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03.12.1976 - 

Fertige Programme von der Stange:

Für "mittlere" diskutabel, für die "Kleinen" problemlos

Die "Standardsoftware" ist Wunschvorstellung vieler Anwender. Gemeint sind damit nicht Betriebssystem- und Systemunterstützungsoftware sowie, Dienstprogramme, auch nicht technisch-wissenschaftliche EDV-Programme, sondern kommerzielle Anwendungen. Ausgelöst wurde die Diskussion einerseits durch immense Beträge auf der Kostenstelle "betriebseigene Software-Entwicklung und -Realisierung" andererseits durch die Tatsache, daß anno 1976 beispielsweise die Lohnabrechnung vielleicht schon fünftausendsechshundertachtundachtzigmal von fast ebensovielen Anwendern neu entwickelt wurde (wobei natürlich jeder behauptet, sein Programm sei das beste). Sodann spielt der Faktor "Zeit" eine nicht unerhebliche Rolle: Fertige Programme "von der Stange" bedeuten einen zeitlichen Vorsprung, machen überdies den Output sichtbar, so daß der Auftraggeber beim Einstieg zunächst keine eigenen präzisen Vorgaben zu formulieren braucht. Zusätzliche Wünsche werden erst nach Inbetriebnahme der Software geweckt.

Änderungen bis zur Unkenntlichkeit

Viele MDT-Hersteller bieten allgemeine, zum Teil nicht branchenbezogene Programmpakete etwa für Fakturierung, Statistik, Lagerbestandsrechnung Buchhaltung etc. an. Problematisch ist dabei - wie die Erfahrung zeigt -, daß das Individuum "Betrieb" solche Programme - soweit nicht umgekehrt möglich - erst seinen individuellen Bedürfnissen anpassen muß. Solche Programmänderungen im nachhinein gehen vereinzelt so weit, daß von den ursprünglichen Programmen nichts mehr übrig bleibt.

Die Chancen steigen bei branchenbezogenen Anwendungen. Man kennt Banken, die von einer anderen Bank die kompletten Anwendungen übernommen und zur Zufriedenheit eingesetzt haben. Ähnliches ist vorstellbar bei gleichgroßen Versicherungen oder Bausparkassen oder ähnlich gelagerten Instituten.

Bei größeren Unternehmungen mit eigener Produktion, und Vertrieb spielen dagegen betriebsindividuelle Besonderheiten eine ganz erhebliche Rolle und stellen den Einsatz von unveränderter branchenbezogener Software in Frage. Für Mittelbetriebe wird sie diskutabel, bei kleineren Betrieben ist sie fast problemlos. Große Betriebe stoßen beispielsweise im Vertriebsbereich häufig auf unverrückbare individuelle Kundenkonditionen (wenn am Markt finanzielle Verluste vermieden werden sollen). Daß sich freilich eine echte Straffung der Vertriebs-Organisation auf längere Sicht bezahlt macht, steht auf einem anderen Blatt. Auch bei den statistischen Auswertungen scheiden sich die Geister: Was für den einen oft die Quasi-Inkarnation der EDV verkörpert, bezeichnet ein anderer derselben Branche in extremen Fällen schlicht als für ihn nicht brauchbar.

Insellösungen mit "Anhängerkupplung"

Gute Adressen gibt es etwa für folgende Teilbereiche des betrieblichen Rechnungswesens: Anlagenbuchhaltung, Debitoren-Kreditoren-Finanzbuchhaltung in Batch- und Online-Versionen über Bildschirm, Lohn- und Gehaltsabrechnung allgemein, spezielle Programmpakete für Baulohn etc. Bei diesen Anwendungen handelt es sich um "Insellösungen", die dann um so besser einsatzfähig sind, je klarere Schnittstellen sie für die Ankopplung von betriebsindividuellen Nebenprogrammen zur Abdeckung besonderer individueller Ansprüche anbieten.

Wenn man von branchenbezogener Software spricht, denkt man an integrierte Lösungen des betrieblichen Rechnungswesens oder an Teilgebiete, die zur Integrierung des betrieblichen Rechnungswesens noch fehlen.

Wechselrahmen!

