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10.03.1989

Für Nixdorf ist es 5 vor 92

Oft ist es so, daß ein Gerücht auch ohne Zutun der "Onditeure" Fahrt aufnimmt. Dabei wird das imaginäre Gefährt nicht von Sachargumenten, sondern von Empfindungen bewegt. In diesen Tagen ist ausgiebig Gelegenheit zu derlei Spiel. Das Ziel der Begierde heißt Nixdorf.

Einstiegsfrage, ganz ohne Emotion: Kann es die Nixdorf Computer AG, auf sich allein gestellt, auf Dauer mit den DV-Giganten aufnehmen? Wenn ein signifikantes Weltmarktanteil die Meßlatte darstellt: ganz sicher nicht, denn aus eigener Kraft ist der Sprung nie und nimmer zu schaffen. Mit diesem K.o.-Kriterium muß das DV-Federgewicht Nixdorf indes rechnen, wenn es sich mit dem Superschwergewichtler IBM einläßt. Daß ein solcher Klassen-Unterschied besteht, wird wohl nur ein Berufsoptimist wie Klaus Luft leugnen wollen. Bleibt also ein freundlicher Massezuwachs von außen, in welcher Form (Zukauf, Kooperation etc.) auch immer - oder daß Nixdorf von einem anderen Hersteller übernommen wird.

Über die Ursachen der Nixdorf-Krise ist alles gesagt: Mittelmaß regiert in Paderborn - selbst gegen eine mittelmäßige IBM (AS/400) kann man sich das aber nicht leisten. Konsequenzen müssen auch daraus gezogen werden, daß heute am Computermarkt nicht mehr die Situation der 70er und frühen 80er Jahre herrscht. Endgültig vorbei sind die Zeiten, in denen die Hersteller mit ihren spezifischen, proprietären Systemen in einem Verkäufermarkt absahnen konnten. Und das Europa der Computerzwerge wird ab 1992 noch stärker unter amerikanischen und japanischen Einfluß geraten.

Wenn doch die schwache Nixdorf-Sache klar ist: Warum spricht Klaus Luft ständig durch die Blume, von Konsolidierung und dem Schritt nach vorn? Luft muß wissen, daß Ausweichen neue Nachdenklichkeit bei Anwendern und Konkurrenten erzeugt. Und neue Fragen aufkommen läßt: Zu wem paßt Nixdorf? Hält die Konstruktion der Stiftung, die heute die Eigentumsverhältnisse bei der Nixdorf AG regelt, dem Druck stand, der durch ein hartnäckiges Bieterverhalten zwangsläufig entsteht?

Bei dieser Opfer-Variante kommt natürlich sofort der Name AT&T ins Spiel. Dem im Computergeschäft glücklosen US-Telefonriesen wird Appetit auf Nixdorf nachgesagt. Doch gegen ein solches Fressen spricht so wenig nicht fehlendes Geld, noch vorhandene Produkt-Divergenzen (die es nicht geben kann, weil AT&T keine DV-Power besitzt) -, daß die Spekulation schon wieder langweilig wird.

Da kann es, was die potentiellen Probleme einer Ehe mit Nixdorf betrifft, ein deutscher Telefonladen schon viel spannender machen. Es ist doch längst kein Geheimnis mehr, daß die Siemens AG scharf auf Nixdorf ist. Man spricht miteinander. Was als routinemäßige Kommunikation unter Mitbewerber dargestellt wird, ist offenbar bereits im Stadium ernsthafter Übernahmegespräche. Wollen hätten die Münchner, frei nach Karl Valentin, schon mögen, aber dürfen haben sie sich bis jetzt nicht getraut.

Von der Produktpalette her wäre es stimmig: Was Siemens fehlt, nämlich die mittlere Datentechnik, hat Nixdorf - was Nixdorf fehlt, nämlich die Telekommunikation, hat Siemens. Überschneidungen bei Großsystemen und im Unix-Bereich fallen kaum ins Gewicht. Ein deutscher DV-Verbund hätte, die Nummer eins dann in Europa, auch auf dem Weltmarkt Chancen. Das Stiftungsproblem müßte lösbar sein. Lassen wir uns überraschen. Lufts (Herrhausens?) Wille geschehe - aber bitte bald.