Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.11.1991 - 

Cray Research mit Supermini Y-MP EL

Für November Präsentation des Top-Modells Y-C90 angekündigt

MÜNCHEN (jm) - Die Cray Research Inc. dringt mit ihrem luftgekühlten System Cray Y-MP EL (Entry Level) in den Aufgabenbereich für dezentrale Anwendungen ein. Auch als Stand-alone-System in bereits existierenden Supercomputer-Umgebungen geeignet, will das Unternehmen um CEO John Rollwagen mit dem Einstiegs-Superrechner als Fileserver auch dedizierte Anwendungen bedienen.

Erst vergangenes Jahr hatte sich die Ex-Company von Seymor Cray, der jetzt in dem von ihm gegründeten Unternehmen Cray Computer den C3 entwickelt, die Firma Supertek einverleibt. Diese deckte mit ihren Systemen den Mini-Supercomputerbereich ab, für den Cray Research nicht besonders bestückt war. Anläßlich der Präsentation des EL-Systems meinte Dieter Schneider, Geschäftsführer der Cray Research GmbH in München, der Supertek-Rechner "XMS" werde nun durch das EL-System ersetzt.

Vor der Presse gab Schneider ferner an, daß von dem neuen Minisuper weltweit bereits 18 Systeme verkauft seien - "die meisten davon bei neuen Kunden" - , für die gleiche Anzahl lägen Bestellungen vor. Insgesamt betragen die weltweiten Cray-Research-Installationen nach Mitteilung des Deutschland-Chefs zirka 300 Systeme. Deutsche Kunden aus dem nichtuniversitären Umfeld sind die deutschen Autokonzerne Daimler Benz, BMW und VW, das Opel-Outsorcing-Unternehmen EDS, das Hannoveraner Unternehmen Prakla-Seismos sowie die Continental AG.

Er beugte allerdings auch gleich Spekulationen vor, mit dem Cray-Einstieg in Minisuper-Gefilde wolle man aus dem Top-Bereich aussteigen. "Ich kann nur warnen: Wir werden uns nicht aus dem Top-Level-Markt verabschieden." Für kommenden November planen die Marktführer bei Supercomputern die Vorstellung ihres neuen Top-Modells Y-C90, das mit 16 CPUs ausgestattet ist und eine Rechenleistung bei realitätskonformen Anwendungen von 10 Gflops erzielen soll. Die Y-C90, die auf die XMP-Serie (1982 vorgestellt) und die Y-MP-Familie (1987) folgt, wird die bisherigen Systeme der Y-MP-Reihe an der Spitze ablösen und auch in dem bislang von Crays Spitzenmodellen bekannten Preisbereich von 40 Millionen Mark liegen.

Damit nicht genug: Die Cray-Research-Mannschaft "denkt auch an massiv-parallele Systeme. Die bringen dann Rechenleistungen bei realen Programmen, welche in den Tflop-Bereich reichen," macht Schneider Number-Cruncher-Bedürftigen schon den Mund wässrig.

Das ab dem vierten Quartal 1991 ausgelieferte EL-System kann mit maximal 4 CPUs bestückt werden. Es ist völlig binar-kompatibel zur übrigen Cray-Rechner-Palette und arbeitet unter der Unix-Betriebssystem-Variante Unicos (Unix Cray Operating System). Meint der Leiter des Cray-Geschäftsbereiches Marketing & Sales Support, Wolfgang Kroj, selbstbewußt: "Mit unserem Unix-System Unicos haben wir vor der Konkurrenz einen Vorsprung von drei bis vier Jahren."

Erste Vergleichstests des amerikanischen Benchmark-Gurus Jack Dongarra mit Linpack 100 x 100, 1000 x 1000 und für theoretische Peak-Angaben sehen das Cray-Einstiegssystem mit 1 CPU gegenüber einer Convex 3210 und einer DEC VAX900-210 im Vorteil, an eine Convex C3810 reicht die EL/1 in etwa heran.

Im Vergleich zum Cray-Leistungsträger Y-MP mit einem Prozessor wartet die kleine Cray mit einem Drittel des Leistungsvermögens auf.

Für den 146 x 127 x 81 Zentimeter großen Superrechner "den man auch als Datenbank-Server einsetzen kann", so Kroj, sind die DB-Produkte von Express, Ingres, Informix sowie Oracle verfügbar.

Um verschiedene Rechnerwelten bedienen zu können, habe, nach Worten von Kroj, OSF-DCE für Cray Research höchste Priorität. Das "Andrew-File-System" als Teil von DCE sei das erste Ergebnis dieser Bemühungen.

Eine Einstiegskonfiguration des Y-MP-EL-Systems mit 1 CPU und einer Plattenkapazität von 2,6 GB kostet etwa 855 000 Mark. Hierzu addieren sich noch einmal rund 63 000 Mark für die notwendige Software (Betriebssystem).

Eine größtmögliche Konfiguration mit 1024 MB Arbeitsspeicher und 4 CPUs gibt es für knapp 3,9 Millionen Mark (zuzüglich der Kosten für die Software).

Von der Y-MP-Architektur wurde das Speicherprinzip in die EL-Rechner übernommen. An Massenspeicher-Peripheriegeräten stehen unter anderem DAS 2-Disk-Array-Subsysteme, 3480-kompatible Kassetten-Laufwerke (OEM-Produkt von Storagetek) und 5-GB-Helical-Scan-Bandlaufwerke zur Verfügung.

Umstieg auf die Helical-Scan-Technologie

Auf Nachfrage meinte Kroj, den momentanen Stand der Technik bei IBMs Kassettenspeichern - die 3490 Laufwerke - werde es als kompatible Version für Cray Research wohl nicht geben. Mit Verweis auf die Neuorientierung bei Storagetek in bezug auf Speichertechnologie-Ausrichtungen meinte der ausgebildete Mathematiker und Physiker: "Ich kann mir vorstellen, daß wir auch auf die Helical-Scan-Technologie umsteigen werden."

An Netzwerkoptionen stehen dem Cray-Anwender Decnet, TCP/IP und ISO/OSI zur Verfügung. Über Ethernet lassen sich Daten in den gewohnten 10 Mbit/s versenden, über FDDI sind 100 Mbit/s zu realisieren der Hyperchanel (Mitte 1992) schafft zwischen 50 und 100 Mbit/s und IBMs Hippi-Vorgabe bringt es auf 800 Mbit/s.

Charakteristika der EL-Superminis

Weitere Charakteristika des EL-Superminis sind unter anderem die 64-Bit-Vektor-Architektur, CMOS-Chip-Technologie, 30 Nanosekunden Taktzeit mit vier Rechenergebnissen pro Takt, eine Spitzenrechenleistung pro CPU von 133 Mflops, Speicherkapazitäten von 256 bis 1024 MB und eine Speicherbandbreite von 4 GB pro Sekunde. CF77 Fortran, Standard C, Ada und ein Pascal-Compiler stehen zur Verfügung.

Die Parallelverarbeitung bei Mehrprozessor-Systemen wird durch automatische Vektorisierung und Autotasking realisiert. Maximal 16 I/O-Subsysteme (pro CPU je vier) lassen sich an die EL-Maschine anschließen.