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06.06.1986 - 

Blumenthal garantiert Selbständigkeit der beiden Späthochzeiter, doch:

Für Sperry-Kunden ist Burroughs ein Risiko

NEW YORK/MÜNCHEN (ujf) - Ein Jahr nach Beginn der ersten Verhandlungen hat sich die Führungsspitze der Sperry Corp. geschlagen gegeben. Auf immerhin 76,50 Dollar pro Aktie haben die Topmanager von Sperry, Gerald Probst und Joseph Kroger, den Burroughs-Chef Michael Blumenthal hochgehandelt, bis sie einer Übernahme zustimmten. Doch die Unsicherheit der Anwender über die künftige Unternehmenspolitik bleibt (siehe auch Kolumne, Seite 9).

"Wenn es um Leben und Tod geht", inserierte die deutsche Sperry-Niederlassung pikanterweise in der neuesten Ausgabe des "Spiegel" auf vier Farbseiten - Anzeigenpreis ohne Rabatt: 253 000 Mark - sei Sperry "die wirkliche Alternative". Für Burroughs ging es zwar noch nicht um Leben und Tod, aber dafür gab es für Chairman Blumenthal keine Alternative zu Sperry. Sein zweiter Anlauf zur Akquisition des Wunschpartners war letztendlich nun auch erfolgreich, wenn auch teurer als geplant. Jetzt steht noch die Abwicklung der Transaktion aus, nämlich der tatsächliche Ankauf der Aktien von den Shareholders.

Aus dem Hause NCR in Augsburg kommen sehr skeptische Töne: "Der Wettbewerb wird sich durch Addition von Marktanteilen kaum verändern lassen, sondern nur durch ein verbessertes Leistungsangebot", meint PR-Manager Jürgen Rolf Hansen. Er freue sich darauf, nach Sperry demnächst vielleicht auch Burroughs zu seinen OEM-Kunden für die Unix-Rechner von NCR zählen zu dürfen. Das "Rechenexempel von Mr. Blumenthal" laute "1 + 1 = 4" doch es werde eher "1 + 1 = 1,5" ausgehen, weil es so bald keine Synergieeffekte geben werde. Größe sei "keine Garantie für Markterfolg".

In den Aussagen von Bull, ICL und Prime schlägt sich die Einschätzung der deutschen Burroughs-Tochter als unbedeutende Größe in der DV-Landschaft nieder. Selbst Insider wissen außer den US-Streitkräften hierzulande keinen großen Mainframe-Kunden der Firma zu nennen. Dementsprechend antworteten Sprecher dieser Firmen auf eine Anfrage der COMPUTERWOCHE in dem Sinne, daß sich auf dem Markt nach dem "Sperroughs"-Coup nicht viel verändern werde. Primes Stratege Wolfgang Haunzwickl fühlt sein Unternehmen "bisher nicht als Mitbewerber getroffen" und glaubt, "daß dies so bleibt".

Joachim Gurnik, bei ICL für PR zuständig, erwartet "Reibungsverluste" bei der Verschmelzung der beiden US-Companys. Und selbst der Vertriebsvorstand der Kölner Honeywell Bull AG, Horst Gellert, der vor dem Hintergrund der eigenen Firmenhistorie Fusionen prinzipiell für ein geeignetes Rationalisierungsinstrument hält, erwartet keine "entscheidende Veränderung in der deutschen DV-Branche".

In den USA schlug die Nachricht von Sperrys Okay zur Verschmelzung der Konzerne freilich höhere Wogen, vor allem in Anwenderkreisen. Da schon etliche geplante Bestellungen von Sperry-Kunden auf Eis gelegt waren, entschied sich Burroughs-Boß Blumenthal, ein öffentliches Bekenntnis zur zukünftigen Selbständigkeit der Sperry Corp. innerhalb des Konglomerats abzulegen. Es sei nicht vorgesehen, eine der derzeitigen Produktlinien aufzugeben, versprach er den Anwendern. Von allen Beobachtern wurde ihm diese Aussage jedoch nicht abgenommen. Manche befürchten, daß es sich nur um Lippenbekenntnisse handelt und Blumenthal nur die Beschwichtigung der Sperry-Klientel im Sinn habe.

Der britische Branchendienst "Computergram" bedachte die Burroughs-Zusage mit der bissigen Bemerkung, das Versprechen sei etwa so einzustufen, als sage man einem Aids-Kranken, mit ihm sei alles in Ordnung. Doch die Sperry-Anwender haben einen Trumpf in der Hand: Größter Kunde des Herstellers ist das Pentagon mit seinen untergeordneten Behörden bis hin zur NASA, außerdem eine große Zahl anderer staatlicher Einrichtungen der USA. Daher wäre es mit einem gewaltigen Risiko für Burroughs verbunden, etwa die Mainframe-Serie 1100 mittelfristig auslaufen zu lassen. Eher ist nach Analystenmeinung zu erwarten, daß die Sortimentsbereinigung ihren Anfang bei den heutigen Burroughs-Produkten nehmen wird. Wichtig sei es, die Angebotslücken im noch wachsenden Minicomputermarkt zu schließen, wobei das Stichwort Unix fällt.

Ohne Brücken zwischen den beiden Rechnerarchitekturen, da sind sich alle Branchenkenner einig, wird sich die finanzielle Gesundung der Firmengruppe nicht bewerkstelligen lassen. Allerdings fehlen den Anwendern bislang konkrete Aussagen von Burroughs, wie das bei den alten, nicht Unix-fähigen Eigenentwicklungen der beiden aussehen konnte.