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FSC-Chef Adrian von Hammerstein muss Erwartungen revidieren

Fujitsu-Siemens liegt beim Umsatz unter Plan

08.02.2002
PADERBORN (ba) - Fujitsu-Siemens Computers (FSC) wird die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nicht erfüllen können. Trotz eines schwachen Umsatzes gehen die Verantwortlichen aber von einem kleinen Gewinn aus. Als Stützen für das künftige Geschäft definiert CEO Adrian von Hammerstein wie schon sein Vorgänger Paul Stodden die Bereiche Business Critical Computing und Mobility.

Die Umsatzentwicklung im letzten Quartal 2001 sowie im laufenden Schlussviertel des Geschäftsjahres liege ein ganzes Stück unter den Erwartungen, erklärt FSC-CEO von Hammerstein anlässlich der Produkt-Roadshow für 2002 Ende Januar in Paderborn. Hatte das Management des deutsch-japanischen Joint Ventures bereits im Herbst letzten Jahres die Umsatzerwartung für das Geschäftsjahr 2001/02 von 6,6 auf 5,9 Milliarden Euro heruntersetzen müssen, so scheint nun auch die revidierte Prognose unerreichbar.

Trotz der schwindenden Umsätze rechnet FSC-Chef von Hammerstein nach wie vor mit einem Gewinn. "Wir erwarten, das Geschäftsjahr, das im März 2002 endet, mit einem kleinen schwarzen Ergebnis abzuschließen." Die noch vor wenigen Monaten vorhergesagten 30 Millionen Euro plus werden es allerdings nicht sein. Dennoch bedeutet der positive Jahresabschluss eine deutliche Verbesserung. Noch vor Jahresfrist stand in den Büchern für das Geschäftsjahr 2000/01 ein Verlust von 71 Millionen Euro.

Als Ursache für die sinkenden Einnahmen in der zweiten Hälfte des aktuellen Geschäftsjahres nennt von Hammerstein den anhaltenden wirtschaftlichen Abschwung. Dieser habe in allen Segmenten zu schwächeren Verkaufszahlen geführt und damit die Umsätze nach unten gedrückt. Mit einer Erholung des Marktes rechnet der 48-jährige Manager erst ab Mitte 2002.

Was die Produktstrategie angeht, verlässt sich von Hammerstein auf die Weichenstellung seines Vorgängers. Wie Paul Stodden baut er weiter auf die beiden Geschäftssäulen Business Critical Computing (BCC) und Mobility. So haben die FSC-Manager zwar neue Server-Modelle für die "Primergy"-, "Primepower"- und BS2000-Familie angekündigt, Überraschungen blieben jedoch aus, sieht man einmal vom geplanten Ausbau der Mainframes ab. So soll zur diesjährigen CeBIT mit dem Modell "SX 130" ein Sparc-basierender Mainframe vorgestellt werden, der unter dem Betriebssystem BS2000 laufen soll. Daneben werden allerdings auch die herkömmlichen CMOS-gestützten Maschinen weitergepflegt. Für die Kunden bedeute die Kombination des Mainframe-Betriebssystems mit der offenen Sparc-Hardware Zukunftssicherheit, begründet von Hammerstein die neue Strategie im Großrechnersegment.

Daneben planen die FSC-Strategen, im Rahmen der Primergy-Reihe Blade-Server anzubieten. Dabei sollen bis zu 20 Server-Module in einem 3U hohen Gehäuse Platz finden. Ein komplettes Rack-System kann so bis zu 300 Server aufnehmen. Die Module sind mit einem oder zwei Pentium-III-Chips von Intel ausgestattet. Als Betriebssystem sollen Windows 2000 oder Linux-Distributionen von Suse, Caldera oder Red Hat zum Einsatz kommen. Die neuen Blade-Server werden laut FSC-Plan noch in der ersten Jahreshälfte 2002 auf den Markt kommen.

Auch für die Primepower-Familie stellt FSC neue Modelle vor. Das Rack-System "Primepower 650" kann mit maximal acht auf 675 Megahertz getakteten Sparc-CPUs bestückt werden. Der Rechner soll in drei Basiskonfigurationen ausgeliefert werden. Das Highend-System "Primepower 850" basiert auf Rack-Modulen mit bis zu 16 CPUs.

Insgesamt bescheinigt der FSC-Chef seiner Server-Sparte eine solide Position. So habe man beispielsweise im Segment der Intel-Server die ausgelieferten Stückzahlen um neun Prozent steigern können. Umsätze für diesen Bereich vermag von Hammerstein jedoch nicht zu nennen. Im Unix-Geschäft setze man weiter auf die Zusammenarbeit mit Fujitsu. Gemeinsam mit der Konzernmutter würden die Sparc-Prozessoren sowie das Systemdesign entwickelt. Über die Vertriebsgemeinschaft mit den Japanern könne ferner der gesamte Weltmarkt abgedeckt werden. Konkrete Angaben, wie das Geschäft laufe, machte der CEO aber nicht.

