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30.04.1993 - 

Interview der Woche

"Fuer uns war die IBM nie der grosse, boese Konkurrent"

CW: Herr Knoblauch, seit 18 Jahren stehen Sie der Geschaeftsleitung der deutschen Hewlett-Packard vor. Nun treten Sie in den Ruhestand. Gehen Sie nicht mit etwas Wehmut?

Knoblauch: Nein, dafuer gibt es keinen Anlass. Der Wechsel war von langer Hand vorbereitet, zumal ich schon sehr frueh vorhatte, nicht bis 60 zu arbeiten. Am liebsten haette ich bereits mit 50 aufgehoert, aber das ging natuerlich nicht.

CW: Wahrscheinlich bleiben Sie HP trotz Ihrer Pensionierung auch weiterhin in irgendeiner Form erhalten.

Knoblauch: Das ergibt sich allein dadurch, dass ich Mitglied des Aufsichtsrates bin. Ausserdem erhalte ich einen Beratervertrag und werde mich anfangs sicher auch noch um den einen oder anderen Kunden kuemmern, zu dem sich durch den langen Geschaeftskontakt eine besondere Beziehung aufgebaut hat. Schliesslich moechte ich mich verstaerkt mit Umweltfragen befassen. Ich werde fuer HP Europa und HP Deutschland versuchen, unsere Anstrengungen in diesem Bereich zu intensivieren und zu koordinieren. Ich denke, dass dies ein interessanter Job sein wird, habe aber vor allem das Gefuehl, dass ich da noch etwas bewegen kann.

CW: Es scheint so, dass Sie im Ruhestand nicht weniger beschaeftigt sein werden als in Ihrer bisherigen Funktion des deutschen HP- Chefs.

Knoblauch: Ich werde schon aufpassen, dass aus meinen diversen Engagements keine Full-time-Jobs werden. Im Vordergrund steht vor allem Freizeit fuer mich und meine Familie.

CW: Wenn Sie auf Ihre berufliche Laufbahn zurueckschauen - was hat Sie am meisten gefreut, was am meisten enttaeuscht und was am meisten getroffen?

Knoblauch: Gefreut hat mich vor allem die positive Entwicklung von HP. Wir stehen finanziell gut da, haben ein hervorragendes Team und konnten auch in Forschung und Entwicklung gute Beitraege leisten. Von grossen Enttaeuschungen kann ich eigentlich nicht sprechen. Sicher gab es ab und an schwierige Zeiten, aber so richtig schlecht gegangen ist es uns nie. Was mir jedoch seit einigen Jahren zunehmend Sorgen bereitet, ist der Standort Deutschland. Ich hatte immer die Hoffnung, dass wir Themen wie hohe Loehne, kurze Arbeitszeit, Unternehmensbesteuerung etc. in den Griff bekommen. Dies ist uns leider nicht gelungen, und ich sehe auch im Augenblick nicht, wie wir aus der Talsohle herauskommen.

CW: Dann halten auch Sie die Wettbewerbsfaehigkeit Deutschlands fuer extrem gefaehrdet?

Knoblauch: Sicher, darauf habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder hingewiesen. Doch ich sehe auch die positiven Seiten Deutschlands. Wir haben nach wie vor einen guten Markt, vor allem aber verfuegen wir ueber sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Dies ist mit ein Grund, warum HP es in Deutschland geschafft hat, eine eigene Forschung und Entwicklung aufzubauen und sich gegen die Konkurrenz im eigenen Haus, aber auch gegen die Mitbewerber am Markt zu behaupten. Es ist also moeglich - nur muessten sich die Rahmenbedingungen verbessern. Vor allem aber ist es an der Zeit, endlich einmal ein paar alte Zoepfe abzuschneiden.

CW: Und die waeren?

