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09.10.1987 - 

Adapso fordert Zugriff auf Marktführer-Know-how:

Fujitsu-Deal macht IBM-Nachahmern Appetit

COLORADO SPRINGS (CWN) - Ihrem Ärger über das IBM/Fujitsu-Agreement gab jetzt die amerikanische Herstellervereinigung Adapso Ausdruck. Viele der unabhängigen US-Software-Anbieter hatten sich seit Jahren darum bemüht. Zugriff auf den Source-Code der IBM-Mainframesysteme zu bekommen.

Die amerikanischen Programmschmieden fürchten, daß der japanische Mitbewerber einen ungerechtfertigten Vorteil beim Verkauf IBM-kompatibler Systeme und Anwendungssoftware haben könnte. So ermöglicht das Abkommen Fujitsu beispielsweise den Zugriff auf den Quellcode von über 750 Programmen einschließlich der Betriebssysteme OS, MVS, VSE und VM sowie auf Utilities und wichtige MVS-Subsysteme wie CICS, JES2 und JES3. Wie aus Amerika verlautet, soll Fujitsu in einigen Fällen sogar mehr Informationen erhalten als mancher IBM-Großkunde. Ferner, so hieß es, bekomme Fujitsu Einsicht in 55 IBM-Manuale; dazu gehören auch die noch nicht veröffentlichte Dokumentation über die Systems Application Architecture (SAA) und die Systems Integration Architecture (SIA).

Seinen Gipfel erreichte der Ärger über die Freigabe des Source-Codes an die Japaner denn auch auf der Jahreskonferenz der Adapso in Colorado Springs Anfang Oktober. Die SW-Anbieter forderten von IBM dieselben Zugriffsrechte, die Fujitsu jetzt für sich beanspruchen kann, sowie Zugriff auf Informationen über andere Produkte - einschließlich OS/2 - , um kompatible Systeme erstellen zu können.

"Es ist unglaublich, daß die Japaner eine Zugriffsberechtigung auf den IBM-Source-Code haben und amerikanische Unternehmen, die die Qualität der IBM-Produkte verbessern, diese Möglichkeit nicht bekommen. Aber das ist tatsächlich der Fall", erregt sich Adapso-Chairman Jay Goldberg.

Erbost über die Bedrohung, die eine Präsenz von Fujitsu im Betiebssystem- und Applikationsmarkt bedeuten könnte, fordert Goldberg, die Handelsvereinigung solle ihre beratende Rolle der letzten Jahre aufgeben und IBM mit harten Bandagen dazu bewegen, den Source-Code

auch an US-Unternehmen herauszugeben.

Die Herstellervereinigung hofft, aus dem Streit um das Fujitsu-Agreement auch weitere Munition gegen IBM im Falle des OS/2-Bundling-Vorwurfes zu bekommen. Die Bundling-Politik verstößt nach Auffassung der Adapso gegen die Antitrust-Gesetzgebung der Vereinigten Staaten.

Die verschiedenen Ausschüsse der Adapso haben dazu inzwischen einige Resolutionen erarbeitet, die sich in einem entsprechenden "Position Paper" mit der Bundling-Politik von IBM beschäftigen und die den Computerproduzenten veranlassen sollen, seine Pläne zu ändern.

In diesem Schriftstück wird die IBM unter anderem beschuldigt, verschiedene Utility-Funktionen in das Betriebssystem VM/IS für die 9370-Familie und in VSE/SP eingebunden zu haben. In diesem Bereich stünden verschiedene unabhängige Anbieter mit IBM im Wettbewerb.

Big Blue, so heißt es in dem Papier weiter, wolle beispielsweise DBMS- und Kommunikationsoftware als Teil der OS/2 Extended Edition vermarkten. Wenn die Anschuldigungen Ende November in einer endgültigen Fassung formuliert sind, wird ein IBM-lnterface-Komitee der Adapso die Argumente der Organisation bei der IBM sowie der Regierung und verschiedenen Wirtschaftsinstitutionen präsentieren.

Auf diese Weise glaubt die Herstellervereinigung nach den Worten von Martin Goetz, Senior Vice-President der Applied Data Research Inc. (ADR) und Mitglied des zuständigen Adapso-Ausschusses, genügend offiziellen Druck auf, den Marktführer ausüben zu können. So soll IBM gezwungen werden, den Zugriff auf den Source-Code freizugeben und seine Betriebssystem-Pläne im PC-Bereich zu ändern. Dazu Goetz: "Die großen Unternehmen in den USA sind verantwortlich dafür, die Industrie zu unterstützen, von der sie leben."

IBM-Sprecher streiten dagegen alle Vorwürfe ab: Die Kunden seien frei in ihrer Entscheidung, das Betriebssystem zusammen mit den Utilities als Paket zu kaufen, oder aber die Programme separat zu erwerben. Die Preisdifferenz falle dabei nicht ins Gewicht, hieß es.

Auch die Mikrocomputer-Anbieter sympathisieren zwar mit ihren Kollegen aus dem Mainframe-Bereich nicht alle sind jedoch von der Berechtigung der Adapso-Klagen überzeugt. "IBM ist den Mitbewerbern keinen Gefallen schuldig", findet beispielsweise Geoff Berkin, General Counsel für Ashton-Tate. "Die Forderung, Big Blue solle aufgeben, was sich das Unternehmen hart erarbeitet hat, ist nicht fair", meint der Vertreter der Mikro-Welt weiter.