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02.06.1995

Fuer Sie gelesen Macht beim Benutzer

Das Fachmagazin "Wirtschaftsinformatik" (Ausgabe 2/95) interviewte CW-Chefredakteur Dieter Eckbauer. Auszug:

Der Erfolg von SAP wird nicht zuletzt auf die Integration im System zurueckgefuehrt. Dies duerfen wir aber in aller Bescheidenheit als eine Leistung ansehen, die in der deutschen Wirtschaftsinformatik seit langem vorbereitet wurde.

Eckbauer: Ich habe in der Computerwoche der Integration im Sinne einer erschwerten Austauschbarkeit von Teilen, von Modulen, nicht das Wort geredet. Wenn ich fuer mein Auto einen neuen Scheibenwischer brauche, moechte ich auch nicht das ganze Auto wegwerfen muessen.

Ein weiterer Vorwurf, den Sie der Wirtschaftsinformatik machen, ist, dass sie "fuer die betriebliche IT-Anwendung keine wissenschaftlichen Grundlagen geschaffen" habe. Was meinen Sie damit?

Eckbauer: Das ausgehende 20. Jahrhundert bringt uns das Abklingen einer industriellen Phase. Ich meine Hierarchien und Macht im Unternehmen, abgebildet im Mainframe, der diesem industriellen Modell entsprach. Ich vergleiche das gerne mit dem Macho-Modell. Wir haben heute ein anderes Modell, um in diesem Bilde zu bleiben: Wir benoetigen nicht den Macho, sondern mehr den Dirigenten des Orchesters. Die Macht kommt zum Benutzer. Individuen arbeiten in Gruppen. Ich sehe das in der Branche, in der ich mich von Berufs wegen auskennen muss, in den Verlagen, aber zum Beispiel auch in der Touristik. Hier brauchen wir eine ganz andere Informationsverar-beitung. Die Informatiker haetten frueher sehen muessen, dass die IBM-Technik dem nicht entspricht. Vielleicht gibt es unter ihnen einige, die die Wende frueher erkannt haben, aber die hatten sich nicht deutlich artikuliert. Als dann der PC kam, sprachen die klassischen Informatiker nur von Wildwuchs.

Sie halten die Einfuehrung von SAP-Systemen in Fachhochschulen und Universitaeten fuer falsch. Der Arbeitsmarkt honoriert aber zur Zeit SAP-Vorkenntnisse. Angenommen, die Hochschulen wuerden diese Entwicklung ignorieren: Wuerden Sie Ihnen dann Praxisferne vorwerfen?

Eckbauer: Ich wuerde diese Massnahmen der Hochschule sogar als Wettbewerbsverfaelschung bezeichnen. SAP ist eine klassische proprietaere Chose. Schon von daher rechtfertigt sich eine solche Ausbildung nicht in einer vom Steuerzahler finanzierten Einrichtung. Das ist ein Skandal.