Knoblauch: Zum Beispiel die ganzen Tarif- und Sozialregelungen, die wir in Zeiten getroffen haben, als es uns hervorragend ging, und die sich langfristig in der Form nicht halten lassen. Das beste Beispiel dafuer ist diese 35-Stunden-Woche. Eine derartige Arbeitszeitverkuerzung laesst sich nur in einzelnen Bereichen realisieren, beispielsweise im Schichtbetrieb. In der Entwicklung, im Vertrieb oder im Kundendienst koennen wir uns eine 35-Stunden- Woche einfach nicht leisten, noch dazu mit Mitarbeitern, die studiert haben und oft erst mit 28 Jahren in die Unternehmen kommen. Das ist aus wirtschaftlichen Gruenden langfristig nicht moeglich. Aber es existieren natuerlich auch noch andere alte Zoepfe in den Unternehmen selbst. Es gibt immer noch zu viele Gemeinkosten, Overheads und Hierarchien. Vieles ist buerokratisch und reglementiert - an diesen Dingen gilt es ebenfalls zu arbeiten. Ansaetze sind da, aber in vielen Faellen leider nicht mehr.

CW: Vor allem die Grossen der Hardwarebranche sorgen seit einiger Zeit unter anderem mit Massenentlassungen fuer Negativschlagzeilen. Auch die deutschen Toechter sind zunehmend betroffen. Ihr Nachbar IBM hat gerade den Abbau von rund 4000 Arbeitsplaetzen angekuendigt. Hewlett-Packard aber bildet eine ruehmliche Ausnahme.

Knoblauch: Wir haben immer aufgepasst, dass unsere Kostenstruktur stimmt, dass wir nicht zu viele neue Mitarbeiter einstellen. Also lag der Personalzuwachs immer deutlich unter unserem Umsatzwachstum. In der ganzen Zeit, in der ich Geschaeftsfuehrer bei HP war, sind wir beim Umsatz pro Jahr um 18 Prozent gewachsen, bei den Mitarbeitern aber nur um neun Prozent. So koennen wir nicht nur die Belegschaft halten, sondern zusaetzliches Personal einstellen.

CW: Dann waren Ihre Kontrahenten wohl zu leichtsinnig.

Knoblauch: Das ist vielleicht zu hart gesagt. Wir hatten gar keine andere Wahl, als auf die Kosten zu schauen. Schliesslich mussten wir im Computerbereich arg kaempfen, um wettbewerbsfaehig zu werden - am Markt und auch unternehmensintern.

CW: Die Wurzeln von Hewlett-Packard liegen in der Messtechnik beziehungsweise Medizinelektronik. In welcher Form wirkten sich diese Aktivitaeten auf den Computerbereich aus?

Knoblauch: Unsere Erfahrungen in der Messtechnik haben uns beispielsweise dabei geholfen, den RISC-Prozessor zu entwickeln, weil wir wussten, wie man Vorgaenge im Computer exakt messen kann. Heute wiederum profitieren beide Bereiche auch von der Computertechnik. So erfolgt etwa die Patientenueberwachung ueber Computer mit angeschlossener Messtechnik. Unser neuer President Lew Platt erklaerte erst unlaengst, dass die Synergien zwischen der Mess- und der Computertechnik noch besser ausgebaut werden sollen. Darueber bin ich froh, denn das ist fuer HP ein Riesenvorteil.

CW: Ist die Dreiteilung von HP - Messtechnik, Medizinelektronik und Computertechnik - mit ein Grund dafuer, dass sich die CEOs oder Geschaeftsfuehrer in der Regel lange auf ihren Stuehlen halten? In den USA ist Lew Platt erst der dritte Chef seit HP-Gruendung, Ihr Nachfolger Hans Menno Harms in Deutschland der vierte.

Knoblauch: Die Kontinuitaet in HPs Management haengt vor allem mit der Firmenphilosophie zusammen. Unsere Vorstellung von Fuehrungsstil ist es, unseren Mitarbeitern die Chance zu geben, sich weiterzuentwickeln und in verantwortungsvolle Jobs hineinzuwachsen. Lew Platt habe ich vor etwa 20 Jahren als Fertigungsingenieur in HPs Medizinelektronik kennengelernt, und im Laufe der Zeit gab es immer wieder Kontakte. Nun ist er in den USA der Chef, aber fuer uns eine berechenbare Groesse. Wir kennen ihn, und er kennt uns. Das empfinde ich als Vorteil. Wir mussten unseren neuen CEO jedenfalls nicht von einem Nahrungsmittelkonzern holen.

