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03.04.1987 - 

Reagan-Administration verhindert amerikanisch-japanische Fusion:

Fujitsu muß Fairchild-Geschäft begraben

NEW YORK/TOKIO (bk) - Die Handelskonflikte zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ziehen immer weitere Kreise: So mußten jetzt der amerikanische Mischkonzern Schlumberger Ltd. und die japanische Fujitsu Ltd. ihre Pläne zu Grabe tragen, wonach Fujitsu die Schlumberger-Beteiligung von 80 Prozent an der finanziell arg gebeutelten Fairchild Semiconductor Corp. kaufen wollte. Die Reagan-Administration blockierte die Fusionspläne.

Seit dem Herbst letzten Jahres liefen die Gespräche zwischen Schlumberger und Fujitsu. Der amerikanische Mischkonzern wollte die verlustträchtige Tochter Fairchild loswerden, in die man seit 1979 an die 1,5 Milliarden Dollar gepumpt hatte, ohne je einen Erfolg dieser Investitionen gesehen zu haben. Der japanische Elektrokonzern Fujitsu, auf der Suche nach einer Möglichkeit, seine US-Aktivitäten zu festigen, signalisierte Interesse; die Unternehmen gingen "in Klausur".

Zwei amerikanische Minister machten den beiden Unternehmen, die sich zusehends einigten, jetzt jedoch einen Strich durch die Rechnung. So forderten US-Verteidungsminister Caspar Weinberger und US-Handelsminister Malcolm Baldridge die amerikanische Regierung auf, die geplante Transaktion zu blockieren. Ihre Argumente: Gefährdung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten durch die japanische Beteiligung in den USA und eine zunehmende Schwächung der amerikanischen Halbleiter-Industrie durch den Ausbau der Dominanz japanischer Produzenten. Die Einwilligung in diese Fusion, so die Minister, hätte einen "Domino-Effekt" zur Folge: Immer mehr japanische Unternehmen würden dann versuchen, sich amerikanische Chip-Hersteller anzueignen.

Die aufgekommenen politischen Kontroversen in den USA über die Fusionspläne hinderten die beiden Unternehmen daran, ihre Verhandlungen weiterzuführen. Die Gespräche, so Sprecher von Schlumberger und Fujitsu, mußten abgebrochen werden, da keine Chance für einen Abschluß der Transaktion innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne bestehe. Damit bleibt Fairchild vorerst in Besitz des amerikanischen Mischkonzerns.

Hart ins Gericht mit Weinbergers und Baldridges Außerungen ging inzwischen das japanische Ministerium für Außenhandel und Industrie (Miti). So bezeichneten Miti-Officials die Kommentare der beiden US-Minister als "beunruhigend, unbegründet, bedauerlich und unverständlich". Der japanische Handelsminister Hajime Tamura wirft der US-Regierung gar vor, politischen Druck auf die beiden Unternehmen ausgeübt zu haben, um den Deal zu verhindern.

Dies hat Fairchild-President Donald Brooks jetzt in einem Memo an die Unternehmerschaft bestätigt: "Politischer Druck von Washington machte es Fujitsu unmöglich, die Verhandlungen über die Übernahme von Fairchild Semiconductor fortzusetzen." Das Scheitern der Fusion, so Brooks weiter, sei für das gesamte Unternehmen "ein Schock" gewesen. Bis zuletzt habe man an einen positiven Abschluß der Transaktion geglaubt. Jetzt aber müsse man ganz schnell andere Investoren für Fairchild finden.

Schlumberger indes überprüft derzeit noch andere. Möglichkeiten, Fairchild "an den Mann zu bringent". So wird jetzt auch ein "Management Buyout" in Betracht gezogen, indem man dem Fairchild-Management die Übernahme der Kapitalmehrheit anbieten will. Dadurch würde der Halbleiter-Hersteller in amerikanischem Besitz bleiben, die finanzielle Last von Schlumberger genommen und aufgrund der bestehenden Kooperationsvereinbarung eine festere Position von Fujitsu am US-Markt erreicht. Trotz der geplatzten Fusionspläne wollen Fairchild und Fujitsu nämlich weiterhin zusammenarbeiten. Die Kooperation, so ein Fairchild-Sprecher, werde sich auf gemeinsame technische Entwicklungsarbeiten, Produktion und Lizenzvereinbarungen erstrecken.