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21.04.2000 - 

Hightech im Land der Kirschblüten

Fujitsu - Lokaler Gigant mit Weltmarkt-Allüren

TOKIO/MÜNCHEN (kk) - Mit Fujitsu-Siemens Computers ist einer der größten europäische IT-Hersteller entstanden. Die technische Leitlinie im Konzern gibt die japanische Fujitsu Ltd. vor, ein Großkonzern, der in den vergangenen Jahren Federn lassen musste.

Der japanische Partner des Joint Ventures Fujitsu-Siemens Computers (FSC) entwickelt sich immer mehr zum Exklusivlieferanten der Tochtergesellschaften. Die namhaftesten Vertreter neben FSC sind Amdahl und ICL, die beide zu 100 Prozent zu Fujitsu Ltd. gehören.

Für alle Firmen gilt: Die strategischen Weichen werden in Japan gestellt. Im Mainframe-Geschäft beispielsweise ist der Fujitsu Numazu Complex schon seit Jahren Lieferant für Amdahl und Siemens. Zudem ist Numazu Produktionsstätte für die hauseigenen Großrechner, Supercomputer und Unix-Server. Knapp 3000 Angestellte beschäftigt das Werk, das neben der Hardwarefertigung auch die Forschungs- und Entwicklungsstätten für Programme und Middleware beherbergt.

Pro Monat verlassen etwa 100 Mehrprozessorrechner den Industriepark, die Hälfte davon sind die neuen Hochleistungs-Server "GP7000F", die unter Sun Microsystems Unix-Betriebssystem Solaris arbeiten. In Deutschland werden diese Rechner von Fujitsu-Siemens Computers (FSC) vertrieben.

Die andere Hälfte der monatlichen Produktion teilt sich auf in ein bis zwei Supercomputer aus der "VPP"-Familie sowie in die "Millennium"-Mainframes für Amdahl, "Trimetra" für ICL, "BS2000" für das Joint Venture Fujitsu-Siemens und die in Japan vermarkteten "GS"-Server. In Numazu werden somit alle Mainframes, Supercomputer und die leistungsstärksten Unix-Server des Hightech-Konglomerats unter dem Dach der in Tokio niedergelassenen Fujitsu Ltd. gefertigt.

Trotz der weltweiten Ausrichtung erzielt die Company noch immer fast 60 Prozent ihres Umsatzes in Japan. Knapp 20 Prozent steuert mittlerweile Europa bei, Amerika 13,5 Prozent, den Rest erwirtschaften insbesondere die Niederlassungen in Australien und Asien. Das soll sich nach dem Willen von Kazuto Kojima, Executive Vice President der Holding und verantwortlich für das internationale Geschäft, demnächst ändern: "Der außerjapanische Anteil am Umsatz soll auf 50 Prozent steigen."

Wie viele japanische Unternehmen kämpfte auch Fujitsu Ltd. im Geschäftsjahr 1998/99 (Ende 31. März 1999) mit den Folgen der Rezession. Verluste in Höhe von 130 Millionen Dollar waren zu verkraften.

Das gerade abgeschlossene Fiskaljahr 1999/2000 zeigt nach Angaben von Kojima zwar aufsteigende Tendenz, aber: "Unsere Erwartungen haben sich nicht erfüllt."

Der Manager schätzt - die Bilanz wird in wenigen Tagen vorgelegt werden -, dass die Company mit etwa 200 Millionen Dollar (bei einem Dollarkurs von 100 Yen) wieder in die Gewinnzone geklettert ist. Die Umsatzerlöse sollen von 52,42 Milliarden Dollar (1998/99) aber nur leicht auf 52,60 Milliarden gestiegen sein. Die Schätzung ergab außerdem, dass sich das Betriebsergebnis ebenfalls nur wenig, von 1,32 Milliarden auf 1,4 Milliarden Dollar, steigern ließ.

Als Hauptgrund für die relativ schwache Performance - eingerechnet sind die Ergebnisse von Amdahl, nicht jedoch die von FSC - hat Kojima den Preisverfall bei Servern (unter Unix und MVS) ausgemacht. Der Bereich "Information Processing", der die Hardwareerlöse enthält, trägt derzeit mit rund 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei, Tendenz rückläufig. Den Löwenanteil halten mit 39 Prozent die Einkünfte aus dem Geschäft mit Services und Software. 14 Prozent steuern die Telekommunikationsaktivitäten und elf Prozent die Erlöse mit Electronic Devices bei.

Für die kommenden drei Jahre hat Kojima drei Hauptaktivitäten ausgemacht, in denen Fujitsu stärker als der Markt wachsen will: Technologien (in Richtung höherer Zusatznutzen), Plattformen (bessere Integration) und Services (Ausweitung des Angebots). Dazu will das Management die Energien der einheimischen und ausländischen Tochtergesellschaften bündeln und, wenn möglich, Entwicklungen global nutzen.

Die Strategie für alle Rechner, die weltweit über Fujitsu, Amdahl und Fujitsu-Siemens vertrieben werden, liegt fest. So wird sich bei den drei Mainframe-Linien nichts ändern. Nach wie vor stellt das Werk in Numazu MVS-Maschinen für Amdahl, BS2000-Mainframes für FSC und die GS-Server für den heimischen Markt her. Im Unix-Bereich lässt FSC in Paderborn weiterhin die "RM"-Server von Flextronics fertigen. Alle für den Weltmarkt bestimmten Solaris-Server werden aber zentral in Japan entwickelt und produziert.