CW: Hewlett-Packard hat auch nicht die Probleme der IBM. Bei den Armonkern geht es jetzt in erster Linie um knallharte Sanierung, um das Aufbrechen verkrusteter Strukturen. Ich denke, ein Interner waere damit ueberfordert. Ein neuer Mann wiederum kann Umwandlungen moeglicherweise schneller und besser durchsetzen.

Knoblauch: Gut, da moegen Sie recht haben. Ich bin auch kein Techniker, sondern Kaufmann. Doch ich habe immer bedauert, nicht mehr von der Technik zu verstehen. Auch wenn man viel dazu lernt, bleibt doch vieles an der Oberflaeche. Wer die Verantwortung fuer eine High-Tech-Firma traegt, muss die Technologie schon in einem gewissen Ausmass verstehen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

CW: Apropos IBM: Sie haben das Unternehmen im Computerbereich nun lange Zeit als uebermaechtigen Konkurrenten erlebt. Was bewegt Sie, wenn Sie miterleben, wie ein solcher Gigant ploetzlich derart zusammenbricht?

Knoblauch: Fuer uns war die IBM nie der grosse, boese Konkurrent, vor dem wir Angst hatten. Anfangs gab es auch keine direkte Konkurrenzsituation, weil wir in der technischen Datenverarbeitung begonnen haben und dort sehr gut waren. Als wir in die kommerzielle Schiene gingen, war von Big Blue auch nichts zu sehen, weil wir im unteren Bereich einstiegen. Als wir die RISC- Prozessoren entwickelten, dachte IBM an

so etwas noch gar nicht. Das heisst, wir sind immer andere Wege gegangen. Erst in letzter Zeit treffen wir in manchen Bereichen als direkte Konkurrenten aufeinander.

CW: Aber gerade in Deutschland liegen die Zentralen beider Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft. Da gab und gibt es doch bestimmt Beruehrungspunkte.

Knoblauch: Es ist richtig, dass wir hier in Boeblingen immer ein besonderes Verhaeltnis zur IBM hatten. Meine Nachbarn arbeiten beispielsweise alle bei IBM, und durch solche Kontakte baut sich eine andere Beziehung zu dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern auf. Ehrlich gesagt, habe ich persoenlich viele Leute von der IBM hoch geschaetzt - und das ist auch heute noch so.

CW: Demzufolge hat Sie die jetzige Entwicklung der IBM getroffen.

Knoblauch: Ich bin mir gar nicht so sicher, dass das Unternehmen tatsaechlich zusammenbricht. Ich will es allerdings auch nicht hoffen, denn fuer die Industrie ist es wichtig, dass sich die IBM wieder faengt und nach wie vor ein wichtiger Spieler auf dem Markt bleibt. Und fuer Baden-Wuerttemberg, speziell den Raum Boeblingen, waere es sehr schlimm, wenn die IBM noch groessere Probleme bekaeme. Schon allein deshalb wuensche ich mir, dass die sich wieder erholen.

CW: IBMs Niedergang liegt wohl vor allem darin begruendet, sich zu lange ausschliesslich auf das Grossrechner-Monopol verlassen zu haben. Welche Chancen geben Sie dem Mainframe noch in Zeiten, da sich die verteilte Datenverarbeitung auf dem Vormarsch befindet?

Knoblauch: Das laesst sich schwer sagen. Fuer bestimmte Aufgaben ist er derzeit noch unersetzbar. Bei HP gibt es ein paar Mainframes fuer die Zusammenfassung aller Auftragsdaten weltweit oder fuer Berechnungen fuer unsere Forschungslabors. Dagegen haben wir in Deutschland schon lange keinen Grossrechner mehr im Einsatz.

CW: Der Mainframe ist auf dem absteigenden Ast, das klassische Minicomputergeschaeft gibt es auch nahezu nicht mehr. Haben Sie nicht Sorge, auch Ihre Domaene, die Workstations, koennten in absehbarer Zeit von anderen Rechnern abgeloest werden?