Integrierte Lösungen (mit automatischer Weitergabe der Ergebnisse des einen Sachgebietes an das nächst höhere), die für mehrere Betriebe brauchbar sind, gibt es in branchenspezialisierten Service-Rechenzentren. Diese Anwendungen können den unterschiedlichen Mandanten jedoch nur gerecht werden, wenn sie die einzelnen Sachgebiete als "Rahmenprogramme" abdecken. Ganz allgemein gilt dabei, daß die Palette der Lösungsmöglichkeiten in einem Programm um so reichhaltiger ist, je mehr Betriebe sich dieser Dienstleistung bedienen. Rahmenprogramme blicken meist auf einen langen Werdegang zurück. Mit der Hereinnahme neuer Mandanten müssen zu dem vorhandenen Potential manchmal neue Wünsche realisiert und dem Rahmenprogramm hinzugefügt werden. Diese neuen Möglichkeiten werden damit auch allen anderen Mandanten der Branche nutzbar gemacht.

Von Zeit zu Zeit (vor allem bei Auswechslung der EDV-Anlagen) stehen die Rahmenprogramme technisch und organisatorisch zur, Überarbeitung an. Dabei werden auch bislang nicht realisierbare Wünsche berücksichtigt. Aus den Programmen mit zahlreichen Änderungen und Ergänzungen entsteht eine neue, voll überschaubare Anwendung.

Die verschiedenen Möglichkeiten, die ein Rahmenprogramm bietet, werden nicht über fest programmierte Anwendernummern, sondern über einen Datensatz gesteuert. Der Laie stelle sich vor: Eine Molkerei, die für die Milchlieferantenabrechnung (Landwirte-Abrechnung) ihre Stammdaten eingebracht hat, erhält 18 Fragen gestellt, die sie mit ja oder nein beantwortet. Solche Fragen sind zum Beispiel: Hängt an Ihrem Abrechnungsformular ein Scheck? Arbeiten Sie mit vorgeschalteten Milchsammelstellen? Sollen auf ihren Abrechnungen die einzelnen Tagesmilchmengen oder nur die vom Landwirt angelieferte Monatsmenge in einer Summe erscheinen? Die Antworten werden mit "1" oder "0" in bestimmte (18) Spalten einer Lochkarte gelocht, diese "Datensatzantworten" mit den Jobkarten katalogisiert und sind nun so lange (oft über Jahre) gültig, bis eine andere Datensatzkarte des Mandanten eine gewünschte Änderung realisiert.

Problemlos vollzieht sich die Umstellung neuer Mandaten auf EDV. Der bislang mit der Materie nicht vertraute Kunde erhält anhand eines "Kataloges von Möglichkeiten gesagt, was er nach, unserer Erfahrung braucht. Er wählt Listenbilder, Vordrucke und Auswertungen - aus und wird dann "lautlos" auf EDV übernommen.

Es gibt - wie schon erwähnt - gute Adressen für verschiedene Programmpakete. Wer also eine Anlagenbuchhaltung braucht oder eine Terminalbuchhaltung einzusetzen gedenkt sollte sich intensiv auf dem Markt umsehen. Er spart mit hoher Wahrscheinlichkeit viel Zeit und viel Geld.

Dr. Braun ist Geschäftsführer und Inhaber Rechenzentrum Dr. Braun, München

Die Sehnsucht bleibt

Als die Kleincomputer-/MDT-Hersteller fanden, daß es an der Zeit sei zu entbündeln, da spielte der Markt anfangs nicht so recht mit. Mittlere Kleinbetriebe und kleinere Mittelbetriebe waren das nicht gewohnt: Programmierung und Schulung sollten auf einmal etwas kosten, gar die Dokumentation nicht mehr umsonst sein - da konnte man ja gleich zu IBM gehen, hieß es.

Auf einmal hatten alle Kleincomputer-/MDT-Hersteller Standard-Software zu Standard-Preisen - für jede Funktion, jede Branche: Modular aufgebaut - nach dem "Lego-Prinzip". Eine gute Sache, vorausgesetzt, der Anwender kann die angebotenen Standards auch tatsächlich hundertprozentig nutzen. Indes: Ein Modul, das nicht vorgefertigt ist, läßt sich auch nicht aus dem "Baukasten" hervorzaubern. Die Sehnsucht nach der "Super"-Anwendungssoftware bleibt. de