Betrachtet man die aktuellen Zahlen der Analysten, sieht es im Server-Markt allerdings nicht sonderlich rosig aus. So sanken beispielsweise laut Angaben von International Data Corp. (IDC) im westeuropäischen Markt im dritten Quartal letzten Jahres die Umsätze um 21 Prozent auf drei Milliarden Dollar. Während das Intel-Segment mit einem Minus von 0,9 Prozent noch glimpflich davonkam, mussten sich die Anbieter im Unix-Umfeld mit 28 Prozent weniger Einnahmen bescheiden als noch ein Jahr zuvor. FSC belegt in beiden Segmenten mit deutlichem Abstand auf die Führenden Platz fünf im europäischen Ranking (siehe CW 03/02, Seite 13). Auf die mageren Marktanteile angesprochen, erwidert von Hammerstein: "Wir fühlen uns mit den Fortschritten, die wir gemacht haben, jedenfalls wohl."

Für die zweite Geschäftssäule Mobility baut von Hammerstein auf Notebooks und Handheld-Rechner. So habe FSC zum Beispiel im Weihnachtsquartal 2001 etwa 60 Prozent mehr Mobilrechner absetzen können als noch ein Jahr zuvor, berichtet der CEO. Im Gesamtjahr 2001 habe man die Absatzzahlen der Notebooks um 20 Prozent zu steigern vermocht.

Das Handheld-Geschäft will FSC mit dem neuen Modell "Pocket Loox" weiter ankurbeln, das die bereits im letzten Herbst vorgestellte Organizer-Handy-Kombination "SX45" ergänzen soll. Das Gerät wird mit "Xscale"-Prozessoren von Intel arbeiten, erklärt ein FSC-Mitarbeiter. Marktbeobachter rechnen damit, dass der Halbleiterhersteller die neue, im Vergleich zur "Strongarm"-Familie schnellere Chipfamilie Mitte Februar offiziell vorstellen wird.

Den Vorwurf, FSC habe den Einstieg in den Handheld-Markt verschlafen, will von Hammerstein nicht gelten lassen. Dafür, dass die Strategie erst letztes Jahr definiert worden sei, habe man diese mit zwei Geräten binnen zwölf Monaten rasch umsetzen können. Außerdem sei der Markt noch in der Entwicklung begriffen. "Alle Hersteller experimentieren noch mit Funktionsbündeln und Formfaktoren."

Wenig zu hören war in Paderborn aus dem PC-Segment. Bei den Problemen des letzten Jahres habe in erster Linie das Consumer-Geschäft eine Rolle gespielt. "Im Retail-Markt sind wir ganz bewusst auf die Bremse gestiegen und haben uns nicht weiter auf Verlustgeschäfte eingelassen", erklärt von Hammerstein. Das Vertriebsmodell von FSC stehe jedoch nicht in Frage. Auf die Erfolge Dells angesprochen, argumentiert der FSC-Chef, man werde das eigene PC-Geschäft operativ genauso wettbewerbsfähig aufstellen können wie die Konkurrenz.

Im Servicebereich will von Hammerstein das Angebot produktnaher Dienstleistungen weiter ausbauen. Um den Kunden Infrastruktur- und Plattformlösungen anbieten zu können, müsse der Anbieter mit Professional Services aufwarten können. Dies sei kein reines Boxengeschäft mehr. Ein Servicemodell à la IBM komme allerdings nicht in Frage: "Wir sind im Kern ein Produkt- und Plattformanbieter. Wir werden so viel Service anbieten, wie notwendig ist, um unsere Produkte und Lösungen zu verkaufen."

Restrukturierungen sind laut von Hammerstein trotz der schwierigen Marktsituation nicht notwendig. FSC habe gleich zu Anfang des Joint Ventures die schmerzvollen Einschnitte vorgenommen und die Kostenstrukturen verschlankt. Andere Unternehmen würden erst jetzt mit den notwendigen Korrekturen beginnen. Mit einem Seitenblick auf den geplanten Merger von Hewlett-Packard und Compaq erklärt von Hammerstein die Integration der beiden Geschäftsteile für abgeschlossen. Man wisse aus eigener Erfahrung, wie viel Zeit und Kraft ein derartiges Vorhaben koste. "Solche Mega-Merger binden viel Energie im Inneren des Unternehmens. Doch der Kunde wird das Geschäft letztendlich nicht dem Anbieter geben, der am größten ist, sondern dem, der sich um ihn kümmert."