Knoblauch: Ich sehe nicht, dass die fruehere Minicomputerklasse tot ist. Schliesslich macht die IBM mit der AS/400 noch gute Geschaefte. Auch wir haben keine Probleme, weil ein Teil dieser Rechner heute als Server eingesetzt wird oder im Rahmen des Downsizings die Mainframe-Applikationen uebernimmt. Was die Workstations betrifft, so habe ich da keine Bedenken. Sicher wird es zu einem Zusammenwachsen von PCs der obersten Kategorie mit Workstations der unteren Leistungsklasse kommen. Doch das schreckt uns nicht. Ich sehe fuer die Workstations langfristig nach wie vor einen sehr guten Bedarf. Von Abloesung kann keine Rede sein.

CW: Dennoch wird der Wettbewerb auch im Workstation-Markt immer haerter. HPs Hauptrivale duerfte Sun Microsystems sein. Oftmals sind zwischen Unternehmen, die sich in einer derartigen Konkurrenzsituation befinden, gewisse Feindseligkeiten zu beobachten.

Knoblauch: Wir sind Konkurrenten, das ist alles. In Deutschland besteht zwischen uns vielleicht ein intensiverer Wettbewerb als anderswo, aber wir waren hierzulande immer vor Sun plaziert und sind es meines Wissen auch heute noch.

CW: Keine Animositaeten also.

Knoblauch: Wir versuchen seit jeher, moeglichst wenig ueber die Konkurrenz zu reden. Das ist Bestandteil unserer Geschaeftsgrundsaetze. Sicher gibt es auch bei uns hin und wieder einen uebereifrigen Verkaeufer, der verbal ueber die Straenge schlaegt. Dies ist aber nicht in unserem Sinne. Wir nehmen unsere Konkurrenz sehr ernst, aber das sollte nicht in Feindseligkeiten ausarten, sondern eher als ein sportlicher Wettkampf angesehen werden. So habe zumindest ich es immer gehalten. Fuer mich war lange Zeit der wichtigste Konkurrent Digital Equipment. Wir hatten allen Ehrgeiz, die Muenchner zu ueberholen. Durch die Kienzle-Uebernahme sind wir zwar etwas ausgebremst worden, aber rechnen wir Digital-Kienzle heraus, sind wir an DEC vorbeigezogen. Und das ist - rein sportlich gesehen - fuer mich eine grosse Genugtuung.

CW: Es wird derzeit viel von der Krise der Computerindustrie gesprochen. Gibt es diese wirklich, oder ist es nicht vielmehr ein Zusammentreffen unguenstiger Umstaende einschliesslich hausgemachter Probleme?

Knoblauch: Es kommen viele Dinge zusammen. Die generelle Wirtschaftslage ist schlecht, also verzoegern sich auch die DV- Investitionen. Die Computerindustrie macht gerade einen Strukturwandel durch, und der fuehrt einigen Unternehmen nachdruecklich vor Augen, dass sie Entwicklungen wie Unix oder RISC schlichtweg verschlafen haben. Was die Branche aber regelrecht kaputt macht, ist das Preisgebaren der Hersteller. Zu viele schauen nur nach Preis-Volumen-Kurven und sind deshalb in ihrer Preispolitik sehr aggressiv - erst bei den Basisprodukten und dann vor allem bei den Grossprojekten. Ich finde dieses Verhalten furchtbar, zumal ich Kaufmann bin und bei einem Unternehmen arbeite, dessen Standpunkt von jeher war, Geld verdienen und nicht draufzahlen zu wollen. Wie wollen es die Unternehmen dieser Branche anstellen, wieder in die Gewinnzone zu kommen? Die meisten zahlen doch derzeit nur zu, und so koennen sie nicht auf ewig leben. Leider weiss ich nicht, wie man dieses Preisverhalten aendern kann. Wir sind nur Mitspieler und fassen die Regeln nicht ab.

CW: Dann duerfte es auch in Zukunft zu der einen oder anderen grossen Fusion kommen.