Das Design - und das Marketing - für PCs sollen ebenfalls in Fernost vonstatten gehen, allerdings beschäftigen sich die japanischen Ingenieure nur mit der "globalen Plattform". Wie Tadayasu Sugita, als Executive Vice President verantwortlich für das weltweite PC-Geschäft, mitteilte, sollen die Ländergesellschaften ihre "regionalen Flavours" einbringen.

Das bedeutet, dass die Assemblierung der PC-Desktops und -Server vor Ort geschieht, im Fall FSC in den Werken Augsburg (für den Profibereich) und Sömmerda (Consumer-Produkte). Ende März hatte FSC dazu verlauten lassen, dass der Standort Augsburg mit Investitionen in Höhe von 30 Millionen Euro und Sömmerda mit 20 Millionen Euro rechnen darf. Nicht verschwiegen wurde, dass das Werk im finnischen Kilo geschlossen wurde und die Belegschaft in Augsburg um 300 bis 400 Mitarbeiter reduziert wird. Man hofft aber, durch Umsetzung in die dann ausgeweitete Produktion ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen.

Die globale Notebook-Fertigung konzentriert Fujitsu in einem Werk in Shimane an der Westküste der japanischen Hauptinsel. Von dort wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 1,2 Millionen Notebooks ausgeliefert, wovon aber 80 bis 90 Prozent für den heimischen Markt bestimmt waren. Wie Werkschef Yasutaka Hirosawa erklärte, rechnet er für das laufende Jahr mit einem Ausstoß von 1,63 Millionen Notebooks. Aber selbst damit ist die Factory noch nicht an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt: "Wir können mit derzeit 440 Mitarbeitern maximal 10000 Geräte am Tag herstellen."

Entwickelt werden die Produkte unter anderem in Kawasaki, mittlerweile fast ein Vorort von Tokio. Hier befindet sich die Ideenschmiede des Konzerns, hier werden die Weichen für künftige Produkte gestellt. Dazu zählt beispielsweise ein überdimensionaler Flachbildschirm, der sich per Pinselstrich auf der Oberfläche beschreiben und bedienen lässt. Als Anwendung dafür sehen die Forscher etwa den modernen Schulunterricht mit LCD-Bildschirm statt Kreidetafel.

Eine andere interessante Entwicklung beschäftigt sich mit dem komfortablen Einkauf über das Internet. Per Verknüpfung mit passenden Web-Seiten rücken die gesuchten Produkte auf dem Bildschirm in den Vordergrund, drängen sich praktisch zur näheren Betrachtung auf. Derzeit ist die Auswahl der Angebotsseiten zwar auf Japan beschränkt, sie ließe sich aber relativ einfach globalisieren, erklärte der Web-Spezialist.

Stichwort Internet. Das Topmanagement in Tokio hat derzeit keine Pläne, dem Massenmarkt in Europa PCs über das Web anzubieten. In den USA startete man Mitte 1999 eine entsprechende Initiative, in Japan soll noch in diesem Jahr der Online-Verkauf beginnen. Allerdings ist bei uns - und auch in Japan - der Web-Kanal offen für Händler. Nach wie vor setzt beispielsweise FSC auf den indirekten Vertriebskanal. Ganz ausschließen wollten die Verantwortlichen in Tokio aber den Online-Vertrieb für Privatkunden nicht. Man prüfe derzeit, wie sich das Internet - als zusätzlicher Vertriebskanal - in die Distribution integrieren lasse.

Alte Beziehung zu SiemensDie Verbindung zwischen Fujitsu und Siemens ist keineswegs ein Produkt unserer Tage, vielmehr stand Siemens praktisch Pate, als 1935 aus der Furukawa Mine Corp. und Siemens zunächst die Fusi Electric Ltd. entstand. Das Ziel der Kooperation war der Bau von Telefonanlagen. Später wurde der Firmenname um das japanische Wort für Kommunikation (= Tsushin) in Fu Si Tsushin Ki Ltd. erweitert, bis schließlich der heutige Begriff Fujitsu Ltd. entstand. 1954 brachte die Company Japans ersten kommerziell genutzten Computer auf den Markt, den "Facom 100" (Fujitsu Automatic Computer). Maßgeblich beteiligt an dieser Entwicklung war der Ingenieur und spätere Firmenchef Toshio Ikeda.

Er zeichnete auch dafür verantwortlich, dass 1971 eine Kooperation mit der US-amerikanischen Amdahl Corp. geschlossen wurde, die die Japaner 1997 schließlich zu 100 Prozent übernahmen. Seit 1978 besteht zwischen Fujitsu und Siemens eine Zusammenarbeit bei der Herstellung der BS2000-Großrechner, von denen bislang rund 3000 Stück abgesetzt wurden. Drei Jahre später begann eine ähnliche Partnerschaft mit der englischen ICL. 1990 erwarb Fujitsu 80 Prozent der ICL-Aktien, die restlichen 20 Prozent fielen 1998 an die Japaner. Im Herbst 1999 vereinbarte man mit Siemens die Gründung des Joint Ventures Fujitsu-Siemens Computers, die beiden Teilen zu 50 Prozent gehört.