter der Kontrolle von CMS arbeitet, ist ein ständiger Wechsel zwischen CMS-Funktionen, interaktiven IDOS-Funktionen und DOS-Stapelverarbeitung ohne IPL der virtuellen Maschine möglich, DOS/VS-Job-Control und CMS-EXEC-Prozeduren können in gemischter Form zur Steuerung von Jobs verwendet werden. Für den Programmierer bedeutet das, daß er während der Testarbeit am Bildschirm die für ihn jeweils optimale Form der Job-Initialisierung und Ausführung wählen kann.

Vorteil: Die Programme laufen nach Abschluß der Testarbeit in einem normalen DOS/VS-Betrieb ohne Änderung.

Test am Terminal gesteuert.

Im SRZ wird als primäre Programmiersprache Assembler verwendet. In SYMBUG-A wurde ein Programmsystem gefunden, das dem Programmierer ermöglicht, sein Programm im Dialogbetrieb auf symbolischer Basis am Terminal auszutesten.

Vorteil: Die Anzahl der Umwandlungen kann mit diesen Testhilfen gesenkt werden.

Interaktiv bis nach Karlsruhe

Mit der Datenverarbeitungsgesellschaft der badischen Sparkassen in Karlsruhe werden einige Projekte kooperativ entwickelt. Zur Unterstützung der Programmentwicklung sind in Karlsruhe Bildschirme installiert, die wie alle in Saarbrücken lokal angeschlossenen Geräte von der eingangs beschriebenen Technik profitieren.

Arbeitsplatz verändert

Alle Mitarbeiter wurden durch eine einwöchige Schulung vorbereitet, der in den ersten Wochen eine intensive Betreuung folgte. Für je zwei Programmierer ist mittlerweile ein Bildschirm installiert; ursprünglich war eine Relation von drei zu eins angestrebt. Die Ausweitung wurde kostenmäßig durch Austausch von IBM 3270 gegen Datasaab 3500 verkraftet. Die Geräte stehen in den Büros der Mitarbeiter; alle Büros haben durchgeschaltete Leitungen zum System. Ein Kleindrucker für Hardcopies steht an zentraler Stelle.

Vollständig neue Programme gibt der Programmierer nicht am Bildschirm ein sondern er erstellt sie wie bisher. Korrekturen gibt er selbst ein, dabei spielt die Überlegung eine Rolle, daß er diese in der gleichen Zeit, in der er sie für die Datentypistin zu Papier bringt, auch eingegeben hat.

Bildschirm-Sitzung eine Belastung

Neun Monate Nutzung eines solchen Systems lassen es noch nicht zu, von gesicherten Erfahrungen zu sprechen. Die Mitarbeiter in der Programmierung haben den Eindruck, daß mehrere Stunden intensive Bildschirm-Sitzung schon eine bemerkenswerte Belastung sind. Die Diskussion um die Belastung der Augen bei Bildschirm-Arbeit war Anlaß, alle betroffenen Mitarbeiter zu einer augenärztlichen Untersuchung zu bitten. Zumindest wissen jetzt einige, daß es bereits Zeit war, für ihre Augen etwas zu tun. Die Aktion soll nach etwa zwei Jahren wiederholt werden. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, daß die Arbeit mit

den Datasaab-Bildschirmen für den Mitarbeiter eine Reihe von Annehmlichkeiten bringt: Unter anderem ist die Belastung der Augen wegen der bernsteinfarbenen Zeichen geringer.

Spezialisten für Tuning nötig

Die Erstellungs- und Implementierungsphase war arbeitsaufwendiger, als zunächst angenommen wurde. Die permanente Pflege, Erweiterung und Verbesserung, insbesondere beim Tuning des VM-Betriebes, erfordern qualifizierte System-Spezialisten. Der System-Overhead" den VW370 mitbringt, ist beträchtlich und muß durch Benutzeraktivitien in Grenzen gehalten werden. An eine Ausschöpfen der in einem System noch vorhandenen sogenannten ungenutzten

CPU-Zeit für Interaktives Programmieren sollte erst nach kritischer Prüfung (zum Beispiel SMI) herangegangen werden.

In einigen Jahren selbstverständlich

Es steht außer Frage: Die Nutzung des Computers zur Programmmentwicklung in der interaktiven Form hat die Programmlandschaft verändert. Die Veränderung findet In Europa spät statt, wird aber Platz greifen und in einigen Jahren fester Bestandteil wohl jedes Rechenzentrums sein. Interaktive Programmentwicklung wird dann vermutlich so selbstverständlich sein wie heute Online-Anwendung.

Ob diese Entwicklung unter VM/370 erfolgen wird, ist dabei nicht wichtig. Im vorliegenden Falle ergab sich so, weil parallele Nutzung von OS und DOS es mit sich brachte.