Knoblauch: So viele sind zum Aufkaufen gar nicht mehr uebrig. Ich glaube auch nicht, dass diese Grosszusammenschluesse viel bewirken. Sie schaffen eigentlich nur immense Probleme. Vielmehr sollte es - und wird es auch - mit der Zeit verstaerkt zu Kooperationen zwischen Unternehmen auf den unterschiedlichsten Gebieten kommen.

CW: Hewlett-Packard hat sich in puncto Firmenakquisitionen ohnehin immer sehr zurueckgehalten. Ausnahme ist der Apollo-Erwerb 1989.

Knoblauch: Mit solchen Plaenen sollte man generell vorsichtig sein. Persoenlich vertrete ich die Auffassung, wer wirklich gut ist, ist zu teuer, und wer Probleme hat, von dem sollte man die Finger lassen.

CW: Was ist mit Uebernahmen von Firmen, die in anderen Bereichen taetig sind, etwa Softwarehaeuser oder Dienstleister?

Knoblauch: Das ist relativ problematisch. Wenn wir heute einem Kunden ein System verkaufen, finden wir dort die verschiedenste Software im Einsatz. Da hilft uns der Kauf eines Softwarehauses nicht weiter. Wir sind vielmehr darauf angewiesen, mit so vielen Softwarepartnern wie moeglich zusammenzuarbeiten. Die Softwarehersteller wollen sich im uebrigen heute gar nicht mehr an nur einen Hersteller binden.

CW: Und wie sieht es im Dienstleistungsbereich aus? Outsourcing ist in aller Munde ...

Knoblauch: Das ist derzeit kein Geschaeftszweig, den wir ernsthaft pruefen.

CW: Dennoch versuchen mittlerweile nahezu alle traditionellen Computeranbieter schwindende Hardware-Umsaetze mit wie auch immer gearteten Serviceaktivitaeten wettzumachen. Wieviel steuert denn dieser Bereich bei HP Deutschland zum Umsatz bei?

Knoblauch: Sowohl der Anteil des Kundendienstes als auch der des Projektgeschaeftes und der Systemintegration sind in den letzten Jahren bei uns bestaendig gewachsen. Genaue Zahlen moechte ich aber nicht nennen. Diese Aktivitaeten sind bei uns auch nicht durch die Motivation bestimmt, das Hardwaregeschaeft zu kompensieren. Wir machen es, weil die Kunden es fordern, weil sie bei der Einfuehrung neuer Systeme Unterstuetzung benoetigen.

CW: Dienstleistung ist die eine Seite, Projektarbeit eine andere. Von Hardwareherstellern hoert man hier in der Regel sehr wenig.

Knoblauch: Unsere Projektorganisation hat viel zu tun. Aber gerade in diesem Bereich gibt es sicher in der Zukunft noch grosse Chancen, vor allem im Kommunikationssektor.

CW: Sie haben bereits mehrmals erwaehnt, dass sie Kaufmann sind. Wann sind Sie denn zum ersten Mal mit einem Computer in Beruehrung gekommen?

Knoblauch: Bereits in meiner Lehrzeit. Da arbeitete ich nicht nur mit Tabelliermaschinen, sondern habe auch mitgeholfen, kommerzielle DV-Systeme zu entwickeln. Der erste Computer, den wir bei HP installierten, war eine IBM 360/20. Wir selbst verfuegten zu jenem Zeitpunkt noch ueber keine eigenen Rechner. Mit dem IBM- Computer habe ich nicht gearbeitet, aber ich war an der Kaufentscheidung beteiligt. Als wir dann 1967 oder 1968 die ersten Arbeitsplatzcomputer - heute wuerde man Workstations sagen - in Deutschland produzierten, hatte ich mit Computern natuerlich wesentlich mehr zu tun.

CW: Werden Sie nicht manchmal nostalgisch, wenn Sie an die riesigen Maschinen denken, die einst ganze Raeume ausfuellten? Heute koennen Sie viele dieser Arbeiten mit einem PC bewaeltigen, und der steht auf Ihrem Schreibtisch.

