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19.02.1993 - 

Next vom Preiskampf auf dem Rechnermarkt ueberrascht

Fuer Steven Jobs sind endgueltig die schwarzen Wuerfel gefallen

Bernhard Woebker, Vizepraesident fuer Europa und Geschaeftsfuehrer der deutschen Next-Niederlassung in Ismaning bei Muenchen, fuehrt fuer die Konzentration auf das Softwaregeschaeft zwei Hauptursachen an: "Der aktuelle Next-Rechner basiert auf dem 68040-CISC-Chip von Motorola. Damit verfuegen wir ueber keine RISC-Maschine." Next entwickelte zwar einen neuen Rechner, basierend auf Motorola-RISC- Prozessoren.

Nexstep 486 soll ab Ende Mai ausgeliefert werden

Nach der Umstellung auf den RISC-Chip von IBM-Apple waere dieser aber erst Ende des Jahres auf den Markt gekommen.

Im Preisverfall sieht Woebker die zweite Ursache fuer die Aufgabe des Hardwaregeschaefts. "In der Preisgestaltung waren wir bisher zu den 486-Rechnern eigentlich immer wettbewerbsfaehig. Der Preisverfall hat sich aber durch die Aktionen von Compaq, Dell und anderen in den letzten neun Monaten drastisch beschleunigt, so dass wir in diesem Jahr ebenfalls mitgemacht haetten. Wir koennten aber praktisch das ganze Jahr ueber kein neues Produkt positionieren." Ausserdem sei das Betriebssystem "Nextstep" der Grund dafuer gewesen, dass die Next-Rechner gekauft wurden.

Gerade fuer die Version "Nextstep 486" fuer Intel-486er- und Pentium-Rechner, die als

Testinstallation bereits ausgeliefert wurde, sieht Woebker gute Marktchancen, da sie auf Standardhardware laeuft.

In den vergangenen zwei bis drei Monaten konnte Next nach eigenen Angaben grosse Auftraege, beispielsweise von Chrysler und Mobil Oil, dafuer verbuchen. Nextstep 486 soll auf der CeBIT ´93 als Pre- Release vorgestellt werden, die Auslieferung soll allerdings erst ab der Nextworld-Messe Ende Mai erfolgen.

Zukunft haengt vom Erfolg des Betriebssystems ab

Die verzoegerte Fertigstellung der PC-Version von Nextstep - sie war schon fuer das Jahr 1992 angekuendigt - erklaert Woebker mit dem "Chaos auf dem PC-Markt". Unterschiedliche Grafik-, LAN- und Controllerkarten muessten unterstuetzt werden, und das nicht nur fuer einen Geraetehersteller.

Das Weiterbestehen von Next als Software-Entwickler wird nach Ansicht von Next-Kennern davon abhaengen, wie gut es die Firma schafft, ihr objektorientiertes Betriebssystem an den Mann zu bringen.

Diese Technik ist neu, Standards dafuer gibt es noch nicht und sowohl Microsoft als auch Taligent (IBMApple) arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung solcher Betriebssysteme.

Fuer Next gilt es, eine schlagkraeftige Verkaufstruppe aufzustellen, namhafte Hardwarehersteller zu finden, die Nextstep auf ihren Rechnern anbieten und den Anwendern ausreichend viele Applikationen zur Verfuegung zu stellen.

Dass Nextstep fuer Software-Entwickler durchaus eine guenstige Plattform darstellt, wird von der Branche nicht bestritten und erklaert auch die Euphorie derjenigen Analysten in den USA, die die zukuenftige Softwarefokussierung begruessen. "Es gibt genug Beispiele dafuer, wie einstige Hardwarefirmen erfolgreich in das Softwaregeschaeft umgestiegen sind," gibt sich Woebker denn auch hoffnungsvoll.

Next-Zielgruppe sind also Hardwarelieferanten, die sich zu Systemanbietern entwickeln und den von Microsoft gesetzten Standard verlassen wollen, da sie als reine Hardwarelieferanten kein Geld mehr verdienen koennen. "Microsoft erhaelt zunehmend Kontrolle auch ueber die lukrative Anwendungssoftware. Wenn ein Hersteller nicht nur nackte Hardware produzieren will", so Woebker, "muss er eigene Wege gehen und Systeme beispielsweise fuer Client- Server-Entwicklung anbieten."

Neben den genannten Systemherstellern soll die Next-Software ueber PC-Handelsketten, VARs und im Direktvertrieb bei den Grosskunden angeboten werden.

Fuer die Wartung der bislang verkauften 50 000 Next-Rechner will Motorola die Versorgung mit Ersatzteilen sicherstellen; den Service uebernehmen die bisherigen Distributoren und Haendler des schwarzen Wuerfels.

Welche Rolle Canon zukuenftig spielt, liegt noch im dunkeln, sicher ist nur, dass die Next-Fabrik in USA zusammen mit der Hardware-Entwicklung an die Japaner faellt. Wie viele der entlassenen 280 Angestellten Canon uebernehmen wird, ist ebenso unklar wie der Uebernahmepreis fuer Fabrik und Hardware-Know-how.