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28.09.1990 - 

Überlebensgarantie oder Harakiri-Konzept?

Für NCR gibt eg künftig, nur noch offene Systeme

MÜNCHEN (see) - Mit einem produktpolitischen Kraftakt will sich NCR als Open-Systems-Anbieter profilieren. Bei seinem komplett neuen Rechner-Programm für die 90er Jahre (siehe CW Nr. 38 vom 21. September 1990, Seite 1) setzt der US-Hersteller auf Intel-Prozessortechnik als alleinige Hardware-Plattform, die von den Betriebssystemen Unix, OS/2 und MS-DOS unterstützt wird.

Was die Ankündigung wirklich wert ist, muß sich erst zeigen - da dem IBM-Konkurrenten die Absicherung durch eine an proprietäre Systeme gebundene Kundenbasis fehlt, könnte sich die kompromißlose Open-Systems-Ausrichtung indes nach Ansicht von Marktkennern auch als Harakiri-Konzept erweisen. Die "wichtigste Produktfreigabe der Firmengeschichte", so NCR-Deutschland-Chef Rainer Liebich, kann insofern zur Überlebensfrage für das Unternehmen werden.

Die NCR propagiert die sieben neuen Modellklassen der Familie 3000- alle mit dem IBM-Mikrokanal- als Hardwarebasis ihrer "Open-Cooperative Computing"-Umgebung (OCC), ein- so Analysten Gegenstück zu IBMs SAA. Das Produktspektrum reicht von Laptops mit 386SX-CPU und 7,5 MIPS Leistungs-Obergrenze bis zu Parallelprozessor-Konfigurationen aus maximal 4096 Rechenwerken (wahrscheinlich Chips der 586-Generation), die alle bisherigen Performance-Vorstellungen Über den Haufen werfen sollen.

Die Leistungsangaben variieren gleichwohl: Spricht Manfred Köhler, Direktor Produktmarketing der Augsburger NCR GmbH, von "über 100 000 MIPS", bewegen sich die Angaben Liebichs um den Wert 200 000 herum. Das Spitzenmodell wird allerdings frühestens im dritten Quartal 1992 verfügbar sein; die Leistungsangaben beruhen bisher lediglich auf theoretischen Modellen.

NCRs Marketing-Schlagwort OCC läuft auf die Implementation von Client-Server-Umgebungen hinaus. Die angestrebte Objektcode-Kompatibilität der Unix-Software soll gewährleisten, so Köhler, daß Daten und Anwendungen unternehmensweit für alle Arbeitsplätze verfügbar gemacht werden können. Darüber hinaus kannten auf den unteren Hardware-Ebenen, den Clients und den kleineren Servern bis zur Leistungsklasse drei, neben Unix V.4 auch SCO-Unix, DOS und OS/2 eingesetzt werden. Auf den Servern der Klasse vier steht DOS dann nicht mehr zur Verfügung, ab Klasse fünf auch nicht mehr OS/2.

Für den Einsatz als Clients sieht NCR die Uniprozessor-Einheiten der Klassen eins bis drei vor. Letztere Systeme sind nach Herstellerangaben Multiuser-fähig und somit auch für den Einsatz als Arbeitsgruppen-Server geeignet. Gleiches gelte für die Rechner der Klasse vier, die mit bis zu vier Prozessoren darüber hinaus die Funktionen von Abteilungsrechnern erfüllen würden. Die ebenso Multiuser-fähige Klasse fünf soll nicht nur auf Abteilungsebene, sondern in ihren größten Konfigurationen mit maximal acht Prozessoren bereits als Server auf Unternehmensebene heimisch werden.

Für Abteilungen und ganze Unternehmen sei die Klasse sechs gedacht, auf deren Servern Datenbankmanagement sowie Online-Transationsverarbeitung ablaufen würden. Mit den Servern der Spitzenklass sieben hofft NCR für die unternehmensweite DV als Anbiete von Datenbankrechnern und Decision-Support-Systemen zu reüssieren.

Ab sofort zum Vertrieb freigegeben sind folgende sechs Systeme der mittleren Modellreihe 33 bis 35, also der Klassen drei bis fünf:

- 3320 mit dem Prozessor 386SX

- 3340 mit einem 486er der Taktfrequenz 25 Megahertz,

- 3345 mit einem 486/33-Prozessor.

Standardmäßig mit einem Mirokanal-Bus der Durchsatz 20 Mbit pro Sekunde augerüstet, unterstützen die 33er CPUs bis zu 32 LAN-Anschlüsse bziehungsweise V.24-Schnittstell wie die Datenblätter ausweisen. Die RAM-Kapazitäten sollen von zwei bis 64 Megabyte reichen. Kosten: zwischen 6800 und 102 000 Mark.

Aus der Klasse vier gehen in den Vertrieb die Modelle

- 3445 ein Uniprozessor-Server mit 486/33-Chip, einem maximalen Hauptspeicher von 64 MB und 20-Mbit-Mikrokanal sowie

- 3450 für den Einstieg in das Multiprocessing mit höchstens 256 MB RAM und einer Mikrokanal-Leistung von 80 MBit pro Sekunde. Zwischen 34 000 und 145 000 sollen sich die Preise für den 3445 bewegen; das System 3450 will sich NCR mit 60 000 bis 340 000 Mark bezahlen lassen.

Der mit angegebenen 320 MIPS stärkste bisher verfügbare neue Rechner ist das System

- 3550 mit zwei bis acht symmetrisch arbeitenden 486Chips der Taktfrequenz 50 Megahertz und 16 bis 256 MB RAM. Der Rechner verfügt über zwei Mikrokanäle mit je 80 MBit pro Sekunde Transferleistung. 170 000 bis 1,3 Millionen Mark verlangt der Hersteller.

Trotz sofortiger Vertriebsfreigabe werden die Modellreihen 34 und 35 erst ab Mitte 1991 in großen Stückzahlen verfügbar sein. Die NCR-"Roadmap" verspricht weiterhin für das zweite beziehungsweise das dritte Quartal 1991 die Low-end-Desktops (Klasse zwei) und einen 386SX-Portable. Abgesehen von einer weiteren Produktdifferenzierung in den Klassen drei bis fünf stünden dann nur noch die Top-end-Produkte aus: Im ersten Quartal 1992 sollen die Parallelrechner der Leistungsklasse sechs, ein halbes Jahr später die Siebener-Modelle in großen Stückzahlen in den Handel gehen.

Mit "Strategischen Allianzen" auf der Hard- wie auf der Softwareseite bemüht sich NCR, den Markterfolg der totalen Produktumstellung zu sichern. Neben Intel (Chips, Multiprozessor-Unix) und IBM (Mikrokanal) ist auch Microsoft mit einem Entwicklungsbeitrag zu einer Mehrprozessor-Version von OS/2 von der Partie, wie NCR bekanntgibt.

Für Anwendungs-Software, unter anderem von Oracle, Informix, Sybase, Unify und Progress, liegen nach NCR-Angaben Portierungszusagen der Hersteller vor. Ein spezielles Software-Announcement soll in der zweiten Oktoberwoche folgen.

Auch einen Distributionsvertrag mit der Macrotron AG, München, zählt der Anbieter zu den strategischen Allianzen. Einen Schritt weiter ging man vor einem Jahr bereits im Fall der Teradata Corp.: An dem Hersteller von Datenbankrechnern, auf dessen Architektur auch die großen Siebener-Modelle der Familie 3000 basieren werden, hält NCR einen Aktienanteil von zehn Prozent; im kalifornischen San Diego existiert inzwischen ein gemeinsamer Entwicklungsstandort.