Knoblauch: Sicher. Manchmal befaellt mich sogar ein bisschen Wehmut, wenn ich an die alten Zeiten denke, da war doch manches einfacher und auch verstaendlicher. Ich erinnere mich beispielsweise an einen riesigen Roehrenrechner, vor den ich mich hinstellen und zusehen konnte, wie der rechnete. Heute kann man mit einem PC in so ungemein kurzer Zeit so viel machen, ohne dass sich nachvollziehen laesst, was in dem Rechner eigentlich ablaeuft. Unsere Industrie muss meiner Ansicht nach noch mehr daran arbeiten, die Anwendung des Computers, vor allem aber die Programme, die darauf laufen, klarer und verstaendlicher zu machen, so dass selbst ein Nicht- Computerfachmann schnell damit umgehen kann.

CW: Das ist eine Forderung, die immer wieder zu hoeren ist. Fortschritte sind ja auch feststellbar, ich denke an die grafischen Benutzeroberflaechen.

Knoblauch: Stimmt, das ist aber nicht genug. Schliesslich sind die technischen Moeglichkeiten mehr denn je vorhanden.

CW: Ein letztes Wort vielleicht noch zu Ihrem Nachfolger Joerg Menno Harms. Er war in den letzten Jahren fuer den Bereich Medizinelektronik verantwortlich. In Zeiten, da der Computermarkt einen derartigen Strukturwandel durchmacht, tritt er ein schwieriges Amt an. Sicher wird er des oefteren ein glueckliches Haendchen brauchen.

Knoblauch: Ich bin fest davon ueberzeugt, dass er das hat. Und er steht ja nicht allein. Wir haben ein sehr gutes Team. Ich fuehlte mich auch immer als Team-Leader oder als Coach und nicht als Einzelkaempfer. Dies wird bei Menno nicht anders sein. Ausserdem ist er seit vielen Jahren bei uns im Management, und wir haben ueber alle groesseren und wichtigen Themen intensiv miteinander debattiert und die Entscheidungen gemeinsam getragen.

CW: Man kann also davon ausgehen, dass Joerg Menno Harms nahtlos an Ihre Arbeit anknuepfen wird.

Knoblauch: Ich haette meinen Job schlecht gemacht, wenn dies nicht moeglich waere.

CW: Die CW-Redaktion wuenscht Ihnen alles Gute, Herr Knoblauch.

Hewlett-Packard im Ueberblick

Die Hewlett-Packard Co. wurde 1939 in Palo Alto von den Ingenieuren William Hewlett und David Packard ins Leben gerufen.

Urspruenglich als Messtechnik-Hersteller gegruendet, engagierte sich HP spaeter auch in der Medizinelektronik und stieg in den sechziger Jahren schliesslich in die Computertechnik ein, die zunaechst auf den technisch-wissenschaftlichen Sektor beschraenkt war. Heute sind bei Hewlett-Pakkard weltweit 92 600 Mitarbeiter beschaeftigt.

Im Geschaeftsjahr 1992 kamen die Kalifornier auf einen Umsatz von 16,4 Milliarden Dollar, der Gewinn belief sich auf 549 Millionen Dollar.

Die deutsche HP-Tochter mit Sitz in Boeblingen ist die weltweit groesste Niederlassung der Kalifornier. 1959 in einem kleinen Haeuschen aus der Taufe gehoben, hat sich die GmbH mittlerweile auf einem 140 000 Quadratmeter grossen Firmengelaende ausgebreitet.

Dort ist neben der deutschen Hauptverwaltung unter anderem die Workstation-Produktion fuer ganz Europa angesiedelt, die in dem 1992 in Betrieb genommenen neuen Logistik- und Fertigungszentrum stattfindet.

In diesem Jahr soll nach abgeschlossener Modernisierung die neue Leiterplattenfertigung in Betrieb genommen werden.

Das Geschaeftsjahr 1992 schloss HP Deutschland mit einem Umsatz von 5,4 Milliarden Mark und einem Profit von 64 Millionen Mark ab. Derzeit werden rund 6400 Mitarbeiter beschaeftigt. .