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09.06.2000 - 

Der Oldie hat Internet-Zukunft

Für viele Bereiche ist EDI noch die beste Lösung

MÜNCHEN (CW) - Hat das Verfahren Electronic Data Interchange (EDI) im Zeitalter von Internet und XML noch eine Daseinsberechtigung? Colin Billinge* ist der Frage nachgegangen. Sein Fazit: Die Technologie gehört noch nicht zum alten Eisen.

Entgegen gewissen Unkenrufen erfreut sich EDI sowohl als Business- als auch als Technologie-Tool noch immer einiger Beliebtheit. Dennoch ist es nicht mehr die einzige Lösung zum Austausch elektronischer Daten auf dem Markt. Verfahren wie die Extensible Markup Language (XML) schicken sich an, EDI den Rang des wichtigsten Übertragungsmittels für elektronische Transaktionen streitig zu machen.

XML ermöglicht eine größere Gestaltungsvielfalt von Web-Seiten, zudem lässt sich damit "Business Logic" einbetten. Die Technologie ist auf dem besten Wege, einer der wichtigsten Bausteine des Internet zu werden. Vielen stellt sich nun die Frage, ob XML EDI ersetzen wird - die knappe Antwort auf diese komplexe Frage lautet: nicht in absehbarer Zukunft. XML lässt Optionen für den Datenaustausch zu, die sich mittels EDI nicht so einfach implementieren lassen, beispielsweise beim Austausch von Daten mit hoher Interaktivität. Gleichzeitig baut EDI auf einer ganzen Reihe etablierter Standards auf und entwickelt sich ständig weiter.

Eigentlich ist es völlig unwichtig, welche Technologie Unternehmen einsetzen, wenn sie nur das Ziel im Auge behalten, komplexe Informationen mit ihren komplizierten Back-Office-Systemen zu integrieren. Die über Investitionen entscheidenden Manager sollten die technologischen Alternativen unvoreingenommen gegeneinander abwägen. Diejenigen, die sich von vorn herein auf nur eine Lösung festlegen, haben das Grundsätzliche nicht verstanden: Die Technologie an sich ist heute nicht mehr das Problem. Sowohl EDI als auch XML bieten sich als mögliche Lösungen an. Also kommt es nun in erster Linie darauf an, die eigenen Geschäftsanforderungen zu analysieren sowie die Vor- und Nachteile der am Markt verfügbaren Optionen vernünftig abzuwägen.

EDI stellt die Lösung eines hartnäckigen Problems dar: Der elektronische Datenaustausch hat vielschichtige Auswirkungen auf Geschäftsabläufe und die Unternehmenskultur. Er erübrigt unter Umständen nicht nur den Einsatz von Papier, sondern auch alle anderen manuellen Eingriffe. Eine Herausforderung besteht im Aufbau einer elektronischen Gemeinschaft - und dies soll schnell und effizient geschehen. Dann geht es um die Frage, wie diese Community verwaltet, erweitert und weiter entwickelt werden kann. Unternehmen werden in steigendem Maße nach umfassenden Lösungspaketen suchen und sich nicht auf eine Technologie beschränken wollen, die lediglich in einem bestimmten Teilbereich hervorragende Ergebnisse liefert.

Technologisch stellt EDI derzeit noch immer die beste Lösung für bestimmte Anwendungsbereiche dar. Dem Verfahren kommt eine langjährige Ausarbeitung und Dokumentation von Standards durch die EDI-Gemeinde zugute. So ist EDI in Handelsbereichen mit hohem Durchsatz und beschränkter Zeit bis heute kaum schlagbar. Außerdem stellt die Tatsache, dass EDI-Lösungen nicht "online" sind und ohne fehlerträchtigen Eingriff von Menschen funktionieren, einen gewaltigen Vorteil dar. Das Wichtigste ist vielleicht jedoch, dass EDI in Problemsituationen im Gegensatz zu XML/Internet eine kalkulierbare Lösung darstellt: Falls etwas schief geht, wissen Unternehmen, wo sie Hilfe bekommen können.

Aber sollten Anwender mit einer robusten und verlässlichen EDI-Lösung nicht dennoch den Übergang zu einer neuen Technologie in Betracht ziehen? Wo ist der Beweis, dass EDI sich auch in Zukunft weiter entwickelt und eine langfristige Lösung darstellt? Dieser Skepsis ließe sich entgegenhalten, dass Standards für EDI-Messages ständig überarbeitet und verbessert werden. Nach wie vor nimmt der Einsatz von EDI jährlich um 20 Prozent zu.

Andererseits verbreitet sich XML schnell und wird in zunehmendem Maße unterstützt. GE Global Exchange Services beispielsweise hat XML bereits in seinen "Tradanet Service" integriert; über diesen können Unternehmen Informationen mit Handelspartneren rund um den Globus austauschen. Es bleibt derVorwurf, dass EDI für kleine und mittelständische Unternehmen nicht erschwinglich ist. Hier können Anbieter Abhilfe schaffen, indem sie das Internet nutzen, um ihren Kunden die sowohl schnelle als auch preisgünstige Anmeldung ermöglichen.

Die deutlichste Veränderung betrifft möglicherweise jedoch die Rolle der Drittanbieter von Daten. Ursprünglich haben sie Value-added-Netzwerke (VANs) offeriert, die das zuverlässige Rückgrat für EDI bildeten. Was geschieht im Internet-Zeitalter mit diesen Anbietern?

Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie neue Leistungen anbieten müssen, und unterstützen Firmen bei der Aufgabe, ihre Handelsgemeinschaften aufzubauen und zu erhalten. EDI stellt dabei mit Sicherheit einen Weg dar, um diesen Schlüsselprozess schnell und effektiv voranzutreiben. Und XML hat gewiss das Potenzial, die Art und Weise zu verbessern, wie Firmen den Datenaustausch und die Präsentation von Informationen über das Internet handhaben. Am Ende zählt hierbei jedoch nicht die gewählte Technologie, sondern die Geschwindigkeit und Effizienz der elektronischen Kommunikation.

*Colin Billinge ist Marketing-Direktor Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei GE Global Exchange Services.

EDI-HintergrundElectronic Data Interchange (EDI) bezeichnet ein Verfahren für die elektronische Übertragung von Geschäftsdaten. Ziel ist eine möglichst papierlose Kommunikation zwischen Geschäftspartnern, die zudem die Weiterverarbeitung der jeweiligen Inhalte (Bestellungen, Bestätigungen etc.) mit Rechensystemen ermöglicht. Die diesem Datenaustausch zugrunde liegenden Richtlinien werden von unabhängigen, internationalen Normierungsgremien (unter anderem von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen) branchenübergreifend formuliert und weiter entwickelt.