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09.10.1998 - 

Panikartige Aktienverkäufe an den Börsen

Für Software-Unternehmen brechen schwierige Zeiten an

Die Anbieter von Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Systemen waren verwöhnt. Das Geschäft lief über Jahre hinweg glänzend, astronomische Wachstumsraten lockten die Anleger in diese Titel. Diese Phase scheint nun ihrem Ende entgegenzugehen, die Börsianer wittern Gefahr.

Am härtesten traf es Peoplesoft: Nachdem die Investment-Banken Morgan Stanley und Goldman Sachs die Softwareschmiede nach unten gestuft hatten, fiel der Kurs an einem Tag um mehr als acht Dollar und verlor am nächsten Tag weitere vier Dollar. Inzwischen ist der Titel noch gut 20 Dollar wert (Stand 5. Oktober), das Jahreshoch lag bei 57,44 Dollar.

Die Analysten begründeten den Abschlag unter anderem mit den unsicheren Perspektiven des gesamten Marktes für betriebswirtschaftliche Standardsoftware. Da Anwender sich mit ihren Jahr-2000-Problemen beschäftigten, gingen die Software-Investitionen zurück. Negativ wirkten sich ferner die Krisen in Asien, Rußland und zunehmend auch Südamerika aus.

Peoplesofts Schlüsselmärkte in den USA, zu denen vor allem das Geschäft mit Personalwirtschaftssoftware und der öffentliche Sektor zählen, werden derzeit heftig von SAP attackiert. Wie die Investment-Banker von Morgan Stanley berichten, hat SAP in manchen Fällen Discounts von 60 bis 80 Prozent eingeräumt. Die Walldorfer riskierten mit solchen Angriffen nicht allzu viel, weil sie sich aufgrund ihrer großen installierten Basis, die noch jede Menge Zusatzgeschäft verspreche, in Sicherheit wiegen könnten.

Auch SAP hatte aufgrund der negativen Prognosen der deutschen Privatbank Julius Bär in den letzten Wochen stark an Kurswert eingebüßt (siehe CW 39/98, Seite 7). Allein vom 25. September bis zum 2. Oktober verlor der Titel 26 Prozent. Kurzfristig lag die Vorzugsaktie bei 610 Mark - vor nicht einmal drei Monaten war sie mehr als das Doppelte wert. Die jüngste Entwicklung zwingt das Unternehmen, vorläufige Geschäftszahlen des dritten Quartals noch vor dem ursprünglich anvisierten 20. Oktober bekanntzugeben.

Die Münchner Bank Merck Finck & Co. erwartet einen 38prozentigen Anstieg des Vorsteuergewinns sowie ein 53prozentiges Umsatzplus. Zweifellos wären diese Zahlen beeindruckend. Sie würden auch etwa dem entsprechen, was SAP prognostiziert hatte. Aber sie bleiben deutlich hinter dem Ergebnis des ersten Quartals 1998 zurück und bestätigen letztendlich die Befürchtung, daß potentielle SAP-Kunden angesichts ihrer sonstigen Probleme in den kommenden ein bis zwei Jahren wenig Geld für Standardsoftwareprojekte übrig haben.

Weniger im Standardsoftware- als im Datenbankmarkt sucht Oracle den Grund für den schweren Börseneinbruch der vergangenen Wochen. Am Montag, dem 5. Oktober, fiel der Titel um zwölf Prozent, nachdem ruchbar geworden war, daß die Softwareschmiede ihre Datenbankpreise aufgrund des Konkurrenzdrucks durch Microsoft, Informix und Sybase senken müsse. Lag das Jahreshoch von Oracle bei 37 Dollar, so ist der Wert des Titels mittlerweile auf 23 Dollar zusammengeschmolzen.

Während Microsoft sich im Low-end-Markt tummelt und dem Marktführer dort mit Billigangeboten für den boomenden NT-Markt das Leben schwermacht, findet im High-end ein mörderischer Wettbewerb statt. Informix und Sybase, deren Aktienkurse sich in der Nähe des Jahrestiefststandes befinden, gewähren ihren Kunden weitere Preisnachlässe, um Oracle Marktanteile streitig zu machen.

Neben den drei Großen der Softwareszene haben auch andere Anbieter, allen voran Baan und J.D.Edwards, schwere Kursver- luste hinnehmen müssen. Baan-Aktien wurden in diesem Jahr schon mit 55 Dollar gehandelt - gegenwärtig sind sie noch gut 20 Dollar wert. J.D. Edwards verlor in den letzten zehn Tagen rund 18 Dollar an Kurswert - der Titel fiel von 48 auf 30 Dollar.

Doch nicht nur die ERP-Anbieter machen sich zur Zeit Sorgen, der gesamten Software-Industrie geht es nicht mehr so gut. Davon blieben auch einstige Börsenlieblinge wie BMC Software oder Compuware nicht verschont. Ihre Kurse fielen an einem Tag um 19 beziehungsweise 16 Prozent.